Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau

Rassismus in Fantasy Rollenspiele

<< < (26/148) > >>

:

--- Zitat von: Hotzenplot am 27.04.2018 | 10:37 ---In einer Welt, in der alle Orks böse sind, ist es nach meiner Auffassung kein Rassismus, wenn der SC sagt "alle Orks sind böse". Rassismus meiner Auffassung nach würde es erst dann, wenn nicht alle Orks böse sind. Dann ist es (ingame-)Rassismus, den ich aber durchaus in meinen Runden haben möchte.

Rassisten zu spielen oder mit Rassisten zu spielen ist ein himmelweiter Unterschied. Zumindest für mich. Und das ist der Punkt, über den ich mir mit WeepingElf vermutlich nicht einig werden könnte, da ich seine Meinung so lese, dass bei ihm diese Grenzen verschwimmen.
--- Ende Zitat ---

Jau. Aber natürlich wäre Tolkien nach heutiger Lesart ein Rassist. Ebenso wie Lovecraft ein lupenreiner Rassist und Antisemit war. Ebenso wie Luther ein Antisemit war. Und so weiter, die Liste ist endlos. Das sollte man im Hinterkopf haben bei der Auseinandersetzung mit den Werken. Es sollte aber nicht jeglichen Umgang damit komplett unmöglich machen.

Chruschtschow:

--- Zitat von: Greifenklause am 27.04.2018 | 10:21 ---Im ersten Schritt finde ich sowas stinklangweilig und uninspiriert
Im zweiten Schritt stört es meine Immersion, weil "die sind seit Generationen so und das wird sich unter keinen Umständen ändern" für mich so unwahrscheinlich anfühlt, wenn es für ALLE und IMMER gilt.
Im dritten Schritt hat es ein Geschmäckle, weil irdische Rechte das gerne mal über andere Völker behaupten
Ob ich dann den vierten Schritt gehe und Tolkien tatsächlich Rassismus oder nur einen zu einfachen Ansatz in einem sonst genialen Werk vorwerfe, steht auf einem anderen Blatt.

--- Ende Zitat ---

Du gehst jetzt aber wieder mit Realweltlogik dran. Es ist ein Unterschied, ob ich in der Realität unterwegs bin oder ob ich meine Bösen in einer Welt rumlaufen habe, in der das Böse definitiv dadurch in die Welt gekommen ist, weil ein ersungener Nachkömmling des vor sich hin singenden Schöpfers ein paar eigene Akkorde einflechtet. Natürlich soll das kein Freibrief sein, insbesondere wenn dadurch realweltliche rassistische Stereotype eingebunden werden.

Es gibt einen riesigen Haufen an Rassismusdefinitionen. Das geht oft in die Richtung, dass der Rassismus die biologische, besser die biologistische Grundlage für die Kategorisierung von Menschen als einer Rasse zugehörig darstellt, um diese dann auf Grund dieser zugeordneten Rasse zu diskriminieren. Das scheitert bei den Orks schon da, dass die wirklich anders sind, eben nicht nur biologistisch, indem der andere Mensch zum Untermenschen deklariert wird, weil er einer bestimmten Gruppe angehört. Das sind tatsächlich keine Menschen bei Tolkien. Und es geht bei den Orks auch gar nicht so sehr um hoch- und geringwertige Rassen, es geht um Antagonismus in einer mythischen Erzählung. Solange ich die Finger davon lasse, dass meine mythischen Antagonisten plötzlich Merkmale realweltlicher "Rassen" (oder besser: zur "Rasse" erklärter Gruppierungen) im großen Stile übernehmen und so unter einem Deckmäntelchen beispielsweise dem Antisemitismus fröne, ist das relativ unkritisch.

Aber hier gilt halt auch: es gibt keine allgemein gute Lösung. Nehmen wir die potterschen Kobolde. Puh, der antisemitische Stereotyp ist schwer zu übersehen. Aber ich wage zu behaupten, dass Mrs. Rowling das nicht aus einem böswilligen Antisemitismus heraus geschrieben hat. Wer die Bücher ein Stückchen weiter gelesen hat, wird mit der ganzen, viel zentraler vorkommenden Halbblut- und Schlammblutthematik sehr deutliche Hinweise finden können, wie Mrs. Rowling tatsächlich über das Thema denkt. Und wenn man dann noch oben drauf packt, dass sie wohl nicht so gut auf Banker zu sprechen war - finanzielle Probleme vor den Bucherfolgen - und Goblins (die englische Bezeichnung) nun schon länger als Ekelpakete in der Fantasy unterwegs sind, kann die Nähe zum antisemitischen Klischee auch wieder ein unglückliches Zusammenkommen mehrerer Bilder sein.

Es ist halt kompliziert. ::)

Achamanian:

--- Zitat von: Chruschtschow am 27.04.2018 | 10:51 ---
Es ist halt kompliziert. ::)

--- Ende Zitat ---

Amen.
Was einen m.E. tatsächlich wenig weiterbringt, ist, Rassismus im Rollenspiel zu sehen, wenn die Darstellung bestimmter Gruppen (Spezies, Völker) jeweils bestimmten Stereotypen folgt. Das kann ja auch sehr reflektiert geschehen, wie bei den Orks mit Splittermond, die ganz bewusst abscheulich und böse sind, aber nicht gemäß irgendwelcher realweltlicher rassistischer Ideologien minderwertig oder bedrohlich.

Die Sache mit dem Rassismus ist ja, dass er in der Wirklichkeit aus ganz konkreten, meist biologistischen Vorstellungen (die man heutzutage auch gerne in den Begriff der "Kultur" übersetzt, ohne dabei die deterministisch-biologistische Denke dahinter wirklich über Bord zu werfen) besteht, die viel komplizierter sind als "Orks sind böse!" Deshalb finde ich "Orks sind böse!" im Rollenspiel eben auch ziemlich harmlos, ich denke, das triggert auch kaum reale Erfahrungen mit Rassismus, weil realer Rassismus eben längst nicht so platt und eindimensional daherkommt.

Allerdings bleibt natürlich dass Problem, dass Stereotype Darstellungen im Rollenspiel oft an rassistsche Stereotype aus der Wirklichkeit anknüpfen, einfach, weil das leicht abrufbare Bilder sind (siehe Tolkiens "mongolische" Orks). Und wenn man da ganz und gar unreflektiert mit umgeht, kann man sich natürlich im Rollenspiel auch wunderbar im heimlichen Glauben an diese Stereotype bestätigen.

Das hat für mein Gefühl aber erst mal gar nichts damit zu tun, ob man einen "Orks sind böse!"-Typen oder einen "Orks haben halt nur ne andere Kultur!"-Typen spielt (wobei letzteres wahrscheinlich sogar anschlussfähiger für moderne Formen von Rassismus ist).

bobibob bobsen:
Für mich macht es einen riesen Unterschied ob ich Rassismus als zentrales Thema des Spiels ansehe, mit dem ich ständig konfrontiert werde oder dieser mal einen gewissen Raum einnehmen soll.
Im ersten Fall bekomme ich einen Depri, mit letztem kann ich gut umgehen.

Greifenklause:

--- Zitat von: Chruschtschow am 27.04.2018 | 10:51 ---Du gehst jetzt aber wieder mit Realweltlogik dran. Es ist ein Unterschied, ob ich in der Realität unterwegs bin oder ob ich meine Bösen in einer Welt rumlaufen habe, in der das Böse definitiv dadurch in die Welt gekommen ist, weil ein ersungener Nachkömmling des vor sich hin singenden Schöpfers ein paar eigene Akkorde einflechtet. Natürlich soll das kein Freibrief sein, insbesondere wenn dadurch realweltliche rassistische Stereotype eingebunden werden.

...
Es ist halt kompliziert. ::)

--- Ende Zitat ---

--- Zitat von: Rumpel am 27.04.2018 | 11:06 ---Amen.
Was einen m.E. tatsächlich wenig weiterbringt, ist, Rassismus im Rollenspiel zu sehen, wenn die Darstellung bestimmter Gruppen (Spezies, Völker) jeweils bestimmten Stereotypen folgt. Das kann ja auch sehr reflektiert geschehen, wie bei den Orks mit Splittermond, die ganz bewusst abscheulich und böse sind, aber nicht gemäß irgendwelcher realweltlicher rassistischer Ideologien minderwertig oder bedrohlich.

Die Sache mit dem Rassismus ist ja, dass er in der Wirklichkeit aus ganz konkreten, meist biologistischen Vorstellungen (die man heutzutage auch gerne in den Begriff der "Kultur" übersetzt, ohne dabei die deterministisch-biologistische Denke dahinter wirklich über Bord zu werfen) besteht, die viel komplizierter sind als "Orks sind böse!" Deshalb finde ich "Orks sind böse!" im Rollenspiel eben auch ziemlich harmlos, ich denke, das triggert auch kaum reale Erfahrungen mit Rassismus, weil realer Rassismus eben längst nicht so platt und eindimensional daherkommt.

Allerdings bleibt natürlich dass Problem, dass Stereotype Darstellungen im Rollenspiel oft an rassistsche Stereotype aus der Wirklichkeit anknüpfen, einfach, weil das leicht abrufbare Bilder sind (siehe Tolkiens "mongolische" Orks). Und wenn man da ganz und gar unreflektiert mit umgeht, kann man sich natürlich im Rollenspiel auch wunderbar im heimlichen Glauben an diese Stereotype bestätigen.

...

--- Ende Zitat ---

Habe mal eingefettet, worauf ich im Runde hinauswill.
Reflektieren und Hinterfragen reicht für mich schon aus.

Ich kann verstehen, dass nicht jeder jede SC/NSC-Rasse/Spezies "Gauß verteilt" haben will, sondern manche lieber schwarzweiß.
Aber Schwarzweiß oder gar Zebrismus sind halt überhaupt nicht mein Ding.
Grauingrau und "alle sind gleich" auch nicht.
Gaußverteilte Glocken mit durchaus unterschiedlichen Mittelpunkten sind hingegen absolut mein Ding.

Und solche Designansätze sind dann auch etwas rassismusresistenter.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln