Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
The days of high drama? Do tell.
nobody@home:
Salopp würde ich sagen: Drama ist das, was man draus macht. Es gibt keine "objektiv" dramatischen Ereignisse und Fakten, dramatisch oder eben undramatisch werden sie erst im Kopf des Betrachters (ob der jetzt persönlich selbst beteiligt ist oder nicht), und zwei verschiedene Personen mögen dieselben Dinge völlig unterschiedlich beurteilen.
Entsprechend kann ich im Rollenspiel als Spieler/SL/Abenteuerdesigner/wasauchimmer bestenfalls potentiell dramatische Charaktere und Situationen (bzw. das, was ich halt selber dafür halte) anbieten und dann schauen, was am Tisch tatsächlich daraus wird. Erzwingen läßt sich da nicht wirklich etwas.
trendyhanky:
--- Zitat ---undramatisch werden sie erst im Kopf des Betrachters (ob der jetzt persönlich selbst beteiligt ist oder nicht), und zwei verschiedene Personen mögen dieselben Dinge völlig unterschiedlich beurteilen.
--- Ende Zitat ---
Was ist denn Drama das IM KOPF ist?
Issi:
--- Zitat von: trendyhanky am 13.10.2017 | 16:27 ---Was ist denn Drama das IM KOPF ist?
--- Ende Zitat ---
Ich weiß nicht ob es nur im Kopf ist.
Es gibt objektiv dramatische Situationen....z.B. Der Held kämpft um Leben und Tod mit dem Erzfeind.
Nehmen wir mal den uralt Film "Highlander" - "es kann nur einen geben". (Highlander gegen Kurgan)Wer dem anderen zuerst die Rübe abhaut, überlebt nicht nur, nein, er wird auch noch supermächtig.
Warum ist das für die (meisten) Zuschauer spannend ? Sie mögen die Figur des Highlanders, sie können sich auf positive Weise mit ihr identifizieren und sie fiebern mit was ihr Schicksal betrifft.
So ähnlich ist das mMn. auch bei einer guten Verbindung zwischen Spieler und Figur. Nur, dass der Spieler ja seinem Helden nicht nur zuschaut sondern auch für seine Empfindungen und Entscheidungen zuständig ist.
Gibt es diese Verbindung nicht, dann mag die Situation vielleicht objektiv dramatisch sein (Endkampf!)
Aber nicht zwingend (subjektiv) für den Spieler.
Und ich würde mal behaupten, was den Spieler nicht mitnimmt, ob nun im Kopf im Bauch oder sonstwo, ist auch nicht wirklich spannend bzw, dramatisch.
Drama hat ja mit Emotion zu tun. Und ich meine auch mit den Emotionen des Spielers, die Figur ist mMn. nur das Vehikel.
bobibob bobsen:
Drama empfinde ich immer dann wenn ich plötzlich und unerwartet von der Sicht des Sc auf meine eigene Spielersicht zurückgeworfen werde. Meist denke ich denn huch was geht denn hier Grad ab , das berührt mich jetzt tatsächlich persönlich.
Ucalegon:
--- Zitat von: Arldwulf am 13.10.2017 | 16:25 ---Letztlich sind das eher verschiedene Blickwinkel auf die gleiche Sache als unterschiedliche Dinge.
--- Ende Zitat ---
Mag sein, dass alle Definitionen das Hervortreten der Persönlichkeit als gemeinsames Ziel haben. Wobei ich das bei denjenigen, die wie Greifenklause fast alle denkbaren Szenen und Situationen in einem Rollenspiel, nicht nur die mit internem Konflikt und emotionalen Bedürfnissen, als dramatisch empfinden, nicht sehe.
Jedenfalls helfen die Definitionen, sozusagen als Absichtserklärungen 'Das ist Drama, da will ich hin' klar zu machen, welche Regeln man dafür braucht oder wie man sonst zu diesem Ziel kommt. In Laws DramaSystem sieht man das sehr deutlich: Er baut den Großteil seines Spiels in Szenen auf, die sich als Dialog bzw. Interaktion zwischen Figuren abspielen, die emotionale Bedürfnisse aneinander haben. Eine Situation, in der irgendwelche externen Hindernisse überwunden werden müssen gibt es hier schlicht nicht bzw. nur in gesonderten prozeduralen Szenen, die im Spiel erfahrungsgemäß selten vorkommen. Und diesen Unterschied bemerke ich deutlich, auch wenn die Trennlinie nicht überall so scharf gezogen wird wie im DramaSystem. Dementsprechend finde ich Laws Definition sehr hilfreich, um auszudrücken, was ich von einem Rollenspiel, das Drama in den Mittelpunkt stellt, erwarte - und, warum mir traditionelle Rollenspiele das (mit Ausnahmen) nicht liefern.
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