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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
KhornedBeef:
--- Zitat von: Caranthir am 10.05.2018 | 18:56 ---Ich bezweifle ja auch gar nicht, dass es den Spieler mit seinen Einstellungen gibt, der eine Figur führt, die andere Einstellungen haben kann. Aber es ist eben immer noch der Spieler, der diese Figur steuert, der Held rennt nicht als KI durch die Gegend. Das heißt, kommt es zu Diskussionen innerhalb der Rollenspielrunde über Rassismus, bringt es meiner Ansicht nicht viel, das auf Charakterebene ingame zu machen. Wie erwähnt, geht es um Gelaber wie "Mein Charakter mag keine Elben", ist das in Ordnung. Mir geht's um ernstere Sachen, weswegen wir hier schon Seiten an Diskussion haben. Und da ist die Trennung Spieler - Figur aus meiner Sicht eine Illusion. Du, der Spieler entscheidest, was dein Charakter macht.
--- Ende Zitat ---
Letztendlich, ja. Das ist auch eine Frage der Kommunikation. "Mein Charakter ist ein nostrischer Adeliger, und ein unfasslich xenophober und elitistischer Unsymphat. Ich würde das gerne als Spannung mit dem Nivesen und generell der Außenwelt ausspielen. Das bringt uns evtl. in Schwierigkeiten. Ich zerstöre aber nicht die Party. Wenn ich Beleidigungen rumbrülle, dann immer erkennbar derisch verfärbt, und nicht verwechselbar mit irdischen Schmähworten. ok für euch?" würde das z.B. unter einen bestimmten Stern stellen, und man könnte ingame trotzdem sehr böse Entscheidungen treffen. Ohne sich an Gewaltspielchen aufzugeilen, wenns nach mir geht.
Chruschtschow:
--- Zitat von: Caranthir am 10.05.2018 | 18:56 ---[...] Und da ist die Trennung Spieler - Figur aus meiner Sicht eine Illusion. Du, der Spieler entscheidest, was dein Charakter macht.
--- Ende Zitat ---
Ja und nein. Als Beispiel führe ich da gerne eine Figur aus Call of Cthulhu an, die ich mal gespielt habe. Der werte Freiherr von Ebersberg, alter Landadel, ist seinerseits ebenfalls ein Stereotyp, rechtsnationaler Monokelträger, der findet, dass Deutschland wieder einen starken Mann braucht. Eine Spielerin - mit der spiele ich seitdem kontinuierlich und aktuell auch wieder in einer Urban-Shadows-Runde - spielt eine jüdische Künstlerin, so ein neumodischer Berliner Freigeist. Da ist mehr als eine beleidigende rassistische oder sexistische Äußerung in game rüber gehauen worden. Das waren Positionen, die so für die 20er Jahre in der Weimarer Republik für ein ehemaliges Mitglied der Oberschicht des Kaiserreichs sehr plausibel waren. Und die hat Ebersberg auch in game so gemeint und konnte sie aus seiner Sicht untermauern. Das heißt aber nicht, dass ich mir die Meinung des Typen zu eigen mache.Allzu groß kann ja auch die Überschneidung zwischen Figur und Spieler nicht sein. Nehmen wir doch einfach mal die Einstellung zu körperlicher Gewalt. Mein Bodycount: Null. Bodycount meiner Figuren: Wow ... in dreißig Jahren? Puh. Reicht es, wenn ich "VERDAMMT VIELE!" sage?
Das war ein vorher bei der Erschaffung der Figuren mit der Spielerin besprochener Teilaspekt, mit dem wir dann auch spielen wollten. Da geht es dann tatsächlich zum Teil auch darum, realen Rassismus in game zu verhandeln oder besser zu erkunden, zu erfahren. Natürlich in einem sehr eingeschränkten Schutzraum, aber auch das kann eine Funktion von Rollenspiel sein. Quasi eine Reflexion über Rassismus.
Das ist aber zugegebenermaßen was anderes, als mehr oder weniger versehentlich sein Quellenbuch mit Zigeuner-Stereotypen vollzuknallen.
Issi:
Ich glaube , jeder der weiß, wie Schauspielerei funktioniert, kriegt mit "Rollen" weniger Probleme.
Man schlüpft in einen Charakter und stellt ihr dar- fertig.
Muß man sich in den Charakter einfühlen?-Ja, aber die Gefühle sind nur "geliehen."
Man denkt und fühlt für den Charakter(weil er das selbst nicht kann)-aber man ist nicht selbst der Charakter.
Funktioniert bei NSC idR. wunderbar.
Bei SC gibt es unter Umständen eine etwas größere Identifikation, weil man sich den SC A-extra aussucht (eigene Vorlieben), und B-länger spielt.
Da ist die Verwachsungs-gefahr wesentlich größer. Aber tatsächlich nie wirklich gegeben, solange man auch noch ein schönes Reallife hat und genug Abstand zum Spiel.
Just my Opinion.
Edit. Vielleicht noch ein weiterer hinkender Vergleich.
Ist ein Bisschen wie Kasper -Theater spielen.-Die Figur ist die "Handpuppe" und die Gedanken und Gefühle des Spielers sind die" Hand."
Die Rollenspielwelt ist das "Kasperltheater".
Rhylthar:
--- Zitat ---Das ist aber zugegebenermaßen was anderes, als mehr oder weniger versehentlich sein Quellenbuch mit Zigeuner-Stereotypen vollzuknallen.
--- Ende Zitat ---
Wie kamst DU eigentlich darauf, die Hickmans hätten das geschrieben? wtf?
Achamanian:
--- Zitat von: KhornedBeef am 10.05.2018 | 19:27 ---Letztendlich, ja. Das ist auch eine Frage der Kommunikation. "Mein Charakter ist ein nostrischer Adeliger, und ein unfasslich xenophober und elitistischer Unsymphat. Ich würde das gerne als Spannung mit dem Nivesen und generell der Außenwelt ausspielen. Das bringt uns evtl. in Schwierigkeiten. Ich zerstöre aber nicht die Party. Wenn ich Beleidigungen rumbrülle, dann immer erkennbar derisch verfärbt, und nicht verwechselbar mit irdischen Schmähworten. ok für euch?" würde das z.B. unter einen bestimmten Stern stellen, und man könnte ingame trotzdem sehr böse Entscheidungen treffen. Ohne sich an Gewaltspielchen aufzugeilen, wenns nach mir geht.
--- Ende Zitat ---
Genau da ist mal wieder die Kommunikation zwischen den Spielern der entscheidende Faktor für verantwortungsvolles Spiel, finde ich. Caranthir würde ich insofern recht geben, dass irgendwelche problematischen Punkte ingame klären zu wollen bzw. sich auf "mein Charakter ist nun mal so!" zurückzuziehen schwerwiegender Mist sind. Aber natürlich kannst du inGame auch als Antirassist bewusst z.B. eine Figur spielen, die rassistisch drauf ist. Must du halt vorher und ggf. auch immer wieder zwischendurch mit den anderen abklären.
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