Pen & Paper - Spielsysteme > Weitere Pen & Paper Systeme
HeroQuest Glorantha - ein Schicksalsbericht
Chiarina:
Das cheat sheet ist übersetzt... aufgrund der Seitenangaben für die ältere HeroQuest Ausgabe war das doch etwas komplizierter als zunächst gedacht. Ich habe dabei aber noch ganz ordentlich dazu gelernt... Die relevanten Regeln sind jetzt auf 6 Seiten eingedampft.
Dann habe ich angefangen Spielerfiguren vorzufertigen. Ich habe jetzt 6 Stück fertig.
1. Ängstlicher Viehhirte, der von der Geisterwelt angezogen wird, aber noch ein wenig vor den Konsequenzen scheut.
2. Rebellischer Jäger, der sich mit dem Clanhäuptling zerstritten hat. Er ist Eingeweihter im Kult des Sturmgottes und verehrt ihn in seinem Aspekt als Abenteurer.
3. Friedfertiger Schmiedegeselle, der vielleicht ein wenig zu gut für diese harte Welt ist.
4. Mann aus gutem Haus, der die Clanmiliz organisiert, einen Anteil Trollblut besitzt und ziemlich eiskalt und rücksichtslos seinen Aufstieg plant. Auch er ist Eingeweihter im Kult des Sturmgottes, verehrt ihn aber in seinem Aspekt als Herrscher.
5. Etwas selbstverliebte, hübsche Schneiderin mit Falkenvertrautem und magischem Sprühregenstab.
6. Reichlich naive Eingeweihte der Erdgöttin mit ein paar Heilkräften und noch ein, zwei anderen hübschen Zaubern.
Ich habe keine Ahnung, wie gut diese Figuren im Vergleich mit anderen sind. Vermieden habe ich aber jedenfalls superspezialisierte One-Trick-Ponys. Die Spielerfiguren sind nicht allzu exotisch, haben aber ihre Eigenheiten und bieten auch die Möglichkeit für ein paar gruppeninterne Dramamomente. Ich hoffe, ich komme damit irgendwie durch eine Proberunde.
Meine Lieblingsphase bei der Figurenerschaffung ist übrigens die Zuteilung der Runen. Wenn da lediglich durch die Auswahl von drei Runen der komplexe Charakter der Spielfigur, ihre magischen Möglichkeiten und ihre potentiellen Kultzugehörigkeiten im religiösen Leben der Gemeinschaft bestimmt werden, entsteht in mir sehr schnell eine konkrete Vorstellung von der Figur.
Als nächstes werde ich mir das Einführungsabenteuer vorknöpfen und Szene für Szene durchgehen. Ich will ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn meine vorgefertigten Figuren auf die Szenen treffen und irgendwelche Proben ablegen müssen. Vielleicht erkenne ich dabei auch, dass ich bei den Figuren noch irgendetwas nachjustieren muss, mal sehen.
-
@ korknadel: Ja, wahrscheinlich läuft´s auf die pdf hinaus. Montgomery hat ein einziges Mal irgendetwas von "Warten bis zur Neuauflage" geschrieben. Die ist aber nicht in Sicht, oder?
@ Luxferre: Würde mich auch freuen, mal gemeinsame Sache zu machen. Ich werd´ mir deinen freundlichen Satz auf jedenfall merken... blöderweise ist bei mir gerade eine Gelegenheit für einen Trip nach Husum kurz vor Ostern geplatzt... trotzdem wird´s sicher nochmal ´ne Möglichkeit geben!
korknadel:
--- Zitat von: Chiarina am 5.02.2019 | 00:35 ---@ korknadel: Ja, wahrscheinlich läuft´s auf die pdf hinaus. Montgomery hat ein einziges Mal irgendetwas von "Warten bis zur Neuauflage" geschrieben. Die ist aber nicht in Sicht, oder?
--- Ende Zitat ---
Wenn ich dran denke, frage ich Jason Durall heute Abend mal, ob der was weiß über irgendwelche Neuauflagenpläne.
Deine Heroengruppe finde ich gut, aus der kann was werden. :d
Ich habe mich mit Heroquest ja noch nicht so richtig befasst, kenne die Runen deshalb nur aus RQ:G, aber dort finde ich dieses Konzept auch richtig gut.
