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Blade Runner 2049

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alexandro:

--- Zitat von: Blizzard am 20.10.2017 | 00:28 ---Was uns beiden negativ aufgefallen ist: Der Film ist zu lang(atmig) bzw. hat einfach zu viele langatmige Szenen. Nichts gegen eine längere Szene, um den Aspekt der Emotionalität stärker zu betonen. Aber Blade Runner 2049 hat einfach zu viele davon. Wie sagte mein Freund angesichts der Rettungsaktion von Deckard: " An einigen Stellen plätschert der Film so vor sich hin".  Mir persönlich hat zudem ein bisschen die Action gefehlt, mir waren zu wenig Kämpfe drin.  Da hätte man lieber ein paar Szenen etwas kürzen und dafür noch mit etwas anderem, spannenden füttern sollen.
--- Ende Zitat ---

Bin ich ähnlicher Meinung (was die Länge angeht, nicht wegen der Kämpfe - die haben für ein Noir-Setting vollkommen ausgereicht und ich war froh, dass sie keinen Actionfilm draus gemacht haben). Ich habe mich zwar nicht gelangweilt und die fast frei Stunden kaum gemerkt (am Ende dachte ich "Oh, schon vorbei?"), aber durch die langen Einstellungen werden einige Dinge in den Fokus gerückt, die dem Zuschauer möglicherweise nicht aufgefallen wären, wenn sie nicht so endlos ausgewalzt besprochen würden. Dadurch werden teilweise ein paar der "Twists" des Films schon lange vorher telegrafiert, was diesen streckenweise etwas vorhersehbar macht.

Turning Wheel:
Ich habe die Länge des Films auch ausgesprochen genossen. Kürzer hätte mir nicht so gut gefallen.
Und die Gewalt fand ich genau richtig. Mehr hätte es nach meinem Geschmack nicht sein dürfen, eher weniger.
Vor allem fand ich die konsequente Anwendung von Gewalt in dem Film sehr passend. Also Gewalt um etwas zu
erreichen, und nicht um ihrer optischen oder emotionalen Wirkung willen.

"Joseph K." wäre mir nicht aufgefallen. Aber ja, jetzt wo du es sagst: das könnte dahinterstecken!

nikol ogg:
ach naja.

Er wird von seiner Freundin nicht "Joseph" getauft, sondern "Joe (Sixpack)".
Also Otto Normalverbraucher, 08/15, austauschbar mit anderen. Ich weiss nicht, wer diesen bemühten Kafka-Vergleich im Feuilleton hochgezogen hat.

Kowalski:
@TheOzz:

In BR1 waren Replikanten Monster die menschliche Regungen zeigen.
Und mit Rachael und ggf. Deckard (aber es funktioniert mit und ohne Deckard als Replikant) gibt es Replikanten, neuer VErsionen, die im Grunde von einem Menschen nicht zu unterscheiden sind. Und wenn im Moment noch dann irgendwann nicht mehr.
Wenn es so denkt wie ein Mensch, so fühlt und handelt wie ein Mensch, muss man es nicht wie ein Mensch behandeln?
In gewissem Sinne ist die Menschlichkeit der Replikanten da nur eine Option, keine zwingende Entwicklung und erst die Implantierung von Erinnerungen an eine Jugend ergibt sich das Potential für ein Wesen dem man Menschenrechte zubilligen muss.
BR1 ist ein Cyberpunk Movie wo der Blade Runner mehrere Modelle eines außer Kontrolle geratenes Konzernproduktes außer Dienst stellen soll.


In BR2049 ist man weiter. Die Replikanten sind jetzt langlebiger und dank implantierter Erinnerungen stabiler. Aber noch in einem psychopathischen/maschinenähnlichen Zustand gehalten. Bis auf die, die aus dieser Gehirnwäsche ausbrechen.
Und wenn man sich die Handlungen von K anschaut, dann habe ich nicht das Gefühl jemandem zuzuschauen der Spaß daran hat andere zu quälen. Das war bei Roy Batty überhaupt nicht der Fall. Der war ein Psychopath der, vielleicht weil er überzeugt war das Deckard auch ein Replikant ist (hält mehr aus wie ein Mensch...) diesem am Ende die Frage nach dem Unterschied zwischen Replikant und Mensch stellte. (Meine Antwort wäre, das Menschen in der Regel nicht solche Sadisten wie er es ist sind). In BR 2049 sind die Replikanten soweit entwickelt das sie nicht mehr zwingend einen an der Klatsche haben. Der Unterschied Mensch zu Replikant ist hier nicht mehr als Frage da, der ist eigentlich weg. Bis auf Geburt, aber das ist hier wieder aus BR1 rührend beantwortet, die Möglichkeit besteht.
BR 2049 ist ein Transhumanismus Movie wo Replikanten zum Teil menschlicher als Menschen agieren und selbst KIs anstalten machen Bewußtsein zu entwickeln (oder eine Simulation davon. Wenn der Turing Test erst mal geschafft ist, und sich die KI wie eine Person verhält, ist sie dann nicht eine Person? Ein Gelähmter der nur Reden kann ist doch auch ein Mensch, eine funktionierenden Körper braucht es zur Menschlichkeit nicht.

