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Herr der Ringe - Die Serie - Die Ringe der Macht
Crimson King:
--- Zitat von: Jiba am 15.02.2022 | 15:24 ---Deiner Frage fehlt der Beisatz, dass es sich bei der Welt, über die wir sprechen, um eine fiktive Fantasy-Welt handeln muss. Denn darum und nur darum geht es hier. Ansonsten, wie gesagt: Es kommt darauf an, was ich mit dem historischen Stoff ausdrücken will.
--- Ende Zitat ---
Ich sehe das so: genauso wie Gladiator und tonnenweise andere Filme und Serien keine genaue Dokumentation historischer Ereignisse sind (und nicht sein wollen), sind die Hdr- und Hobbit-Filme und Serien keine Dokumentation mittelerdischer Geschichte. Tolkiens Werk selbst bleibt von allen Werken, die ihn rezipieren, neu interpretieren und als Basis für ihre eigenen Geschichten benutzen, unberührt. Also müssen mich die dortigen Änderungen nicht stören.
Achamanian:
--- Zitat von: Waldrand am 15.02.2022 | 15:41 ---Ebenso sollte wer damals aufgeschrien heute nicht auf colorblind machen, sondern stringent argumentieren.
--- Ende Zitat ---
Genau darum habe ich mich in dem von dir zitierten Beitrag bemüht. Klar ist das eine Mischung aus eher vage erinnerter Tolkien-Lektüre und meinem Kopfkanon und keine genaue Werkexegese, die belegt, dass dunkelhäutige Figuren in Mittelerde nördlich von Harad ihren Platz haben; aber ich sehe da ehrlich gesagt auch eher diejenigen in der Bringschuld, die finden, dass dem nicht so ist. Wenn Tolkien irgendwo explizit geschrieben hat, dass die Numeneoer keinerlei Kontakt mit dunkelhäutigen Völkern hatten und dass alle Zwerge und alle Hobbits einschließlich der anderen Halblingsvölker, die er erwähnt, durchweg hellhäutig sind, dann muss ich wohl akzeptieren, dass Rings of Power in der Beziehung nicht werkgetreu ist (was für mich zugegebenermaßen immer noch kein Beinbruch ist).
Zu Tolkien im Allgemeinen würde ich auch anmerken, dass er selbst offenbar überhaupt nicht diesen Fetisch der konsequenten Anlehnung an bestimmte historische Vorbilder für Mittelerde als Gesamtschöpfung hatte. Für den Hobbit hat er Elemente aus seiner Mittelerde-Mythologie verwendet, wahrscheinlich noch ohne die klare Absicht, den Hobbit wirklich zu einem Teil dieser Mythologie zu machen, aber dann hat er genau das im HdR getan, und plötzlich hat man englische Kleinbürger mit Taschenühren in einer Mythenwelt (was für mich ein viel gewaltigerer Bruch ist als dunkelhäutige Halbelben oder Zwerge - nur hat Tolkien ihn eben selbst begangen). Im HdR wechselt Tolkien also vom Kleinbürgeridyll über Fabelmomente (der denkende Fuchs) zur großen Kunstmythologie und dann - mit der Befreiung des Auenlands - zur Allegorie auf den Faschismus (die finde ich übrigens sehr interessant, weil hier die verarmte Version des mythischen in Form des gefallenen Sarumans auf das Kleinbürgertum triifft, und raus kommt eben etwas in Richtung Faschismus). Ist da irgendeine Konsistenz in der historischen Anlehnung erkennbar? Für mich nicht. Toll ist es trotzdem, weil Tolkien eben die Elemente genutzt hat, die es ihm ermöglicht haben, eine Geschichte zu erzählen, die inhaltlich dann eben doch durchaus vielschichtiger ist als "Wir stürzen den dunklen Herrscher".
Wenn jetzt eine Sekundärschöpfung wie "Rings of Power" erst einmal deutlich kleinere Brüche vollzieht, bei denen ich mir wie gesagt noch nicht mal sicher bin, ob es überhaupt Brüche mit dem sind, was bisher über Mittelerde etabliert ist (siehe meine Ansichten zum Thema Numenor), erkenne ich nicht, inwiefern das der Essenz der Sache zuwiderlaufen oder von vorneherein der Qualität der Serie einen Abbruch tun würde.
Letztendlich frage ich mich auch, warum viele unbedingt die Lesart von Mittelerde wählen, bei der PoC (als neu eingeführte Figuren, nicht als "blackwaching" bestehender Figuren) überhaupt einen Bruch darstellen. Vielleicht lässt sich der Bruch irgendwie an Tolkiens Werk belegen, vielleicht auch nicht, aber viel mehr Freude hat man doch mit der Haltung, die Tolkien selbst offenbar auch hatte: Elemente, die sich vielleicht auf den ersten Blick nicht einfügen, interessiert aufnehmen und sehen, was geschieht, wenn man sie in Beziehung zueinander setzt. Ich finde es jedenfalls anregender, darüber nachzudenken, was PoC in einer von der Seemacht Numenor dominierten Welt zu suchen haben (meine Antwort: Sehr viel, ihre Abwesenheit wäre befremdlich), als von vorneherein zu sagen: Das geht nicht, weil im Book of Lost Tales anfangs Aelfwine der Engländer die Hauptfigur ist.
Swafnir:
--- Zitat von: Bilwiss am 15.02.2022 | 16:00 ---Um mal zu was zu kommen was mMn tatsächlich entscheident wird ob die Serie Erfolg hat oder nicht. Laut Vanity Fair wird für die Serie tausende Jahre im zweiten Zeitalter zu einem einzigen kürzeren Zeitraum kondensiert.
Ist natürlich irgendwie verständlich allerdings ist das schöne an Tolkien's Legendarium ja auch die epische tausendjährige Geschichte. Und man hätte ja auch einfach mehr Elben nehmen können die sterben nicht so oft weg. 8]
Bin auf jeden Fall gespannt ob sie das gut hinkriegen.
--- Ende Zitat ---
Ich finds doof. Damit hätte man schön die Langlebigkeit der Elben zeigen können.
Sosthenes:
--- Zitat von: Bilwiss am 15.02.2022 | 16:00 ---Um mal zu was zu kommen was mMn tatsächlich entscheident wird ob die Serie Erfolg hat oder nicht. Laut Vanity Fair wird für die Serie tausende Jahre im zweiten Zeitalter zu einem einzigen kürzeren Zeitraum kondensiert.
--- Ende Zitat ---
Konkrete Ansagen was das ausmacht? Man muss den Helden keine Falten anschminken, also fehlt dann einfach nur an ein paar Stellen "Drölfzig Jahre Später" auf dem Schirm?
Ich nehm da immer an dass ein paar Schlachten halt unmittelbarer ineinander übergehen.
Und Charaktere werden sowieso vereint. Liest ja niemand mehr Tolstoi ;)
Achamanian:
--- Zitat von: Sosthenes am 15.02.2022 | 16:15 ---Konkrete Ansagen was das ausmacht? Man muss den Helden keine Falten anschminken, also fehlt dann einfach nur an ein paar Stellen "Drölfzig Jahre Später" auf dem Schirm?
Ich nehm da immer an dass ein paar Schlachten halt unmittelbarer ineinander übergehen.
Und Charaktere werden sowieso vereint. Liest ja niemand mehr Tolstoi ;)
--- Ende Zitat ---
Ein bisschen Kompression sehe ich ein, aber es wäre auch schön, wenn man ein paar Menschen (und Harefoots) altern und sterben sieht, während die Elben ewig jung bleiben - ist ja auch Stoff für Drama. Auf fünfzig oder hundert Jahre eindampfen würde mir einleuchten.
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