Chiarina:
Seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit dem Einführungsabenteuer. Ich übersetze es, passe es an Montgomerys "Clan des schwarzen Hirschen" an und staffiere es ein wenig aus. Das ist gerade am Anfang des Abenteuers nicht ganz ohne. Bis die Spielerfiguren mal im Geschehen sind, müssen doch eine ganze Menge Dinge vorab geklärt sein.
Das Abenteuer liefert schon relativ bald einen ziemlich heftigen Kampf. Ich habe keine Ahnung, wie detailliert ich diesen Kampf im Ernstfall gleich zu Beginn eines Einführungsabenteuers ausspielen werde, aber hier bei mir zu Hause verwende ich ihn einfach mal als Gelegenheit für eine Probe. Ich nehme meine vorgefertigten Spielerfiguren und versuche mich an einem "extended group contest". Das ist so in etwa das Höchste an komplexer Konfliktresolution, die das Regelwerk zu bieten hat. Ich nehme einen Notizzettel, beginne mir die Szene vorzustellen, schaue mir die Möglichkeiten der Spielerfiguren an... und stelle fest, dass ich doch noch ziemlich unsicher bin.
1. Zwei Sorten Angreifer fallen über ein dörfliches Fest her. Verwende ich für beide Sorten dieselbe Schwierigkeit oder kann ich innerhalb eines Kampfes auch unterschiedliche Schwierigkeiten anlegen? (Ich entscheide mich erstmal für Letzteres).
2. Wie genau sieht der Unterschied zwischen einem "Augment" (so etwas wie "Vorteil erschaffen" bei Fate) und einem "Assist" (befreundete Spielerfigur unterstützen) aus? Wann ist welches Vorgehen sinnvoller?
3. Welche Boni gelten nur für den nächsten Wurf, welche bis zum Ende der Szene (oder noch länger...)?
4. Was passiert, wenn eine Spielerfigur ausgeschaltet wurde?
Ich erkenne auch, dass ich relativ viele weiche Entscheidungen treffen muss. Die Kampfsituation umfasst viel mehr Figuren als die Spielerfiguren und ihre Gegner. Was geschieht mit den Gegnern von Spielerfiguren, die sich erfolgreich aus dem Kampfgeschehen gelöst haben (und den Kämpfenden aus einiger Entfernung Unterstützung zukommen lassen möchten)? Behaupte ich einfach, dass sich diese Gegner im Kampf irgendwelchen anderen Dorfbewohnern zuwenden (damit wären sie dann für den Kampfverlauf irrelevant) oder schlage ich sie als Gegner den Spielerfiguren zu, die sich weiter im Kampf beteiligen?
Ich treffe ein paar Entscheidungen, schlage Tabellen nach, lese in meinem Cheatsheet, bin aber auch oft noch unsicher. Nur das Würfeln an sich - das merke ich - geht ziemlich flott von der Hand. Wenn ich da etwas Routine gewinne, lassen sich selbst solche "extended group contests" sicherlich relativ flott entscheiden. Insgesamt lässt mich der Kampf etwas unsicher zurück.
Trotzdem übersetze ich erstmal weiter und gelange zu einer optionalen Szene, die im Regelwerk nur ganz knapp beschrieben ist. Ich denke darüber nach, wie ich damit umgehe und wie ich die Szene im Ernstfall möglicherweise ausgestalte. Mir fällt eine Szene aus einem Abenteuer von Montgomery ein, die sich ganz gut verwenden ließe, die ich aber noch ein wenig bearbeiten müsste. Ich schaue nochmal in Montgomerys Blog und stelle fest, dass er inzwischen den fünften Teil seiner "Six seasons in Sartar" Kampagne veröffentlicht hat. Daraufhin beschließe ich, meine Arbeit am Einführungsabenteuer zu unterbrechen. Montgomerys Abenteuer vermitteln mir so viel vom praktisch verwertbarem Settinghintergrund und auch einige Regeldetails, dass ich beschließe, auch diesen Teil seiner Kampagne zu übersetzen.
