Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Gibt es zu viele neue Systeme? Oder: Wer soll das alles spielen? (rant-ish)
Chiarina:
Wie das mit den Veröffentlichungen aussieht, weiß ich nicht, will ich hier auch nicht drüber spekulieren.
Das Argument mit den Spielern, die es zum Rundenbeginn erst einmal zu finden gilt, ist allerdings nicht ganz von der Hand zu weisen.
Wenn ich mir aber vor Augen führe, wie sich meine Einstellung zu den Systemen geändert hat, dann kann ich schon feststellen, dass diese Systemfülle in gewisser Weise auch ein verändertes Spielverhalten zur Folge hat:
Früher gab es eben das eine System, das mich am besten abgeholt hat und das deshalb immer wieder verwendet wurde. Typischerweise in Kombination mit der ewigen Kampagne.
Dann gab es eine Umorientierung, und zwar auf mehreren Ebenen: Ich fand erstmalig neue Spielideen so interessant, dass ich sie ausprobieren wollte und ich fand mittellange Kampagnen, die man dann auch irgendwann ´mal abschließen kann, viel verlockender, als die eine ewige Kampagne.
Für diese beiden Veränderungen war eine größere Systemvielfalt sicherlich vorteilhaft, und wenn das nicht nur mir, sondern noch weiteren Spielern so gegangen sein sollte, dann würde das ja bedeuten, dass auch mehr Systeme gespielt werden - auch wenn absolut gesehen, die Zahl der Rollenspieler nicht zunimmt.
Im Moment gibt es in meiner Region relativ viele Spieler, die gern etwas Neues ausprobieren und sich auf mittellange Kampagnen einlassen. Deshalb kann ich nicht klagen.
Wenn es mit einem System dann doch ´mal schwierig wird, dann lag das bisher daran, dass das System ein paar Eigenheiten aufweist, auf die sich die Mitspieler nur ungern einlassen. Es lag jedenfalls nicht daran, dass es noch so viele tolle andere Spiele gibt.
(Eine blöde Con-Erfahrung mit einem exotischen System, für das sich nur eine Mitspielerin gefunden hat, habe ich allerdings auch schon gemacht. Das war so doof, dass ich bisher nicht wieder auf Cons gefahren bin. Schade - aber dafür brauche ich erstmal wieder einen neuen Tritt in den Hintern.)
Wandler:
Ich finde der Trend geht zu vielen guten Systemen hin aber es gibt fast keine herausragenden mehr. Die Qualität ist aktuell so hoch, dass ich seit Jahren auf ein Hammer System warte. In den letzten 10 Jahren hat mich alles enttäuscht. Ich betone: Es gibt viele GUTE Systeme aber nicht ein einziges dass mich soviel mehr packt und freut. Zu viele Fehler die ich schon zu oft wiederholt gesehen habe.
Darum gefallen mir Grad innovative indies am besten. Da tut sich am meisten.
KhornedBeef:
--- Zitat von: Wandler am 2.02.2017 | 14:26 ---Ich finde der Trend geht zu vielen guten Systemen hin aber es gibt fast keine herausragenden mehr. Die Qualität ist aktuell so hoch, dass ich seit Jahren auf ein Hammer System warte. In den letzten 10 Jahren hat mich alles enttäuscht. Ich betone: Es gibt viele GUTE Systeme aber nicht ein einziges dass mich soviel mehr packt und freut. Zu viele Fehler die ich schon zu oft wiederholt gesehen habe.
Darum gefallen mir Grad innovative indies am besten. Da tut sich am meisten.
--- Ende Zitat ---
Das...erschließt sich mir nicht. Meinst du mit "Herausragend" buchstäblich die Relation zu den aktuellen Mitbewerbern? No shit! Wenn die Qualität durchgehend hoch ist, dann hebt sich eben ein gutes System nicht ab. Wenn du mit "herausragend" eher so ein absolutes Prädikat verleihen willst, dann verstehe ich das "nicht mehr" nicht. Hat ein Troll deine alten Regelbücher gefressen? Oder sind deine Ansprüche so gestiegen, dass die "herausragenden" von früher nur noch "meh" sind?
Swafnir:
Ich muss sagen, da bn ich froh dass wir die Vereinstreffen haben. Da kann man immer neue Systeme als Spieler oder als SL testen. Das macht einfach richtig Spaß. Letzten Samstag hab ich bei Selganor "Dungeon Tours Ltd." getestet und viel Spaß gehabt. Und so sehe ich das auch auf Cons. Die Vielfalt ist super und die perfekte Abwechslung zu den heimischen Runden, die meist länger gehen.
YY:
--- Zitat von: Samael am 1.02.2017 | 22:30 ---Wie sehr ihr das?
--- Ende Zitat ---
Den Faktor Vorbereitungszeit kann ich nicht nachvollziehen; bin da eher bei Rumpel.
Hinsetzen und was aus dem Ärmel schütteln kann ich zumindest gut genug, dass mir die Spieler nicht in Scharen weglaufen ;D
Von daher brauche ich dann auch keine Flut nur "normal guter" Abenteuer, sondern eher ein paar großartige oder wenigstens ungewöhnliche - und da ist der Kern dann auch wieder schnell geklaut, denn nur um den geht es ja. Mit Leben füllen kann ich das auch selbst, und das i.d.R. schneller und für meine Runde passender.
