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[Film] Pirates of the Carribean: Dead Men Tell No Tales

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Lyonesse:
Gestern Cutthroat Island mal wieder gesehen nach längerer Zeit, und eines der größeren Probleme
die der Film hat, ist die weitgehend fehlende ironische Brechung. Mich hat das bei dem Film nicht weiter
gestört, aber ich verstehe wenn jemand das nicht mag. Andere Probleme waren das Fehlen eines großen
Stars, manchmal hackelige Choreographien, teilweise schwach besetzte Nebendarsteller, einige Dialoge,
die nicht funktionierten, sowie eine fehlende Chemie zwischen Davis und Modine; dennoch waren das unterm
Strich eher Kleinigkeiten, aber die haben sich halt auch summiert.
Ansonsten sieht der Film, der ja die teuerste Produktion seiner Zeit war, immer noch einigermaßen gut aus.
Man ist vor allem große Bauten ohne Computereffekte oder richtige Pyrotechnik gar nicht mehr gewohnt.
Renny Harlin hat damals jedenfalls gewaltige Sets aufgefahren, die er sofort im Film wieder niederreißen ließ,
aber irgendwie hatte das auch was. Sicher kein Film ohne Macken, aber ihn so übel auflaufen zu lassen war
dennoch nicht fair, und William Shaw gefällt mir immer noch.

KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Das alles bezeichnet in meinen Augen auch das Hauptproblem beim Genre - dass es eben ein Genre ist, dass sich nicht die Mühe macht, mal unter dem Schleier des Mythos nachzugucken, wie das vielleicht tatsächlich abgegangen ist.

Ich weiss, da kommt immer die Reaktion "Realismus ist langweilig.", aber das ist m.E. Unfug.
Nach dieser Logik wäre Band of Brothers langweiliger als Der längste Tag.

Ich wälze zur Zeit mal wieder Abhandlungen über Freibeutertum im 17. Jh., und das ist eine sehr große und vielschichtige Welt, in der man sich wirklich mit Staunen bewegt.

Man sollte da jetzt nicht nur die Vorstellung übelster Menschenschlächterei haben, teilweise sind Flibustier so, teilweise ganz anders.
Putzigerweise findet man bei wirklich skrupellosen Anführern wie Morgan sogar ab und zu sowas wie verschämte Prüderie und recht anständiges Verhalten. Die Leute waren ja keine Abziehbilder.

Am besten wäre es, wenn man mal die ganzen fast hundert Jahre Piratenfilme und -geschichten vergessen würde, und da ganz unbefangen rangehen würde. Diese Klischees verstellen nämlich den ungetrübten Blick auf diese Epoche.

Lyonesse:
Wenn man ehrlich ist, dann wird praktisch so gut wie kein Stoff historisch korrekt verfilmt - was im
übrigen auch für die meisten historischen Romane gilt. Es wird fast immer ein Kontext zu unserer
Zeit und unserer Denkweise hergestellt, und zwar mehr oder weniger aufdringlich. Dahinter steckt auch
ein wenig die Angst, dass niemand die Leute sehen will wie sie wirklich waren, und man diese teuren
Produktionen - historisch ist nun mal kostspieliger - dann nicht so gut verkaufen kann. Viele Leute hätten auch
einfach ein Unbehagen oder würden mit Unverständnis reagieren, wenn da auf einmal weniger sympathische,
halbwegs echte historische Persönlichkeiten auftreten würden, mit denen man sich einfach nicht identifizieren
kann oder will.

Chiungalla:

--- Zitat von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 19.07.2017 | 20:28 ---Das alles bezeichnet in meinen Augen auch das Hauptproblem beim Genre ...
--- Ende Zitat ---

Das Hauptproblem des Genres sind wohl die stets vergleichsweise hohen Produktionskosten. Ein Piratenfilm in dem Seeschlachten u.s.w. gezeigt werden muss ein Blockbuster werden, sonst lohnt sich der Aufwand nicht. Und mit zuviel historischer Korrektheit wird es ganz schnell ein Kandidat fürs Programmkino, weil es den Geschmack der Masse nicht so sehr trifft wie z.B. Fluch der Karibik.

KWÜTEG GRÄÜWÖLF:

--- Zitat von: Lyonesse am 19.07.2017 | 23:49 ---Wenn man ehrlich ist, dann wird praktisch so gut wie kein Stoff historisch korrekt verfilmt - was im
übrigen auch für die meisten historischen Romane gilt. Es wird fast immer ein Kontext zu unserer
Zeit und unserer Denkweise hergestellt, und zwar mehr oder weniger aufdringlich.

--- Ende Zitat ---

Es gibt schon Produktionen, wo man als Historiker sagen kann, "Ja, das trifft es ziemlich genau."

Restoration war so ein Film, oder Barry Lyndon, oder Die Duellisten. Daß der Zuschauer dann oft glaubt, Parallelen zu unserer Moderne zu erkennen, ist eigentlich nicht sensationell - die gibt es tatsächlich ja auch immer. Wir reden ja hier nicht über Filme über weit entfernte außerirdische Kulturen, sondern unsere eigene Spezies, und wenn man sich ein wenig drauf einlässt, ohne gleich jede Abweichung von unseren heutigen Denkweisen als unannehmbar zu brandmarken, ist das recht spaßig.

Aber so langsam wandere ich hier weit weg vom OT...

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