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Hexxen 1733 Soundtrack, aber zeitgenössisch
Derjayger:
--- Zitat von: Chiarina am 24.10.2018 | 21:21 ---Mein ganz persönliches Problem mit Musik beim Rollenspiel ist, dass ich unweigerlich beginne zuzuhören. Das funktioniert bei mir nicht so ganz. Und wenn dann auch noch ein barockes Originalwerk erklingt... ich könnte nicht mehr spielen!
--- Ende Zitat ---
Geht mir auch so! Die im Einganspost verlinkte Art von Musik ist - auch wenn es nicht-Klassiker nicht hören wollen - deutlich komplexer (= mehr Informationen pro Zeit) als die meiste Filmmusik. Wenn man da nicht gut zuhört, kann man schnell den Eindruck von Gedudel bekommen, weil man keinen Hörüberblick bekommt.
--- Zitat ---Für intime Stunden nehme man vielleicht ein Werk für Virginal. Vielleicht aus dem Fitzwilliam Virginal book. Vielleicht dieses:
William Byrd: La Volta
--- Ende Zitat ---
Das ähnelt Tavernenmusik aus PC-RPGs...
--- Zitat ---Eine andere Möglichkeit für behagliche Stunden am Kamin: Lautenmusik
John Dowland: Semper dolens, semper Dowland
--- Ende Zitat ---
... und das der Musik von Kai Rosenkranz (aus Gothic 1 und 2) - beides auch bei nicht-Klassikern beliebt. Deshalb glaube ich, dass die zwei verlinkten Stücke auch nicht schlecht ankommen würden. Manchmal reicht es, wenn man die Leute auf diese Ähnlichkeit hinweist, damit in ihnen ein Schalter umgelegt wird und sie plötzlich etwas damit anfangen können.
Bei den Sturm-Stücken wird's schwieriger, weil die Musik aus heutiger Sicht sehr stilisiert und auch mit vergleichsweise wenig Power daherkommt - da sind die meisten ganz andere Hans-Zimmer-Klangkaliber gewohnt. Die andere - für Alte Musik angemessene - Perspektive einzunehmen kriegen selbst Musikstudenten am Anfang nicht immer hin. Vielleicht könnte man eine Brücke bauen über die augenzwinkernden Zeichentrickeinlagen aus Ritter der Kokosnuss: https://www.youtube.com/watch?v=U1Zv39Dee1w&t=900s und https://www.youtube.com/watch?v=jYFefppqEtE und damit auch dem Spiel Rock of Ages, das zumindest optisch einen ähnlichen Stil hat: https://www.youtube.com/watch?v=7YbuQIxHU6Y. Obwohl... ist eigentlich etwas ganz anderes, der Vergleich hinkt.
Ein weiteres Problem an Klassischer Musik im Rollenspiel ist, dass an der Musik ein Rattenschwanz von negativen Assoziationen hängt - nur für alte Leute, nur für Spießer, usw. Mit offenen Ohren zu hören kriegen die meisten nicht hin.
Dadurch könnte typische Barockmusik genau dann gut ankommen, wenn die Ingame-Situation in besonderem, total überzeichnetem Maße barock ist - überwältigender Gestank aus welken Rosen (Parfüm), Schweiß und Urin, 5m hohe Perückenfratzen die verachtend auf einen Blicken und ungeniert über einen lästern, Korsett-Zwangsjacken, Todesstrafe auf schlechte Manieren, Tee-Infusion bis zum Koffeinschock, hirnverbrennende/kaleidoskopartige Verzierungen...
Tolle Musikbeispiele übrigens! :headbang:
felixs:
--- Zitat von: Derjayger am 25.10.2018 | 18:30 ---Geht mir auch so! Die im Einganspost verlinkte Art von Musik ist - auch wenn es nicht-Klassiker nicht hören wollen - deutlich komplexer (= mehr Informationen pro Zeit) als die meiste Filmmusik. Wenn man da nicht gut zuhört, kann man schnell den Eindruck von Gedudel bekommen, weil man keinen Hörüberblick bekommt.
--- Ende Zitat ---
Ja. Wobei "Gedudel" hier nicht "Fahrstuhlmusik" ist, sondern "nerviges, störendes Geräusch", oder?
Derjayger:
Genau! Etwas amorphes, scheinbar zufälliges, ein großes Durcheinander.
