Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Gibt es zu viele neue Systeme? Oder: Wer soll das alles spielen? (rant-ish)
Achamanian:
--- Zitat von: Samael am 1.02.2017 | 22:30 ---Tausend Regelwerke und immer neue Spielhintergründe aber wenig bis kein Support in Richtung Spielmaterial. Warum? Wird das nicht benötigt, weil alle selber ihre Kampagnen stricken? Ich glaube da nicht dran - wer hat schon die Zeit dazu in der heutigen Kernzielgruppe?
--- Ende Zitat ---
Dazu mal wieder mein kleiner Standardexkurs, der allerdings nicht direkt mit der Frage nach "zu vielen Systemen" zu tun hat:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ich frage zurück: Wer hat in der heutigen Kernzielgruppe noch Zeit, vorgefertigte Abenteuer vorzubereiten? Ich nicht. Meine Numenera-Kampagne habe ich mit 15-30 Minuten Vorbereitung pro Sitzung und ein bisschen Querlesen von Sourcebooks fast komplett selbst gestrickt; um ein vorgefertigtes Abenteuer vorzubereiten, brauche ich pro Abend Erfahrungsgemäß eher 1-2 Stunden. Ich weiß, dass das bei anderen Leuten anders ist, aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass die vorgefertigten Abenteuer eher was für Intensivspieler sind, weil sie in den meisten Fällen eine intensive Einarbeitung und Gruppenanpassung erfordern.
felixs:
--- Zitat von: Samael am 1.02.2017 | 22:30 ---Angesichts der gewaltigen Flut an neuen Systemen der letzten Jahre (ausgelöst u. A. durch den Crowdfunding-Craze) frage ich mich manchmal: Wieviele von denen werden wirklich von den (ja durchaus existierenden) Käufern intensiv bespielt? Also mehr als ein paar Probesessions? (Und andererseits: Ist das nötig, um ihre Existenz zu rechtfertigen?)
--- Ende Zitat ---
Ja, die Möglichkeiten, elektronisch zu publizieren einerseits und die Möglichkeit, mit wenig Aufwand und ohne feste Verlagsstrukturen relativ günstig drucken zu lassen sind die Ursachen.
Was davon gespielt wird kann man sehr genau mitverfolgen: Die Leute kaufen das, schreiben darüber wenn es neu ist (kurioserweise am meisten, bevor es erschienen ist) und dann kehrt schnell Stille ein. Die meisten Sachen werden sehr wenig gespielt - das gilt für das im Laden vor Ort gekaufte Material und noch viel mehr für Kickstarter-Zeug.
Die Frage nach der Rechtfertigung für die Existenz finde ich unsinnig. Mit hartem Maßstab gemessen kann man Rollenspiel an sich eigentlich kaum rechtfertigen. Mit weichem Maßstab gemessen reicht es aus, dass irgendjemand das halt machen wollte. Und:
Der Knackpunkt ist aber, dass viele Nerds bereit sind, extrem viel Aufwand zu treiben und viel Geld dafür zu verpulvern, ihren Namen auf einem Verkaufsprodukt ihrer jeweiligen Interessensparte zu sehen. (Ich muss gelegentlich an Brettspieltests teilnehmen, weil einer aus unserer Runde sich freut, wenn sein Name in den Danksagungen irgendwo auftaucht. Dafür verpulvern wir dann viele Stunden mit Spielen, die eigentlich keiner mag...) Hat wohl was mit Identitätsaufbau zu tun.
Ich finde das albern, aber ich bin die Minderheit.
--- Zitat von: Samael am 1.02.2017 | 22:30 ---Mir fehlt ein bisschen Spiel*material*, also keine Regeln, sondern Abenteuer und Szenarien. Da habe ich das Gefühl Qualität und Quantität kommt vor allem aus dem Hobby-Bereich der OSR (wobei das natürlich ein spezielles Sujet ist).
--- Ende Zitat ---
Finde ich auch. Aber auch da gibt es - mit ein bißchen Aufwand - mehr als ich je spielen können werde. Aber insgesamt stimmt das schon: Mehr Material und weniger Regeln wären toll. Ich kaufe übrigens auch kaum Regeln, dafür aber ganz gern Material. Finde es auch gut, wenn Material mit wenig oder gar ohne Regelbezug geschrieben ist. Dann kann man es besser adaptieren.
aikar:
Für mich sind Settings uny Hintergrundbände die interessanteren Ideensteinbrüche als fertige Abenteuer. Bei ersteren kann ich immer wieder ein bisschen was neues rausholen, auch für andere Settings. Abenteuer muss man fast zwangsweise am Stück durchackern und hat nur einmal was davon und dafür hab ich inzwischen weder Zeit noch Nerven.
Und ich mag Oneshots von kreativen neuen Systemen. Also nö, ich kann mich der Startthese nicht anschließen.
ErikErikson:
Das Tanelorn hat das Rentenalter erreicht. Es wird gelesen und gesammelt. Das ist nicht zu ändern.
Boba Fett:
Ich bin froh über die Vielfalt, die es mitlerweile gibt.
Auch wenn ich selbst zum spielen wohl nur 2-3 Systeme (ein Fantasy [Midgard 5], ein SciFi [Fragged Empire oder Star Wars] und ein near Future [Shadowrun?]) brauche,
empfinde ich die ganzen neuen Systeme als Bereicherung.
Und ich lese davon auch gerne mal was zur Inspiration oder lass mich von bestimmten Regeltechniken umstimmen, die mal in meinem System auszuprobieren.
Numenera wurde ausprobiert und hat sich (bei uns!) als nicht Kampagnentauglich erwiesen.
Davor haben wir Gumshoe (NBA) gespielt und das wird bestimmt wieder auf den Tisch kommen.
Jetzt bin ich mit Fragged Empire sehr zufrieden und das ist auch langzeittauglich.
Wenn ich mir ansehe, was vor 10-15 Jahren so auf dem deutschsprachigen Markt los war, dann kann man heute doch nur froh sein, welche Vielfalt da gediehen ist.
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