Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Gibt es für euch rationale Regelwerks-Abtörner?
Eulenspiegel:
Im Nachbarthread Gibt es für euch irrationale Regelwerks-Abtörner? ging es eigentlich um irrationale Abtörner. In diesem Thread hier geht es um das Gegenteil: Rationale Abtörner.
Ein rationaler Abtörner bedeutet nicht, dass ein Spiel objektiv schlecht ist. Rationaler Abtörner bedeutet, dass man nicht einfach nur aus dem Bauch heraus sagt: "Finde ich schlecht, weil ist halt so.", sondern dass man die Meinung auch begründen kann. Und dass die Abneigung aus Überlegung und Beschäftigung daraus resultierte. Natürlich kann es andere Leute geben, die die Prämissen anders gewichten und deinen Abtörner aus anderen rationalen Gründen gut finden.
Ich fange mal an und bringe meine rationalen Abtörner:
[*]Fluff und Crunch widersprechen sich. Zum Beispiel hat ein Meisterdieb (Fluff) eine relativ hohe Chance, auch ein einfaches Türschloss einer normalen Wohnung nicht öffnen zu können. Oder der Scharfschütze hat eine 5% Chance, dass er den stillstehenden Elefanten vor sich verfehlt. Begründung: Wenn Fluff und Crunch nicht konsistent sind, muss man sich jedesmal überlegen, was jetzt Vorrang hat. Das stört unnötig den Spielfluss.
[*]Kompliziertes Rechnen bei Proben. Was kompliziert ist, ist bei jeder Person anders. 3W6 zu addieren, dürfte bei den meisten Leuten noch einfach sein. 3W100 zu addieren oder Divisionen sind da schon deutlich komplizierter. Begründung: Wenn ich bei jeder Probe unnötig rechnen muss, reist mich das aus dem Spiel und anstatt mit dem interessanten Teil des Spiels (dem Vorstellungsraum) beschöftige ich mich mit dem langweiligen Teil des Spiels (der Probenmechanik). Wobei es hier auch Ausnahmen gibt: Dogs in the Vineyard hat eine komplizierte Probenmechanik. Da die Probenmechanik selber aber interessant ist, stört mich das nicht.
[*]Die Regeln für die Charaktererschaffung passen nicht auf wenige DinA4-Seiten. Grund: Ich erschaffe Charaktere auch gerne mal in der Bahn, wenn mir langweilig ist. 1-2 DinA4-Seiten kann man dabei problemlos mitschleppen. Ein komplettes Regelbuch ist da schon deutlich komplizierter mitzuschleppen.
[*]Klassensysteme (Templates dagegen sind gerne gesehen.) Grund: Entweder Klassensysteme schränken einen unnötig ein. Oder es gibt so viele Klassen, dass man sich durch extrem viele Optionend urchblättern muss. Das widerspricht dann wieder meinem obigen Punkt, dass die Charaktererschaffung auf wenige Seiten passen sollte.
[*]Stufenaufstieg. Grund: Ich mag es, wenn ich jedem Spielabend ein wenig steigern kann.
[*]Poolsysteme, zu groß für eine Hand wird. Grund: Mit einer Hand, kann ich die Probe nebenbei würfeln, während ich mit der anderen Hand etwas anderes mache, z.B. Notizen auf dem Charakterzettel. Außerdem benötigen Poolsysteme mit vielen Würfeln unnötig viel Platz auf dem Tisch.
[*]Gummipunkte ohne Entsprechung im Setting, die einen prominenten Stellenwert einnehmen. Splitterpunkte bei Splittermond sind ok, da sie eine ingame Entsprechung haben. Wenn die Gummipunkte so dezent im Hintergrund sind, dass ich sie ohne große Einbußen ignorieren kann, ist das auch ok. Grund, warum mich Gummipunkte stören: Sie reißen mich aus der Immersion. Anstatt zu denken "Wie würde ich (der SC) jetzt das Problem lösen?", denke ich mir: "Wie kann ich die Gummipunkte effektiv einsetzen?"
[*]Fokus auf Kampf. Grund: Die meisten Optionen mit Kampf zu lösen, empfinde ich als langweilig. Andererseits will ich den Kampf auch nicht kategorisch ausschließen. Am abwechslungsreichsten ist es, wenn man die Probleme unterschiedlich löst; Mal diplomatisch, mal über Intrigen, mal heimlich, mal über Kampf etc.[/list]
TaintedMirror:
Irgendwie sehe ich da bei etwa der Hälfte auch nur ein schön verpacktes: "Ist halt so". So richtig passt hier rational auch nicht. Vieles ist ja auch eigentlich nur Geschmackssache. Klar bauen viele der Argumente auf anderen Geschmäckern auf, aber ein "Rechnen haut mich raus." ist halt eigentlich auch nur so ein Bauchgefühl.
Eulenspiegel:
Wo siehst du ein verpacktes "Ist halt so"?
Und klar ist vieles Geschmackssache. Aber rational und Geschmackssache schließen sich ja gegenseitig nicht aus. (Objektiv und Geschmackssache würden sich gegenseitig ausschließen.)
"Rechnen haut mich raus" ist kein Bauchgefühl, sondern eine empirisch feststellbare Tatsache.
TaintedMirror:
Also quasi "Is halt so". Nur weil du empirisch dazu schreibst macht das den Geschmack nicht weniger geschmackhaft.
Eulenspiegel:
Richtig, Wörter ändern natürlich nichts an der Realität.
Aber nur weil du "geschmackshaft" dazu schreibst, macht das die Tatsache nicht geschmackshaft.
Und bitte nicht "Ist halt so" mit "Geschmack" verwechseln.
Beispiel:
- "Amerika liegt westlich von Europa, weil ist halt so."
- "Ich mag Amerika (nicht), weil ist halt so."
Beides wird mit "ist halt so" begründet. Dennoch ist die erste Aussage eine Tatsache, während die zweite Aussage eine Geschmackssache ist.
Fazit:
Nur weil etwas mit "ist halt so" begründet wird, sagt das noch nichts darüber aus, ob es eine Tatsache oder eine Geschmackssache ist.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln