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Herr der Ringe - Die Serie - Die Ringe der Macht
Zed:
Danke, Jiba, für Dein ausgezeichnetes Plädoyer, warum Tolkiens Werk schon immer tiefgründiger war, als manche es erinnern. Bestimmte zusätzliche Varianten von Liebe (explizite Homosexualität) kann ich nicht erinnern, aber andere Varianten von tiefster, bis in den Tod reichende Verbundenheit über Völker hinweg und innerhalb von Geschlechtern (wie zwischen Sam & Frodo) schon: Solche paraamourösen Beziehungen kämen noch auf die Liste der Vielfalt von Beziehungen, die Tolkien beschrieben hat.
Um deutlich zu machen, dass gerade im Silmarillion mehr GoT steckt, als Der Hobbit es vermuten lässt, möchte ich noch ergänzen, dass wir dort noch finden: Inzest, Folter, Selbstmord, Vergewaltigung, Abschlachtungen (nicht nur Schlachten). Obwohl nicht ausführlich beschrieben, geschehen diese Plot Points nicht nebenbei, sondern haben starke Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Geschichte.
Isegrim:
--- Zitat von: Jiba am 15.02.2022 | 06:46 ---Gut, die Zwergen-/Elfenromanze kannst du schon mal nicht meinen. Dafür gibt's mit Gimli und Galadriel im Kanon gewissermaßen ja einen Präzendenzfall.
--- Ende Zitat ---
Oha, Romanze? Muss Celeborn i-wen fordern? ;)
Ist glaub ich ein guter Vergleich. Sowohl im Buch als auch im Jackson-Film haben sie das hübsch delikat abgehandelt. Man kann da sicher i-welchen sexuellen Spannungen reinlesen; muss man nicht. Es drängt sich in keiner Weise auf. Oder man geht den GoT-Weg und zeigt, wie sie sich die Kleider vom Leib reißen. Kann auch nett sein, die Beteiligten sehen ja lecker genug aus, aber brauchts das? Ist halt eine andere Stimmung, die dabei rüber kommt. I-wie der gleiche Unterschied zwischen der Verwendung des Wortes "Minne" im Mittelalter versus der Verwendung durch (spät-) pubertierende Liverollenspieler... ;D
Jiba:
--- Zitat von: Samael am 15.02.2022 | 08:24 ---Wie man das auch immer tiefenpsychologisch interpretieren möchte, es in meinen Augen absurd zu behaupten das sei ein Präzedenzfall für den Kram im Hobbit-Film.
--- Ende Zitat ---
Aber warum denn?
Selbst wenn wir das Galadriel/Gimli-Beispiel von uns weisen, sind Romanzen zwischen Vertretern verschiedener Spezies bei Tolkien belegt. Ob die Romanze im Hobbit-Film gut gemacht ist oder ob diese spezielle Ergänzung im Kontext der Verfilmung Sinn ergibt, ist eine völlig andere Frage. Dass sowas aber in Mittelerde vorkommen kann, halte ich für unstrittig. Und darum geht es mir: Zu zeigen, dass allein die Beifügung einer Romanze in Tolkien-Werke kein völliger Schuss neben den Kanon ist, sondern in ihre Stimmigkeit am Werk belegbar ist.
--- Zitat ---Und ich bezweifele, dass Tolkien dir bei der „sexuellen Komponente“ beigepflichtet hätte.
Auch wenn moderne Psychologen diese vielleicht finden würden! 😂
--- Ende Zitat ---
Okay, dann jetzt aber mal Butter bei die Fische: Was gilt?
Unsere Vorstellung von "Realismus" in Fantasywelten (= "es darf dies und das und jenes in Mittelerde nicht geben, weil es das im nordeuropäischen Hochmittelalter unserer Welt auch nicht gab, auch wenn Tolkien das mit keiner Silbe ausgeschlossen hat") oder nur das, was Tolkien explizit in seine Bücher schreibt ( = "Eriador ist entvölkert, Punkt! Das steht so in den Büchern! Völlig egal, ob das die Frage aufwirft, wo die ganzen Leute, die später im Königreich Arnor leben dann eigentlich herkommen, und realistisch gar nicht zu erklären ist")?