Leute, die viel Klassik hören, sind große Informationsmengen gewohnt. Die haben dann Probleme beim Hören von Filmmusik, weil ihnen da zu wenig los ist. Ich finde ja, dass man die freie Brainpower dann nutzen kann um herumzuträumen, gern am Songtext (falls vorhanden) entlang. Das ist eine super Sache und war überhaupt der Grund, warum mich Musik als Jugendlicher so gepackt hat (in vielen Metal-Stilen erzählen Songtexte Geschichten, die sich super für solche Träumereien eignen). Und da wären wir wieder beim Tischrollenspiel, wo ich ja auch irgendwie herumträumen möchte.
Übrigens noch ein Beispiel:
--- Zitat ---Die Wilden aus Rameaus Les Indes Galantes:
https://www.youtube.com/watch?v=3zegtH-acXE
--- Ende Zitat ---
Was daran primitiv und wild ist, kann man glaube ich nur erkennen, wenn man viel Barockmusik gehört hat und sie damit vergleicht. Dann ist die Musik vergleichsweise banal bzw. primitiv*. Sonst klingt es halt irgendwie nach Alter Musik.
Das hier ist glaube ich schon direkter als irgendwie primitiv und wild* denkbar (ist ja auch deutlich neuer): https://www.youtube.com/watch?v=rP42C-4zL3w&t=3m28s
* Ich pack hier die übelsten Klischees aus :D https://www.youtube.com/watch?v=HqcGyBcbGE8 Fehlt nur noch ein Knochen im Haar.
felixs:
Aber kein Mensch wird Stravinsky nebenbei hören wollen, oder? ;)
Mein Vater hat mir, als ich fand, dass ich Stravinsky nicht hören mochte, erzählt, dass die Menschen aus seinen Konzerten schreiend herausgerannt seien. Keine Ahnung, ob das stimmt. Jedenfalls hat mir damals schon nicht eingeleuchtet, warum das ein Qualitätsmerkmal sein sollte.
Meine Assoziation zu der Musik mit den galanten Indianern wäre auch gewesen, dass das halt irgendwas von vor hundert Jahren oder älter ist. Könnte auch für einen Ball auf Sanssouci sein, oder für eine Szene im Palast des Sonnenkönigs. Was weiß ich.
Mir kommt das übrigens noch nicht einmal sonderlich komplex oder irgendwie anders hochwertig vor. Ich finde auch nicht, dass man klassischer Musik immer dieses Mäntelchen umhängen muss. Es folgt halt andere Regeln und man kann sich dazu erziehen, diese zu verstehen. Oder eben auch nicht. Das gilt für so ziemlich jede Art von Musik.
Derjayger:
--- Zitat von: felixs am 25.10.2018 | 23:21 ---Mein Vater hat mir, als ich fand, dass ich Stravinsky nicht hören mochte, erzählt, dass die Menschen aus seinen Konzerten schreiend herausgerannt seien. Keine Ahnung, ob das stimmt. Jedenfalls hat mir damals schon nicht eingeleuchtet, warum das ein Qualitätsmerkmal sein sollte.
--- Ende Zitat ---
Jo, das stimmt. Da gab's richtig Randale. Bei Beethovens Eroica auch. Sind lustige Anekdoten, kein Qualitätsmerkmal. :) Höchstens ähnlich wie sich Leute cool fühlen, dass sie gern Meshuggah hören (https://www.youtube.com/watch?v=oFiDcazicdk) - ist doch nett, dass sich Leute erbaut fühlen dadurch. :)
--- Zitat ---Mir kommt das übrigens noch nicht einmal sonderlich komplex oder irgendwie anders hochwertig vor. Ich finde auch nicht, dass man klassischer Musik immer dieses Mäntelchen umhängen muss. Es folgt halt andere Regeln und man kann sich dazu erziehen, diese zu verstehen. Oder eben auch nicht. Das gilt für so ziemlich jede Art von Musik.
--- Ende Zitat ---
Jo, Rameau gehört zu den simpelsten "Klassikern" - ähnlich wie die anderen zitierten sogenannten "Kleinmeister". Komplexität ist auch hier kein Qualitätsmerkmal im Sinne eines hohen Werts, sondern wertfrei eine höhere Informationsdichte als in aller mir bekannten Rock/Metal/Pop/Filmmusik. Wenn man beides mal "aufräumen" würde (https://www.kunstaufraeumen.ch/sites/default/files/shop/shop.htm), wäre bei den Klassikern viel mehr verschiedenes Material da. Das ist auch keine Ansichtssache, das kann man zählen. Aber nochmal: Das ist kein Zeichen von hohem Wert, sondern bloß eine Eigenschaft.
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