Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen

BRP, OSR oder doch was anderes: Systemsuche für Setting-Heartbreaker

<< < (2/2)

D. M_Athair:

--- Zitat ---Hier würde sich jedenfalls eher das BRP, insbesondere Mythras, anbieten, dass mit dem Theismus und der Socery schon mal zwei recht passende Systeme stellt; über Legend gibt es auch eine kompatible Elementarismus-Erweiterung. Wie da die Möglichkeiten bei der OSR sind, weiß ich nicht so genau, ich denke aber, dass die da, wenn man etwas in die Breite schaut, auch einiges zu bieten haben dürfte.
--- Ende Zitat ---
Ich würd schon sagen, dass in der OSR was vorhanden ist oder sich basteln ließe.


--- Zitat ---Schließlich noch die Frage von Settingfokus/-atmosphäre. Ich stelle mir die typische Kampagne als nicht allzu kampffokussiert vor, es dürfte immer auch stark um soziale Interaktion und alternative Problemlösungen gehen. Ich habe es ganz gerne, wenn die Regeln so was auch unterstützen, und da scheint mir BRP (wieder vor allem Mythras mit seinen Passions) relativ geeignet zu sein, während ich von der OSR nach wie vor das Bild habe, dass regelseitig eigentlich nur der Kampf unterstützt wird und man, wenn es beispielsweise um Intrigen geht, im Prinzip freeform spielt. Außerdem verleiten D&D-basierte Spiele mit dem starken Machtzuwachs auf höheren Leveln ja gern zu Kampflösungen, während man in den prinzipiell auf jedem Machtniveau noch tödlichen BRP-Spielen da meistens vorsichtiger ist. Da es eher ein Low-Fantasy-Setting sein soll (Magie mit einigen Ausnahmen vergleichsweise subtil, auch sonst wenig Fokus auf tollen Kräften/Mächten), scheint hier wieder BRP das angemessene System zu sein.
--- Ende Zitat ---
Ich finde die NSC- & Monsterreaktionstabelle in OSR-Spielen eigentlich ganz interessant. Insbesondere deswegen, weil es gar kein so schlechtes Modell dafür ist, dass Sympathie und Antipathie auch stark auf unbewussten Prozessen beruhen. Das habe ich sonst in keinem RSP gesehen.

Was Machtzuwachs & Co. angeht: The Hero's Journey hat viel weniger HP.

Mal ne Liste an OSR-Spielen (außer DCC), die zum Basteln hilfreich sein könnte:
The Cthulhu Hack (an erster Stelle!), The Hero's Journey, Crypts & Things, Beyond the Wall, LotFP.

Ein paar schnelle Notizen dazu:
DCC: Fertigkeiten, Abenteuer, Ansatz für Differenzierung von Magieformen, ...
TCH: für das Konzept der Usage Dice (gerade bei Ferigkeiten) und der Saves,
THJ: niedrige HP + deren Auswirkung auf Monster, Klasse und Rasse separiert, alternative Rüstungsregeln
C&T: ... für SL-Tipps, magische Gegenstände, Hintergrund, ggf. Zaubersystem, ggf. Ferigkeiten
BtW: für weniger starke Zauber,
LotFP: SL-Buch, ggf. einzelne Zauber
LabLord: ... als Baseline/Vergleichsmaßstab
 
... wobei es sich auch lohnen könnte noch Spiele an der Schittstelle von OSR und d100 heranzuziehen.
Ich denke da (neben den schon genannten Crypts & Things und The Hero's Journey) an Maelstrom und WFRP1 und ggf. Renaissance.
Dann kann man nämlich auch schauen, was man von d100-Spielen auf ein OSR-Regelwerk übertragen will (oder umgekehrt).

Sowohl OSR als auch BRP sind Spiel- und Regelschulen, die auf einfache Adaptierbarbeit wertlegen. Sie gehen davon aus, dass Spielrunden Hausregeln aus dem Regelkorpus ableiten und, dass ihr jeweiliger Regelkern auch dann noch funktioniert, wenn drum rum schlecht designter Kram platziert wurde. Und dabei gibt es nicht viele Regelinterdependenzen und auch kaum Punktewertberechnungen. Das ist ne Gemeinsamkeit, das die beiden Spielarten nicht mit vielen Systemen teilen.

Insofern halte ich deine beiden Systemvorschläge beide vor sinnvoll, als dass die dir die Möglichkeit lassen unabhängig von systemischen Zwängen zu überlegen, was wie sehr verregelt werden soll und was Freiform abgehandelt werden soll.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken) Der Autor von RuneQuest 1st, Steve Perrin, hat vor nicht allzu langer Zeit zusammen mit Thomas Denmark, der v.a. als Illustrator/Künstler bekannt ist, das OSR-Spiel "Colonial Troopers" geschrieben. "What if the first RPG was inspired by hard Science Fiction as written by Robert Heinlein, Poul Anderson, Isaac Asimov, and Frank Herbert instead of Tolkienesque fantasy?"

--- Zitat ---Eine interessante Information in dem Zusammenhang wäre wohl auch das Abenteuermodell, dem meine ersten Abenteuer folgen, mit denen ich die Arbeit an dem Setting beginnen will: Es handelt sich weder um Hex- noch um Dungeoncrawls, sondern eher um etwas, das ich „Situations suggestive of Stories“ nennen würde: Alle bieten ein klares Mission Statement und eine begrenzte Menge von Elementen (Schauplätze und NSC). Mehrere Konfliktsituationen mit offenem Ende sind im Material angelegt, und die Mission der SC legt durchaus einige typische Verläufe nahe, die Abenteuer sind allerdings meiner mehrfachen Spieltesterfahrung nach alle relativ flexibel in den möglichen Verläufen.
--- Ende Zitat ---
Pointcrawl?

Achamanian:
Danke für die Tipps!

Microlite20 sagt mir noch nichts, werde ich mal einen Blick reinwerfen - wobei ich gar nicht so scharf auf Vereinfachungen im Sinne von weniger Klassen, weniger Regeln, weniger XY bin. Allerdings finde ich das Streamlining von Mechanismen immer sehr löblich.

@Clausustus:
Danke für die gute Übersicht, habe schon darauf spekuliert, von dir so was in der Art geliefert zu bekommen!
The Cthulhu Hack habe ich mir auf deinen Hinweis bereits geholt und ihn gelesen - die Usage Dice finde ich interessant, bin aber noch ein bisschen unschlüssig. Für manche magische Aspekte meines Settings wirken die auf den ersten Blick wie gemacht - die könnte ich hervorragend für die Risiken von Götter- und Elementarmagie verwenden. Andererseits widerstrebt es mir, dass wieder ein neuer Mechanismus eingeführt wird. Mein erster Gedanke beim Lesen war: "Kann man dann nicht auch gleich die HP darüber abwickeln, damit das einheitlich ist?" Allerdings würde das wahrscheinlich zu neuen Problemen führen ... trotzdem ein guter Tipp, der mir schon mal interessante Anregungen beschert hat.

DCC finde ich in Bezug auf Fertigkeiten tatsächlich recht interessant - das Prinzip ist ja, dass man für alles, was man aufgrund seines Backgrounds können sollte, W20 + Eigenschaftsbonus würfelt, und für alles andere W10+ Eigenschaftsbonus. Finde ich vom Grundprinzip her gut, allerdings tendiere ich derzeit fast ein bisschen mehr in Richtung dessen, was ich bei D&D5 gelesen habe: Levelabhängiger Grundfertigkeitsbonus, der auf alles angewendet wird, was man aufgrund seiner Klasse und seines Backgrounds können sollte.

THJ interessiert mich natürlich wegen der niedrigen HP, wobei da evtl. auch C&T mit seinem "HP sind Ausdauer, echter Schaden schlägt dann auf die Eigenschaften durch" die Lösung bereithält. Wie gesagt habe ich C&T noch nicht gelesen, aber so, wie ich das verstehe, ließe sich da ja vielleicht auch ein allgemeinerer Mechanismus ableiten, in dem HP die Erschöpfungsressource "für alles" (also auch Magiepunkte und evtl. sogar Stability) sind und überschüssiger "Schaden" egal welcher Kategorie auf die entsprechende Eigenschaft durchschlägt - wobei es dann auch die Option von Schaden gibt, der die HP übergeht und direkt auf die Eigenschaft durchschlägt (Meuchelangriff). Aber das ist noch sehr ins Blaue hinein, und ich sollte wohl nicht anfangen, Regeln zu modifizieren, die ich bisher noch nicht mal gelesen habe, sondern nur vom Hörensagen kenne ...

BtW habe ich und habe es sogar schon mal geleitet, war damals von den Regeln nicht so angetan, habe es mir aber kürzlich noch mal genauer angeschaut und würde sagen, dass zumindest das Spell-System mir weiterhelfen könnte. Evtl. in Verbindung mit dem Usage Die aus dem Cthulhu Hack.

LabLord und LotFP verursachen mir hingegen Kopfschmerzen - habe ich neulich mal wieder zu lesen versucht, und beide scheinen mir nach wie vor all das in den Vordergrund zu rücken, was mich an der OSR eher nervt: Willkürliche Einschränkungen, völlig disparat nebeneinander stehende Regelbausteine ... habe nach wie vor den Eindruck, dass das Spiele sind, die eher über den Nostalgiefaktor funktionieren als über irgendwas anderes. Swords & Wizardry erscheint mir da nach der Quickstarter-Lektüre sehr viel zugänglicher und flexibler (aber auch da warte ich noch auf meine Printausgabe, bevor ich mich eingehender damit beschäftige).


