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Herr der Ringe - Die Serie - Die Ringe der Macht
caranfang:
--- Zitat von: Waldviech am 15.02.2022 | 10:01 ---Würde ich so unterschreiben - mit gewissen Abstrichen, etwa wenn ein bestimmtes Aussehen oder eine bestimmte Herkunft für die Rolle wichtig ist oder wenn es sich um die Darstellung realer historischer Persönlichkeiten handelt. Sprich: Ob es jetzt auch dunkelhäutige Elben gab ist IMHO eher minderwichtig. Setzt man mir hingegen John Wayne als Dschingis Khan vor, wird es albern. Da letzteres in einer Tolkien-Adaption aber nicht vorkommen wird, ist meines Erachtens durchaus die Möglichkeit zur Varianz gegeben. Es sieht ja momentan so aus, als wären die vorgenommenen Abwandlungen entweder verständlich (die zeitliche Stauchung einer Handlung die sich in der Vorlage über Jahrtausende zieht) oder echt moderat. Es ist ja nicht so, als wäre jetzt der gesamte Figurencanon umgegendert worden und kettenrauchende Ents auf Motorrädern würden die Hauptrolle spielen.
--- Ende Zitat ---
Ich würde da sogar noch etwas weiter gehen. Bei historischen Serien sollte man sich historische Wirklichkeit nicht ignorieren, daher sind z.B. farbige Zenturios wie man sie z.b. in einer animierten BBC-Doku über die Römer in Britannien sehen konnte, ein absolutes No-Go, wie in diesem Video erklärt wird. Dies gilt auch für fiktive Charaktere, wenn sie in der Vorlage beschrieben wurden. Erinnert ihr Euch noch an den Aufschrei der Fans, weil Daniel Craig blond ist aber James Bond immer als schwarzhaarig beschrieben wurde?
--- Zitat von: Lyonesse am 15.02.2022 | 10:08 ---Und wenn schon Romanze im Hobbit, dann solltet ihr Casanova Gandalf nicht vergessen.
Kann mich zwar in der Vorlage nicht daran erinnern, aber das würde problemlos Gandalfs
lange Absenzen erklären - immerhin liegt Lothlorien auch nicht gerade um die Ecke.
Jackson hätte ruhig noch eine große Celeborn Eifersuchtsszene einbauen können, komplett
mit fliegendem Geschirr und Gandalf, der sich mal wieder überstürzt von einem seiner
Adlerkumpel abholen lassen muß.
--- Ende Zitat ---
Das zeigt mal wieder, dass Leute nicht zwischen Romanze und Freundschaft unterscheiden können...
Jiba:
--- Zitat von: caranfang am 15.02.2022 | 10:17 ---Ich würde da sogar noch etwas weiter gehen. Bei historischen Serien sollte man sich historische Wirklichkeit nicht ignorieren, daher sind z.B. farbige Zenturios wie man sie z.b. in einer animierten BBC-Doku über die Römer in Britannien sehen konnte, ein absolutes No-Go, weil es diese nicht gab.
--- Ende Zitat ---
Ist die Serie dokumentarisch? Unbedingt. Muss sogar.
Ist es eine historische Serie, der die Darstellung der Epoche besonders wichtig ist (z.B. "Turn")? Ja, auch, aber dann mit dramaturgischen Abstrichen.
Ist es eine historische Serie, der es eher um eine nostalgische, romantisierte, thematische oder rein ästhetische Bearbeitung der Epoche geht (z.B. "Bridgerton")? Absolut nicht notwendig.
Man muss das nur unterscheiden können.
Apropos:
--- Zitat ---Das zeigt mal wieder, dass Leute nicht zwischen Romanze und Freundschaft unterscheiden können...
--- Ende Zitat ---
Oder, dass Leute unbedingt immer zwischen Freundschaft und Romanze unterscheiden wollen. Schon ein Blick auf moderne Beziehungen oder die ganzen realweltlichen Verquirkungen und Verzwickungen, die zu üppigen Stoffen für zahllose Kunstprodukte wurden, zeigt, dass das nicht immer so einfach ist.
