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Rassismus in Fantasy Rollenspiele

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Greifenklause:
@ Weeping Elf
Wenn ich sowas lese, möchte ich fast wieder zur Zwergendebatte (ja, ich begrabe die, versprochen!) zurück....
Wie kann man nur soviel in einen Topf werfen, was nichts miteinander zu tun hat?
Genau wie ich gerne mal Fallout spiele, spiele ich gerne mal nen Kämpfer, der Gewalt als übliches Problemlösungsmittel sieht und den Tod im Kampf (pfui) als etwas Ehrenhaftes. Und?

Ja, wir hatten schöne Abenteuer, in denen selbst die Spieler der maximierten Topkämpfer sagten: "Es war echt schön! Es gab zwar keinen Kampf, aber das ist mir nicht wichtig. Es war verdammt schön!"

Und auch wenn ich den Berserker spiele, der wie ein blutiger Wirbelwind durch die Feindesreihen äh wirbelt,
bin ich als Spieler auch gerne an nichtlethalen Lösungen interessiert. Und?
Folter als Mittel der Wahrheitsfindung. Pfui! Aber für meinen Charakter ok... nicht für alle und nicht für alle in gleichem Maße, aber ja durchaus...
Die Grenze ziehe ich da nie bzw eher selten im "OB", sondern darin, WIE EXPLIZIT ich das beschreibe.
Da wird sich kurz gefasst, angedeutet oder einfach nur ein Würfelwurf gemacht.

Spieler sollen sich nur ekeln, wenn sie Bock drauf haben, sich zu ekeln. Punkt.

Soweit zur Gewalt.
----

Jetzt wieder zum Rassismus:
Wie man an meiner fehlgeschlagenen Zwergendebatte erkennt, kann (und sollte) man die Rassismuskeule an verschiedenen Ecken ansetzen.
Das war es aber auch schon. Weder kann ein Autor jeglichen Anschein eines Rassismusses vermeiden, weil die Meinung, wann es ein notwendiges Feature ist, wann es ein nichtnotwendiges Feature (aber nicht rassistisch) und wann es ein nichtnotwendiges rassistisches Feature ist, weit auseinander gehen.

Ich kann mit "Alle Orks sind böse" so gar nichts anfangen.
Ich fand die Talentmodifikatoren der Mohas in DSA3 rassistisch.
Ich finde die Eingott-Novadis bei DSA als irdisch-rassistische Anleihe.
Andere sehen das nicht oder sehen das anders.

Umgekehrt finde ich den Splittermondansatz "Orks sind im Grunde Dämonen (bösartige Feen), deshalb sind sie böse, deshalb bitte bekämpfen" legitim und befreiend. Andere würden da sagen "Häh? Wie bigott!"

Ich bin der aufrichtigen Meinung, dass Reflexion und Amivalenz im Zweifel die Rassismuskeule zerhacken.
Ich hätte mir aber gewünscht, wenn man bei Tolkien auch mal auf nen Orkfarmer träfe, der mit dem ganzen Scheißkrieg nichts zu tun haben will.
Das wiederum hat DSA besser hinbekommen.

UND ICH WILL GAUßSCHE GLOCKENKURVEN bei jeder Spezies/Rasse.

Maischen:
Nur zum Letztgenannten: Ich bin froh darüber, dass bei Tolkien keine friedlichen Orkfarmer vorkommen. Das wiederum hat DSA aus meiner Sicht schlecht gemacht.

Caranthir:

--- Zitat von: Greifenklause am 27.04.2018 | 07:51 ---Ich hätte mir aber gewünscht, wenn man bei Tolkien auch mal auf nen Orkfarmer träfe, der mit dem ganzen Scheißkrieg nichts zu tun haben will.
Das wiederum hat DSA besser hinbekommen.

--- Ende Zitat ---

Bei Tolkien stehen bestimmte Fantasyvölker tatsächlich für das Böse. Als Rassismus würde ich es dann aber nicht bezeichnen, wenn andere Völker nunmal stehts negative Erfahrungen mit Orks und Trollen machen und sich gegen die zur Wehr setzen. Wobei bei Tolkien eigentlich niemand so verrückt ist und sagt "Wir gehen jetzt auf Orkjagd". Da geht es darum, dass man sein Dorf schützt, sich für die Ermordung eines Fürsten rächt usw. Das sind alles sehr konkrete Ziele, die mit Rassismus nichts zu tun haben.

Die Orks und Trolle können bei Tolkien ja leider auch selbst nichts dafür. Sie wurden so geschaffen. Die Tendenz geht bei ihnen Richtung Böse, alles vor dem Hintergrund, dass es in Mittelerde eine klare Gut-Böse-Einteilung gibt, die jedoch bei Menschen, Elben und Zwergen Grauschattierungen aufweist.

Ich habe absolut nichts dagegen, dass ein Autor manche Fantasyrassen als böse definiert. Das ist ein Ausdruck der Fantasie, da es auf unserer Welt diese klare Abgrenzung nicht gibt. Tolkien selbst war sich aber dieser Problematik bewusst und schrieb selbst mal sinngemäß: "Im Krieg sind wir alle Orks."

Rorschachhamster:

--- Zitat von: Greifenklause am 27.04.2018 | 07:51 ---Ich kann mit "Alle Orks sind böse" so gar nichts anfangen.
...
Umgekehrt finde ich den Splittermondansatz "Orks sind im Grunde Dämonen (bösartige Feen), deshalb sind sie böse, deshalb bitte bekämpfen" legitim und befreiend. Andere würden da sagen "Häh? Wie bigott!"

--- Ende Zitat ---
Und das ist genau das, was Orks bei Tolkien sind - von Melkor verdorbene Elfen. Also vom Teufel, per se. Man könnte auch sagen Dämonisch.  ;)

Greifenklause:

--- Zitat von: Caranthir am 27.04.2018 | 08:05 ---Bei Tolkien stehen bestimmte Fantasyvölker tatsächlich für das Böse. Als Rassismus würde ich es dann aber nicht bezeichnen, wenn andere Völker nunmal stehts negative Erfahrungen mit Orks und Trollen machen und sich gegen die zur Wehr setzen. Wobei bei Tolkien eigentlich niemand so verrückt ist und sagt "Wir gehen jetzt auf Orkjagd". Da geht es darum, dass man sein Dorf schützt, sich für die Ermordung eines Fürsten rächt usw. Das sind alles sehr konkrete Ziele, die mit Rassismus nichts zu tun haben.

--- Ende Zitat ---
Falscher Ansatz. Der Rassismus besteht hier in meinen Augen bereits in der Setzung.


--- Zitat ---Die Orks und Trolle können bei Tolkien ja leider auch selbst nichts dafür. Sie wurden so geschaffen. Die Tendenz geht bei ihnen Richtung Böse, alles vor dem Hintergrund, dass es in Mittelerde eine klare Gut-Böse-Einteilung gibt, die jedoch bei Menschen, Elben und Zwergen Grauschattierungen aufweist.

Ich habe absolut nichts dagegen, dass ein Autor manche Fantasyrassen als böse definiert. Das ist ein Ausdruck der Fantasie, da es auf unserer Welt diese klare Abgrenzung nicht gibt. Tolkien selbst war sich aber dieser Problematik bewusst und schrieb selbst mal sinngemäß: "Im Krieg sind wir alle Orks."

--- Ende Zitat ---

Ähja und im Mittelalter glaubte man, dass Juden per se böse sind.
Später, dass Gott die Rassentrennung gewollt hätte, weil er die Rassen nunmal unterschiedlich erschaffen habe...
Das ist sooo anders nicht.

Dass sich Tolkien der Problematik bewusst war, spricht ja auch gerade für einen selbstkritischen Ansatz.

Im Übrigen:

--- Zitat von: Rorschachhamster am 27.04.2018 | 08:11 ---
--- Zitat ---Ich kann mit "Alle Orks sind böse" so gar nichts anfangen.
...
Umgekehrt finde ich den Splittermondansatz "Orks sind im Grunde Dämonen (bösartige Feen), deshalb sind sie böse, deshalb bitte bekämpfen" legitim und befreiend. Andere würden da sagen "Häh? Wie bigott!"
--- Ende Zitat ---
Und das ist genau das, was Orks bei Tolkien sind - von Melkor verdorbene Elfen. Also vom Teufel, per se. Man könnte auch sagen Dämonisch.  ;)

--- Ende Zitat ---
Das ist nicht genau das Gleiche.
Die Bösartigkeit bei Splittermond basiert auf ihrem dämonischen Ursprung(!) und die in Lorakis jetzt lebenden Orks sind vergleichsweise neu dort.
Bei Mittelerde wurden sie korrumpiert(!), also nachträglich mit "Bösem" versehen und sie leben schon verdammt lange auf Mittelerde.
Ein zumindest kleiner Unterschied.

Hinzukommt, dass man irdisch auch lange Zeit behauptete, gewisse Völker oder Konfessionen seien vom Teufel korrumpiert. Daher mag ich den Ansatz nicht.

Disclaimer:
Tolkien ist ein Genie!!! Aber deshalb muss ich nicht jedes Detail mögen...


So oder so: "Alle sind böse" empfinde ich als seeehr langweilig. Ich mag Gauß'sche Glockenkurven*.
Fühlt sich authentischer an und erhöht zumindest für mich meine Immersion.

EDIT: * Und die müssen ja nicht deckungsgleich sein bei den Völkern, aber sie überschneiden sich und erlauben jedem Volk ein "stärker vs weniger stark" und Ausreißer.

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