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Gibt es zu viele neue Systeme? Oder: Wer soll das alles spielen? (rant-ish)

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Ucalegon:

--- Zitat von: Samael am  2.02.2017 | 06:22 ---Ach, The One Ring, Numenera, The Strange, 7th Sea 2nd, Exalted 3rd, die ganze World of Darkness Renaissance ist bisher ohne nennenswerten Abenteuersupport ausgekommen wenn ich mich nicht irre, Eclipse Phase etc. pp.

Entweder es gibt gar keine Abenteuer oder ein, zwei Feigenblätter die hinter einem dutzend fetter 200 Seiten Hochglanzsourcebooks verschwinden.

--- Ende Zitat ---

Eigentlich wissen wollte ich, wo das für dich ein Problem ist, d.h. wo du sagst: "Würde ich gern spielen, aber es fehlen Szenarios, weil das Team lieber Hochglanz-HC produziert."

Bei mir ist das bei keinem Rollenspiel der Fall. Die Systeme in meinem Schrank, die noch nach dem klassischen Modell mit Fertigszenarios funktionieren, bieten genug (TOR, Delta Green, EP), der Rest braucht sowas nicht mehr.

Teylen:
Die Frage welche Systeme wie intensiv bespielt werden läßt sich schwer bis nicht beantworten.
Das heißt von den 50 bis 500 Leuten die bei einem Kickstarter oder andersweitigen Crowdfunding Projekt normalerweise mitmachen, geben die allerwenigsten eine Rückmeldung ob sie das System spielen und in welcher Intensitivität. Wobei, nach meinem Eindruck, mehr Ergänzungsbände, Abenteuer wie Kampagnen, finanziert werden als neue Grundregelwerke.

Wobei Regelsysteme und neue Rolllenspiele einerseits mitunter bereits Material liefern das man sich bis zum Ende der Zeit mit Abenteuern eindecken kann. Andererseits gibt es solche wo mitunter Abenteuer auf die schnelle zusammengewedelt werden und die Kampagnen dann einfach aus der logischen Fortsetzung entstehen. Das heißt ich spielte mit einer Gruppe über mehrere Jahre VtM ohne auch nur ein Abenteuer anzufassen. Wofür auch Menschen 30+, zumindest meiner Erfahrung nach, Zeit haben. Geht ja nicht darum etwas für die Ewigkeit zu schaffen. Letztlich gibt es kleine und kleinst Communities die sich gegenseitig Abenteuer schreiben.

Allgemein kann ich mit Abenteuern die, für mich, systemfremd sind nichts anfangen und begeistere mich auch in der Regel nicht für diese.

Issi:

--- Zitat ---Es wird gelesen und gesammelt. Das ist nicht zu ändern.
--- Ende Zitat ---

Naja wenn es Sammler gibt, gibt es ja vielleicht auch ein paar Jäger. ;)

felixs:

--- Zitat von: Teylen am  2.02.2017 | 10:34 ---Allgemein kann ich mit Abenteuern die, für mich, systemfremd sind nichts anfangen und begeistere mich auch in der Regel nicht für diese.

--- Ende Zitat ---

Hmm... Gerade im Fantasy-Bereich kann man aber mit wenig bis gar keinem Aufwand sehr vieles übertragen.

Hängt halt davon ab, was man spielt.

Ich würde auch meinen, dass ein wesentliches Problem der Überflutung in der teilweise extremen Zuspitzung der Spezialisierung von Welten und System liegt: Vieles ist darauf ausgelegt, genau ein Setting mit genau einem Spielstil in genau einer Art von Geschichte mit genau einer Art von  Spielfiguren zu bespielen. Das ist dann nicht wirklich für weite Verbreitung tauglich.
Und die Genre-Spezialisierungen sind auch extrem: Mit den ganzen Untergenres von Steampunk komme ich nicht mit (interessiert mich halt auch nicht, sieht von außen aber schon kurios aus). Oder das ganze Zeug im französischen Stil. Keine Ahnung, was man damit soll. Ist halt alles sehr speziell. Mag Geschmackssache sein, aber es ist sicherlich schwierig, eine Gruppe gleichgesinnter zusammenzubringen, die das spielen wollen.

D. M_Athair:
Das Thema ist ... durchaus komplex.

Ich würde behaupten, dass Rollenspiel - mehr noch als früher - in Netzwerken stattfindet.



