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Herr der Ringe - Die Serie - Die Ringe der Macht
Isegrim:
--- Zitat von: Rumpel am 15.02.2022 | 16:04 ---Letztendlich frage ich mich auch, warum viele unbedingt die Lesart von Mittelerde wählen, bei der PoC (als neu eingeführte Figuren, nicht als "blackwaching" bestehender Figuren) überhaupt einen Bruch darstellen.
--- Ende Zitat ---
Ich glaub, eigentlich steht hierhinter die Frage: Wie ethnisch homogen will man die Völker in Fantasy-Welten. Bei Elfen, Zwergen, Hobbits kann man noch argumentieren, es gibt schlicht keine dunkelhäutigen (oder ostasiatsich aussehenden, oder Aborigenes ähnelnden etc) Vertreter. Bei Menschen macht das offensichtlich keinen Sinn, Menschen mit anderer Hautfarbe als "europäisch-weiß" werden ja eindeutig erwähnt. Also wie ethnisch homogen sind bspw die Rohirrim? Beschrieben werden sie ungefähr so, wie sich Klischee-Nazis den archetypischen Arier vorstellen: Groß, hellhäutig, blond. Gibt's in Rohan eine schwarze Minderheit? Wird nicht erwähnt, wird nicht explizit ausgeschlossen. Ist es jetzt ein Problem, wenn jeder zehnte Rohirrim von einem Scharzen dargestellt wird? Muss wohl jeder für sich ausmachen. Macht mans am Werk fest? An der Vorstellung der Angelsachsen von vor 1.000 Jahren, die ja mehr oder minder offiziell die Vorlage für die Rohirrim bilden? An der Vorstellung von einer heutigen Gesellschaft? Kann man alles begründen, und vermutlich werden die meisten auch die praktischen Umstände der Produktion i-wie berücksichtigen (tu ich zumindest).
Fun Fact dazu: Im Jackson-Film ist der reale Frauen-Anteil bei den Reitern von Rohan wesentlich höher als bei Tolkien, wo er "Eowyn" beträgt. Die "Reiterszene" in Neuseeland besteht nunmal zu großen Teilen aus Frauen und ist klein genug, dass für den Film große Teile davon als Statisten aktiviert wurden, sprich: Ging nicht anders. Wurde natürlich probiert, mit Bärten wegzutarnen, aber wenn man genau hinguckt sieht mans bei vielen Statisten. Ist das ein Problem? Für mich nicht, ich halts eher ein witziges Detail der Produktion. Aber das beruht halt auch auf "Ging nicht anders", nicht auf "Wir wollen das so".
Gegen neu eingeführte PoC aus menschlichen "Mittelerde-PoC-Völkern" hätten nur die wenigsten was, glaub ich. Und es würde, nebenbei bemerkt, die Gelegenheit bieten, diese Menschen, die in Tolkiens Schlachten ja regelmäßig auf der anderen Seite stehen*, als Menschen zu beleuchten, im Geiste der Film-Szene, in der Faramir darüber siniert, dass der tote Haradrim wohl auch lieber in Frieden zu Hause geblieben wäre als in den Krieg zu ziehen.
* Eine interessante Ausnahme dazu: Die Druedain (Wasa, "Puckelmänner") werden als ganz eigener Menschenschlag geschildert, direkt als "Wilde (Menschen)" bezeichnet, und als recht häßlich dargestellt, was bei Tolkien eigentlich kein gutes Zeichen ist... Dennoch schlagen sie sich nie auf die falsche Seite, anders als so ziemlich alle anderen Wesen, die uns in Mittelerde begegnen. Die sind allerdings auch wieder so eigen, dass sie nicht dafür taugen, die Repräsentation realer PoC zu fördern.
Vielleicht ist das mein eigentliches Problem mit der ganzen Sache: Dass aus durchaus nobler Absicht Themen & Fragen in eine fiktive Geschichte transportiert werden, die dort mE ursprünglich keine Rolle spielten. Ich mein, wenn man ethnische Unterschiede bei Hobbits haben will finden die sich im Text: Haarfüße, Starre & Falbhäute stammen direkt von Tolkien, inkl einer wie auch immer entstandenen sozialen Komponente, als die drei Stämme sich zum Volk des Auenlandes zusammenschlossen; sonst wäre der Einschlag der Falbhäute bei den "aristokratischen" Familien nicht so stark zu spüren, wie das laut Tolkien der Fall ist. Ich glaub nur nicht, dass diesen Weg gehen, sondern eher...
--- Zitat von: Grubentroll am 15.02.2022 | 16:24 ---Sind da allerdings einfach nur Leute aller Ethnien weil das heutzutage so sein muss wegen Hollywoodpolitik, und nix wird erklärt warum das so ist, oder warum sich diese nicht schon lange vermischt haben?
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: Grubentroll am 15.02.2022 | 17:02 ---Vielleicht sollten sie auch Golden sein, oder Grün oder Rot wie Edelsteine.
--- Ende Zitat ---
"Seine Haut zeigt ein schmutziges Orange, mit einem Netzwerk aus horizontalen und vertikalen Linien."
https://www.ankh-morpork.de/index.php?seite=2600&title=Ziegel
;)
Achamanian:
--- Zitat von: Grubentroll am 15.02.2022 | 17:24 ---Mein lieber Rumpel, glaub mir, ich hab mehr schwarze Freunde wie du, hab mein Leben lang aktiv mehr mit schwarzer Musik und Kultur (Hip Hop und Graffiti) zu tun wie du, und sehe auch all diese Dinge. Also bitte keine von diesen naiven großkotzigen Belehrungen von oben herab.
Und trotzdem hätte ich gerne kanongetreue Verfilmungen.
Wenn mich das jetzt hier zu einem "weißen Dumpfkopf "macht in deinen Augen der derlei Unterrichtungen braucht, dann bitte.
Aber dann bin ich jetzt raus aus der Diskussion hier.
Schönen Abend.
--- Ende Zitat ---
Schade, die Empfehlung war ernst gemeint - ich empfand das Buch wirklich als enorm "brückenbauend", weil es empathisch in alle Richtungen war.
Ich erlebe in meiner jetzigen Lebenssituation gerade ziemlich krass "weiße Privilegiertheit", weil ich in einem Land lebe, in dem rassistisch geprägte Arbeitsteilung leider diie norm ist (und ich davon profitiere). Ist wahrscheinlich eine andere Perspektive auf Rassismus als deine (und vielleicht auch eine auf persönlicher Ebene weniger informierte), aber der Sinn einer Diskussion (oder auch einer Lektüre) ist es ja, andere Perspektiven kennenzulernen.
Swafnir:
Können wir vielleicht Argumente wie "Irgendwo sitzt ein kleines Mädchen" oder "ich hab mehr schwarze Freunde wie du" oder "Wenn du das sagst, weint ein Engel" weglassen?
Haukrinn:
--- Zitat von: Isegrim am 15.02.2022 | 17:27 ---Vielleicht ist das mein eigentliches Problem mit der ganzen Sache: Dass aus durchaus nobler Absicht Themen & Fragen in eine fiktive Geschichte transportiert werden, die dort mE ursprünglich keine Rolle spielten.
--- Ende Zitat ---
Der Knackpunkt ist ursprünglich. Medien, insbesondere solche, die in der einen oder anderen Form etablierte Werke in neue Form bringen und damit auch reinterpretieren, stellen ihre Macher früher oder später vor die Entscheidung, ob die erzählte Geschichte sich in den ursprünglichen oder den jetzigen kulturellen Kontext einbetten soll. Oft, und das halte ich auch für die absolut richtige Entscheidung (wobei ich da kein Maßstab bin, ich sag ja auch Kunst die unpolitisch ist, ist keine Kunst), fällt die Entscheidung dabei für die letztere Option. Und damit werden dann zwangsläufig Themen und Fragestellung in die Geschichte hinein transportiert, die dort ursprünglich nicht vorhanden waren, und die damit im besten Falle auch den interpretationsspielraum auf einen in der Gegenwart verorteten Kontext ausdehnen. Etwas, das ohne diese Arbeit gar nicht möglich wäre beziehungsweise bei näherer Betrachtung höchst unsinnig erscheint (Beispiele werden hier aus gesellschaftspolitischen Gründen jetzt nicht gegeben).
Isegrim:
--- Zitat von: Haukrinn am 15.02.2022 | 17:42 ---Der Knackpunkt ist ursprünglich. Medien, insbesondere solche, die in der einen oder anderen Form etablierte Werke in neue Form bringen und damit auch reinterpretieren, stellen ihre Macher früher oder später vor die Entscheidung, ob die erzählte Geschichte sich in den ursprünglichen oder den jetzigen kulturellen Kontext einbetten soll. Oft, und das halte ich auch für die absolut richtige Entscheidung (wobei ich da kein Maßstab bin, ich sag ja auch Kunst die unpolitisch ist, ist keine Kunst), fällt die Entscheidung dabei für die letztere Option. Und damit werden dann zwangsläufig Themen und Fragestellung in die Geschichte hinein transportiert, die dort ursprünglich nicht vorhanden waren, und die damit im besten Falle auch den interpretationsspielraum auf einen in der Gegenwart verorteten Kontext ausdehnen. Etwas, das ohne diese Arbeit gar nicht möglich wäre beziehungsweise bei näherer Betrachtung höchst unsinnig erscheint (Beispiele werden hier aus gesellschaftspolitischen Gründen jetzt nicht gegeben).
--- Ende Zitat ---
Mag sein, nimmt dann aber natürlich von den Themen & Fragen weg, die die Geschichte behandelt. Ist bei manchen Geschichten aus der Vergangenheit egal, die sagen uns heute eh nichts mehr. Das dann mit heutigen Themen "aufzufüllen" ist super. Tolkien gehört mE (noch...) nicht dazu... ;)
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