Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau

Rassismus in Fantasy Rollenspiele

<< < (124/148) > >>

Mr.Renfield:

--- Zitat von: Pyromancer am 25.04.2018 | 23:24 --- Und bestimmt gibt es irgendwo in Deutschland auch ein paar echte Nazis, die D&D spielen. Und jetzt?

--- Ende Zitat ---

Echte Nazis spielen myfarog.

Lichtschwerttänzer:

--- Zitat von: nobody@home am 14.05.2018 | 18:25 ---...dann bin ich nicht "gut",
--- Ende Zitat ---
du kannst mir eine ethische Herleitung liefern, warum das fiktive Umholzen fiktiver Wesen im realen Leben nicht gut ist?
--- Zitat von: nobody@home am 14.05.2018 | 18:46 ---Natürlich lege ich da realweltliche Maßstäbe an. "Gut" und "böse" sind nun mal realweltliche Begriffe und Werturteile,
--- Ende Zitat ---
und die realweltliche Äquivalent zu Orks sind Menschen, die andere Menschen aus den niedersten Motiven ermorden.

Issi:

--- Zitat von: pharyon am 15.05.2018 | 00:20 ---Rassismus im Rollenspiel gibt es, manchmal sogar erwünscht. Was hier meines Erachtens manchmal bunt durcheinander gewürfelt wird, sind die Ebenen, auf den Rassismus präsentiert wird/werden kann.

1. Rassismus als Setzung des Autors: Wenn ich schöpferisch ein Setting / eine Welt gestalte, kann Rassismus als Element ja tatsächlich gewünscht sein. Vielleicht will ich ja gerade von der Grundlage ausgehen, dass es Völker/Rassen/Spezies gibt, die charakteristisch eine bestimmte Ausprägung haben. Dies vielleicht auch gerade in Bezug auf eine wertende moralische Komponente. Der Knackpunkt ist dann doch, nach welchem Maßstab ich diese Setzung bzw. die daraus folgenden Effekte beurteilen möchte. Wenn "Orks" dann per Setzung "böse" sind, wie verändert sich die Ethik in einem solchen Setting?

2. Rassismus gegenüber fiktiven Rassen/Völkern/Spezies. Vielleicht möchte ich als Autor/Designer Rassismus thematisieren können, ohne dabei auf eine existierende Gruppe Bezug zu nehmen. Dann setze ich eine fiktive Rasse und kann nach Gusto entweder werthaltige Unterschiede tatsächlich festlegen oder diese, analog zur Realität, "nur" argumentieren lassen. Das heißt, auch wenn von den Regeln her der Mensch sich vom Orke nicht unterscheidet, kann es in "meiner" Welt durch gesetzten/festgelegten Rassismus vorkommen, dass bestimmte Gruppen rassistisch agieren.

3. Rassismus als Prägung für realweltliche Diskriminierung. Hier kann es natürlich passieren, dass ich als Autor oder Spielleitung oder Spieler eine fiktive Gruppe absichtlich oder unabsichtlich mit einer existierenden Gruppe verknüpfe. Wenn ich dabei auch noch werthaltige Handlungen verknüpfe, sorge ich realweltlich sicher für Ärger. Wenn ich als "N-Orks" als starke, dumme Arbeitskräfte setze, dann noch eine gesellschaftlich erfolgreiche Separation festlege und einseitig positiv darstelle, gebe ich dadurch einem realweltlichen Rassisten Werkzeug in die Hand, welches er schamlos für seine Zwecke ausnutzen kann. Die hier zum Vergleich herangezogenen Studien bzgl. "Steigerung von Gewaltbereitschaft durch Ballerspiele" sind meinem Kenntnisstand nach uneinheitlich und widersprüchlich. Je nachdem, wen man liest, gibt es positive Zusammenhänge oder keine Zusammenhänge.

Verurteilen möchte ich die verschiedenen Möglichkeiten, Rassismus im Rollenspiel erleben und darstellen zu können, eigentlich nicht. Gelegentlich möchte ich meine eigenen Wertvorstellungen zur Disposition stellen können, wobei mir Rollenspiel unter "bestimmten Vorzeichen" durchaus nützt. Meine Grenzen sind dort, wo Spieler auf Kosten anderer Spieler bzw. offen oder verdeckt gegen diese agieren. Da mische ich mich - bei aller Toleranz - zügig ein, wenn ich das Gefühl habe, eine Ungerechtigkeit mitzuerleben.

p^^

PS: Davon nicht ganz unabhängig sehe ich die Präferenz bzgl. Gewalthandlungen im Rollenspiel. Daher kann ich WeepingElf zumindest dahingehend nachvollziehen, wenn er den Eindruck schildert, dass tendenziell "rechtere", oder auch "extreme", Positionen zugänglicher für vermehrt/verstärkt eingesetzte Gewalttaten (kämpfen bis zum Tod des Feindes, Foltern, Verstümmeln, etc.) im Spiel sind.

--- Ende Zitat ---

Die Differenzierung zwischen fiktivem und realweltlichem Rassismus hatten wir bereits vor einigen Seiten.
Aber je nach Gusto wird das dann halt trotzdem in ein und den selben Topf geschmissen.

Was mir noch wichtig wäre zu erwähnen: Wenn ein Spieler in einem Setting spielt, indem Orks Monster sind und auch so behandelt werden,  dann macht das den Spieler selbst nicht zum "Rassisten. "
Aufgrund des Weltenbaus (Orks werden geboren ),kann es, wenn man Orks allein aufgrund der Tatsache, dass sie geboren wurden, als menschenähnliche Wesen betrachtet, zum Thema "Rassismus" innerhalb der Fiktion kommen.
Das macht die Spieler selbst aber nicht zu "Rassisten. "
Und auch ihre Figuren nicht, die ja oft keine andere Wahl haben, als einen Ork zu töten, damit sie nicht selbst getötet werden. "Sich seiner Haut zu erwehren" als Figur, ist kein Rassismus.(Nicht mal in der fiktiven Welt) Das nennt sich "Notwehr. "

Fiktiver Rassismus wäre es mMn.  dann, wenn die Orks explizit als sehr menschliche Wesen dargestellt werden würden. (Gewissen, Seele, Reflektionsvermögen)
(Vom SL /Autor). Die Figuren aber Spaß daran hätten sie abzuschlachten, unabhängig davon ob sie überhaupt von ihnen bedroht werden.

Rhylthar:

--- Zitat --- Die Figuren aber Spaß daran hätten sie abzuschlachten, unabhängig davon ob sie überhaupt von ihnen bedroht werden.
--- Ende Zitat ---
Und auch da wäre ich vorsichtig, wem ich das an den Kopf werfe. Da müssten Orks schon sehr an real-weltliche Völker angelehnt sein, so dass man einen ganz klaren Bezug zu einem existierenden Volk ziehen könnte.

Das für mich bisher passendste Beispiel (Harry Potter habe ich nicht gelesen) ist das der Vistani. Wobei ich mir den "Guide to Vistani" nochmal näher angucken muss, denn beim Überfliegen der ersten Seiten bin ich noch nicht ganz schlüssig. Also wenn der Macher des Settings, bewusst oder unbewusst, real-weltlichen Rassismus in sein Setting einfließen lässt.

Issi:

--- Zitat von: Rhylthar am 15.05.2018 | 06:57 ---Und auch da wäre ich vorsichtig, wem ich das an den Kopf werfe. Da müssten Orks schon sehr an real-weltliche Völker angelehnt sein, so dass man einen ganz klaren Bezug zu einem existierenden Volk ziehen könnte.

--- Ende Zitat ---
Eben. Und das ist aus mehreren Gründen schwierig.
1.Weil Orks als Wesen nicht existieren. Ihre Erscheinung innerhalb der Fiktion(außerhalb haben sie keine) ist nicht 1:1 auf einen realen Menschen übertragbar. Selbst wenn man Orks sehr vermenschlicht darstellen  würde.
2. Die Spieler spielen teilweise Figuren mit flexiblen Gesinnungen, ohne selbst diese Gesinnungen im Reallife zu haben. Es sind quasi nur Rollen.

Selbst wenn jetzt ein Spieler mal einen hasserfüllten Orkjäger in einem Setting mit vermenschlichten Orks spielen würde, wäre das noch lange nicht aussagekräftig genug. 
Vielleicht haben Orks früher die Familie seiner Figur getötet, und deshalb will die Figur nun alle Orks töten.- Klassisches Rachemotiv. - Für eine Rolle.

Wenn Orks irgendwann zum Synonym der "Friedlichkeit" und "Freundlichkeit" schlechthin werden, dann mag das ja vielleicht näher rücken. Vielleicht auch wenn das Kämpfen gegen Monster für XP im Spiel völlig abgeschafft wurde.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln