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Vergleich aktueller und alter Filme

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YY:

--- Zitat von: First Orko am  5.09.2018 | 15:47 ---Früher war alles _anders_ und vieles war gut. So wie heute.

--- Ende Zitat ---

Ich scheue zugegebenermaßen den Aufwand, in der Hinsicht nach absoluten Zahlen zu suchen ;)

Natürlich ist Survivor Bias da enorm wichtig - den Mist, der damals schon Mist war, schaue ich mir natürlich heute erst recht nicht mehr an.
Es ist aber ganz entschieden mein Eindruck, dass in rein handwerklicher Hinsicht gerade beim Popcorn-Kino "heute" (also in den letzten...sagen wir mal 15-20 Jahren) immer mehr in einer Weise geschlampt wird, die früher nicht so weit verbreitet war.
Irgendwie scheinen die Macher der Meinung zu sein, man könnte da im Grunde gar nichts falsch machen - und das führt dann dazu, dass die richtig guten* Actionfilme der letzten Zeit in erschreckend großer Zahl nicht aus Hollywood kommen oder zwar dort, aber unter besonderen Produktionsumständen entstanden sind.
 

Bei Serien geht es mir noch nicht mal so sehr um die Frage episodisch vs. kontinuierliche Erzählung über die gesamte Laufzeit, sondern um die kleineren Sachen.
Ich habe z.B. erst gestern versucht, die erste Folge von Jack Ryan zu schauen und die haben mir innerhalb von zwei Szenen und 10 Minuten bewiesen, dass sie keine Ahnung haben, wo sie mit dem Charakter hin wollen und was das überhaupt für ein Kerl ist.
Und aufgrund früherer Erfahrungen, wie so was i.d.R. weiter geht, habe ich dann auch keinerlei Hemmungen mehr, mittendrin auszumachen und das Ganze komplett aus meinem Hirn zu streichen.

Natürlich ist das immer noch nur ein Gefühl/Eindruck, aber ich frage mich da jedes Mal, ob ich diesen Scheiß früher nicht bemerkt habe oder ob es das früher nicht gab - und wenn ich dann mal in ältere Sachen reinschaue, stelle ich fest, dass zumindest die "Überlebenden" diese Fehler** tatsächlich nicht machen.
Das mag auch daran liegen, wie heute Serien produziert werden (einfach mal irgendwas raushauen und wenn es gut ankommt, wird "richtig" produziert), aber meinem Eindruck nach ist das tatsächlich einfach die zeitgenössische Haltung vieler Drehbuchschreiber zu Charakteren und deren Darstellung. Da ist kurzfristiges Drama eben viel wichtiger als ein rundes Gesamtbild und wer ein ähnlich missmutiger halb-alter Sack ist wie ich, darf das jetzt gerne noch auf unser modernes technikbedingtes Aufmerksamkeitsdefizit beziehen  :P ;D


*da kommen wir dann natürlich zum Knackpunkt: Gut ist erst mal nur meine Einschätzung und hat mit der Meinung anderer sowie dem kommerziellen Erfolg nicht viel zu tun.
Unterm Strich muss ich mich wohl auf die Aussage reduzieren lassen, dass früher mehr nach meinem Geschmack gearbeitet wurde, was sich hauptsächlich darauf bezieht, welche Details den Machern wichtig sind und welche nicht.


**und ja, das hat in der modernen Ausprägung tatsächlich ein Ausmaß erreicht, dass ich nicht mehr von Stilfragen sprechen will, sondern das rundheraus als Fehler bezeichne.


Daher:

--- Zitat von: 6 am  5.09.2018 | 16:23 ---Aber jetzt Mal im Ernst: Unser altes Kino startet aus Verzweiflung ab Oktober eine Classic-Reihe, die sie Sonntags Nachmittags zeigen. Da sind dann so Hochkaraeter wie der dritte Mann und Das Fenster zum Hof dabei. Ich will da eh reingehen. Da achte ich Mal auf die Kontinuität.

--- Ende Zitat ---

Nicht nur auf Kontinuität, sondern auch darauf, wie Charaktere eingeführt und dargestellt werden sowie wie sie (zumindest dem äußeren Eindruck nach) ihre Entscheidungen treffen.
Da habe ich wie gesagt ziemlich massiv den Eindruck, dass das früher wesentlich runder war und heute kurzfristige "bangs" das absolute Primat haben.

Crimson King:
Thriller sollten grundsätzlich mehr Wert auf Plot und damit Konsistenz legen als Actionfilme. Inkonsistenzen sieht man doch heute vor allem in Blockbustern, bei denen viel Energie in die visuelle Darstellung geflossen ist. Da müsste dann eher der Vergleich zu Ben Hur & Co. her.

Ich glaube allerdings schon, dass Menschen umso mehr strukturelle Inkonsistenzen zu akzeptieren bereit sind, je mehr sie durch Tempo und Lärm davon abgehalten werden, daüber nachzudenken. Auf der anderen Seite kam mir noch nie bei einem älteren Film in den Sinn, dass der Film besser 30 oder 60 Minuten länger gewesen wäre, damit mehr Zeit für die Charakterentwicklung bleibt.

Bei Serien würde ich mal behaupten, dass wir in der Spitze in den letzten Jahren ein nie da gewesenes Niveau erreichen. Die Masse wird dadurch natürlich nicht besser.

6:
Bei den Serien kann ich YY zum Teil zustimmen. Durch die Umstellung von Einzelepisoden zum kontinuierlichen Block erlebe ich die Entwicklung der Fillerfolgen und der ich sag Mal Mytifizierung der Charaktere. Die Autoren müssen heutzutage eine komplette Story in 10 oder 12 40 Minuten-Folgen packen und da werden dann Folgen mit ner Menge Füllstoff gefüllt, die Du locker einfach weglassen könntest. Ebenso streckt sich dann die Charakterisierung über alle Folgen hinweg.
Früher war es da hält so, dass jede Folge für sich stehen muss und somit der Charakter schon zu Anfang seine Charakterisierung haben muss.
Sind zwei komplett andere Vorgehensweisen beim Geschichten erzählen.

Crimson King:
Das ist so nicht richtig. Soaps mit fortlaufender Erzählung und Charakterentwicklung gibt es schon sehr lange. Bei Dallas steht eben nicht jede Folge für sich, sondern eher jede Staffel.

6:

--- Zitat von: Crimson King am  5.09.2018 | 17:06 ---Das ist so nicht richtig. Soaps mit fortlaufender Erzählung und Charakterentwicklung gibt es schon sehr lange. Bei Dallas steht eben nicht jede Folge für sich, sondern eher jede Staffel.

--- Ende Zitat ---
Soaps sind ein eigenes Thema. Da steht auch jede Folge im Prinzip für sich, weil es einem Zuschauer jederzeit möglich sein muss neu einzusteigen. Deswegen verändern sich die Charaktere normalerweise überhaupt nicht und der Plot zwischendrin ist überspitzt gesagt immer der Gleiche.
JR Ewing ist durchgehend das Arschloch der Familie und entsprechend verhält er sich. Wallis hat da ne sehr schöne Folge dazu auf YT.

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