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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
Maischen:
Bleiben wir mal beim Rollenspiel und zB bei Der Eine Ring: Da gibt es die Grautöne in der Mitte, dh die Guten können Schattenpunkte erhalten und so korrumpieren. Die Orks benötigen keine Schattenpunkte mehr. Ich mag halt meinerseits nicht den Ansatz, dass in allen Fantasygestalten immer auch die Veranlagung zum Guten steckt (und die Orks bei DER sozusagen Lichtpunkte sammeln können).
Greifenklause:
--- Zitat von: Maischen am 27.04.2018 | 08:37 ---Bleiben wir mal beim Rollenspiel und zB bei Der Eine Ring: Da gibt es die Grautöne in der Mitte, dh die Guten können Schattenpunkte erhalten und so korrumpieren. Die Orks benötigen keine Schattenpunkte mehr. Ich mag halt meinerseits nicht den Ansatz, dass in allen Fantasygestalten immer auch die Veranlagung zum Guten steckt (und die Orks bei DER sozusagen Lichtpunkte sammeln können).
--- Ende Zitat ---
Ist halt Geschmacksache.
Ich kann grundsätzlich mit Worten wie "ALLE" oder "JEDER" eher wenig anfangen. Jedenfalls, wenn es um Charakterzüge oder abstrakte Begriffe geht.
Und Gleichmacherei gibt es ja bei meinem Ansatz auch nicht.
Chruschtschow:
@Greifenklause:
--- Zitat ---Das ist sooo anders nicht.
--- Ende Zitat ---
Es macht nun aber auch noch einen kleinen Unterschied, ob ich als Autor ein Volk meines fiktiven Werkes mit negativen Eigenschaften versehe (Tolkien) oder ob ich als Mensch meine Mitmenschen auf Grund von Ethnie, Phänotyp o.ä. als mit negativen Eigenschaften ausgestattet deklariere.
Aus meiner Sicht ist das seeehr anders.
Entsprechend habe ich auch so meine Probleme mit den einzigen Schwarzen in Aventurien, die toll tanzen und musizieren konnten. Ich müsste noch mal buddeln, aber irgendwo in einem Rollenspielwerk waren mir mal Gnome mit schwarzen Locken und Hakennasen untergekommen, die echt toll mit Geld umgehen konnten und entsprechend waren die dann eher die dekadente Oberschicht. Oder war das ein Computer-RPG? Müsste ich mal buddeln. Im Computer-RPG-Bereich kann ich auch noch die Tauren mal als Beispiel heranziehen, die kulturell deutlich auf Pseudo-American-Natives und edle Wilde getrimmt sind.
Wie dem auch sei, hier werden realweltliche rassistische Stereotype ins Spiel übertragen und perpetuiert. Schwierig. Die Tauren sind zum Beispiel recht positiv besetzt. Indianerbüffel? Büffelindianer? Jedenfalls nicht so furchtbar schlimm, dass ich mich jetzt mit einem Protestschild vor die Blizzard-Zentrale setze, denn sie sind ja die netten "Edlen Wilden". Das ist dann halt eine Form von positivem Rassismus, der aber halt eben auch eine Form des Rassismus ist. Auf der anderen Seite ist Rollenspiel ohne Klischee unmöglich, weil sonst keine gemeinsame Grundlage besteht. Wenn ich also zwangsläufig Klischees einbaue, werden auch rassistische Klischees hier und da mal auftauchen. Die Tauren sehe ich da weniger kritisch, sie sind einigermaßen verfremdet und positiv belegt. Die Gnom-Juden? Welcher Tropf hatte sich das damals überlegt? Muss echt noch ein mal suchen, wo das war. Oder auch nicht. Ich glaube nicht, dass ich das wirklich wiederfinden möchte. wtf?
Der Tolkiensche Ork ist eher so fern aller realweltlichen Bezüge, dass ich mit dem wenig Probleme habe. Dazu kommt, dass Tolkien ja sehr stark eine Mythologie erschaffen wollte mit Schöpfungsmythos und allem drum und dran. Die Dinger sind schon fast per Definition schwarz und weiß. Da will ich keinen orkischen Ackerbauern, der sich mehr ums Wetter als ums Elfentöten kümmert. Ich spiele aber auch nicht gerne in Mittelerde. Dann lieber Aventurien. Ich mochte die zivilisierteren Orks im Svelttal damals in der dritten Edition.
Der gespielte Rassismus im Spiel selbst ist ein ganz anderes Ding und steht und fällt mit dem Umgang. Meine CoC-Figur Freiherr von Ebersberg war ein durch und durch problematischer Zeitgenosse mit seinem strammen Rechtsnationalismus samt antisemitischen Gedankengut, das bei Zeiten auch der jüdischen Künstlerin mal eben unfreundlich vor die Tür gekippt wurde. Ich hatte Spaß daran, diesen widerwärtigen Rassisten zu spielen. Bezeichnend ist aber auch, dass der irgendwann mal als Bösewicht in einem Pulp-Setting fest verbucht ist. Da war immer klar: Aus meiner persönlichen Sicht ist das Handeln dieser Figur in der Geschichte völlig unethisch. Bei In-Game-Rassisten ist für mich dann eben die Frage, wie reflektiert die Spielerin oder der Spieler dran geht.
Greifenklause:
@ Chruschtschow
Du hast es schöner formuliert und bringst es besser auf den Punkt.
Entspricht ziemlich genau meiner Meinung.
Zu "jüdischen Gnomen".
Das frühe AD&D war in der Zeichnung ihrer Gnome stark zeitgenössischen Ölgemälden = Selbstbilder aber auch Fremdbilder von jüdischen Personen ähnlich.
Die Fasarer Erzzwerge bei DSA3-4 hatten zumindest eine Anlehnung an orthodoxe Juden.
Das kennzeichnet die Problematik ziemlich gut.
Wann ist es noch eine Anlehnung und Inspiration aus dem Irdischen und wann eine
a) schlechte Kopie
b) Überzeichnung
c) "transportierter" Rassismus?
Caranthir:
--- Zitat von: Greifenklause am 27.04.2018 | 08:24 ---Falscher Ansatz. Der Rassismus besteht hier in meinen Augen bereits in der Setzung.
--- Ende Zitat ---
Das verstehst du mich falsch. Rassismus hat doch nichts damit zu tun, dass ein Autor eine rein fiktive Rasse als von Natur aus böse deklariert? Worin besteht da der Rassismus? Tolkien baut einen Mythos, der sich an irdischen Vorbildern anlehnt und da gibt es nunmal auch den Teufel, Dämonen und böse Wesen. Da würde nun auch niemand auf die Idee kommen, von Rassismus zu sprechen.
--- Zitat ---Ähja und im Mittelalter glaubte man, dass Juden per se böse sind.
Später, dass Gott die Rassentrennung gewollt hätte, weil er die Rassen nunmal unterschiedlich erschaffen habe...
Das ist sooo anders nicht.
--- Ende Zitat ---
Erst wenn ich diese Merkmale auf unsere Welt beziehe :"Boah, die sehen aber voll aus wie Orks", dann wird es rassistisch. Moralisch fragwürdig wird es auch, wenn eine Gruppe wehrlose Orks abschlachtet und in deren Lager rennt und Frauen und Kinder ermordet. Das ist dann eine Frage der Moral und ich fände das in einer Gruppe auch nicht okay. Um auf Der Eine Ring zu kommen: Auch da - in einem Mittelerderollenspiel - wäre das eine "böse Tat" und würde mit Schatten "belohnt" werden, sprich die Heldenfigur wird selbst zum Problem.
Dass Tolkien da sehr differenziert über das Thema Rasse denkt, sieht man an Legolas und Gimli. Ja, es gibt Vorurteile zwischen Elben und Zwergen, die sind aber nicht einfach so, sondern haben sich aus ihrer Geschichte entwickelt. Trotzdem werden die beiden beste Freunde. Siehe auch Gollum, ein absolut verdorbenes Wesen mit den negativsten Merkmalen, ihm wird vergeben, die Elben behandeln ihn mit Respekt ...
--- Zitat ---Im Übrigen:Und das ist genau das, was Orks bei Tolkien sind - von Melkor verdorbene Elfen. Also vom Teufel, per se. Man könnte auch sagen Dämonisch. ;)
--- Ende Zitat ---
Da gibt es aber wieder den riesigen Unterschied: Schreibst du einem realen Volk solche Eigenschaften aus rassistischen Gründen zu oder haben sie diese negativen Eigenschaften in einer fiktiven Welt tatsächlich. Das eine hat mit dem anderen aus meiner Sicht überhaupt nichts zu tun. Die Tatsache, dass Orks früher mal Elben waren, spricht ja eher wieder für eine sehr differenzierte Sicht: Jeder, auch die Edelsten, kann verdorben werden und für manche gibt es leider kein Zurück mehr.
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