--- Zitat von: Chiungalla am  1.02.2017 | 23:14 ---Was ich an der Entwicklung unter anderem kritischsten sehe, ist das die Rollenspiel-Community immer mehr zerfasert. Es gibt nicht unbedingt viel mehr Spieler als früher. Keine Ahnung ob es wirklich weniger sind oder etwas mehr. Aber wo es früher ein paar große Systeme (Shadowrun, DSA, D&D, GURPS,...) und ein paar kleinere Systeme gab, gibt es heute sehr viele Systeme. Und die Spielerschaft verteilt sich immer dünner auf die angebotenen Systeme.

Das führt auf der einen Seite dazu, dass jeder das System findet das er spielen möchte... aber es immer schwieriger wird sich im Dschungel der Systeme auf ein System zu einigen oder längere Zeit festzulegen. In meinen persönlichen Runden ist das Problem noch nicht angekommen, aber ich kenne einige Spieler die damit kämpfen und es gab ja auch schon mal Threads zum zwanghaften System-hopping. Vor allem beobachte ich es aber auf Cons wo immer häufiger ein Sammelsurium exotischer Systeme angeboten wird und ohne Spieler bleibt.
--- Ende Zitat ---
Das sehe ich tatsächlich auch so.



--- Zitat von: Chiungalla am  1.02.2017 | 23:14 ---Und die einzige Lösung die das erfolgreich eindämmen würde, wenn sie sich auf dem Markt durchsetzen könnte (was ich nicht glaube) wäre wohl so eine Art Fair Trade Siegel das vernünftige Löhne für die Beteiligten Entwickler, Zeichner u.s.w. garantiert. Dann würden die ganzen Kleinauflagen plötzlich nämlich unwirtschaftlich und der Markt würde sich auf wenige große Systeme konzentrieren. Denn gerade die vielen Kleinsysteme sind ja vor allem deshalb möglich, weil niemand so wirklich viel damit verdient. Und das ist vielleicht dann letztendlich auch der Aspekt der mich an der derzeitigen Situation persönlich am meisten stört.
--- Ende Zitat ---
Ich glaube nicht, dass das auch nur den Ansatz einer Lösung bieten würde. Anders gesagt: Das würde auch den "Großen" schaden, denn gerade die produzieren Auflage/Nachfrage über Hochglanz, viel buntes Eyecandy, Print in Fernost (PF, FFG), nie nachlassenden Produktstrom, ... Das würde die Gefälligkeit der Produkte wahrscheinlich heruntersetzen oder sie viel teurer machen.
Andererseits würde sich in der Fanszene mehr tun. LabLord & die OSR würden weiter existieren. In Fanzines und PDF-Ausdrucken, ... die man heute im Copyshop oder bei PoD-Printern (epubli & Co.) auch in schön bekommen würde.

Wir hätten wahrscheinlich andere Produkte, aber eher nicht weniger. Die Rollenspielproduktion ist nun mal globalisiert. Ich kann leicht z.B. mit Leuten aus Schweden, GB und den USA an einem OSR-Abenteuer oder -Regelwerk schreiben. Die heutige Technik lässt es zu und macht das einfach. Dafür braucht es keine gemeinsamen Zeiten. Zeitsynchron muss nur das tatsächliche Spiel mit den Mitspielern stattfinden.
Angesichts der technischen Möglichkeiten würden professionelle "Fair-Work"-Produkte und "Fan-Work" so unterschiedlich nicht aussehen.

... wahrschinlich würden wir dann erleben, dass die professionellen Verlage irgendwann auf Fanarbeiten aufmerkam würden und die veröffentlichen würden. Wie bei Dungeonslayers und Uhrwerk ... oder wie bei Frog God Games und Swords & Wizradry. Die Einspeisung von DIY-Sachen in den professionellen Kreislauf würde auch wieder stattfinden - nur anders. Wahrscheinlich würden die ab dem Zeitpunkt auch wieder das "Fair-Work"-Sigel bekommen, da die Verlage entsprechende Verträge aufsetzen würden.


Das Grundproblem der Rollenspiel-Produktion ist, dass es der Fan-Fiction eng verwandt ist (wie Werner Fuchs so schön im Escapodcast sagte). Kreativität und Gestaltungsfähigkeit sind Grundvoraussetzungen für Spiel an sich, aber auch für die Erstellung von Material. Und angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten sehe ich keine Mittel professionelle RPG-Produktion von Fanarbeiten zu trennen.

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