Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau
Rassismus in Fantasy Rollenspiele
felixs:
--- Zitat von: nobody@home am 7.05.2018 | 18:17 ---Das hat seinerseits wieder Tradition bis mindestens zurück zu Tolkien, der sich in seiner Eigenschaft eben als Sprachwissenschaftler bei der Sprache seiner Zwerge tatsächlich vom Hebräischen hat inspirieren lassen. ;)
--- Ende Zitat ---
Ja, hat er.
Wobei dann wieder die Frage wäre, ob es ok ist, sich für die Mordor-Sprache vom Mongolischen und Türkischen inspirieren zu lassen.
Generell hat Tolkien aber eine ziemlich klare Nord-Süd-Diskriminierung. Das kann man milde sehen und ich unterstelle ihm nichts böses - augenscheinlich war Tolkien eher selten auf der falschen Seite. Aber auffällig ist es doch.
felixs:
--- Zitat von: Rumpel am 7.05.2018 | 18:20 ---Gehört m.E. genauso thematisiert. Vor allem, weil eh gerne mal das eine ins andere übergeht. Aber auch, um klar zu machen, dass es in aller Regel eben nicht darum geht, Urheber von Werken anzugreifen, sondern darum, sich mit den Werken und deren Bezug zu realweltlichen Ideologien auseinanderzusetzen.
So was wie Rassismus an die böswillige rassistische Intention zu knüpfen ist im Strafrecht relevant. Aber wenn Rassismus nur von einem Bösen Menschen(TM) zum anderen weitergegeben würde und nicht gleichzeitig in einem kulturellen Subtext fortleben würde, der von praktisch der gesamten Gesellschaft immer wieder mitproduziert wird, dann wäre wohl kaum seine Hartnäckigkeit als Ideologie zu erklären. Und zu diesem Mitproduzieren gehören immer auch die positiven Rassismen.
--- Ende Zitat ---
Kann man so sehen, finde ich auch. Mir wäre dann zusätzlich noch das Augenmaß wichtig.
Die Frage, ab wo etwas schädlich ist, halte ich schon für relevant. Es ist unwahrscheinlich, dass man ganz ohne Klischees überhaupt in der Lage ist, die Welt sinnvoll zu kategorisieren. Eingreifen muss man dann, wenn es schädlich wird.
Den diskriminierenden "Subtext" werden wir ohne den Text und seine Erzeuger wohl nicht ausmerzen können. Lenken kann man seine Resultate aber wohl schon. Und da beschneiden, wo es gefährlich wird.
Das man dafür vor allem eine kritische Auseinandersetzung mit allem braucht, sehe ich auch so.
--- Zitat von: Rumpel am 7.05.2018 | 18:20 ---Weil Rassismus halt nicht nur von Bösen RassistInnen(TM) weiterverbreitet wird.
--- Ende Zitat ---
Sehr oft ist es aber, meine ich, schon so.
Die übelste Form von Rassismus ist schon die, welche offen auftritt und sich klar als das zu erkennen gibt, was sie ist.
Es ist jedenfalls fatal, wenn sich Leute, die sich um nicht-rassistisches Denken bemühen, gegenseitig mit Kleinigkeiten beharken.
Und es ist wirklich schwierig, mit Rassismusvorwürfen der unterschwelligen Art umzugehen. Es ist nämlich sehr schwer, die Legitimität eines solchen Vorwurfs zu begründen oder (meist sogar mehr noch) zu widerlegen. Vor allem dann, wenn die Lösung eben nicht darin bestehen kann, absichtlich positiv rassistisch zu sein - das ist eben auch gerade giftig.
Überspitzt: Man kommt dann in die Situation, in das gerade zu schreibende Abenteuer noch einen schwulen, behinderten, jüdisch-nigerianischen Transmann einbauen zu müssen, weil man sonst Anwürfen ausgesetzt ist
Issi:
--- Zitat ---@Issi:
Rassismus steht immer im sozialen Kontext. Es gibt somit keinen Rassismusohne subjektive Komponente. Was soll dein "tatsächlicher Rassismus" als Gegensatz dazu sein?