Sein neu veröffentlichter Teil der Kampagne liegt chronologisch gesehen direkt vor dem bereits erwähnten Initiatonsszenario. Der Übergang ist allerdings ein wenig holprig. Ich nehme an, dass das zuerst und für sich veröffentlichte Initiationsszenario ein früherer Entwurf Montgomerys ist und er das Abenteuer für seine aktuelle Spielrunde noch etwas bearbeiten wird. Genau das hat er auch bei der Ausarbeitung des Hintergrunds getan. Dennoch freue ich mich, dass sich der Handlungsbogen langsam dem Ende zuneigt. Die Tragödie, die er da anbahnt, steht quasi direkt vor der Tür.
Eben habe ich die Übersetzung der Episode beendet und kann mich damit wieder dem Einführungsabenteuer zuwenden. Bevor ich das tue, werde ich mich allerdings noch ein wenig mit meinen Problemen aus meinem Probekampf beschäftigen. Das muss noch sicherer werden!
Chiarina:
Ich habe einen zweiten Probekampf durchgeführt, der besser gelaufen ist. Ich hoffe, dass ich nach ein, zwei weiteren Tests fit bin. Zum ersten Mal in meinem Rollenspielerleben fände ich es ganz gut, ich könnte mir mal ein HeroQuest "Let´s Play" anschauen. Mal sehen, ob´s so etwas gibt.
Auf die meisten meiner offenen Fragen habe ich Antworten gefunden:
Unterschiedliche Schwierigkeiten innerhalb von einfachen Gruppenproben sind möglich. Dann sollten sie wohl auch für ausgedehnte Gruppenproben möglich sein.
Schaden fällt erst am Ende einer ausgedehnten Probe an. Ausgeschaltete Spielerfiguren kippen wohl einfach um. Bei einer ausgedehnten Probe kann man dann nach dem Kampf anhand ihrer erlittenen Entscheidungspunkte bestimmen, wie übel es sie erwischt hat.
Wie lange Boni oder Mali gelten, ist von Fall zu Fall verschieden. In der Regel gelten sie für eine Situation oder eine Probe. Interessant ist, dass im Falle einer ausgedehnten Probe die Modifikatoren für die gesamte Probe, also durchaus für mehrere Würfe, gelten. Das musste ich mir erstmal bewusst machen.
Die Geschichte mit den Assistenten und den Vorbereitungsboni (augments) ist auch nicht so leicht. Vorbereitungsboni werden tendentiell durch einen etwas niedrigeren Widerstand durchgeführt. Wenn sie gelingen, können sie einen ganz ordentlichen Bonus auf die Fertigkeit geben. Eine Spielerfigur kann aber für jeden Test nur maximal einen von ihnen bekommen.
Ein Assistent senkt im Erfolgsfall den Widerstand, gegen den eine Spielerfigur würfelt. Mehrere Assistenten sind möglich. Ein Assistent kann aber auch Unheil anrichten und je mehr Assistenten eine Spielerfigur hat, desto wahrscheinlicher ist das.
Dann habe ich am Einführungsabenteuer weitergearbeitet. Unter anderem habe ich meine allererste selbstgeschriebene Szene auf Glorantha verfasst. Es geht darum, dass die Statue Erlandas, der Erd- Fruchtbarkeits- und Harmoniegöttin, nicht mehr von göttlichem Leben erfüllt ist. Die Göttin hält nicht länger ihre schützende Hand über das Tal. Ich wollte nur eine kleine Szene zur Veranschaulichung des Problems haben, in der sich vielleicht ein kleiner Gesprächsanlass bietet. Die Szene beginnt mit der Spielerfigur des Schmiedegesellen Arn. Hier ist sie:
--- Zitat ---Eisgang auf dem Hirschlauf
Es ist der Windstag der Zwietrachtwoche zu Beginn der Dunkelzeit. Im Gemeinschaftsraum der Schmiede Harvarr Horvikssons steht Gytir Eggenwirt, der Vorsteher des Hofes Talpforte am Südende des Clangebiets. Er ist mit einer Handvoll Männern gekommen um Arn und die anderen Bewohner der Schmiede um Hilfe zu bitten. „Auf dem Hirschlauf ist Eisgang. Ihr wisst, dass das gefährlich ist. Die Eisblöcke verkanten sich am Abfluss des Flusses und erzeugen eine Überschwemmung. Wir brauchen Leute, die uns helfen die Brocken zu zerhacken.