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Kritiker vs. Superheldenfilme, war: Avengers: Infinity War
lowfyr:
--- Zitat von: Gorbag am 5.04.2018 | 22:23 ---, dass eine schlechte Kritick eines Marvelstreifens mittlerweile Majestätsbeleidigung ist und sofort 3000 Fanboys deinen Twitterkanal zuspammen, wenn du dich zu negativ äußerst (wobei das eh schwer ist, da die Filme wie gesagt ein gutes Grundniveau gefunden haben).
--- Ende Zitat ---
Na ja, das Gegenteil stimmt aber auch, ich habe bei Serienjunkies zum Beispiel mal eine Kritik zu Civil War gelesen, die den Film mit Birth of a Nation verglich. Was wenn man bedenkt das der als einer der rassistischten Filme aller Zeiten gilt, eine steile These ist. Genau so gibt es wahrscheinlich zu jedem der Marvelfilme einen Artikel, der ihm Rassimus Sexismus oder noch so einige andere -ismusse unterstellt. Spontan fallen mir da Iron Man 3 Dr. Strange und zu einem geringeren Grad Guardians 2 ein.
Und genau so gibt es genug Beispiele, wo irgend eine Meldung über einen Marvelfilm sofort zig Kommentare auslöst die unter anderem den Untergang der Filmindustrie durch diese Filme herbeigeführt sehen.
Und das haben selbst die Transformersfilme noch nicht geschafft^^
Es sind gut gemachte Unterhaltungsfilme, nicht mehr und nicht weniger, und nur weil mir zum Beispiel die Filme gefallen bedeutet das nicht das mir nicht auch die Filme gefallen, die oft im Kulturteil ausgiebig besprochen werden^^
Was Oscarbait angeht, natürlich werden gewisse Filmsparten und Themen da wohlwollender aufgenommen als andere. Was auch daran liegen könnte das wohl viele der Juroren eher nach der Zusammenfassung der Filme gehen als sie sich anzusehen.
Ich bezweifle z.B. stark das Ledger damals auch den Oscar bekommen hätte, wenn er nicht vorher verstorben wäre.
Sashael:
--- Zitat von: lowfyr am 6.04.2018 | 08:59 ---Und genau so gibt es genug Beispiele, wo irgend eine Meldung über einen Marvelfilm sofort zig Kommentare auslöst die unter anderem den Untergang der Filmindustrie durch diese Filme herbeigeführt sehen.
Und das haben selbst die Transformersfilme noch nicht geschafft^^
--- Ende Zitat ---
Von den Transformersfilmen gibt es ja auch "nur" 4 (oder 5?), während Marvel mittlerweile mit Black Panther die Nummer 18 erreicht hat. Und mehr vom Gleichen kommt. Ich hatte Spiderman: Homecoming hier echt lange eingeschweißt herumliegen, bevor ich mich jetzt mal aufraffen konnte, ihn zu sehen. Er hat mich unterhalten, aber es gab halt auch überhaupt keine Überraschungen. Naja, ausser der einen, aber die hab ich dann 5 Sekunden vorher auch schon geschnallt. Thor: Ragnarök (ich weigere mich, den deutschen Untertitel zu benutzen) fand ich wieder unterhaltsamer. Weil zum einen mehr bekannte Gesichter sterben, auch wenn es "nur" Nebencharaktere sind, was mal was anderes ist als "Die Große Bedrohungtm killt dutzende gesichtsloser Bystander" und zum anderen durch den teilweise schon echt albernen Humor. Und den Soundtrack. Aber ansonsten fügt er sich in den Marvel-McDonalds-Geschmack mit ein. Was an sich nicht unbedingt etwas Schlechtes ist, aber ich merke, dass sich bei mir Übermüdungserscheinungen bemerkbar machen.
Menthir:
Ich habe nicht die Empfindung, dass Superheldenfilme von Kritikern gemieden werden oder nur nach Schema F bewertet (oder von Filmakademien ausgezeichnet oder eben nicht ausgezeichnet) werden. Sicher ist ein Gros der Bewertungen nach Schema F in der heutigen Zeit, weil selten die Zeit bleibt, sich im Detail mit einem Film auseinanderzusetzen, aber mit dieser Problematik lebt die gesamte Unterhaltungsindustrie, auch teils gewollt.
Aber diese bedächtigen Kritikerpersonen gibt es, sie gehen häufig nur im allgemeinen Lärm (bzw. der Schwemme durchschnittlicher und unterdurchschnittlicher Filmkritiken) unter. Und diese Leute gibt es auch in der Filmkritik für Superheldenfilme.
Ich erinnere mich daran, dass ich einst einen Artikel gelesen habe (war bei der BBC nach einem Interview mit Nolan), wo man sich ausführlich mit dem Werken M.C. Eschers und der Wirkung auf Nolan und seine Filme beschäftigt hat. Und die Filmkritik sich dementsprechend daran hochgezogen hat, wie Nolans Filme eine Art Arthouse-Eklektizismus im Hollywoodgewand sein. Und wie diese Synthese klappe, oder was das für das moderne Kino bedeutet. Das war allerdings in Bezug auf Interstellar.
Bezüglich Nolan - um nochmal auf den direkten Superheldenfilm einzugehen - erinnere ich auch einige sehr ausführliche und in die Tiefe gehende Kritiken zur Dark Knight-Trilogie, die sich eben sehr mit Nolans Interpretation von Batman beschäftigte und wie diese Filme, in einer Zeit, in der die klassischen Superheldenfilme wieder gefragter wurden, das Genre ein Stück weit konterkarierte. Die eben überaus fasziniert waren davon, dass Batman für sie ein plausibler Antiheld ist und mit jedem Teil zunehmend wurde. Und - nach einer von vielen Lesarten - die ganze Prämisse des Superheldentums in Frage gestellt wurde.
Und noch mehr erinnere ich mich, an kollektive Kritiker-Enttäuschung, als Nolans Mitwirkung an Man of Steel nicht dafür sorgte, aus dem klassischen Superman-Bild und Superman-Film auszubrechen. Diese Kritiken waren aber bei weitem nicht alleine auf die visuelle Schaubarkeit des Films bezogen, sondern bezogen sich auf Rahmen, Wirkung und teils auf die "Soziologie des Superhelden".
Ich für mich persönlich muss allerdings auch feststellen, dass meine Müdigkeit dem Genre gegenüber schon immer sehr ausgeprägt gewesen ist und ich nur ein Bruchteil der neuen Superheldengeneration gesehen habe. Deswegen kann ich im Detail sicher nicht für jeden Film sprechen, denn so fallen die meisten Iron Man, Avengers und Gedöns-Geschichten für mich raus, weil sie für mich persönlich weitestgehend unschaubar waren (I look at you, Thor!).
Und ich konsumiere sicher auch einiges - um in der Metapher zu bleiben - an McDonalds/BurgerKing-Filmen. Allerdings sind die Superheldenfilme für mich eher der Filet-o-Fish, eben ohne echten Fisch*.
Aber gerade deswegen bin ich an ernsthafter Kritik zu diesen Filmen interessiert und muss sagen, dass ich sie zu fast allen mich interessierenden Superheldeneskapaden auch gefunden habe.
* Ich bin mir über den Urban Legend-Charakter dessen bewusst. So ist das sicher auch 'ne Urban Legend, dass Superheldenfilme recht platt sind. :)
alexandro:
--- Zitat von: Hewisa am 5.04.2018 | 19:33 ---Da muss ich mal kurz einhaken: "Unbreakable" wird dadurch schlechter, dass 17 Jahre später in einem anderen Film darauf Bezug genommen wird und ein noch nicht erschienener Film die Handlungsstränge vereinen wird?
Versteh ich nicht. Ich persönlich find ja sowohl Split als auch den Unbreakable-Bezug super, weil in meinen Augen dadurch dem Ganzen eine neue Dimension abgewonnen wird (und freue mich auch auf Glass).
Das muss man ja nicht so sehen, aber wieso es den bereits bestehenden Film schlechter macht, das versteh ich nicht.
--- Ende Zitat ---
Umgekehrt: Split wäre ein wesentlich besserer Film geworden, ohne den Bezug auf Unbreakable.
Damals war Unbreakable eine wunderbare Dekonstruktion des Superhelden-Genres, düster und bedrückend, weil er dem Zuschauer vor Augen führt, was die schwarz-weiße Gut-Böse-Moral bedeutet, wenn komplexere Charaktere diese Rolle einnehmen. Price ist ein sympathischer Charakter, dessen Motivation nachvollziehbar ist, und wenn dem Zuschauer klar wird, dass man die ganze Zeit mit einem Comic-Schurken (im wahrsten Sinne des Wortes, denn Price nimmt bewusst diese stereotype Rolle ein) mitgefiebert hat, dann bringt dies den Zuschauer dazu, den eigenen Umgang mit allzu einfachen moralischen Bewertungen zu überdenken.
Eine Fortsetzung zu Unbreakable ist überflüssig. Was danach passiert (weitere Origins, Teambildung/größere Bedrohung), hat man schon hunderttausendmal in Superheldenfilmen und Comics gesehen. Vor 15 Jahren hätte ich mich trotzdem drüber gefreut, weil es zu diesem Zeitpunkt noch nichts vergleichbares auf der großen Leinwand gab, aber heutzutage - mit der Flut von Filmen, die genau dasselbe machen - warum?
Und Split hat diese Ansicht bestätigt. Eine ziemlich konventionelle Origin-Story, bei der keine wirklich neuen Akzente gesetzt werden, welche das Genre auf dem Kopf stellen. Ein durch und durch banaler Film, ein Wurmfortsatz von Unbreakable. Und ich vermute stark, dass Glass nicht besser wird. Einfach weil es aus den falschen Gründen gemacht wird.
Vash the stampede:
@alexandro.
Zwei Fragen: Angenommen Split hätte nicht diese eine sehr kurze Szene und keine Verbindung zu irgendwas. Was für ein Film wäre er dann für dich? Und welche Bewertung würde er dann von dir bekommen?
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