--- Ende Zitat ---
Das ist eine gute Frage:
Ich würde sagen- einer bei dem es darum geht wirklich Menschen zu diskriminieren.
(die es im Reallife wirklich gibt) Und man das auch einigermaßen sicher weiß.
Ich weiß ein Goblin hat auch Augen und Ohren und erinnert sicher entfernt an einen Menschen, aber er ist nicht real, weil es ihn in der Realität nicht gibt.
Jetzt könnte ein fieser Autor natürlich all seinen Hass parken und eine ganze Menschenrasse als ein menschenähnliches Fantasy Wesen mit besonders negativen Eigenschaften darstellen wie(hässlich, dummm, fies, gefährlich etc.)
Der Leser kennt idR. die Intention des Autors nicht und kann höchstens Vermutungen äußern.(Falls einige Klischees mit Reallife Bezugspunkten übereinstimmen)
Und darüberhinaus muss man halt bedenken, dass (obwohl das ein Fantasy Autor teoretisch leicht machen könnte) trotzdem nur ein "Märchen" ist.
Es stellt sich niemand direkt auf die Straße und sagt: Die und die sind doof!
Sondern es passiert höchstens indirekt.
Ich weiß, das ist auch nicht das gelbe vom Ei.
Ich will das auch weder gutheißen noch verharmlosen.
Doch wenn man so will, kann man im Fantasy Bereich quasi nach solchen "Verpackten-Dingen" jagen gehen, ohne, dass man damit auf einen grünen Zweig kommt.
Man kann es letzten Endes trotzdem nur vermuten, weil eine Fantasy Welt Karrikaturen ("Anfeindung",Anspielungen etc) aller Art eben zulässt.
Es als Märchen zu sehen, das wirklich nur ein Märchen ist, und nicht mehr, finde ich da etwas entspannter.
Und manche Anspielungen sind vielleicht auch wirklich nicht so gemeint.
Runenstahl:
Es kann wirklich nie schaden sich mit dem Thema Rassismus zu beschäftigen.
Im Rollenspiel kann man da auch Thematisieren... aber je nach Setting muß man es vielleicht nicht unbedingt. Wenn die Orks wie zumindest in den Filmen dargestellt reine Killermaschinen sind die nur zum Kampf gezüchtet werden, dann darf man ihnen gegenüber rassistisch sein ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Auch wäre ich vorsichtig zuviel in alles mögliche reininterpretieren zu wollen... sonst ist George Lucas nämlich auch ganz schnell ein Antisemit (ich sage nur der Böse Bankenclan !). Manchmal will man im Rollenspiel einfach nur Dampf ablassen und da hilft es wenn es im Setting ganz klare Schwarz-Weiß Vorurteile gibt (Orks = Böse, Elfen = Gut). Ich selbst leite meist Kampagnen in denen das eben nicht so ist. Da ist es ein bißchen wie im echten Leben: das wahre Böse (tm) gibt es gar nicht. Nur verschiedene Ansichten und Grauzonen. Aber zwischendurch mal ein paar Abenteuer in einem "einfachen" Setting wo man halt Orks verkloppen kann, einfach nur weil sie Orks sind ? Voll okay für mich.
PS:
Hier noch mal ein Video zum Thema Rassismus das ich jedem Empfehlen kann:
https://www.youtube.com/watch?v=oJfbKj1vYsQ
Grundtenor: JEDER ist irgendwo Rassist. Wie so vieles ist Rassismus nämlich auch ein Spektrum und kein simples System mit dem man Leute in Rassisten und Heilige unterteilen kann.
Maarzan:
--- Zitat von: Chruschtschow am 7.05.2018 | 17:35 ---Und das gilt für alle Medien und Stereotypen. Wir sehen nicht Tom und Jerry und bewerfen uns mit Tresoren. Aber wir sehen immer wieder die Frau mit dem fragwürdigen technischen Verständnis und fragen dann bei der Mechatronikerin nach dem hoffentlich männlichen Chef.
Warum sollte Rollenspiel da anders sein als alle anderen Medien?
--- Ende Zitat ---
Oder "wir" haben da etwas von Quotenregelungen, Frauenförderung etc gehört und überlegen gerade (vielleicht noch nicht bei so etwas "niederem "wie Mechatroniker"), wie die Person wohl in ihre Position gekommen ist... .
Davon ab zurück zum Rollenspiel:
Natürlich kann alles irgendwo einen Beitrag leisten und auch Negatives verstärken, aber Rollenspiel ist so ein Randbereich, dass die Vehemenz und Umtriebigkeit mit welcher da nach PC-Verstößen gesucht wird, doch maßlos erstaunt angesichts der Beiläufigkeit, wie viel dickere Balken anderswo - und üblicherweise aus der selben Richtung - dann aus dem Auge verloren werden, wenn es nur der politischen Grundlinie passt und dann grundsätzlich nix mehr mit nix zu tun hat und schon dran denken wieder unPC ist.
Aber auch innerhalb der Spielszene wird da mit sehr unterschiedlichen Maßstäben operiert, die schon als bösartig zu bewerten sind. (Als wenn z.B. bei der Kritik wegen unrichtiger und respektloser oder was auch immer Darstellungen fremder Kulturen die typischen Mittelalterfänteleien bessere Repräsentationen europäischer Geschichte oder Legenden wären.)
Wenn hakennasige gierige Gnome RL-Assoziationen hervorrufen, dann ist im Übrigen schon ganz woanders "draußen" etwas schief gelaufen und der isolierte Fokus hier eher Ablenkung als hilfreich.
Umgekehrt sind bogenschießende Reitervölker für die entsprechenden zeitgenössischen sesshaften Nachbarn eine Katastrophe und wer als heimatl- und mittelloser Wanderer durch fremdes Gebiet läuft oft schlecht genug dran, um auch zum Ärger der Einheimischen auf Diebstahl zurückgreifen zu müssen - völlig unabhängig welche Gene er trägt. Ähnliche Lebensumstände werden oft auch wieder kulturelle Situatioennen/Lösungen (und Geschichten!) erzeugen, welche dann wiederum bekannt vorkommen.
Was nicht bedeutet, dass kritische Elemente nicht angesprochen und wo es tatsächlich problematisch erscheint dann behoben werden sollte.
Aber die Jagd, die da teils abgefeiert wird, ist doch dann entweder eher als eine Ablenkung und Verschleierung oder Kompensation auf einfachem Spielfeld gegenüber der eigentlichen Problem als Feigenblatt bzw. weniger als Versuch echter Weltverbesserung sondern als politisches Breitseite zur politischen Lufthoheit zu sehen.
Ich bin ja selbst kein Freund von festem Schwarz-Weiß, Definitionsbösen, Monokulturen, Schwertfutteruntermenschen/mooks und ärger mich über diverse Umsetzungen. Aber für diverse Zwecke der Unterhaltung und Entspannung passen sie halt und sind meines Erachtens, solange das im Rahmen des für diesen Zweck notwendigen Umfang und innerhalb dessen spezifischen Anforderungen verbleibt, halt zu akzeptieren.
Die entsprechenden Hinweise, wo Elemente problematisch sein könnte sind ja auch durchaus mal angebracht und ggf für den nicht übelwollenden Autor sogar hilfreich.
Aber es muss eben im konstruktiven Rahmen bleiben - alleine schon um nicht umgekehrt jede Glaubwürdigkeit für die nominell gute Sache zu verlieren oder gar noch Gegenreaktionen zu erzeugen.
Und ein Vorteil von Rollenspiel als Medium: man muss nicht wie in Buch und Film linear vorausahnend seine Handlung runterreißen und der Rest ist letztlich belanglose Kulisse. Man kann letztlich die gesamte Spielwelt und damit auch die ganze Brandbeite an "Sein" anbieten. Der Spieler muss dann nur auch erkunden wollen und damit den Aufwand bzw. die damit einhergehende Entschleunigung dann auch eingehen.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln