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Rassismus in Fantasy Rollenspiele

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Isegrim:
Chruschtschow: Angenommen, kein Ding. Danke. Hat mich etwas* vor den Kopf gestoßen, weil ich echt nicht die Absicht hatte oder habe, dass groß zu eskalieren oder die Anwürfe (so vorhanden) zu horrifizieren.

* Evtl auch etwas übertrieben, zugegeben...

Aber es ist mE nun mal so: Das, was wir als "antisemitische Vorurteile" kennen und damit assoziieren, ist nun mal vor allen Dingen durch das Bild geprägt, das der NS aufgegriffen, verbreitet und bis zur "Endlösung" radikalisiert hat. Klar, das hat ne lange Tradition. Aber für uns heute ist mE "Jud Süß" eine wichtigere Quelle als "Der Kaufmann von Venedig". Das gilt mE sowohl für selbsterklärte Antisemiten (also Leute, die sich, wenn auch vielleicht nicht anderen eingestehen, dass sie was gegen Juden haben), als auch für die Gegner. Ich geh mal davon aus, hier ist nur zweitere Gruppe vertreten.

Da geht es mE manchmal etwas schnell, von einem erkannten antisemitischen Klischee auf den ganzen Vorurteils-Apparat zu schließen, den man so kennt. Ein zentraler Punkt beim NS-Antisemitismus war die "jüdische Weltverschwörung". Gabs das schon zu Willis Zeiten? Vermutlich. Gibts ne "koboldische Weltverschwörung" bei HP, als Vorurteil oder Realität? Keine Ahnung, muss ich sagen. Die Koboldkriege sind ja schon ne Weile um...

Chruschtschow:
Die jüdische Weltverschwörung müsste vor allem ab dem 19. Jahrhundert mit den Protokollen der Weisen von Zion Fahrt aufnehmen. Als jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung geht's dann ins 20. Jahrhundert rein. Das könnte sogar originär NS sein. Die Verschwörungstheorie vom Weltjudentum findet Ansätze als den jüdischen Gemeinden unterstellte Verschwörung schon im Mittelalter. Also ja, auch der Willi könnte da schon was von gehört haben.

Übrigens habe ich Jud Süß - aus naheliegenden Gründen - nie gesehen, der Händler von Venedig wird durchaus gelegentlich mal aufgeführt. ;)

Issi:

--- Zitat von: Maarzan am  8.05.2018 | 18:43 ---Der Rassismus (und  auch der Nazi-)vorwurf sind eben hierzulande (und zu anderen Orten und Zeiten auch weitere solcher Zuschriebungen) sind eben rhetorische udn politische Atombomen, wleche wenn sie zünden den Gegner direkt vernichten - weil sie eben in der entsprechenden Wertebeurteilungen (und da zumindest im Falle des Rassismus und Nazivorwurfs zu Recht) im Zutreffensfalle (und das dann in diesem thematischen Rahmen völlig zu Recht) zur direkten Beendigung der Diskussion und Ächtung der betreffenden Person führen.

Aber damit wird der Vorwurf eben auch ein extrem verlockendes und dann auch wirksames Werkzeug, wenn man es schafft auch andere Themen/Ansichten erfolgreich in denselben assoziativen Sumpf zu ziehen und damit durch den Vorwurf alleine wiederum "Recht zu bekommen" ohne irgendeine und die Diskussion ohne die Mühe von Argumenten oder Belegen beenden zu können/müssen, alleine Kraft moralischer Autorität.  Und das ist das Geschäft der PC!

Nebenbei: DSA4(AH):
Die einzigen Rassen, die genetische Vor/nachteile hatten sind Trollzacker(Platzangst, wohl wegen der geographischen Natur ihres eher engen Herkunftsgebiets), Utulus (Hitzeresistenz ebenfalls wegen ihres Herkunftsgebiets) ... und die "Nazisymbolikwikinger"-Thorwaler mit ihrem Jähzorn und damit als einzigen Trägern eines genetischen geistig/sozialen Makels. Soviel zu der DSA-Thorwaler/Tulamiden etc-Argumentation.

