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[Serie] The Witcher (Netflix)
Crimson King:
--- Zitat von: Irian am 23.12.2019 | 19:59 ---Halte ich für so nicht haltbar. Der Punkt ist eher, dass das Argument für manche Sachen Sinn macht, für andere aber halt eben nicht.
"Das ist halt ein Fantasy-Setting" als Argument dafür, warum im hohen, kalten Norden lauter dunkelhäutige Menschen zusammen mit irgendwie asiatisch wirkenden Menschen wohnen, ist halbwegs tragbar. Sicher, manch einer wird gerne dafür noch etwas mehr Erklärung haben wollen, also mehr über den Hintergrund wissen wollen, aber letzten Endes ist es völlig ok, wenn dann irgendwas von Göttern, Dimensionslöchern oder Dämonen gemurmelt wird - ist halt Fantasy. Je "besser" die Erklärung ist, desto besser wird den Leuten das Setting gefallen - aber was besser ist, hängt vom Geschmack ab.
"Das ist halt ein Fantasy-Setting" als Argument dafür, dass es total problemlos ist, dort dunkelhäutige Menschen als wilde, primitive Menschenfresser darzustellen, die den ganzen Tag nur ans schnackseln denken, klappt hingegen nicht wirklich, weil rassistische Stereotype einfach zu übernehmen halt... nun ja, rassistisch ist.
Von daher, das gleiche Argument, aber eben auf zwei verschiedene Dinge angewandt, klappt halt mal und mal nicht. Der Unterschied hier ist ja auch, dass der Rassismus-Vorwurf ganz klar den Autor betrifft beim zweiten Beispiel (woraufhin "Das ist halt Fantasy" eine denkbar schlechte "Verteidigung" ist), während erster, "Unlogik"-Vorwurf das Setting betrifft - und dem ist mit "Ist halt Fantasy" deutlich leichter zu begegnen.
--- Ende Zitat ---
"Das ist halt ein Fantasy-Setting" ist ein Argument für den Moment, an dem einem keine echten Argumente mehr einfallen.
Die Witcher-Welt ist davon abgesehen kein *beliebiges* Fantasy-Setting. Sie setzt klar erkennbar auf dem europäischen Mittelalter mitsamt der europäischen Sagen- und Mythenwelt auf. Dementsprechend ist die Erwartungshaltung der Konsumenten.
--- Zitat von: Odium am 23.12.2019 | 20:07 --- (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Amazon hat neulich versucht mir das, zusammen mit seinen "wissenschaftlichen" Ergüssen unterzujubeln. Gibt es zu dem RPG iwo eine lesenswerte Rezi / Diskussion?
--- Ende Zitat ---
Ich habe an anderer Stelle im Forum zwei Rezensionen verlinkt.
Irian:
--- Zitat von: Crimson King am 23.12.2019 | 21:08 ---"Das ist halt ein Fantasy-Setting" ist ein Argument für den Moment, an dem einem keine echten Argumente mehr einfallen.
--- Ende Zitat ---
Hm, ich würde eher sagen, es ist einfach das gleiche wie "Es ist aber nicht das Mittelalter.". Ein anderes Argument braucht es da gar nicht, weil mir bisher keiner erklären konnte, warum ein Fantasy-Setting denn nun genau welche Mittelalter-Aspekte zu bedienen hat. Und solange das nicht gegegeben ist, braucht es keine Notwenigkeit, zu rechtfertigen, warum ein Fantasy-Setting nicht Mittelalter ist: Ist halt Fantasy (und nicht Mittelalter).
--- Zitat von: Crimson King am 23.12.2019 | 21:08 ---Die Witcher-Welt ist davon abgesehen nicht *irgend*ein Fantasy-Setting. Sie setzt klar erkennbar auf dem europäischen Mittelalter mitsamt der europäischen Sagen- und Mythenwelt auf. Dementsprechend ist die Erwartungshaltung der Konsumenten.
--- Ende Zitat ---
Ah, wie praktisch, dass ich das schon schrieb: "Es ist aber nicht das Mittelalter." Wie oft muß man das noch sagen? Nur weil beliebige Teile mittelalterlich angehaucht sind, bedeutet das nicht, dass auch alle anderen Teile mittelalterlichen Vorbildern folgen müssen. Wieso sollten sie?
Wer ein Fäntelalter-Setting sieht und dann, weil das irgendwo auch an mittelalterliche Dinge anknüpft - was ja viele tun - willkührlich beschließt, welchen ihm genehmen Regeln das folgen muß und dann enttäuscht ist, weil es das nicht ist, sollte eher seine Erwartungen überprüfen. Wenn ich so ein Setting sehe und spontan erwarte, dass alle Leute sich wie im Jahr 1243 im heutigen Sachsen kleiden, dann ist das ein Fehler bei meiner Erwartung und nicht ein Fehler des Settings, diese Erwartung nicht zu erfüllen. Wieso sollte ein beliebiges Fäntelalter Setting beliebige Mittelalter-Erwartungen erfüllen? Ist doch Unsinn. Fäntelalter-Settings erfüllen manche (nicht notwendiger die selben) Mittlalter-Klischees, nicht mehr, nicht weniger.
Nähme man dieses Argument ernst, gäbe es gar kein Fäntelalter, weil IRGENDWER immer noch IRGENDEIN ANDERES Mittelalter-Klischee erfüllt sehen will, was letzten Endes bedeutet, nur 100% Mittelalter wäre allen genehm - was ja offensichtlich nicht der Fall ist, also ist das Argument ungültig.
El God:
Fantasy-Settings sind immer auch Zuschauerprojektion. Und wer halt glaubt, dass schwarze Schauspieler nur Gangster, Drogenopfer oder afrikanische Buschleute spielen dürfen, der glaubt das auch bei einem Fantasy-Setting. Insofern sagt das Gejammer über Diversität beim Dreh immer mehr über die Jammerer als über den Dreh.
Crimson King:
--- Zitat von: Irian am 23.12.2019 | 21:17 ---Ah, wie praktisch, dass ich das schon schrieb: "Es ist aber nicht das Mittelalter." Wie oft muß man das noch sagen?
--- Ende Zitat ---
Idealerweise gar nicht, da niemand behauptet hat, es sei das Mittelalter.
--- Zitat von: Irian am 23.12.2019 | 21:17 ---Nur weil beliebige Teile mittelalterlich angehaucht sind, bedeutet das nicht, dass auch alle anderen Teile mittelalterlichen Vorbildern folgen müssen. Wieso sollten sie?
--- Ende Zitat ---
Es sind nicht "beliebige Teile" mittelalterlich angehaucht, sondern die gesamte beschriebene Witcher-Welt ist eine Kombination aus Mittelalter-Klischees und europäischer Märchen- und Sagenwelt mit den von Tolkien etablierten Fantasy-Völkern.*Alle* identifizierbaren Vorlagen für die Welt sind entweder dem europäischen Mittelalter bzw. der heutigen naiven Sicht auf dieses, der europäischen Märchen- und Mythenwelt oder den durch Tolkien etablierten Fantasy-Tropes (die ebenfalls auf europäischer Mythologie beruhen) zuzuordnen. Dementsprechend wird ein nicht plausibilisiertes Abweichen von der Erwartungshaltung bei einigen an der Suspension of Disbelief rütteln.
Irian:
--- Zitat von: Crimson King am 23.12.2019 | 21:40 ---Es sind nicht "beliebige Teile" mittelalterlich angehaucht, sondern die gesamte beschriebene Witcher-Welt ist eine Kombination aus Mittelalter-Klischees und europäischer Märchen- und Sagenwelt mit den von Tolkien etablierten Fantasy-Völkern. Dementsprechend wird ein nicht plausibilisiertes Abweichen von der Erwartungshaltung bei einigen an der Suspension of Disbelief rütteln.
--- Ende Zitat ---
Und das ist es, wo ich vehement widerspreche, denn es sind - insb. für diese Diskussion - beliebige Teile, denn die zentrale Teile für die Frage "machen dunkelhäutige Menschen dort Sinn", sind gerade NICHT übnernommen: Die Welt sieht (geographisch, politisch, etc.) völlig anders aus, die Geschichte der Welt ist eine völlig andere, etc. So ziemlich jedes Element, was für diese Frage herangezogen werden könnte, weicht vom Mittelalter ab, weshalb Argumente auf Basis des irdischen Mittelalters hier nicht greifen.
Meine Güte, die Menschen kamen überhaupt erst durch irgendeine Dimensions-Überlappungs-Geschichte überhaupt erst auf diese Welt (wenn ich mich da nicht falsch erinnere), wie soll man sich das vorstellen, jeder nimmt sich erstmal ne Schaufel und schaufelt sich seinen irdischen Kontinent ins Meer, damit sich jeder dorthin verziehen kann, nur damit dann zu Witcher-Zeiten alles brav so ist wie im Mittelalter?
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