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Würfeln? Du fängst wahrscheinlich falsch rum an.
Eulenspiegel:
Das Problem mit der deutschen Sprache ist, dass "Warum" mehrere Bedeutungen hat. Und je nachdem, welche Bedeutung man meint, erhält man eine andere Antwort.
Ich erkläre es mal am Beispiel "Autofahren":
1. Warum fahre ich Auto? Finale Antwort: Damit ich schneller am Ziel bin.
2. Warum fahre ich Auto? Methodische Antwort: Damit ich mich schneller fortbewege.
Hierbei ist "mich schneller fortzubewegen" kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ziel ist es, schneller am Ziel zu sein. Das erreiche ich aber, indem ich mich schneller fortbewege. Und das erreiche ich wiederum, indem ich Auto fahre.
Das gleiche gilt auch beim Würfeln:
1. Warum würfel ich? Finale Antwort: Damit Spannung aufgebaut wird.
2. Warum würfel ich? Methodische Antwort: Damit kein Mensch, sondern ein lebloses Objekt entscheidet, wie es weitergeht.
Und wie beim Auto gilt auch hier:
"Ein lebloses Objekt soll entscheiden, wie es weitergeht" ist kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ziel ist es, Spannung aufzubauen. Das erreiche ich dadurch, dass kein Mensch, sondern ein lebloses Objekt entscheidet, wie es weitergeht. Und das erreiche ich wiederum durch würfeln.
ArneBab:
--- Zitat von: Wulfhelm am 21.04.2017 | 21:39 ---Die Frage war "Warum wird gewürfelt"? Das wird mit einem Zweck beantwortet: "Um zu bestimmen, wie es weitergeht". Das ist aber nicht der Grund. Und genau so wenig ist Würfeln ein notwendiges Mittel, um den genannten Zweck zu erfüllen. Also ist diese Antwort offensichtlich unzureichend.
--- Ende Zitat ---
Über Zufallstabellen können wir da näher dran kommen: Wenn du eine Geschichte durch Zufallstabellen beschreibst, definierst du mit minimalem Aufschrieb ein riesiges Feld an möglichen Geschichten.
Die Regeln legen fest, wie Situationen abgehandelt werden. Zusammen mit der Settingbeschreibung und den Charakterbeschreibungen wird dadurch ein weites Feld von Geschichten eröffnet. Ohne ein Zufallselement gäbe es nur eine einzige Geschichte, und alle könnten im vorneherein wissen, was passiert.
Bei Geschichten ist nicht nur wichtig, wie sie ausgehen, sondern auch, wie der Weg dahin aussieht. Sonst wären typische Serien nicht spannend (die Helden gewinnen fast immer). Auch dieser Weg wird durch Würfel festgelegt. Ohne die große Zahl von plausiblen Geschichten wären solche Serien langweilig — wenn sie sich zu sehr auf eine einzige Formel verlassen, werden sie auch langweilig (siehe z.B. Dragonball nach Band 100 oder so).
Würfel legen fest, dass immer viele unterschiedliche Wege möglich sein müssen (weil niemand den Ausgang des Wurfes von vorneherein genau wissen kann).
Eulenspiegel:
Naja, bei typischen Geschichten vermute ich mal, dass der Autor nicht würfelt wie es weitergeht, sondern selber entscheidet. Trotzdem ist es spannend.
Spannung kann prinzipiell dadurch entstehen, dass nicht ich entscheide, wie es weitergeht. Ob nun der SL oder der Würfel entscheidet, wie es weitergeht, ändert nichts an der Spannung. Letztendlich kann sogar ein Mitspieler entscheiden, wie es weitergeht. Auch das kann spannend sein.
Ich denke, das Problem ist, dass ein SL nicht die Erfahrung eines guten Autoren hat. Während ich einem Autoren zutraue, spannende Wege einzuschlagen, traue ich das vielen SLs nicht per se zu. Dafür sind dann die Würfel notwendig.
ArneBab:
--- Zitat von: Eulenspiegel am 21.04.2017 | 21:58 ---Ich denke, das Problem ist, dass ein SL nicht die Erfahrung eines guten Autoren hat. Während ich einem Autoren zutraue, spannende Wege einzuschlagen, traue ich das vielen SLs nicht per se zu. Dafür sind dann die Würfel notwendig.
--- Ende Zitat ---
Ich denke, damit triffst du einen wichtigen Aspekt. Ein zweites Problem ist, dass die SL jede Woche eine neue Geschichte erzählt, als Hobby, ein Autor oder eine Autorin eher eine pro Monat, in Vollzeit.
Allerdings ist das nicht alles: Rollenspiele sind nicht nur eine Geschichte: Sie sind auch eine Herausforderung. Und die Regeln geben ein verlässliches Gerüst, mit dem Spielerinnen und Spieler die Herausforderungen einschätzen können. Darauf aufbauend können sie Entscheidungen treffen. Das wäre mit reinen SL-Entscheidungen schwerer, weil sie da nicht wissen, auf welchen Kriterien sie ihre Entscheidungen aufbauen können.
nobody@home:
--- Zitat von: ArneBab am 21.04.2017 | 22:53 ---Ich denke, damit triffst du einen wichtigen Aspekt. Ein zweites Problem ist, dass die SL jede Woche eine neue Geschichte erzählt, als Hobby, ein Autor oder eine Autorin eher eine pro Monat, in Vollzeit.
--- Ende Zitat ---
Ein drittes (oder zumindest zweieinhalbtes) ist sicher, daß die SL "in Echtzeit" entscheiden muß. Wenn der Autor mal mit sich uneins ist, wie's jetzt im nächsten Absatz weitergehen soll, kann er pausieren und sich mit irgendwas anderem beschäftigen, notfalls auch mal eine Nacht oder zwei drüber schlafen -- versuch speziell Letzteres mal mitten im Abenteuer am Spieltisch. ;)
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