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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
felixs:
--- Zitat von: Issi am 8.05.2018 | 08:57 ---Rowling hat sich für ihr neues Harry Potter Stück eine schwarze Schauspielerin als Hermine gewählt, was einige Fans hart kritisierten.
Das empfand sie als rassistisch.
--- Ende Zitat ---
Die neue Masche in den USA ist sowieso, dass man den Leuten dann halt "cultural appropriation" vorwirft. Es ist dann alles rassistisch, außer es ist von jemandem geschrieben, der selbst einer ethnischen Minderheit angehört. Und Ethnizität ist dann gleich Rasse/Vererbung. Was dann wiederum geht ist Gewaltpornographie á la Black Panther. Und das ist ziemlich weit im Mainstream angekommen. Das finde ich rassistisch.
https://www.telegraph.co.uk/news/celebritynews/12188892/jk-rowling-twitter-backlash-cultural-appropriation-harry-potter-pottermore.html
Jedenfalls kommt es mir so vor, als wäre Rowlings Fehler gewesen, sich zu sehr um "Diversität" zu bemühen. Das finden einige Leute dann befremdlich (ich gehöre dazu) und denen, für die es gedacht war, geht es sowieso nicht weit genug.
Der Grund, warum uns die Entwicklungen jenseits des Atlantiks interesssieren sollten ist, dass wir das meist mit ein wenig Verspätung auch alles bekommen. Erste Anzeichen in der Sprache meine ich schon auszumachen, in der Popkultur wird es auch immer mehr.
Daher der Appell ans Augenmaß.
felixs:
--- Zitat von: Wellentänzer am 8.05.2018 | 09:39 ---Kritisch wirds erst, wenn ein Stereotyp generalisiert negativ zu einem Vorurteil wird. Das ist für mich auch der Punkt, an dem Rassismus beginnt.
--- Ende Zitat ---
Genau das ist aber der Fall bei:
--- Zitat von: Wellentänzer am 8.05.2018 | 09:39 ---Zweitens stelle ich durchaus fest, dass die bei den Novadis als Inspiration dienenden Kulturen der realen Welt im Mittel sicherlich über mehr Temperament verfügen und ein patriarchalischeres Frauenbild aufweisen als das in Deutschland der Fall ist.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: Wellentänzer am 8.05.2018 | 09:39 ---Wenn jemand keine realweltlichen Bezüge in seine Settings integrieren möchte, um auf der sicheren Seite der politischen Korrektheit zu landen: alles wunderbar. Kritische Reflektion: ja sicher. Aber ich bin kein Fan einer Schere im Kopf.
--- Ende Zitat ---
Da möchte ich zustimmen. Es muss möglich sein, mit Klischees zu spielen. Worauf es letztlich ankommt, ist die realweltliche Praxis.
Und Du sprichst einen weiteren wichtigen Punkt an: Nämlich den der Bewertung von Kulturen. Ich glaube auch, dass man da nicht drum herum kommt, wenn man nicht alles in einem beliebigen Relativismus auflösen will.
Entscheidend scheint mir, Kulturen nicht als Monolithen zu behandeln und die Merkmale von Kulturen in ihrem Kontext zu verstehen. Einerseits haben wir sozioökonomische Faktoren, andererseits haben wir auch kulturelle Bezugssysteme, die lange vergangene Faktoren bewahren. Aber: Das bedeutet nicht, dass das alles in Ordnung ist und so bleiben kann.
Wellentänzer:
--- Zitat von: felixs am 8.05.2018 | 09:47 ---Genau das ist aber der Fall bei:
--- Ende Zitat ---
Eben nicht. Das kann man empirisch wunderbar nachzeichnen. Gibt es im arabischen Kulturraum auch Leute mit niedrigem Temperament? Natürlich. Aber Mittelwertsunterschiede sind recht stark. Das läuft üblicher Weise unter der Überschrift "Affektintensität". Dazu gibt es sehr klare Erkenntnisse. Mir ist vollkommen rätselhaft, weshalb es Rassismus sein sollte, wenn jemand das benennt.
felixs:
--- Zitat von: Wellentänzer am 8.05.2018 | 09:52 ---Eben nicht. Das kann man empirisch wunderbar nachzeichnen. Gibt es im arabischen Kulturraum auch Leute mit niedrigem Temperament? Natürlich. Aber Mittelwertsunterschiede sind recht stark. Das läuft üblicher Weise unter der Überschrift "Affektintensität". Dazu gibt es sehr klare Erkenntnisse. Mir ist vollkommen rätselhaft, weshalb es Rassismus sein sollte, wenn jemand das benennt.
--- Ende Zitat ---
Das Problem ist, dass es Klischee in eine Fantasywelt übertragen wird. Also offensichtlich ein realweltlicher Bezug, der überspitzt dargestellt und verallgemeinert wird. Abgesehen von der hisorischen Point, dass man dann eben auch die "europäischen" Kulturen in ihrer weniger erfreulichen Gestalt zeigen könnte. Hier ist es eine überspitzte Darstellung negativer (meine Wertung, wird aber wohl fast jeder teilen) Aspekte der einen Kultur und gleichzeitig die Ausblendung eben jener negativer Aspekte der "europäischen", insbesondere der "nordischen" Kulturen. Übrigens gibt es auch innerhalb der "europäischen" Kulturen bei DSA ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Ich glaube da nicht an Zufall.
Dazu kommt eine ziemlich merkwürdige Darstellung des Islam (oder übersehe ich da was und der Rastullah-Glaube ist nicht der Islam?)
Abgesehen davon würden mich die Erkenntnisse dazu tatsächlich interessieren. Möchte das auch erstmal gar nicht anzweifeln: Ich kenne interkulturelle Studien vor allem aus dem Europa-Ostasien-Vergleich und da gibt es durchaus bemerkenswerte Ergebnisse.
:
Naja, dass Brasilianer beispielsweise temperamentvoller sind als Norweger, finde ich jetzt nicht so wahnsinnig überraschend. Und wenn man Kulturen eines Rollenspielsettings nun, um im Beispiel zu bleiben, an Brasilien und Norwegen anlehnt, dann sollte man das als SL auhc über das Temperament transportieren. Die einen tanzen dann meinetwegen lieber, schneller und intensiver bei Parties. Und sie unterhalten sich lauter auf Märkten. Und sie begrüßen und umarmen sich herzlicher bei Begegnungen. Und so weiter.
Natürlich muss man da einigermaßen sensibel bleiben. Aber ich glaube, dass eine aufgeklärte Rollenspielrunde durchaus zu abstrahieren imstande sein wird. Zumindest ist das in den mir bekannten Runden so.
Was problematisch wäre und wo ich auf keinen Fall mitgehen würde, wäre eine negative Verallgemeinerung mit realweltlichem Bezug. "Die sind alle so.". Das kann ich bei irgendwelchen Fantasyrassen noch ordentlich mit meinem Gewissen vereinbaren, auch wenn die Suspension of Disbelief da bisweilen stark knirscht. Beispiel: Ettins bei D&D finde ich beispielsweise sehr heikel. Dass das alles böse Arschlöcher sein müssen, bedrückt mich. Die sind für mich zu nah an Menschen. Da weiche ich durchaus von der D&D-Vorlage ab und stelle Ettins anders dar. Parallel würde ich aber niemals auf die Idee kommen, ANDERE Gruppen als meine dafür zu verurteilen, dass die Ettins so ausspielen wie von D&D vorgesehen.
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