Grundsätzlich sehe ich zwar auch die große Zahl von Grundregelwerken ohne Folgeprodukte oder mit wenigen Erweiterungen.
Das ist mir aufgrund obiger Überlegungen aber eigentlich ganz recht.
Mir sind clevere Systeme lieber als viele Abenteuer - wenn man denn so konkret die Wahl hätte.
Aber auf der anderen Seite gibt es schon einiges an neueren Systemen, die auch eine ordentliche Zahl an Abenteuern vorweisen können.
Für Mutant Chronicles kommen gefühlt schneller Kampagnen raus, als ich einzelne Sitzungen in allen Systemen zustande bringe ~;D
Da gilt analog zu deiner Aussage: Ich brauche in meinem ganzen Leben keine neuen Kampagnen/Abenteuer mehr.
Gute spielmechanische Ideen schaue ich mir dagegen immer wieder gern an.
Dort bin ich dann aber auch sehr wählerisch geworden...
Unsortierte Kommentare:
--- Zitat von: Chiungalla am 1.02.2017 | 23:14 ---Vor allem beobachte ich es aber auf Cons wo immer häufiger ein Sammelsurium exotischer Systeme angeboten wird und ohne Spieler bleibt.
--- Ende Zitat ---
Kann man andersrum auch als Fortschritt sehen:
Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo es abseits der großen Systeme gar keine Rundenangebote gab, weil die Leute sich das direkt geklemmt haben.
Wenn man es versucht, kann es wenigstens theoretisch klappen, anstatt automatisch zu scheitern.
Für exotischere Sachen muss man auf Cons Glück haben und sich als SL die Spieler ab und zu auch mal herbeilabern ;D
Geht natürlich besser, wenn die Spieler einen schon kennen.
Fremdes System und fremder SL gleichzeitig - das frisst der Bauer eben nicht ;)
--- Zitat von: Weltengeist am 2.02.2017 | 06:31 ---Mich stört die nicht versiegende Flut neuer Regelsysteme weniger unter dem Blickwinkel fehlender Abenteuer (die würde ich notfalls woanders klauen), sondern eher unter dem Aspekt, dass ich schlicht keinen Bock habe, ständig neue Regeln zu lernen, nur weil das Setting cool klingt.
--- Ende Zitat ---
Gute Regeln lerne ich gern.
Mich stört da eher umgekehrt die rasant steigende Zahl völlig austauschbarer Settings mit 1-2 coolen Ideen (wenn überhaupt) und die Haltung, dass das Setting das Wichtigste ist und man ja nur irgendwelche Regeln braucht, um darin spielen zu können.
Das sieht man den Regeln dann auch an und in dem Moment bin ich bei dir mit deiner Kritik: Wenn die Regeln uninspiriert, austauschbar und ggf. noch voller Kinderkrankheiten sind, kann ich darauf verzichten.
Und ein Stück weit stimmt es da auch schon, dass viele Autoren beim Schreiben schon halb auf ihr nächstes Projekt schielen und wissen, dass das aktuelle ja nur eines von vielen ist. Bisweilen gezwungenermaßen, weil es nie mehr sein sollte als ein in sich geschlossenes GRW.
Unabhängig von den jeweiligen Vertriebswegen und Produktionsumständen bin ich aber relativ durchgehend auf der Suche nach den Systemen, wo ein einzelner oder ein kleines Team so lange dran schraubt, bis die usprüngliche Vision spielmechanisch so gut wie möglich umgesetzt ist. Die Autoren müssen dann immer noch ein Händchen dafür haben und es darf kein ultrafokussiertes Indiespiel mit entsprechend begrenzter Mechanik sein - dann sind das unabhängig vom Umfang genau die Systeme, die ich mir gerne ins Regal stelle. Flächendeckend wird das natürlich nie, so was sind immer nur die Perlen.
Aber diese Art von "Systembastlern" ist gefühlt seltener geworden.
Was natürlich daran liegt, dass so viel mehr mit einer anderen Herangehensweise rausgehauen wird.
--- Zitat von: Archoangel am 2.02.2017 | 08:06 ---Früher hatte ich zumindest den Eindruck die Spieleschmieden hätten auch mit Gedanken an eine ferne Zukunft produziert.
--- Ende Zitat ---
In den meisten Fällen löst sich dieser Eindruck bei genauerem Hinsehen recht flott in Luft auf.
Z.B. weil man zwar wollte, aber von der Realität eingeholt wurde, oder weil man die Zeiträume anders in Erinnerung hat, als sie tatsächlich waren.
Sechs Jahre SR2 kamen mir damals vor wie ein halbes Leben, nach sechs Jahren Dark Heresy dachte ich: "Wie, das wird schon eingestellt? Ist doch grad erst rausgekommen."
--- Zitat von: Wandler am 2.02.2017 | 14:26 ---Ich finde der Trend geht zu vielen guten Systemen hin aber es gibt fast keine herausragenden mehr.
--- Ende Zitat ---
Kann da auch nicht ganz folgen.
Was früher herausragend war, war es nur deswegen, weil es nichts anderes gab und aus heutiger Warte ist es oft schrottig.
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