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Sachbuch über Guerilla Kriegsführung gesucht .
Orok:
Um den interessanten Beitrag mal ein bisschen zu kapern, gibt es denn (aktuelle) englischsprachige Bücher die ihr empfehlen würdet?
Settembrini:
Beobachtung: Echte Partisanen sind nicht die Leute, die danach gute Anleitungen zum Partisanentum schreiben. Deswegen sind fast alle Schriften, die ich kenne, von den Verlieren im Partisanenkampf geschrieben worden. Der von Dach ist ja auch kein aktiver Widerstandskämpfer gewesen, wobei ich es nie in Händen hatte und ehrlicherweise nicht weiß, ob es was taugt. Ich frage mich da immer, wieviel das alles Wert ist, denn hätten die Verlierer nen besseren Peil gehabt, dann hätten sie ja nicht verloren. Ich habe (in) mehre(n) KTBs von Anti-Partisaneneinheiten gelesen, und das klang alles nach Vorurteil und keinen Peil von den eigentlichen Abläufen. Pragmatisch infanteristisch aber vor allem logistisch habe ich da nämlich noch nen Sack offener Fragen.
Meine Beobachtung schließt die aktuelle US-COIN-Literatur ein.
Meines Wissens ist alles, was die Verlierer über Guerillas rausgefunden haben in die Jagdkommando-Ausbildung der moderneren Streitkräfte geflossen. Ich weiß aber von Leuten, die so eine Ausbildung hatten, daß extrem streng geguckt wurde, wer die bekommt und extrem viel Literatur da verboten ist. Selbst von damit beauftragten Soldaten wurde damals viel technische Literatur nur unter der Hand und in Kopie weitergereicht. Damals hatte man vor allem Angst vor Roten Guerillas, denke der von Dach ist deswegen auch verboten in D.
Ein erhältliches und einigermaßen schnell zu lesendes Buch ist: Rentsch: Partisanenkampf. Rentsch hat zumindest die Demut zuzugeben, daß er besiegt wurde. Was bei den COINies und Werwölfen irgendwo oft fehlt...
Im Übrigen bin ich der Meinung:
Smrt fašizmu - sloboda narodu! ;)
Settembrini:
Um mal die Schwere etwas aus dem Thema zu nehmen:
Wer es auf Rollo-Niveau braucht, dem kann ich unumwunden die Partisanen-Comics empfehlen:
http://www.splashcomics.de/php/rezensionen/rezension/23110/die_partisanen_integral_1
Vieles darin taugt auch als tolle Inspiration für Star Wars in der Zeit der Rebellion.
Und wieder gilt:
Smrt fašizmu - sloboda narodu! ;)
YY:
--- Zitat von: Settembrini am 21.05.2018 | 16:44 ---Beobachtung: Echte Partisanen sind nicht die Leute, die danach gute Anleitungen zum Partisanentum schreiben. Deswegen sind fast alle Schriften, die ich kenne, von den Verlieren im Partisanenkampf geschrieben worden.
--- Ende Zitat ---
Es gibt ja auch noch die andere Seite - also jene, die auf "öffentlicher"/behördlicher Seite gewonnen haben. Die schreiben dann tendentiell auch ziemlich viel, nur muss man da wieder den Unfug vom Brauchbaren trennen.
Auf abstrakterer Ebene sind die besten Sachen tatsächlich jene, die von unbeteiligten Dritten weit im Nachhinein geschrieben wurden. Taber hat z.B. ein paar schöne (wenn auch recht allgemein gehaltene) Analysen, wer wann warum gescheitert ist oder erfolgreich war.
Das fehlt natürlich jenen, die einen einzelnen Konflikt gewonnen oder verloren haben und allein deswegen meinen, alles zum Thema Guerilla gesehen und verstanden zu haben.
Zum konkreteren siehe ganz unten.
--- Zitat von: Settembrini am 21.05.2018 | 16:44 ---Ich weiß aber von Leuten, die so eine Ausbildung hatten, daß extrem streng geguckt wurde, wer die bekommt und extrem viel Literatur da verboten ist. Selbst von damit beauftragten Soldaten wurde damals viel technische Literatur nur unter der Hand und in Kopie weitergereicht.
--- Ende Zitat ---
Da hatte man über große Zeiträume aber auch Angst vor dem eigenen Schatten. Wenn ich mir anschaue, was so ab den späten 60ern bis in die 90er hinein alles streng geheim war und bloß nicht in falsche Hände geraten durfte - da lachen ja die Hühner.