Und ja, natürlich sind da Zwischentöne zwischen diesen beiden Extremen möglich, aber dann sollten wir erklären, warum.
Dass Gimli in Galadriel nicht verliebt ist, ist letztlich dein Headkanon. Daran ist überhaupt nichts plausibler. Meine Version ist auch nicht absurder. Das ist eben genau diese Rezeptionshaltung, mit der Menschen eigene Vorstellungen in den Text tragen, die es unmöglich machen, wirklich "werkgetreue" Verfilmungen überhaupt herzustellen. Ist alles eine Frage des persönlichen Bezugs zum Text.
Insofern:
--- Zitat --- Man kann da sicher i-welchen sexuellen Spannungen reinlesen; muss man nicht.
--- Ende Zitat ---
Ja!
Damit sollten wir uns aber davon verabschieden, dass irgendetwas in z.B. den Hobbit-Verfilmungen grundsätzlich absurd ist, so es nicht ausgesprochen wurde.
Tolkien ist quasi der Shakespeare der klassischen Fantasy. Und wollen wir uns wirklich hinstellen und sagen, dass die eine Interpretation der Beziehung zwischen Hamlet und Ophelia die "richtige" ist?
Ein bisschen mehr Freiheit bei der Adaption von Tolkien darf man sich schon nehmen.
caranfang:
Man sollte ich vergessen, dass man oft mehr in eine "Beziehung" hineininterpretiert als da ist. Die Beziehung zwischen Gimli und Galadriel ist keine Romanze sondern hat in meinen Augen eher etwas von höfischer Minne, wenn überhaupt. Viele haben zum Beispiel in der Beziehung von Frodo und Sam aber auch in der Freundschaft von Gimli und Legolas etwas homoerotisches wenn nicht sogar homosexuelles gesehen, so dass es damals in den 1990ern angeblich Überlegungen gab, das Geschlecht einiger Charaktere zu ändern, damit das Publikum erst garnicht auf diese Gedanken kommen kann.
Nicht nur das Silmarillion ähnelt sehr GoT, sondern auch der Rest der Geschichte Mittelerdes, auch wenn dies nicht so gutausgearbeitet ist, wie die geschichte des Ersten Zeitalters.
--- Zitat von: Jiba am 15.02.2022 | 09:06 ---...
Tolkien ist quasi der Shakespeare der klassischen Fantasy. Und wollen wir uns wirklich hinstellen und sagen, dass z.B. Tilda Swinton nicht den Othello, und Denzel Washington nicht den MacBeth spielen darf, "weil historische Renaissance und so"?
...
--- Ende Zitat ---
Ja, und nicht nur aus dem Grund, denn Du genannt hast. Es wäre nämlich auch rassistisch.
AndreJarosch:
Ich bin nicht sicher, ob ich das richtig wiedergebe, aber ich meine, dass das Tolkien Estate Peter Jackson damals die Filmrechte für die "Herr der Ringe" Trilogie gegeben hat, aber auch NUR die "Herr der Ringe Trilogie", so dass andere Werke, wie z.B. "Das Simarillion" nicht in dem Vertrag enthalten waren.
Alles was die Filmemacher jetzt nutzen können ist "Der Herr der Ringe" bzw. die ANHÄNGE, welche sich in den Büchern der Trilogie befinden.
Ich bin kein großer Herr der Ringe (Buch) Fan, so dass ich abwarten werde wie die Serie auf mich wirkt, wenn sie läuft. Ich bin offen für alles, solange die Geschichte die sie erzählt unterhaltsam und gut anzusehen ist.
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