Zu Roy Batty, wenn Deckard Replikant ist, dann will er einem Mitreplikanten zeigen das er gleichwertig oder sogar höherwertig als ein Mensch ist.
Und die Einhornszene ist ein guter Hinweis darauf das Deckard ein Replikant ist. Wieso sollte der Mord am Vater einen überhöhen? Versteh ich nicht. Sich von jemandem emanzipieren, dazu ist ein Mord unnötig. Musste auch Khan nicht bei Admiral Marcus machen. Damit zeigt Roy zwar das er Kraft hat, und Wut, aber nicht das er einen Verstand hat der über diese Wut hinausreicht. Mit dem Mord an Tyrell und dem Gentechniker zeigt er nur seine wahre Natur als Monster. Selbst wenn man ihm theoretisch Menschenrechte zubilligen müßte negiert er das indem er sich von einer brutalen, psychopathischen Seite zeigt. Da folgt er vielleicht sogar wieder einer seiner Programmierungen. Da ist selbst Quasimodo und Frankensteins Monster menschlicher als Roy Batty an dieser Stelle. Nur wenn er gegen seine Programmierung Tyrell laufen gelassen hätte (was dieser hoffte, nicht aus Überlebenswillen sondern weil er davon ausging das Roy zu höherem föhig ist), hätte er seine Vergangenheit hinter sich gelassen. Hier war aber wieder Schema F, Gewalt im Spiel. Wie doof ist das denn? Ich war damals sowohl geschockt wie enttäuscht von Roy. Aber das ist man von Psychopathen wohl häufiger. J.F. Sebastian hat er getötet weil er es konnte und einfach so.

Der eigentliche Clou ist ja dann Dr. Ana Stelline die quasi als neuer Mensch Erinnerungen für die neuen Replikanten schafft und diese auch menschlicher macht.

Beide Filme erzählen eine durchaus andere Geschichte, miteinander verknüpft aber während Blade Runner die Geschichte eines potentiellen Niedergangs der Menschen ist, ist BR 2049 die Geschichte vom neuen Menschen. Und der wird Replikant sein.

Eine mögliche Deutung ist das 1978 das erste Retortenbaby geboren wurde und manche da Horrorszenarien aufbauten. Jetzt, 39 Jahre später sind die wenigsten Befürchtungen eingetreten und es gibt Menschen mit Eingriff am Erbgut. Das was uns 1982 Angst gemacht hat, ist heute alltag und normal.

In beiden Filmen geht es um verantwortliches Handeln gegenüber fühlenden Kreaturen. Das wir uns genau überlegen sollten was wir anderen antun und das wir das nicht sorglos und technikgläubig oder aus Gier tun sollten.

BR 2049 erzählt auch deshalb eine andere Geschichte weil unsere Zeit anders ist als 1982

Kowalski:

--- Zitat von: Blizzard am 20.10.2017 | 00:28 ---Eine Sache noch zum Schluss: Lieber Blade Runner 2049, du hast ein soooo cooles Setting! 8) Du hast es nicht nötig, dass jede zweite Leuchtreklame in der Stadt aus (halb)nackten Frauen besteht. Mehr Titten machen aus dir keinen besseren Film. Im Gegenteil.

--- Ende Zitat ---

Hmm. Fand ich nicht. Gerade der Umstand das sich K Joi (und er selbst ist Joe, das ist sowohl "Joe Normal" als auch nur einen Buchstaben Joi entfernt, es hat beide Bedeutungen, für ihn und Joi eher den letzteren) nicht ausgezogen präsentieren ließ zeigt den Unterschied im Anspruch den K hat.
Und da wir die Welt aus Joes Augen sehen, sehen wir auch die Leuchtreklame als zu nackt, zu aufdringlich.

Genau wie Deckard die neue Rachael ableht, genau so lehnt K die Leuchtreklame ab. Es ist eben nicht "seine" Joi, sondern nur ein sexualisierter Zerrbild, eine Monstrosität.
Beide, K und Deckard sind für einen Moment versucht aber stellen fest das es nur eine leere Hülle ohne Inhalt ist.
Also genau anders, als es Mariette darstellt als sie zu Joi sagt, "Ich war in Dir und da ist nicht viel."

Klar ist das auch ein Seiten hieb auf unsere sexualisierte Gesellschaft.
Die Frauenfiguren sind aber durchwegs keine reinen Sexobjekte.
Und selbst die Sex-Worker Replikanten sind Teil des Untergrunds und nur als Tarnidentität und Informationsquelle Prostituierte

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