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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
Thandbar:
Generell ein schwieriges Thema. Thomas Mann heiratete ja ebenfalls eine Jüdin, nämlich Katia Pringsheim, und ihr gemeinsamer Sohn Golo Mann meinte, sein Vater haben seinen Antisemitismus nie überwunden. Was im Werk auch seine (hässlichen) Spuren hinterlassen hat, ebenso wie die tiefe Verbindung zu seiner Frau.
Bei Lovecraft steigern sich die rassistischen Phantasien halt bis hin zu Vernichtungsvorstellungen. Diese beziehen sich aber nach meinem Wissen nicht auf jüdische Menschen, sondern auf Menschen mit dunkler Hautfarbe.
TaintedMirror:
Ich sehe als Problem dieser Thematik an, dass oftmals quasi indirekt verboten wird, gewisse Verhaltensweisen darzustellen und moralisch in fiktiven Werken zu bewerten. Es wurde ja das Beispiel der gierigen Bänker in HP gebracht. Diese Verhaltensweise ist nuneinmal schädlich für das Allgemeinwohl. Wenn sie von einer Kultur oder Rasse ausgeht, ist diese Rasse damit als eher böse anzusehen. Das Probelm ist aber, sobald man das macht, wird einem Antisemitismus vorgeworfen, weil es in der realen Welt halt ein paar Leute gibt, die Juden eine genetische Gier unterstellen. Nur hat das eine mit dem anderen ja wenig zu tun. Realweltlicher Rassismus würde ja auch heutzutage anders bewertet werden, wenn die Generalisierungen stimmen würden und es halt nicht so wäre, dass jeder Mensch so individualistisch aufgebaut ist, dass gewisse Gruppenkorrelationen mehr Zufall sind als eine deterministische Veranlagung. In vielen Fantasywelten ist das halt nicht so. Es ist halt egal, ob ich eine Gruppe in einer Fantasywelt Dämonen, Orks oder sonstwas nenne, sobald sie inherent einen Drang zur Vernichtung der vorherrschenden/bespielbaren Gruppierung haben, dann sind sie nunmal böse. Die Frage ist, will man dieses Element überhaupt oder verzichtet man darauf und somit auf interessante Konzepte und macht quasi alles zu individualistischen Menschen mit grüner Haut/ spitzen Ohren/ oder flammenden Körper? Dann kann man halt gleich weiter gehen und sich fragen, was man mit Tieren und semiintelligenten Wesen wie Ogern macht. Sollte man da auch auf jegliche generalisierung verzichten? Sind Giftschlangen und Wölfe nicht auch einfach metaphern für sexisitsch/rassistische Grundgedanken und sollten im Rollenspiel nicht als Gefahr dargeboten werden?
Chruschtschow:
Es ist halt immer ein bisschen die Frage, wie ich mit dem Klischee umgehe. Gierige Banker? Unproblematisch, jedenfalls in Hinblick auf Rassismus. Ein spezifisches Volk von Bankern? Das weckt bei mir zumindest die Aufmerksamkeit, mal zu schauen, was jetzt weiter kommt. Und jetzt packt der Autor eine besondere Form der Nasen dazu. Etwas kleiner. Gebeugt. Danke, Fettnäpfchen erwischt. Das ist ein so altes und ausgefahrenes antisemitisches Klischee, dass ich eigentlich schon von einem Autoren erwarten kann, das zu kennen und hoffentlich zu meiden. Beim Lesen von HP hat mich das schon ein bisschen geärgert, dass Rowling da anscheinend ohne Not und unbedacht so nahe am antisemitischen Klischee agiert hat.
Darf deshalb kein Volk von fiesen Bankern im Spiel haben? Hm. Schwierig. Weil das nun ein Mal tatsächlich schnell antisemitisch aufgeladen ist. Rennt ja auch keiner in Deutschland auf offener Straße mit einem Hakenkreuz rum und kann dann ernsthaft erwarten, dass er sich süffisant auf das Sonnensymbol rausreden kann. Es GIBT halt diesen Kontext. Also gehe ich hin und umgehe den weiteren Teil des realweltlichen Klischees, indem ich mein Volk eben anders darstelle, eben nicht die anderen rassistischen Merkmale mit rein nehme, die das ganze in Richtung Antisemitismus drehen.
Und ich stelle da auch sicher andere Anforderungen an einen Roman, an dem ein Autor und ein oder mehrere Lektoren rumgebastelt haben, als an eine Rollenspielrunde. Aber Geldhändler mit Hakennasen? Muss das sein, um mal interessante Konzepte anzuspielen?
nobody@home:
--- Zitat von: Chruschtschow am 6.05.2018 | 22:58 ---Darf deshalb kein Volk von fiesen Bankern im Spiel haben? Hm. Schwierig.
--- Ende Zitat ---
In der Tat, und nicht mal nur wegen eventueller antisemitischer Anspielungen (auch wenn die natürlich gerade in diesem speziellen Fall mit zu den allerersten Verdächtigen gehören). Die Idee, ganz klassisch Planet der Hüte-mäßig einen Archetypen wie beispielsweise "fieser Banker" ausdrücklich mit einer bestimmten Volkszugehörigkeit zu verknüpfen, geht ja rein als Konzept schon grob in die Richtung von Rassismus oder zumindest dem Bedienen von unreflektierten Vorurteilen. Alle Orks sind marodierende Barbaren, alle Stygier Schwarzmagier und Sklavenhalter, alle Menschen kurzlebige und kurzsichtige Krebszellen im ansonsten harmonischen Gefüge der Natur...alles schon mal dagewesen.
Issi:
Komisch, ich habe die HP Filmkobolde in Erinnerung.
Und die haben mit Reallife Menschen mMn. wenig gemeinsam. Oder ungefähr soviel, wie die Hauselfen.
Die sind ja quasi auch eine Rasse,
Sogar eine Art "Sklavenrasse. "
Auf die Idee mir von diesen Wesen Nasen raus zu suchen und sie auf Reallife Menschen zu übertragen, bin ich jetzt nicht gekommen.
Edit. Versteht mich nicht falsch aber am Ende schreibt man ein Kinderbuch über Gartenzwerge, und muss sich Gedanken machen, ob man damit irgendein Reallife Volk diskriminiert.
Weil sie vielleicht Bärte haben, oder ihre Mützen bestimmte Farben besitzen.
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