Ansonsten würde ich sagen:
Rassismus - Zuschreibung von ungerechtfertigten charakternegativen Zügen zu einer Gruppe alleine auf Grund ihrer genetischen Rassenzugehörigkeit. In einer Fantasywelt könnte es vorkommen, dass auf Grund von übernatürlichen Einflüssen, Schöpfung oder anderer fantastischer Genetik ein solcher Vorwurf nicht ungerechtfertigt ist, inirdischen Gefilden ist das wohl deutlich unzutreffend und damit böse (tm).

Im Kern bleibt Spiel aber erst einmal Spiel und damit ist sich über settinginternen Rassismus als solchen aufzuregen an sich erst einmal pure Hysterie. Die mit solchen groben Vereinfachungen einhergehenden ästhetischen Leitlinien sehe ich da gar deutlcih ärgerlicher.

Dabei bleibt aber eben noch die Frage der Gefahr der Rückwirkung auf die Spieler (oder Konsumenten anderer Medien) wieder und damit ggf. Förderung von Rassismus auf Empfängerseite. Letztlich kann (irgendwo wie Krebs) alles auch mit einer Chance ungleich 0 unter Umständen wirken. Und hier haben wir dann die nächste Hysterie mit der quasi Forderung nach Perfektion (und zur Not auch unmöglichen, weil sich gegenseitig ausschließenden Forderungen).

Da sähe ich gerne eine etwas differenziertere und analytischere Behandlung fraglicher Fälle statt der politischen. Manche Sachen sind nachvollziehbar und scheinbar auch bewußt problematisch, manche sind unbeabsichtigt problematisch, wieder andere nur wenn man von extremer "Vorbelastung" und ungünstigen Rahmenbedingungen ausgeht.

Als Ergebnis stände dann hoffentlich auch eine angemessene praktische und ausgewogene  Behandlung dieser Elemente und ggf auch ein paar alle zufriedenstellende Verbesserungen  udn eher weiter festfahrenden Fronten statt nur die verbrannte Erde einer politisch-ideologisch geführten Diskussion/Kampagne.

zu Rowlings Gnomen: vermenschlichte Enten mit Zwicker im Schottenrock wären eine andere Variante von Banker mit hohem Wiedererkennungswert.

--- Ende Zitat ---

Märchen behandeln idR. auch zeitlose Themen :
Wie Kampf, Liebe, Verrat etc.
Praktisch  solche, die es schon immer gab und vermutlich wohl auch immer geben wird.

Das sind idR. zeitlos aktuelle Themen: Das Böse besiegen, die Welt retten, den Stein der Weisen finden.

Die Möglichkeit, das auf ein aktuelles Zeitgeschehen zu übertragen und Antworten für das aktuelle Reallife zu suchen,  mag vielleicht teilweise  möglich sein,  und manchmal sogar beabsichtigt. (Welt Tribute von Panem).
Aber es kann halt genauso einfach nur als zeitlose Unterhaltung gemeint sein. (Werde zum Held und besiege am Ende den Bösen) Vermutlich sogar in den allermeisten Fällen.

Und Zeitlosigkeit und Fiktion ist eigentlich ja gerade das Besondere am Märchen Genre. Etwas, das es von anderen unterscheidet.

Und es wäre darüber hinaus falsch anzunehmen, dass alles was der Autor "erschafft", auch wirklich von ihm erfunden wurde. Wer auch immer auf Zwerge, Elfe, Orks, Goblins usw. zurückgreift (mit all ihren völkischen Eigenarten) hat die idR. nicht selbst erfunden.
Selbst wenn er manche Klischees leicht abändert oder bricht, bleiben sie "geklaut. " Sogar Tolkien hat meines Wissens schon aus Sagen und Mythen" abgekupfert", zumindest teilweise. Im Sci/Fi Bereich ist es noch wahrscheinlicher, dass komplett neue Wesen erfunden werden

Das "Vorlagen benutzen"betrifft aber nicht nur die besonderen (magischen)Wesen, es betrifft auch den Geschichten Aufbau und die klassischen Archetypen einer "Heldenreise."
Der Held, der Widersacher, die Helfer, usw.

Das heißt idR. wird es einen Bösen geben(mit den entsprechenden Eigenschaften),und natürlich auch einen Helden(Identifikation für den Spieler/Leser).

Edit.  Das "Böse" im Märchen wird oft bildhaft überzeichnet dargestellt, damit es dem Spieler/Leser sagt: "Hallo böse." Vor mir sollst du bitte "Angst" haben, damit Du mich am Ende besiegen kannst.
Ohne die "Bösen" gäbe es keine "Helden".
Erst die Bösen machen einen Helden notwendig.(Der seine Angst überwinden muss, und mit ihm der Spieler/Leser)
Deshalb sehen manche Wesen auch extra "zum Fürchten" aus. Wie die Orks zum Beispiel. Oder Drachen, oder Trolle,  oder Vampire usw.

Viele Märchen spielen in einer Fiktiven Zeit und Welt, in der es keine modernen Schusswaffen gibt, sondern meist höchstens Schwerter.
Das Schwert steht im Märchen auch symbolisch für den Verstand. ("messerscharfer Verstand") mit dem dann letzten Endes der "Widersacher" (die größte Angst) besiegt wird.

In Harry Potter gibt es z. B. keine Pistolen, und in Tribute von Panem schießen sie auch nur mit "Pfeil und Bogen"(Obwohl man das welttechnisch plausiblerweise hätte einbauen können/müssen)
Auch in vielen Fantasy Rollenspielen wird deshalb gefochten und nicht geschossen.
Das ist mit ein Grund warum sie auch in einer Zeit ohne moderne Schusswaffen spielen. Und um diese "Zeit " vom Feeling her einigermaßen anschaulich darzustellen,  ist die halt von den "Werten" und "Gepflogenheiten"her u. U. entsprechend "altertümlich"angehaucht.
Es gibt deshalb quasi auch "Diener" oder "Sklaven" usw.
Etwas was sich stark von unseren heutigen Werten unterscheidet. (Und sie auch gar nicht ausdrücken soll)

Chruschtschow:
Achja, um mal kurz zu zeigen, dass Märchen eben auch eine kritische Sache sein können, kommt hier der Verweis auf den Juden im Dorn aus den Kinder- und Hausmärchen der Grimms. Übrigens auch ein Klassiker, der "Held" beraubt den Juden, es stellt sich aber natürlich raus, dass es gerechtfertigt ist. Das Geld ist ja geklaut. Hinterher wird also nicht der Übeltäter, sondern das Opfer gehenkt.

Greifenklause:

--- Zitat von: Nodens Sohn am  8.05.2018 | 21:20 ---Rassismus im Rollenspiel finde ich eigentlich ganz ok. ....  :o

Zur Fantasydiskussion: In einer Fantasywelt möchte ich wissen, wer die weißen und wer die schwarzen Hüte aufhat. Ich möchte mich am Wochenende nicht mit Zweifeln herumschlagen müssen, ob ich den Ork wirklich erledigen darf, oder ob das nun ein rassistisches Verhalten wäre, das politisch gesehen ziemlich inkorrekt ist. Im Fantasybereich macht diese Diskussion für mich einfach keinen Sinn und möchte ich mir auch nicht einreden lassen.
...

--- Ende Zitat ---

Doch, exakt das möchte ich. Ich möchte, dass mein SC hinundwieder ein schlechtes Gewissen hat, ob er diesen oder jenen Ork in dieser oder jener Situation wirklich hätte erschlagen dürfen
Und was ich insbesondere möchte, ist hinundwieder einen rassistischen SC zu spielen, bei dem vollkommen klar ist, dass er Dinge tut, die ICH niemals tun würde.
Diese moralischen Dilemmen, Plot-Twists und Überraschungen funktionieren aber überhaupt erst, wenn ich auch bei den "Bösewichts-Rassen" eine Gaußverteilung habe mit hinreichend vielen Vertretern am moralisch integren oder zumindest ambivalenten Ende.

Zu Guter letzt:
A "Ich brauche für mein Setting böse Indianer, aber dann wirkt das vielleicht rassistisch!"
B "Mach Orks draus, dann stört es keinen!"
finde ich zu kurz gegriffen...

Stellt andere Völker einfach vielschichtig dar mit diversen Individuen UND auch mal nem Ausreißer und die meisten Probleme sind bereits vermieden UND dieses Volk wird interessanter!

EDIT:
Übrigens eine der wenigen Sachen, die DSA bei seinen Völkern gut gemacht hat:
Das Indianerklischee zu nutzen, aufzubrechen, abzuwandeln wieder zu nutzen und das Endergebnis wie aufzubrechen abzuwandeln und schließlich mit Diversität zu versehen. Jedenfalls im Rahmen des Möglichen.
Sowohl bei den Orks als auch bei den Elfen kurioserweise.
Was sie falsch gemacht haben: Gegen Ende von DSA4 wirkten die Orks trotz ihrer Einschränkungen wesentlich breiter als Novadi und Co.
Erst recht, wenn man die Bilder, die manche Betonköpfe in den DSA-Foren zu transportierten, so betrachtete.

Ich würde mir wünschen, dass ein Author zumindest eines Rollenspiels (bei Romanen ist das schwerer) so vorgeht.
0.) Möglichst keine "Immer"-Formulierungen
1.) Klischee, das bei diesem Volk sehr häufig vorkommt
2.) Klischee, das bei diesem Volk häufig vorkommt als relative Mehrheit, aber nicht als absolute Mehrheit
3.) Klischee, das bei diesem Volk häufiger vorkommt als bei anderen Völkern, aber innerhalb des eigenen Volkes immer noch selten sind
4.) Gegenbewegungen innerhalb des Volkes zu 1 und 2
5.) Interessante Exoten

Nehmen wir die DSA-Zwerge: In Sachen Magie werden da beispielsweise nur 1 (mit starker Nähe zu 0) und 6 bedient:
Zwerge sind grundsätzlich antimagisch, aber es gibt eine sehr exotische Geodenkultur, die witzigerweise (gäääähn) mit Metall so gar nichts am Hut hat. Achja, hier habt ihr noch eine Ausstiegsklausel für Magier (gääähn).
Schöner wäre gewesen:
"Zwerge haben seltener eine magische Fähigkeit als die anderen Völker oder gar Elfen. Magie genießt bei vielen Stämmen keinen guten Ruf, wenn man von den durchaus liberalen Orten Dwarbenhausen und den Kommunen in Vinsalt und Randomstadt absieht. In Midgetto Grande sind die wenigen magischen Zwerge sogar Popstars!

Magie bei Zwergen zeigt sich in der Metall- und Schmuckverarbeitung. DA sind sie erstaunlich wenig eingeschränkt durch Metall.
Daneben gibt es noch eine metallophobische Geodenkultur, die in manchen Zwergenkulturen (sogar im konservativen Mittzwergien) als Berater geschätzt sind, in anderen sind sie als Schwarzhexen verschrien und in Midgetto belächelt man sie.

Magische Zwerge in sehr magophoben Kulturen unterdrücken ihre Fähigkeiten oder werden einer menschlichen Magierakademie übergeben.

Hinundwieder setzt man sie auch "beim Elfen" aus!"

... oder etwas in der Richtung...

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