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Eskapismus-Debatte und der Stand von Fantasy in Deutschland

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El God:
Der Eskapismus-Begriff hat ja ohnehin eine interessante Geschichte. Ich bin gerade wieder auf "innere Emigration" gestoßen, also die Geisteshaltung der im 3. Reich oder der DDR verbliebenen Künstler, die sich in die Kunst zurückgezogen haben, um vor den realweltlichen Zuständen zu fliehen, die aber trotzdem auf ihre Weise künstlerischen Widerstand geleistet haben. Zuerst richteten sich die Eskapismus-Vorwürfe auch direkt an die Künstler, die ihre Auseinandersetzung mit der Realität aufgaben und den Elfenbeinturm vorzogen. Dass es einen Bedarf in der Bevölkerung gab, diese Flucht mitzugehen und dass phantastische Literatur gern konsumiert wurde, war ja nun schon länger kein Geheimnis mehr.

Celestine:
Dodge und Infernal Teddy, dass sehe ich auf jeden Fall auch so! Hier möchte ich zum Thema Eskapismus nochmal eine Synopsis von der Comicserien Seekers into the Mystery zeigen, die ich zwar nie gelesen habe, aber die Inhaltszusammenfassung begleitet mich schon ein paar Jahre im Hinterkopf:

Angels and aliens, faeries and demons, alternate realities and multiple personalities: Once Lucas Hart would have laughed at these things; but when this cynical, burned-out screenwriter's repressed memories of the past invade his present--Hart's vision of reality is completely shattered. As a child, seeking escape from horrible abuse, Hart would leave his body and astrally travel with otherworldly beings who filled his wounded soul with light. Now, having recovered these memories, he's on a quest to find the Magician whose legacy of mystery and hope might move the human race to the next level. Created by Eisner Award winning writer J.M. DeMatteis, with art by Glenn Barr and Jon J Muth. Join them for a journey into the mysteries of the human spirit that you won't soon forget.

Dieses Gefühl sich den eigenen Lebensumständen unterlegen zu fühlen und sich in der Phantasie irgendwo hin zu träumen, wo man durchatmen kann, kenne ich gut. Für mich sind diese otherworldly beings wie die platonischen Ideen, Farbfacetten des einen Lichts der Wirklichkeitserkenntnis. Die platonischen Dialoge haben ja immer das Ziel über gewisse Themen Sicherheit zu gewinnen. Wenn das gelingt, wenn diese transzendentalen Ideen mit dem Geist berührt werden, fühlen sich die Betreffenden wie vom Blitz getroffen, ein intellektueller Orgasmus, wie oben beschrieben füllt sich die Seele mit Licht. In manchen Dialogen schaffen das die Gesprächspartner und manchmal kommt es nur zu einer Annäherung und sie müssen irgendwann abbrechen.
Ob Fantasy und Science Fiction jetzt wirkliche Kunst oder nur Zeitvertreib sind, hängt bestimmt von der Erwartungshaltung ab.  Ich habe auf jeden Fall schon sogenannte Pulp Medien gelesen von Autoren wie z.B. Neil Gaiman, Alan Moore, Grant Morrison, Philip K. Dick und H.P. Lovecraft und war von der Kraft ihrer Ideen wie vom Donner gerührt. Goethes Faust ist Hochkultur und ebenfalls eine phantastische Erzählung, in dem Sinne, dass es um viel Überirdisches geht. Keine Ahnung, muss ich zum Glück nicht drüber entscheiden...
Selbst wenn Eskapismus nur ermöglicht sich von den äusseren Erwartungen mal zurückzuziehen , um zu neuen Kräften zu kommen, hat er für mich einen Wert und sowas zu fabrizieren muss man auch können.

KhornedBeef:

--- Zitat von: Dolge am 23.11.2016 | 11:50 ---Platons Ausgang aus der Höhle ist das genaue Gegenteil von Eskapismus, da geht es um Erkenntnistheorie: In der Höhle ist unsere Realität verzerrt und nur aus zweiter Hand anhand verfälschter Informationen dargestellt. Wenn der Mensch aus der Höhle steigt und mit der Wahrhaftigkeit konfrontiert wird, ist das eine Erleuchtung. Diejenigen, die lieber in der Höhle bleiben und sich billigen Phantasien hingeben, das sind die wahren Eskapisten, diejenigen, die sich der höheren Erkenntnis verweigern. Darin steckt auch das Abwertende am Eskapismus, immerhin ist der Begriff ja pejorativ geprägt worden. Dass Phantastik-Fans ihn für sich umgemünzt und positiv besetzt haben, ist ja ein enorm neues Phänomen.

--- Ende Zitat ---
Der wahre Eskapist denkt sich "Das sind nur Schatten auf der Höhlenwand.....da kann man mehr draus machen! Ey Leute holt mal die Farblichtbatterie, ich mach noch ein paar Schereschnitte, und dann geht hier richtig die Post ab!"  ;)

Isegrim:
Ich kann mit dem Begriff Eskapismus eigentlich nicht allzu viel anfangen, vielleicht weil ich es sowohl normal als auch legitim finde, sich hin und wieder aus der Realität zu verabschieden. Denn das kann man mit allen möglichen Medien und Genres tun. Kann mir niemand erzählen, dass viele Filme oder Bücher oder Computerspiele oder Gartenarbeit wirklich was mit der "Gesellschaft da draußen" zu tun haben, egal ob Fantasy, Krimi, MMOG oder Rosen.

Allerdings finde ich schon, dass es Bücher (bzw andere Medien) gibt, die (mich) nur unterhalten, und andere, durch ich nebenbei etwas lerne: Über Menschen, über Geschichte(n), über Zusammenhänge, über mich. Die mir einen neuen Blickwinkel auf die Welt und die Menschheit eröffnen, auch wenn sie eigentlich auf einer ganz anderen Welt spielen und Elfen die Protagonisten sind. Natürlich steht auch in meinem Bücherregal ne Menge Schrott (hallo, DSA-Romane), der das nicht leistet und den ich dennoch gerne gelesen habe. Aber wirklich ans Herz wachsen tun mir Bücher, die das schaffen.

Ob das dann für nen Literaturkritiker "Kunst" ist, sei mal dahin gestellt, und ist mir auch egal. Bei "Kritiker" denk ich ohnehin allzu oft an den Musikkritiker von Georg Kreisler (r.i.p.):

https://www.youtube.com/watch?v=6ozEA0JJiCY

Das würde ich auch vielen der Kinderbuch-Autoren wie Ende, Preußler oder Lindgren hoch anrechnen, dass sie das für Kinder respektive mich als Kind geleistet haben, und das zuweilen noch heute als Erwachsenen leisten. Vieles ist einfach zeit- und alterslos gut.

Celestine:

--- Zitat von: Isegrim am 23.11.2016 | 12:39 ---Das würde ich auch vielen der Kinderbuch-Autoren wie Ende, Preußler oder Lindgren hoch anrechnen, dass sie das für Kinder respektive mich als Kind geleistet haben, und das zuweilen noch heute als Erwachsenen leisten. Vieles ist einfach zeit- und alterslos gut.

--- Ende Zitat ---

Auf Jeden! Ich finde das jeder seine Bürgerpflicht hat, aber nicht jeder ist zum Politiker berufen und was viele Kinderbuchautoren zu unserer Persönlichkeitsentwicklung beigetragen haben, hatte und hat seinen Wert! Das geile Pipi Langstrumpf Lied gegen den tierischen Ernst!

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