Im Moment bin ich recht angefixt von der Idee, mal ein paar Testläufe auf verschiedenen Systemen mir OSR-Basis zu machen, erst mal ohne selbst viel an den Regeln zu basteln. Aber das BRP ist auch nach wie vor gut im Rennen, nur sehe ich da nach wie vor gewisse Probleme mit meinen nichtmenschlichen Völkern, die doch relativ viel Spezialregel-Aufwand bräuchten. Das verstößt für mein Gefühl ein Stück weit gegen die BRP-Regelästhetik - ich hätte irgendwie ein blödes Gefühl dabei, beispielsweise an OpenLegend eine Extraregel dranzuklatschen, die besagt, dass Melekim nur Elementarmagie wirken können, die aber immer, allerdings bei zu viel Gezauber Stabilitätswürfe machen müssen, während Menschen die Elementarmagie nur mithilfe mechanischer Artefakte anwenden können ... ich habe nach wie vor das Gefühl, in dieser Hinsicht mit Race-Classes besser bedient zu sein.


Evtl. muss ich einfach eine funktionierende BRP/OSR-Fusion erschaffen und damit sozusagen den heiligen Gral des altmodischen Rollenspiels finden. Sollte ja ein Klacks für einen regelfaulen, gedanklich unsortierten Seltenspieler wie mich sein ;)

Skyrock:

--- Zitat von: Rumpel am 31.10.2016 | 09:17 ---Microlite20 sagt mir noch nichts, werde ich mal einen Blick reinwerfen - wobei ich gar nicht so scharf auf Vereinfachungen im Sinne von weniger Klassen, weniger Regeln, weniger XY bin. Allerdings finde ich das Streamlining von Mechanismen immer sehr löblich.
--- Ende Zitat ---
Microlite20 ist in seinem Basispaket sowohl als auch. Es hat nur das absolute Minimum an Attributen, Rassen, Klassen und Fertigkeiten, das gebraucht wird, und streamlinet Kampf und Magie extrem. Es ist aber weitgehend kompatibel zu anderem d20-Material, und hat eine Menge Regelmodule speziell für M20 die einen Teil der gewohnten Komplexität wieder herstellen (z.B. Vancianische Magie, Feats, Psionik) oder völlig neue Regelkomplexe eröffnen (z.B. Weltraum-Schiffskampf in Where No Man Has Gone Before oder High-Tech-Gadgets in Spycraft Lite).

D. M_Athair:

--- Zitat von: Rumpel am 31.10.2016 | 09:17 ---Aber das ist noch sehr ins Blaue hinein, und ich sollte wohl nicht anfangen, Regeln zu modifizieren, die ich bisher noch nicht mal gelesen habe, sondern nur vom Hörensagen kenne ...
--- Ende Zitat ---
Nein! Es ist genau richtig, die Ideen und Visionen festzuhalten, die auf Hörensagen und Vorstellung beruhen. Wenn man nämlich die Regeln erstmal tatsächlich gelesen hat, dann kommt man ggf. auf solche Ideen nicht mehr so leicht. Aus dem einfachen Grund: Beim Lesen versucht man die Regeln - wie sie geschrieben sind - zu verstehen. Den Kontext und die Wechselwirkungen nachzuvollziehen. Und dann hat man doch schnell eine Regelbrille auf, die fürs Spielen gut ist, aber dem Bastler als Scheuklappen dienen. 


--- Zitat von: Rumpel am 31.10.2016 | 09:17 ---LabLord und LotFP verursachen mir hingegen Kopfschmerzen - habe ich neulich mal wieder zu lesen versucht, und beide scheinen mir nach wie vor all das in den Vordergrund zu rücken, was mich an der OSR eher nervt: Willkürliche Einschränkungen, völlig disparat nebeneinander stehende Regelbausteine ... habe nach wie vor den Eindruck, dass das Spiele sind, die eher über den Nostalgiefaktor funktionieren als über irgendwas anderes. Swords & Wizardry erscheint mir da nach der Quickstarter-Lektüre sehr viel zugänglicher und flexibler (aber auch da warte ich noch auf meine Printausgabe, bevor ich mich eingehender damit beschäftige).
--- Ende Zitat ---
Ich halte den Unterschied zwischen LabLord und S&W für sehr gering. Was man mMn an LabLord besser nachvollziehen kann ist, dass diese isolierten Mechanismen das Spiel nicht behindern + dass gerade diese Teile Schnittstellen für eigene Ideen werden können. Andererseits: C&T und S&W nebeneinander legen zu können und zu vergleichen, kann einen verwandten Effekt haben. Aber nich den gleichen. (Vielleicht wäre es auch sinnvoll, wenn du deine Leseeindrücke zu LabLord in nem eigenen Thema darstellen würdest. Dann könnte man versuchen Hintergründe und Sinn der einzelnen Regeln zu ergründen.

Navigation

[0] Themen-Index

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln