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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
KhornedBeef:
Mal eine positive Sache zwischendurch: Warum Authentizität ein Gesichtspunkt ist (kurz gesagt wegen herausstechend unterschiedlicher Authentizitätslevel) verstehe ich jetzt. Danke und :d
Chruschtschow:
--- Zitat von: viral am 15.05.2018 | 09:37 ---Besteht da wirklich die Sorge, dass da realweltliche rassistische Ideologien eingepflanz, vermittelt oder ausgelebt werden.
--- Ende Zitat ---
Bei so offensichtlichen Kram wie RaHoWa ist das einfach. Kein Ding. Da will ein Typ mit Agenda sein Zeug verbreiten. Nur macht das nur eine relativ kleine Spitze an Rassismus aus. Der meiste Rassismus geschieht und verbreitet sich subtiler und nicht durch Rassisten, wenn ich den Begriff mal auf Leute beschränke, die aktiv eine Ideologie damit verknüpfen.
Nur muss ich gar nicht aktiv und gezielt rassistisch sein, um im Spiel rassistische Stereotype zu verbreiten. Wenn in meinem Spiel alle Trolle lange Rastazöpfe und blaue Haut haben und jeden Satz mit "Yo Mann!" beginnen, Hexendoktoren und Voodookrams haben, dann ist das vielleicht mal witzig, aber entspricht auch einem rassistischen Stereotypen. Das kommt aus dem MMO-Bereich. Beispiele aus dem P&P-Bereich wurden ja auch schon genannt. Nehme ich solche Zusammenhänge wiederholt wahr, erlerne ich sie auf Dauer, es wird eine kognitive Verbindung hergestellt. Das kann mein Handeln beeinflussen. Nicht unbedingt bewusst, aber es sind ja nicht nur die Dunkelspeer-Trolle. Der chillige Südsee-Rasta-Schwarze ist ja ein Klassiker auch in anderen Medien. Auf Dauer kann das sehr wohl auf einer subtilen Ebene beeinflussen, wie ich schwarzen Menschen mit entsprechender Frisur begegne.
Muss ich jetzt wild mit den Armen rudernd und schreiend in Alarmismus ausbrechen und mit Protestplakaten WoW-Spieler bedrängen? Nö. Klar sind die Dunkelspeer-Trolle irgendwie ein Rastafarier-Voodoo-Klischee und die Echoinseln damit wohl so etwas wie Azeroths Klischeekaribik. Aber ich habe die gleich neben dem inneren "Vorsicht! Rassistisches Klischee!"-Schild abgelegt. Gehe ich also reflektiert an so etwas ran, kann ich durchaus auch die Wirkung der subtilen Sachen beschränken.
Nun arbeiten wir im Rollenspiel zwangsläufig mit Klischees, weil wir sonst gar nicht die notwendige Bandbreite in der Kommunikation haben, um im Spiel genug Informationen rüber zu schaufeln. Und da läuft uns dann immer wieder ein rassistischer Stereotyp über den Weg, nicht selten auch von uns selbst inszeniert, ohne dass uns das gerade bewusst ist. Stereotypen gehen uns leicht von der Hand, sonst wären sie keine Stereotypen. Verfalle ich in rassistische Stereotype? Klar. Bin ich deshalb Rassist? Nö. Ist halt eine Frage, was ich draus mache.
Der interessante Punkt kommt eigentlich erst danach, nämlich bei der Anfrage von außen: "Muss das sein mit den blöden Rasta-Trollen?" Nö, eigentlich nicht. Aus WoW werde ich die schlecht raus kriegen. Aber an meinem Spieltisch und -- ist ja das Rollenspiel- und Weltenbau-Subforum -- vor allem als Autor meiner Welt habe ich da doch etwas unfassender Einfluss nehmen. Und wenn mir selbst so etwas nicht auffällt und jemand anderes zu mir kommt und mich auf den übermäßigen und unschönen Gebrauch eines Sterotypen aufmerksam macht, dann muss ich nicht gleich die Fäuste hochnehmen und die künstlerische Integrität meines Werkes verteidigen. Einfach mal akzeptieren, dass das ein rassistischer Stereotyp ist, dann ist meistens schon eine Menge gewonnen, weil man sich überhaupt mal der Problemstellung bewusst wird und entsprechend die unbewussten Wirkungen des Klischees schon daran scheitern, dass ich reflektierter dran gehe. Ich muss nicht verteidigen, dass manches Bäckerschlangenbeispiel Kacke war. "Nö, stimmt. War doof." Und weiter im Programm. Dann kann ich auch verhindern, dass der Stereotyp zum Vorurteil wird.
Ob jetzt Tolkiens Orks ein rassistischer Stereotyp sind und ob man überhaupt gegenüber Orks out-game-rassistisch sein kann? Nö. Diskrimier doch mal die Orks. Viel Erfolg damit. Aber wenn sie wie die WoW-Trolle oder Ravenloft-Vistani eben doch realweltlichen Personengruppen entsprechen, wird das ganze eben interessant.
Mr.Renfield:
--- Zitat von: Supersöldner am 27.04.2018 | 10:16 ---Stelle mir Grade vor wie Elfen als Hilfsarbeiter für Landwirtschaft in ein Ork Land einwandern .
--- Ende Zitat ---
Vielleicht genieszen sie dort religiöse Freiheit, solange sie den weltlichen orkherrschaftsanspruch respektieren.
Issi:
--- Zitat ---Aber wenn sie wie die WoW-Trolle oder Ravenloft-Vistani eben doch realweltlichen Personengruppen entsprechen, wird das ganze eben interessant.
--- Ende Zitat ---
Rastazöpfe?
Ok, das ist vielleicht etwas, das nicht unbedingt sein muß. Kommt vielleicht auch darauf an, wie sie sonst noch so beschrieben werden.
Aber geflochtene Zöpfe hätten es vermutlich auch getan.
Wenn Monster tatsächlich auf bestimmte reallife Völker anspielen sollen (Als Karrikatur), nicht so toll.
Ob das der Fall war, weiß ich nicht.
Aber ich meine, dass Trolle sowas in der "Original-Sagen Beschreibung" nicht haben.
Chruschtschow:
--- Zitat von: Issi am 15.05.2018 | 10:40 --- Rastazöpfe?
Ok, das ist vielleicht etwas, das nicht unbedingt sein muß. Kommt vielleicht auch darauf an, wie sie sonst noch so beschrieben werden.
Aber geflochtene Zöpfe hätten es vermutlich auch getan.
Wenn Monster tatsächlich auf bestimmte reallife Völker anspielen sollen, nicht so toll.
Ob das der Fall war, weiß ich nicht.
Aber ich meine, dass Trolle sowas in der "Original-Sagen Beschreibung" nicht haben.
--- Ende Zitat ---
Ach komm, du verrennst dich schon wieder in ein kleines Detail, wenn du nur auf die Haare guckst. Das ist der gleiche Mist wie mit den Gringotts-Goblins, die natürlich die plakative Nase haben, aber eben auch ein Komplettpaket an Klischees. Dass die Benutzung des /flirt-Emotes beim WoW-Troll durchaus auch gleich noch das Klischee des sexuell zügellosen, animalischen Schwarzen, kommt beispielsweise auch oben drauf: "Wenn eine Trollfrau wütend und rollig ist, kann sie sich mehr als 80 mal in einer Nacht paaren. Seid ihr bereit?" Die Trolle nutzen da Vokabeln wie "rollig", "paaren". Das Gesamtpaket macht die Musik.
Ein Merkmal bereitet wenig Probleme. Schwierig wird das ja dadurch, dass ich Pakete an Eigenschaften schnüre und dann daraus ein Vorurteil über eine ganze Personengruppe bilde.
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