“ Harvarr brummt und holt den wärmsten Mantel, den er besitzt. Die anderen Männer des Hauses folgen seinem Beispiel und rüsten sich mit Werkzeug aus. Gytirs Miene bleibt allerdings trotz der Hilfsbereitschaft wie versteinert. Auf dem Weg zum Ende des Tals schließen sich ihnen ein paar weitere Dorfbewohner an. Allzu viele sind es nicht. Den Männern weht ein eisiger Wind entgegen. Nach einer kurzen Phase Tauwetter ist das Wetter wieder schlechter geworden und ein scharfer Wind bläst ihnen Eiskristalle ins Gesicht. Am Ziel angelangt hält Harvarr inne. Er schaut zu den anderen Helfern, die sich bereits am Flussufer an den treibenden Eisblöcken zu schaffen machen und spricht zu Gytir: „Sind das alle? Wenn du nicht mehr Männer hast, werden wir den ganzen Tag brauchen!“ Gytir antwortet finster: „Ich habe in allen Höfen bis zur Hügelfeste um Hilfe gebeten und meine Männer auch im Dorf die Runde machen lassen. Die Resonanz ist gering. Es wird behauptet, die drohende Überschwemmung sei mein Problem. Die nördlicher gelegenen Häuser seien nicht in Gefahr.“ „Und der Clan?“, fragt Harvarr. Gytir zuckt mit den Schultern. Seine Augen blitzen wütend, dann greift er zu einem großen Hammer, mit dem er dröhnend auf die Eisbrocken am Flussufer einschlägt.
Spielerfiguren, die im Dorf oder südlich von Hügelfeste leben, können entscheiden, ob sie hier anwesend sind und sich dann mit Arn über die Situation austauschen. Um den Tag ohne Erkältung zu überstehen ist eine einfache Probe niedriger Schwierigkeit [ 8 ] nötig.
Ein Krisenwurf für die Moral des Clans [ 9W ] gegen einen Widerstand von [ 2W ] fällt an und zeigt, wie schwierig es nach Erlandas Verschwinden geworden ist, die einzelnen Mitglieder des Clans zu gemeinsamem Handeln zu bringen.
--- Ende Zitat ---
Irgendwie freue ich mich über diese kleine, winterliche Szene.
Chiarina:
Es ist vollbracht! Ich habe das Einführungsabenteuer beendet.
Wesentliche Bearbeitungsschritte:
- Die ersten drei Szenen wurden durch Erweiterungen und hinzugefügte Szenen etwa verdreifacht. Schwerpunkte liegen dabei bei der Darstellung des Clanlebens und bei der Beantwortung der Frage "Warum-gerade-wir?". Es ist jetzt eindeutig, warum gerade diese Spielerfiguren. Allerdings ist dadurch auch eine Auseinandersetzung dazu gekommen.
- Die Abenteuerhandlung wurde an Montgomerys Beschreibung des Clans des schwarzen Hirschen angepasst.
- Es wurden relativ viele Anknüpfungspunkte an die Backgrounds der vorgefertigten Spielerfiguren eingebaut.
Zwei Fragen bleiben:
1. Noch immer ist das Abenteuer relativ linear. Lassen sich trotzdem die Spieler zu einer aktiven Teilnahme motivieren?
2. Wie lang dauert dieses erweiterte Abenteuer inklusive Regelkurzvorstellung und Einweisung ins Setting jetzt?
Antwort: Abendslot beantragen und einfach ´mal auf Risiko gehen.
Ein schönes Detail des Abenteuers ist mir erst in den letzten Tagen bewusst geworden. HeroQuest ist ja ein System, in dem alle Arten von Konfliktsituationen auf denselben Mechanismus zurückgeführt werden. Von daher ist es gar nicht nötig, dass ein zünftiger Showdown unbedingt eine Kampfszene enthalten muss. Andere Herausforderungen können genau so spannend sein. Und so ist es auch in diesem Einführungsabenteuer: der Showdown ist... eine Überredungsszene. Die Gesprächspartnerin der Spielerfiguren ist allerdings eine Göttin. Mal ´was anderes, finde ich.
Wie geht es weiter? Ich muss noch brauchbare Figurenblätter erstellen, auch eine Karte des Tals wäre nicht schlecht (Montgomerys Karte ist leider klein und pixelig). Dann werde ich das Abenteuer einmal durchwürfeln. Und dann, glaube ich zumindest, bin ich soweit. Vielleicht schaffe ich´s bis zum Cave-Con.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln