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[Film] Solo: A Star Wars Story

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Ifram:
Damit ist glaube ich ein Korrektur-Faktor gemeint, um ein realistischeres Verhältnis zu bekommen. Negatives wird halt häufiger geäußert.
Und wenn man dazu noch die Seiten dieses Threads scrollt, sieht man ganz schnell wie oft welche Avatare auftauchen.  ;)

Lyonesse:
Ich glaube so langsam das Hauptproblem bei Star Wars ist, dass keine neuen Geschichten erzählt werden.
Immer die gleichen Charaktere, die sich um immer den gleichen Metaplot drehen und das seit geschlagenen
40 Jahren. Da ist ein ganzes Universum zu entdecken und was bekommt man stattdessen serviert? Die Vorge-
schichte von Chars, die seit 40 Jahren eingeführt sind. Um da mehr als ein ganz ok zu erhalten, hätte da
schon etwas anderes kommen müssen, als eine relativ einfach gestrickte Heist-Story, wo wie mit der Wäscheliste
die wichtigsten Punkte abgearbeitet wurden.
Klar haben auch ein paar Sachen Spaß gemacht - wäre schlimm, wenn nicht -, aber im Großen und Ganzen wieder
mal ein Film, der relativ unnötig war, nichts mit Plots zu tun hatte, die in den Romanen schon längst beschrieben
wurden (ja, ja, die zählen ja irgendwie nicht mehr), und der in spätestens einem Monat praktisch schon wieder
vergessen sein wird - wenigstens blieb einem diesmal die Force und das Gequatsche darum erspart.

Kowalski:

--- Zitat von: Lyonesse am  7.06.2018 | 15:16 ---Vollständige Menschen bei Star Wars? Sind die überhaupt erwünscht oder würden die für einen Tiefgang sorgen, der sich
so gar nicht mit dem knalligen Popcorn-Spektakel verträgt? Für mich sind das immer nur Archetypen, die höchstens in
einigen der Romane mehr Tiefe gewonnen haben.
--- Ende Zitat ---


Ja, eben. Einen Archetypen zu zeigen genügt.
Wenn man sich die Crew von Beckett als kleinen, durch gemeinsame Interessen zusammengeschweißten Haufen vorstellt, dann ist der Tod von Val UND Rio innerhalb einer Szene für Beckett nicht viel Wert. Da gibt es hinterher keine Szene wo Beckett nachdenklich über Fehler und Ungerechtigkeiten nachdenkt (oder übersehe ich da was).
Das ist weniger als ich in einer wild zusammen gewürfelten Rollenspielergruppe sehe.

Luke trauert in einer Szene um Obi Wan, selbst Chewie ist in SW VIII emotional getroffen von einem traurigen Porg.
Das fehlt in "Solo", mag sein man hatte das Filmmaterial nicht, aber das hätte man ja nachdrehen können.
Und oft brauchen diese nur wenig CGI, wenn man die geschickt aussucht.

Männer werden hier mehr als emotionale Krüppel gezeigt als in der Originaltrilogie. Das finde ich doof.


--- Zitat von: Lyonesse am  7.06.2018 | 15:16 ---Als ''Frau'' war L3 jedenfalls weitaus interessanter als Qi'ra, und oben-
drein noch die bessere Schauspielerin. Emilia Clarke wirkte doch ziemlich gelangweilt und wer kann es ihr verdenken.

--- Ende Zitat ---

Jein. Wieso muss Leet einen so watschelnden Gang haben der sich so in den Hüften wiegt? Versteckter Sexismus? Wieso hat man das Gefühl eher einer alten Matrone zuzuhören als einem jungen Wesen? Wieso dieser "Wir müssen die Droiden befreien" Kampfruf. Wenn man hier eine Idee "Ich befreie die Droiden, die fangen dann an Unsinn zu machen" nicht ohne Fake-SJW Pathos vortragen? Ok, ist eine Frage des Geschmacks.

Ich fand Leet zum Teil affig, zum Teil aber cool. Statt dieses "Ich denke Llando liebt mich" hätte man ebenso ein "Llando denkt er ist ein toller Pilot, in Wahrheit rette ich uns ständig den Arsch". Wobei ich diese Interspezies Neckereien gar nicht schlimm fand. Lustig, aber dann wieder zu primitiv.

Irgendwie fand ich mich als Star Wars Fan oft verarscht vor.
Bei den anderen Disney Filme nicht so, aber hier war das diese endlose Reihe an Stichworten die abgearbeitet wurden.
Und eigentlich nirgends war irgend eine Art erhöhter Spannung oder emptionalen Mitgehens erkennbar.

Schade um den Eintritt.

Megavolt:
Ich will was zum Film sagen. Ich bin rein, weil ich dachte, ach komm, pfeif drauf. Irgendwie ist Star Wars ja auch ein Teil einer umfassenden popkulturellen Bildung.  ~;D

Wichtig ist es ja immer, zu wissen, wo jemand gedanklich herkommt, damit man weiß, ob man dessen Einschätzungen teilen kann oder ob das unsinnig ist. Ich starte aus diesem Grund also mit einem Disclaimer.

Disclaimer:
Ich habe die ursprüngliche Trilogie mit ca. neun Jahren gesehen, und in diesem Alter und in einer Welt ohne Internet und so weiter, da war das natürlich eine unglaublich Erfahrung. Man lernt Science-Fiction kennen, lernt Drama und Epik kennen, es gibt weit und breit nichts Vergleichbares. Ich brauche euch nix erzählen, ihr wisst selbst, wie das war. Es war eine Art Erlösung.

Dann kamen die drei Prequels. Um meine Einstellung gegenüber den Prequels angemessen in Worte zu fassen, muss ich mit einem Gleichnis arbeiten.

Stellt euch vor, ihr bekommt ein junges Pony zum Geburtstag geschenkt. Ihr nennt es Butterblume. Ihr seht es heranwachsen und ihr liebt es von ganzem Herzen. Ihr spielt jeden Tag mit ihm, ihr striegelt und streichelt es, ihr bindet ihm Blumen und bunte Bänder ins Haar. Ihr füttert es ausschließlich mit zartem Klee.

Dann, ohne euer Zutun, wird euch das Pony weggenommen. Ihr müsst mit ansehen, wie das Pony von einem fetten, schwitzigen Mann brutal zugeritten wird, und der Mann schlägt das arme Pony auch noch dauernd mit der Faust.
Dann, wenn das arme Pony schon ganz kaputt ist, werdet ihr gezwungen, zuzusehen, wie das Pony in einen Fleischwolf geworfen wird, es wird zerschreddert und es wird Wurst daraus gemacht.
Und dann werdet ihr gezwungen, die Wurst zu essen.

Das war meine Erfahrung mit den Prequels. Es war die Erkenntnis, dass es nichts Gutes und Schönes in der Welt geben darf und nicht geben kann. Wenn man so im Kino sitzt und schaut grübelnd dreimal zweieinhalb Stunden lang einer Art visueller Massenkarambolage zu, dann ist das ebenfalls eine Art Erlösung: Man erkennt, wie scheiße Star Wars eigentlich ist. Dass das Universum nicht entwicklungsfähig ist. Dass es immer nur ein paar Requisiten und Symbole neu anordnet. Dass die Produktionen lieblos und schludrig sind. Dass alles dumm ist und Kitsch. Und danach ist man frei.

Ich finde Jedis saublöd, ich finde die Macht lächerlich, ich finde Lichtschwerter nervtötend, ich finde ATATs und Sternenzerstörer peinlich, und Darth Vader total überspielt. Ich finde Stormtrooper uncool.

Und deshalb bin ich genau der richtige Mann, um mir einen Star Wars Film anzuschauen, weil ich da einfach völlig unbelastet rangehen kann und mir wirklich gar nichts erwarte.   ~;D

Disclaimer Ende. Jetzt mein Eindruck:

Solo ist ein einwandfreier Film. Ich hatte über weite Strecken vergessen, dass der Hauptdarsteller überhaupt Han Solo ist, weil sie den Kitsch-Level einfach deutlich runtergefahren haben und beispielsweise der ganze Jedi-Quatsch weg ist. Praktisch kein Laserschwert, kein beknackter C3P0, nix davon, hurra! Ab jetzt in unzusammenhängenden Stichpunkten:
- Solo ist eigentlich ein Warhammer 40K-Film, und das tut dem ganzen UNGLAUBLICH GUT (Eye of Terror, die Unterwelt, Bolterschüsse in die Gesichter usw.).
- Der Film hat echte visuelle Probleme, weil da irgendwas mit der Beleuchtung nicht passt. :)
- Ich steh voll auf diese ganzen Blickwelten. Der schummerige Eisnebelplanet, der donnernde Achterbahn-Lastenzug, der sich in die Kurve reinlegt. Wunderbar! 
- Die Daenerys Targaryen ist super heiß, der steht das total gut, dass sie mal normal aussieht
- Ich mag diesen neuen Seitenlinien-Humor, da ist das Timing herrlich. Der Stormtrooper als Verkehrspolizist, wie er auf seinen Speeder aufsteigt, großartig. :D
- Ich hatte ordentliche Wouh!-Momente, z.B. als der Sternenzerstörer plötzlich im Mahlstrom parkt. :D Oder als halt das blaue Benzin erst nicht auslöst, und sie fast in den Gratvitationsstrudel geschnullert werden, super!
- Das Pacing war einfach sehr gut. Der Han Solo macht eine Barrel-Roll und kegelt den imperialen Flieger weg, toll! Oder dieser Quatsch mit den Landefüßen, die die Steine hochwirbeln, so was will ich sehen, ganz hervorragend.

Ich könnte noch viel schreiben, vielleicht reiche ich noch ein paar Eindrücke nach. Der Film war freilich auch saudumm (an unendlich vielen Stellen, man denke an die Laser-Käsemesser vom Dings), aber das ist doch bei Star Wars total egal. Es ist ein klasse Science-Fiction-Film, mit der richtigen Geschwindigkeit und hin und wieder originell, ich hab kein einziges Mal auf die Uhr geschaut. Der Film ist vor allem deshalb ziemlich solide, weil er eigentlich nur grade noch so ein Star Wars Film ist. Also kann ich jedem empfehlen, sich den mal zu geben, gerade auch für Skeptiker wie mich.

Eine letzte Sache noch: Ich habe den Thread nicht gelesen, deshalb weiß ich nicht, ob das schon angesprochen wurde - der Feminismus-Bot war aber schon ein heftiger Akzent in dem Film, oder? Habt ihr da irgendwelche Gedanken zu? Ist der Wellenkamm des Feminismus wohl mittlerweile schon durch oder was, dass man das so heftig parodieren kann im weltweit größten Film-Franchise aller Zeiten? 
 

Aedin Madasohn:
hallo Megavolt

L3 wurde hier schon mal auf Seite 7 https://www.tanelorn.net/index.php/topic,106535.msg134633313.html#msg134633313
angesprochen

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