Alexandro:
--- Zitat von: Waldviech am 15.02.2022 | 10:01 ---Würde ich so unterschreiben - mit gewissen Abstrichen, etwa wenn ein bestimmtes Aussehen oder eine bestimmte Herkunft für die Rolle wichtig ist oder wenn es sich um die Darstellung realer historischer Persönlichkeiten handelt. Sprich: Ob es jetzt auch dunkelhäutige Elben gab ist IMHO eher minderwichtig. Setzt man mir hingegen John Wayne als Dschingis Khan vor, wird es albern. Da letzteres in einer Tolkien-Adaption aber nicht vorkommen wird, ist meines Erachtens durchaus die Möglichkeit zur Varianz gegeben. Es sieht ja momentan so aus, als wären die vorgenommenen Abwandlungen entweder verständlich (die zeitliche Stauchung einer Handlung die sich in der Vorlage über Jahrtausende zieht) oder echt moderat. Es ist ja nicht so, als wäre jetzt der gesamte Figurencanon umgegendert worden und kettenrauchende Ents auf Motorrädern würden die Hauptrolle spielen.
--- Ende Zitat ---
Sehe ich genauso.
Bei einem Großteil von Tolkiens Figuren wird nichtmal gesagt, was für eine Hautfarbe die eigentlich haben (gerade das Simarillion spielt ja nicht nur in einem kleinen Teil der Welt, sondern ist die Geschichte der gesamten Welt, insofern ist es wahrscheinlich, dass dort nicht alle gleich aussehen), das ist nur etwas, was westliche Leser da reininterpretieren.
Oder halt solcher Unsinn, wie "Tolkien war von den skandinavischen und altenglischen Mythen inspiriert, also muss man das Werk nach diesen Kriterien interpretieren" - oh boy, es ist eine verdammte Adaption. Bei "West Side Story" beschwert sich ja auch keiner darüber, dass die Sharks und Jets nicht in italienischer Renaissancekleidung rumlaufen, weil die Geschichte ja auf "Romeo & Julia" basiert. ;)
Waldviech:
--- Zitat ---Bei historischen Serien sollte man sich historische Wirklichkeit nicht ignorieren, daher sind z.B. farbige Zenturios wie man sie z.b. in einer animierten BBC-Doku über die Römer in Britannien sehen konnte, ein absolutes No-Go, weil es diese nicht gab.
--- Ende Zitat ---
Zumindest mal, soweit dies möglich ist. Den farbigen Zenturio finde ich durchaus völlig OK. Es gab im römischen Reich nachgewiesenermaßen auch dunkelhäutiges Militärpersonal. Es spricht jetzt also nichts Prinzipielles dagegen, dass ein generischer dunkelhäutiger Zenturio durch Britannien stapft. Das ist vollauf innerhalb vorstellbarer Parameter. Problematisch hingegen wäre ein Zenturio, der Native American ist. Oder eben, wenn man konkrete historische Persönlichkeiten "umfärbt". Die schwarze Anne Boleyn zum Beispiel war IMHO ein Wandklatscher mit Ansage und ein Paradebeispiel dafür, wie man Diversity besser nicht präsentieren sollte. Aber ich glaube, das führt jetzt ziemlich weit weg von Tolkien.... ;D
--- Zitat ---Bei einem Großteil von Tolkiens Figuren wird nichtmal gesagt, was für eine Hautfarbe die eigentlich haben
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Stimmt - und weiß der Geier, wie die Bevölkerung von Südgondor ausschaut.
--- Zitat ---Oder, dass Leute unbedingt immer zwischen Freundschaft und Romanze unterscheiden wollen.
--- Ende Zitat ---
Zumal Themen um "Gender", "Sexuelle Identität" usw. momentan auch (ich sage das jetzt mal ganz boshaft) ein ziemliches "Modethema" sind und viele Rezipienten dadurch begonnen haben, wirklich alles durch genau diese Brille zu betrachten. Da wird dann beispielsweise im Falle von Legolas und Gimli, was eigentlich eine typische "Waffenbrüder-bis-in-den-Tod-Geschichte" ist, schnell irgend eine homosexuelle Komponente hineininterpretiert. Kann man zwar machen, wär aber eigentlich recht überflüssig.
Zed:
--- Zitat von: caranfang am 15.02.2022 | 09:19 ---Man sollte ich vergessen, dass man oft mehr in eine "Beziehung" hineininterpretiert als da ist.
--- Ende Zitat ---
Interpretieren gehört zum Privileg des Lesenden. Ja, es ist eigentlich sogar Pflicht des Publikums, das Werk zu interpretieren.
Selbst wenn Tolkien keine sexuelle Anziehung zwischen Sam und Frodo ins Werk geschrieben hat, so hat er eine Verbundenheit zwischen den beiden Figuren beschrieben, die weit über die Mindestbedingung einer ehelichen Liebe hinausgeht: Frodo hat sich als zu schwach erwiesen, den Ring heldenhaft zum Feuerschlund zu tragen. Er hat Sam verstoßen. Und doch trägt Sam Frodo zu beider sicheren Tod den Vulkan hinauf. Die Chance, dass Rosie sich einen anderen Mann als Sam wird suchen müssen, weil er nie wieder zurückkehren wird, ist überwältigend groß (wer rechnet schon mit Adlern?).
Wenn ich es richtig erinnere, dann hält Sam keine Rede, dass er den wohl sicheren Tod jetzt für Mittelerde sucht, sondern (das interpretier ich so) weil er den Willen des Freundes erfüllt, der Frodo einmal war. "Ich kann nicht für Dich den Ring zum Berg tragen. Aber ich kann Dich tragen." Wenn diese Verbundenheit nicht größer als das ist, was Leute als standardmäßige "Liebe zwischen Ehepartnern" definieren, dann weiß ich auch nicht.
Auch wenn es nicht meine Interpretation ist, so verstehe ich, wenn Menschen etwas Homoerotisches zwischen Sam und Frodo wahrnehmen. Diese Deutung schließt der Text für mich nicht aus - und manche können sich wohl keine rein platonische Liebe einer Tiefe, wie Frodo und Sam sie haben, vorstellen.
--- Zitat ---Viele haben zum Beispiel in der Beziehung von Frodo und Sam aber auch in der Freundschaft von Gimli und Legolas etwas homoerotisches wenn nicht sogar homosexuelles gesehen, so dass es damals in den 1990ern angeblich Überlegungen gab, das Geschlecht einiger Charaktere zu ändern, damit das Publikum erst garnicht auf diese Gedanken kommen kann.
--- Ende Zitat ---
Dass Geschlecht von Gimli oder Legolas zu ändern wurde angeblich überlegt? Wo kann ich diese Gerüchte nachlesen?
Entlarvend, was Shitstorms auslöst und was nicht - ich verstehe nicht, was den Filmschaffenden mal "durchgelassen" wird, wie sie das Buch umsetzen, und wofür sie mal angefeindet werden: Die 1000de Jahre alte Figur Galadriel wurde von einer Mitt-Dreißigerin gespielt - ist das werkgetreu? Wohl nicht. Hätten sie wie bei Gollum CGI nutzen können, um eine solche Figur werkgetreuer zu erschaffen? Sicher. Hat sich jemand darüber aufgeregt? Nein, weil die Interpretation der Figur durch Jackson und Blanchett nicht hinterfragt wurde. Hier ist Stretch of Imagination kein Problem.
Aber wenn eine Figur in einem Film mal eine andere Hautschattierung hat als in unserer falschen Vorstellung der nordische Urtyp, dann geht die Post ab. Hier gelingt manchen partous der Stretch of Imagination nicht. Zuverlässiger kann die kritierende Person ihre Vorurteile nicht entlarven.
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