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Wieso sind in Fantasysettings so oft so wenige Bewohner vorgesehen?
Huhn:
--- Zitat von: Sashael am 14.12.2017 | 00:13 ---Aber Einwohnerzahlen von 10-40k Leuten waren eben zu keiner Zeit Exoten, sondern relativ normale Zahlen für große Städte.
--- Ende Zitat ---
Doch, waren sie - wenn du ins europäische Frühmittelalter (= bis ca. 1000) gehst, bin ich mir relativ sicher, dass du solche großen Städte nur äußerst selten finden wirst. Und noch im Hochmittelalter (= bis 1250) dürften sie eher die Ausnahme als die Regel sein. Nicht so verallgemeinern.
(Edit: 100k+ ist übrigens wirklich Humbug. Lübeck, als Handelsmetropole hatte *zitiert Tante Wiki* 1642 mehr als 30.000 Menschen. Das ist nicht mal nahe an 100k. Wie ich schon sagte, halte ich Poppes Schätzungen bezüglich Novgorod auch für zu hoch gegriffen - ich weiß nicht, inwiefern er das direkte Umland der Stadt mit hineinzählte. Rom hatte um 800 noch 20.000 EW, wobei das im Verlauf des MAs wieder mehr geworden sein dürfte.)
Ich gehe aber mit dir mit, dass für das Spätmittelalter wohl schon angenommen werden kann, dass große politische und wirtschaftliche Zentren mit überregionaler Ausstrahlung üblicherweise mehr als 300 EW hatten.
Ein gutes Angebot an Waren und Dienstleistungen in Städten hing aber nicht nur mit den dort lebenden Leuten zusammen, sondern auch mit dem großen Einzugsbereich und relativ vielen Gästen. Ich denke schon, dass eine Stadt mit <10.000 EW für mittelalterliche Verhältnisse ein sehr gutes Angebot haben konnte, wenn sie zum Beispiel verkehrsgünstig lag (Reval war so ein Fall, Dorpat wohl auch). Ob es da immer alles zu kaufen gab, ist ne andere Frage - bestimmte Luxusgüter wurden importiert - und da etwa in Novgorod nur alles halbe Jahr Kaufleute mit neuen Waren kamen, kann ich mir vorstellen, dass dort auch mal ein halbes Jahr auf etwas gewartet werden musste. Von den ständigen Handelsblockaden mal ganz abgesehen.
Und die hier im Thread geäußerte Idee, es wäre möglich gewesen, von einer Großstadt in die nächste in wenigen Stunden zu laufen... schonmal in wenigen Stunden von Lübeck nach Hamburg spaziert? Also so dicht mit kleineren und größeren Städten wie heute war das MA nun wirklich nicht besiedelt. o.O
So bei Lichte betrachtet ergeben doch voll viele Sachen in Rollenspielen wenig Sinn. Ein Kumpel von mir hat mal ausgerechnet, dass es in Pathfinder wirtschaftlich möglich und sinnvoll wäre, eine große Franchise-Wirtshauskette aufzumachen, weil Immobilien dort so komisch berechnet werden und die Abenteurer so viel Loot aus den Dungeons schleppten. Andersherum kenne ich nen Eigenbau von einem Waffenfanatiker, der auf ungefähr 200 Seiten Regeln und Werte für jedes nur erdenkliche Schussgerät bietet, weil er alles andere unrealistisch fand. Spaß macht beides nicht.
Ich glaube, wenn du wirklich Realismus willst, dann brauchst du einen Wirtschaftssimulator und kein Rollenspiel. Ich verstehe das Bedürfnis, auch mal größere Städte im Rollenspiel einzubauen - wieso das unbedingt historisch begründbar sein muss, verstehe ich hingegen nicht so ganz. (Außer dem "Ich habs euch ja gesagt!"-Effekt) Warum dort plötzlich auf Realismus pochen und an anderen Stellen beide Augen zudrücken? An welchen Stellen wird überhaupt recherchiert und welche werden halt irgendwie so hingebogen?
KhornedBeef:
Es ist halt eine Frage der willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit: Völlig irreales Ding, zu dem ich kein Erfahrungswerte habe, ist komisch - Okidoki!; reales Ding, zu dem ich Erfahrungswerte habe, ist komisch - Nope; Kurz gesagt, diejenigen, die sich gut mit Siedlungsstrukturen des Mittelalters auskennen, sind damit selbst schuld ;)
Crimson King:
--- Zitat von: Sashael am 14.12.2017 | 00:13 ---Aber Einwohnerzahlen von 10-40k Leuten waren eben zu keiner Zeit Exoten, sondern relativ normale Zahlen für große Städte.
--- Ende Zitat ---
Ich weiß jetzt nicht, was du unter Exoten verstehst. In D gab es um 1000 keine 10 Städte dieser Größe. Die korrekte Formulierung wäre wohl, 10-40k Leute waren relativ normale Zahlen für große Städte, aber große Städte waren Exoten. Und du musst dann wie gesagt noch einberechnen, dass Fantasy-Welten und teilweise erschwerten Bedingungen funktionieren.
Infernal Teddy:
Was aber durch Heilmagie und Zauber welche Lebensmittel und Wasser erzeugen können ausgeglichen werden.
KhornedBeef:
--- Zitat von: Infernal Teddy am 14.12.2017 | 08:50 ---Was aber durch Heilmagie und Zauber welche Lebensmittel und Wasser erzeugen können ausgeglichen werden.
--- Ende Zitat ---
Also meiner Erfahrung nach sind Magier in Rollenspielen mehr damit beschäftigt Sachen kaputt zu machen und cool auszusehen als der darbenden Bevölkerung zu helfen.
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