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Reading Challenge 2017

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Lyris:
Falls noch ein anderer Briefroman gebraucht wird, kann ich "Talofa" von Lina Bögli empfehlen. Darin berichtet die Autorin in Form von Briefen an eine Freundin von ihrer Reise um die Welt. Da das ganz am Ende um den Jahrhundertwechsel 19./20.spielt fand ich das eine sehr interessante Perspektive.

Huhn:
Mir fiel zum Thema Briefroman spontan noch Daddy Langbein von Jean Webster ein. Das hat mir als Kind mal einige vergnügliche Stunden auf dem Dachboden meiner Großeltern beschert.  ^-^

Huhn:
So, meine Nacht gestern ist etwas kurz geraten, aber dafür lege ich weiter gut vor mit dem nächsten Buch (las sich auch sehr flott).

Jack Thorne, John Tiffany, J. K. Rowling: Harry Potter und das verwunschene Kind
(Kategorie: A book set in two different time periods)
19 Jahre nach dem letzten Harry Potter Roman angesiedelt, erzählt das Theaterstück die Geschichte von Albus Severus Potter und Scorpius Malfoy, die ganz und gar nicht so sind, wie ihre Väter sich das vorgestellt haben und davon, wie alle lernen, Dinge nicht zwanghaft ändern zu wollen, sondern sie zu nehmen und wertzuschätzen, wie sie eben sind.

Ich war ja skeptisch - braucht die Harry Potter-Reihe wirklich eine direkte Fortsetzung? Aber nachdem der Kinofilm um Newt Scamander mich positiv überrascht hat, habe ich beschlossen, auch diesem Theaterstück eine Chance zu geben. Alles in allem hat das Werk einen positiven Eindruck bei mir hinterlassen; es hat allerdings defitiniv seine starken und seine schwachen Momente.

Gut wird es immer dann, wenn die "neuen" Charaktere Albus und Scorpius im Fokus stehen. Nachdem Harry, Hermine und Ron in den Romanen immer als beliebt und in bestimmten Dingen begabt dargestellt wurden, macht es Spaß, einmal Charaktere zu verfolgen, denen das nicht in den Schoß gefallen ist und die sich mit ihrer Rolle als scheinbar enttäuschende Erben übergroßer Väterfiguren abfinden müssen. Nicht so gut finde ich die Szenen, in denen die altbekannten Charaktere Harry, Ron, Hermine, Ginny und Draco im Mittelpunkt stehen. Da sie, nach sieben Romanen, recht klar definiert sind, wird hier deutlich, dass J. K. Rowling zwar die Vorlage verfasst hat, das eigentliche Theaterstück jedoch von einem anderen Autor geschrieben wurde. Alle bekannten Figuren wirken irgendwie leicht daneben - wie Abziehbilder ihrer selbst. Insbesondere Ron erinnerte mich an die Coldmirror-Persiflage - leicht dümmlich und mit einem ziemlichen Flachhumor gesegnet.

Ein Problem des Mediums Theater ist, dass die Handlung beim Lesen sehr rasch voranschreitet und ich mich teilweise durch die Szenen geworfen gefühlt habe. Trotzdem empfand ich den Schritt zum Theater anstelle eines weiteren Romanes für sinnvoll. So gern ich Albus' und Scorpius' Schulalltag mitverfolgt hätte - er hätte sich nicht sonderlich von den Schulbeschreibungen der alten Bücher unterschieden. Die Kürzungen sind hier ganz klar eine Stärke, die endlose Wiederholungen vermeidet. Auch so wird schon genug aus den alten Handlungen hervorgegraben.

Letztendlich empfand ich das Stück als angenehme Fortsetzung der HP-Romanreihe. Geht es in den Romanen unter anderem um das Heranwachsen und Heranreifen des jungen Harry Potter, handelt die Fortsetzung nun von den Herausforderungen des Erwachsen-Seins. Die Vater-Sohn-Geschichte bringt einen neuen Aspekt in die Erzählung um Harry Potter ein, der zwar nicht unbedingt gefehlt hätte, aber eine mögliche und schöne Ergänzung darstellt.

Huhn:
So, mal was außerhalb meines sonstigen Komfortbereichs wieder ausgepackt. Hab das Buch vor ungefähr zehn Jahren schon einmal gelesen und war überrascht, wie anders ich es diesmal empfand.

Jean-Paul Sartre: Geschlossene Gesellschaft
(Kategorie: A book set in a hotel)
Garcin, Inés und Estelle finden sich nach ihrem Tod in einem Second-Empire-Salon wieder. Nachdem ein Kellner sie dort eingeschlossen hat, müssen sich sich miteinander befassen und stellen sehr schnell fest, dass sie sich alle irgendwie nicht leiden können. Gegenseitig machen sie sich ihr Dasein zur Hölle.

Ich bin philosophisch nicht so schrecklich bewandert, insofern hab ich das Stück einfach so für sich stehend gelesen.

Das Nachwort in dieser Ausgabe macht deutlich, worauf Sartre eigentlich hinauswollte. Ja, "die Hölle, das sind die andren". Aber: Die anderen sind nur dann die Hölle, wenn ich zulasse, dass sie mir das Leben zur Hölle machen. Garcin, Inés und Estelle machen ihr Selbstbild von der Meinung anderer abhängig und umgeben sich - und in der Konstellation liegt der Fehler - gleichzeitig mit Idioten, die immer eine schlechte Meinung von ihnen haben werden. Im Gegensatz zu den drei Hauptfiguren, deren Tod auch ihre Unfähigkeit, aus alten Gewohnheiten und Beziehungsgeflechten auszubrechen, ausdrückt, sind wir, die wir das Buch lesen, lebendig. Und Lebendigkeit bedeutet die Möglichkeit, aktiv Dinge zu verändern - in dem Fall, aus Lebenssituationen auszubrechen, die uns nicht gut tun.

Insgesamt ein schönes Stück, das ich auch jedes Mal ein bisschen anders lese. Stellenweise wirken die Situationen auf mich ein wenig sehr konstruiert - aber das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Sartre das Stück möglichst kurz halten wollte. Sehr viel länger sind die drei egozentrischen Hauptfiguren und ihr selbstverschuldetes Elend auch kaum zu ertragen.


Und mal ne ganz andere Frage: Meint ihr, eine Biographie zählt für die Kategorie "a book with a title that's a character's name"?

Greifenklaue:

--- Zitat von: Mofte am  3.01.2017 | 14:38 ---Noch ne "Verständnisfrage":

"A book of letters - Ein Briefroman"

Ist das ein feststehender Begriff? Roman ist für mich ja immer 'ne Erzählung. Ich hatte da jetzt allgemein an (wie meine erste, unsaubere Formulierung lautete) "ein Buch mit Briefwechseln" (oder so ähnlich) gedacht, also dann auch tatsächlich abgedruckte Briefe / Briefwechsel.

--- Ende Zitat ---

Ich hoffe, es geht auch ein Sachbuch mit Briefen, hab mir da was interessantes besorgt: Briefe bewegen die Welt, Bd. 6 Feldpost zusammengetragen von Hellmuth Karasek

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