Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Gibt es für euch irrationale Regelwerks-Abtörner?
Eulenspiegel:
Mich stören da eher Systeme, wo es keinen klaren Fokus gibt und am Ende dann der Paladin (Held) und der Dieb (Schurke) gemeinsam eine Gruppe bilden sollen. Da lieber im Vorfeld eine klare Ansage: "Die SCs sind alles Helden" oder "Die SCs sind alles Schurken".
trendyhanky:
--- Zitat ---Zunächst einmal finde ich es daneben, wenn man reale oder fiktive Personen per se zu Helden erklärt.
Eigentlich finde ich das ganze „Heldentum-Konzept“ in vielen Ansätzen fragwürdig.
Dazu kommt, dass die ganze rollenspielerische Kleinhalterei, die jahrzehntelang propagiert wurde (und das durchaus nicht nur von dem „ihr-wisst-schon-welches-ich-meine“ Spielsystem), diesen Begriff völlig absurd aussehen läßt.
--- Ende Zitat ---
Kann ich bestätigen. Als wir damals DSA spielten fiel uns die Diskrepanz auch auf.
Bis wir dann merkten, dass "Held" in DSA genauso nichtssagend is wie "Meister". Einfach nur eine schräge Namenskonvention
Jiba:
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--- Zitat von: Rhylthar am 16.12.2017 | 17:27 ---"Ich möchte in einer Welt spielen, nicht diese gestalten/erschaffen."
--- Ende Zitat ---
Bist du da im RPG nicht falsch?
Also als SL gestaltest du ja prinzipiell immer; da führt kein Weg dran vorbei. Du erschaffst auch immer: Situationen/Charaktere/Schauplätze. Außerdem gehe ich soweit zu behaupten, dass du auch ständig Dinge entgegen des intendierten Kanons erschaffst. Kein Rollenspieler kann mir erzählen, dass er alles was in einem mittelmäßig ausgearbeiteten Setting so in den Büchern steht derart verinnerlicht hat, dass er ausschließlich darauf zurückgreift und alles nach diesen Leitlinien für seine Spielwelt definiert. Bei Filmen und Spielen in großen Franchises ist dieses Abgleichen mit dem Kanon nämlich eine Riesenaufgabe für die Autoren (ich weiß, wovon ich rede, habe ich selbst schon gemacht). Mehr als eine grobe Orientierung am Vorhandenen kriegt man am Tisch nicht hin.
Und selbst, wenn man Spieler ist: Man entscheidet ständig Details über seinen Charakter. Ich lehne die Vorstellung ab, dass ein Charakter auf magische Weise meinen Geist okkupiert und ich ihn nur noch verkörpere ohne die Immersion jemals zu brechen oder irgendetwas zu gestalten. Wir sind immer irgendwo meta. Lässt sich auch im Actor's Stance nicht vermeiden. Wir interpretieren die Figur, die wir selbst erschaffen haben. Wir legen Dinge über die Figur fest ("Was hat Garret denn heute an? Wo wohnt eigentlich Melvins Vater?")...
Also ich finde dieses "Ich will bloß nicht empowered werden!" schon immer ein bisschen nebenläufig zum Hauptfaktor des Rollenspiels: Dem Gestalten. Dass man das hauptsächlich tut, das müssen sich nämlich sämtliche Rollenspiele von Old-School bis Indie, von Gurps bis Fate vorwerfen lassen.
Wenn das eine interessante Diskussion gibt, gerne ausgliedern.
Ein Regelwerks-Abtörner, den ich inzwischen verstärkt entwickle: A4. Wenn's nicht A5 oder B5 ist, dann nervt es mich schon. Ein Regelbuch muss in die Tasche passen.
Rhylthar:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)@ Jiba:
Du gehst da zu sehr ins Detail bzw. in die Detailtiefe. Es geht mir schlicht darum, dass mir der SL die Welt vorgibt und nicht von mir verlangt (z. B. weil das Regelwerk es so will), dass ich Fakten der Welt erschaffe. Es ist für mich ein Unterschied, ob ich in einem Dorf auf einmal den "Goldenen Keiler" als gesetzt annehme (immer aus Spielersicht) oder der SL auf mein Nachfragen, ob es irgendwo ein Gasthaus gäbe, antwortet, es gäbe da den "Goldenen Keiler". Und dann natürlich das Beispiel von Feuersänger mit der Meta-Ressource, die den Handlungsstrang entscheidend ändert. Ist nicht meins, wird auch nie meins werden. Action Points aus Eberron sind eine gute Richtlinie, inwieweit sowas für mich noch akzeptabel ist.
Achamanian:
--- Zitat von: hanky-panky am 17.12.2017 | 02:14 ---Kann ich bestätigen. Als wir damals DSA spielten fiel uns die Diskrepanz auch auf.
Bis wir dann merkten, dass "Held" in DSA genauso nichtssagend is wie "Meister". Einfach nur eine schräge Namenskonvention
--- Ende Zitat ---
"Held" ist allerdings längst nicht so falsch wie "Charakter" - ein Held kann ja auch einfach der Protagonist einer Geschichte sein, ohne dafür irgendwie heroisch sein zu müssen. Hans Castorp ist auch der Held vom Zauberberg.
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