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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
Megavolt:
--- Zitat von: felixs am 7.05.2018 | 19:42 ---Was DSA aus dem Islam gemacht hat, ist eine ziemliche Katastrophe. Und diesen ganzen Kram mit geringer Selbstbeherrschung, aufbrausendem Blut bei den Novadis etc...
--- Ende Zitat ---
Das ist eigentlich ein unerhört interessantes Thema.
Aktuelle DSA-Publikationen zu diesem Thema kenne ich nicht, aber Texte wie "Die Wüste Khom und die Echsensümpfe" habe ich in der Prä-Internet-Zeit immer durch die Karl-May-Brille gelesen und da war der nahe Osten halt nun mal eher rückständig und putzig als ein Pulverfass von globaler Bedrohlichkeit (oder was auch immer). Kann man das dem Hadmar echt vorwerfen, dass er den Orient so interpretiert hat? Der hatte doch auch kein Internet, sicherlich aber den Karl May im Schrank?
Wer jetzt "ja" sagt, weil ja auch die unterstellte "Putzigkeit" ziemlich chauvinistisch ist, der sollte bedenken, dass wir die guten Österreicher (wie den Hadmar) ja auch immer irgendwie für putzig halten, da beißt sich die Katze also in den Schwanz. ~;D
Greifenklause:
--- Zitat von: Maischen am 7.05.2018 | 20:18 ---Das sehe ich anders: Wenn ich in einer Runde von erwachsenen Nicht-Rassisten spiele, und einer möchte einen Klischee-Novadi spielen, dann darf er den auch genau so spielen.
--- Ende Zitat ---
Ja, darf er, sagte ich doch!
--- Zitat --- Und der Spielleiter darf dann auch alle NSCs klischeehaft erscheinen lassen,
--- Ende Zitat ---
Nein darf er nicht, denn DIES
--- Zitat --- wenn alle das so spielen wollen.
--- Ende Zitat ---
ist kein Persilschein
--- Zitat ---- Das mag der ein oder andere langweilig finden. Mit vorwerfbarem Rassismus hat das mE nichts zu tun.
--- Ende Zitat ---
Das SIND ja auch zwei verschiedene paar Schuhe. Ich habe nie behauptet "Langweilige Klischees = Rassismus"
Das KANN so sein, MUSS aber nicht. Für mich ist das ein Indiz, aber ich merke oft, dass es dann doch nichts miteinander zu tun hat.
Aber eben nicht immer.
Es ist eher umgekehrt: Wenn ein Klischee übertrieben wird, sei es weil nahezu 100% eines Volkes oder Spezies als Mordmaschinen, grenzdebil trotz Hochkultur oder "JEDER tut dies, NIE tut jemand das" dargestellt wird, ist das oft nahe am Rassismus UND Ich finde es deshalb oder zusätzlich langweilig.
Ich habe aber nie behauptet, dass der Umkehrschluss gilt.
Ich finde menschliche Ritter und Krieger auch endlangweilig und würde nie einen spielen.
Aber selbstverständlich sind diese kein Ausdruck von Rassismus o.ä.. Halblinge bringen mich auch in fast jedem Setting zum Gähnen, trotzdem sehe ich da keine rassistische Setzung.
Zwerge und Elfen hingegen erwecken schnell mein Interesse und dann blätter ich etwas weiter und nur allzuoft ein betonierter Aspekt nach dem anderen. Und das geht mE Richtung Rassismus und ist DANN langweilig, weil ich solche Vorurteile zur Genüge schon irdisch auftauchen ..... und da ja auch gerne als Fakten dargestellt werden....
EDIT:
Ich erwarte von einem Fantasyauthor einfach mehr Phantasie!!!
Chruschtschow:
--- Zitat von: Ludovico am 7.05.2018 | 19:41 ---@Chruschtschow
Sorry, aber ich kann mich Deiner Argumentation in Bezug auf Rollenspiel nicht anschliessen.
--- Ende Zitat ---
Naja, einiges davon ist kaum diskutabel.
Ist die Darstellung beispielsweise der Vistani rassistisch? Klar. Ganz klassische Zigeunerklischees. Alle Vistani reisen herum, werden nie sesshaft, haben den Bösen Blick, viele klauen, legen Karten etc. Alles aufgrund der Volkszugehörigkeit.
Lernt man durch Rollenspiel durch dieses transportierte Klischees? Klar. Das ist grundlegende Lerntheorie. Klischees sind kognitive Verknüpfungen. Wenn ich hinreichend oft damit konfrontiert werde (Medien, Umwelt etc.), lerne ich diesen Zusammenhang. Wieso jetzt Rollenspiel eine herausgehobene Tätigkeit neben ALLEM anderen sein soll, erschließt sich mir nicht. Mohas haben Musizieren +2. Guck mal, schon hast du ein rassistisches Klischee im Rollenspielkontext gelernt.
Aber Tom&Jerry! Das ist eine Verhaltensweise. Verhaltensweisen ändern ist schwieriger als einfach nur eine Verknüpfung zu lernen. Darum werden auch reichlich Stunden verschrieben, wenn jemand zur Verhaltenstherapie muss.
Und war das mit den Mohas jetzt schlecht zu lernen? Nö. Freundlicherweise hat dir der liebe SJW von nebenan auch gleich noch gesagt, dass das ein rassistisches Klischee ist. Vergiss das mal zu vergessen. ;)
Ist der liebe SJW von nebenan (ich spreche von mir in der dritten Person) jetzt ein fieser Rassist, weil er rassistische Stereotype transportiert? Nö, denn als Rassist müsste ich ja eben auch rassistische Stereotype mit der passenden politischen Stoßrichtung raushauen. Aber hier fängt die Frage halt an interessant zu werden. Es hängt halt ganz stark von der Runde ab, wie die mit den Klischees umgeht. Wenn ich da einen Eimer voll linker SJWs am Tisch sitzen habe, werden die eine Truppe fiese Nazis sicher etwas anders spielen und mit den Klischees umgehen als eine Gruppe rechter Reichsbürger. Und da bin ich halt der Freund von: "Ach, wenn man leidlich reflektiert damit umgeht, kann man auch mal übel rumsauen."
--- Zitat von: Ludovico am 7.05.2018 | 19:41 ---Ich sehe es als Geschmacksfrage, ob und inwiefern man das Thema Rassismus im Spiel behandeln bzw. behandelt sehen möchte.
--- Ende Zitat ---
Jau. Kein Einspruch. Sollte man so etwas verbieten? Auf gar keinen Fall. Und da gibt es einen ganzen Haufen Gründe:
- Zensur ist doof.
- Ohne rassistische Klischees im Rollenspiel kann man auch keine reflektierte Diskussion über rassistische Klischees im Rollenspiel führen. Das tut dem Rassisten schon mal per se weh, weil Klischees besser funktionieren, wenn man nicht merkt, dass es eins ist.
- Klischees kann man brechen. Weil rassistische Klischees ja nun ein Mal an sich falsch sind, weil sie eine biologistische Deutung von Eigenschaften von "Menschenrassen" darstellen, die wiederum wenig Sinn machen, weil der Rassenbegriff aus Sicht der Biologie da völlig Banane ist, ist das Brechen der Klischees also per se ein feines Ding.
- In Klischees kann man sich suhlen. Macht das mal. Wenn ich mir gleichzeitig bewusst bin, wie ätzend das Ding in real ist, produziert das gerne mal Lacher, die so richtig im Halse stecken bleiben. Wie gute Satire. Tschakka! Die muss wehtun.
Diese ganzen Schreie nach Verboten und Kram stammen ja meistens von Leuten, die eben den Hinweis auf den Rassismus diskreditieren wollen. "Das muss man doch noch sagen dürfen!" - "Klar, darfst du, der Knackpunkt ist, dass ich dir auch sagen kann, dass du, lieber Rassist, ein doofer Rassist bist." Meinungsfreiheit ist halt keine Einbahnstraße. :d
--- Zitat von: Ludovico am 7.05.2018 | 19:41 ---Ansonsten bin ich erstmal raus aus dem Thread (der mehr und mehr wie ein besonders schrecklicher Autounfall erscheint, von dem ich einfach nicht den Blick abwenden kann).
--- Ende Zitat ---
Och schade.
felixs:
Es ist übrigens auch extrem schwierig, eine plastische Beschreibung einer Kultur von einer klischeehaften Beschreibung derselben zu unterscheiden.
Aber ich finde es grundsätzlich gut, wenn man sich dieser Problematik bewusst ist und das dann bei Bedarf in angemessener Form diskutieren kann.
Jedenfalls habe ich hier einige neue Perspektiven gelesen. Was ja auch schonmal gut ist. Was ich dann davon halte, weiß ich noch nicht. Ist aber auch wirklich ein komplexes Thema.
Greifenklause:
--- Zitat von: felixs am 7.05.2018 | 20:40 ---Es ist übrigens auch extrem schwierig, eine plastische Beschreibung einer Kultur von einer klischeehaften Beschreibung derselben zu unterscheiden.
Aber ich finde es grundsätzlich gut, wenn man sich dieser Problematik bewusst ist und das dann bei Bedarf in angemessener Form diskutieren kann.
Jedenfalls habe ich hier einige neue Perspektiven gelesen. Was ja auch schonmal gut ist. Was ich dann davon halte, weiß ich noch nicht. Ist aber auch wirklich ein komplexes Thema.
--- Ende Zitat ---
+1
Danke für die interessante Diskussion. Für mich wars das für heute, ich bin müde!
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