Und das ist heute auch noch ein gutes Stück weit so. Da überschlagen sich Polizei und BW mit Geheimhaltung(sversuchen) bei Sachen, wo sie selbst Jahre oder Jahrzehnte hintendran sind und allerhöchstens die eigene "Avantgarde", sprich die Spezialverbände, am Puls der Zeit ist.
Die meinen immer noch, man könnte das Zeug nur bei ihnen lernen und deswegen sind sie dann natürlich auch die Besten darin. Ist halt beides grundlegend falsch.
Und wer als Organisation so unterwegs ist, der braucht sich auch nicht wundern, wenn man zum Thema Guerilla fast nur Schrott produziert, sobald es über die rein handwerkliche Ebene hinaus geht. Die verstehen sich ja noch nicht mal selbst und wollen dann strukturell völlig anders Geartetes erklären. Das schaffen höchstens einzelne in der ganzen Brühe und die werden dann oft genug nicht gehört - vom Thema Koordination Militär und Politik mal ganz abgesehen.
--- Zitat von: Settembrini am 21.05.2018 | 16:44 ---Rentsch hat zumindest die Demut zuzugeben, daß er besiegt wurde. Was bei den COINies und Werwölfen irgendwo oft fehlt...
--- Ende Zitat ---
Wen wunderts? Erstere haben ja ein weiter bestehendes politisches Interesse an entsprechender Selbstdarstellung und letztere hatten schlicht nie die publizistische Gelegenheit, ihr Scheitern "öffentlich" einzugestehen.
--- Zitat von: Orok am 21.05.2018 | 16:31 ---Um den interessanten Beitrag mal ein bisschen zu kapern, gibt es denn (aktuelle) englischsprachige Bücher die ihr empfehlen würdet?
--- Ende Zitat ---
Aus meiner Warte lobenswerterweise haben mittlerweile alle Seiten erkannt, dass die handwerklichen Aspekte am Besten von den jeweiligen Spezialisten erlernt werden. Sprich man hat heute gar nicht mehr den großen Guerilla-Leitfaden, in dem alles doch nur angerissen wird, sondern nutzt für die einzelnen Themen spezialisierte Fachliteratur.
Da kann ich dir eine kleine Liste machen, die hat dann aber mit dem Thema Guerilla an sich aus genau diesem Grund nichts mehr zu tun.
Und als Rollenspielrecherche ist das für die meisten Zwecke viel zu praxisbezogen.
Besser sieht es bei den abstrakteren Betrachtungen und "lessons learned" aus - da muss man aber auch immer schauen, was man von wem für bare Münze nimmt.
Wenn es nicht gerade hohe Theorie in Richtung Genfer Konvention, internationales Recht usw. sein soll und auch nicht die "reine", abstrakte Lehre, dann fährt man mit Erfahrungsberichten, Autobiographien und Ähnlichem mMn deutlich am Besten.
Die muss man aber eben bewerten und schauen, was man da für sich rausziehen kann.
Auch hier wieder: Liste möglich, aber da steht dann zumindest bei meinen unmittelbaren Empfehlungen so gut wie nirgends mehr was in der Art "Gedanken zur Guerillakriegsführung" o.Ä. drauf.
Schön vorgekaut alles auf einem Fleck gibts auch auf Englisch nicht.
Aedin Madasohn:
hallo Supersöldner,
ich weiß jetzt nicht, wie viel Zeit und Studium du in deine kleine Recherche stecken willst, aber sicherlich findest du irgendwo bei google books einen Scan über clausewitz´s "vom Kriege"
ja, ich weiß. Sehr schwergängige Kost in einem alten Deutsch mit absatzlangen Sätzen.
du kannst da aber viel herausziehen zum Thema Motivation (deinteressiertes Imperium verliert gegen hochmotivierte Bergbauern am Arsch der Welt),
Bereitschaft Ressourcen für etwas einzusetzen (Anspannung der Kräfte - für die einen "die Freiheit" - für andere nur ein Landstrich ohne Wert)
zum Thema Politik (eine hochgerüstete Armee kann nicht solange vor sich "hinsiegen", bis dämlichen Politikern eine stabile Nachkriegsordnung eingefallen ist)
damit wäre die Ebene oberhalb der reinen Taktik schon mal abgedeckt
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