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HeroQuest Glorantha - ein Schicksalsbericht

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Caranthir:
Auf der Cave Con war ich auch schon vor circa 15 Jahren. Auf kleinen Cons habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Spieler eher wenig Neues ausprobieren, sondern gängige Sachen spielen. Schade für die SLs, die etwas außergewöhnliches anbieten abseits von DSA, D&D und SR.

K!aus:
Schade, schade. Aber das


--- Zitat von: Chiarina am 10.03.2019 | 11:03 ---Ich hatte den Eindruck, ich hatte drei Probleme:
- Mehrfach war meine Runde die einzige, in der überhaupt noch Plätze frei waren. Ich dachte dann: Na, jetzt wird´s doch langsam mal werden! Dann kam irgendein Typ vorbei, fragte die Orga, ob noch irgendwo ein Tisch frei sei, die Orga besorgte ihm einen, der Typ schrieb eine Runde für Warhammer 40K (oder Starfinder oder Pathfinder) aus und kurz darauf schrieben sich fünf Leute bei ihm ein, die Kommentare wie "Harrharr", "Buttkicking, yeah!" oder "Endlich mal wieder so ein richtiges Space-Marines-Schnetzeln!" von sich gaben.
- Ich kannte niemanden. Für mich sah es so aus, als kämen ein gutes Drittel der Runden aufgrund persönlicher Bekanntschaften zustande. Damit konnte ich nicht dienen.
- Während der Zeit, in der ich meine Runde angeboten hatte, fand parallel ein Rollenspiel-Quiz für alle Besucher statt, dass sich offensichtlich einer gewissen Beliebtheit erfreut. Das war mir vorher nicht bekannt.

--- Ende Zitat ---
und das

--- Zitat von: Caranthir am 10.03.2019 | 11:10 ---[..] Auf kleinen Cons habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Spieler eher wenig Neues ausprobieren, sondern gängige Sachen spielen. Schade für die SLs, die etwas außergewöhnliches anbieten abseits von DSA, D&D und SR.

--- Ende Zitat ---

kann ich auch nur bestätigen. Wenn ich auf eine Convention fahre, dann mache ich im Bekanntenkreis schon vorher Werbung für meine Runde und hoffe, dass ich nicht allein auf Convention-Interesse angewiesen bin. Und selbst wenn ich nur 1 oder 2 Bekannte mit am Start habe, dann braucht es auf der Convention weniger Zulauf.

Aber ja, man macht sich die ganze Arbeit und fragt sich dann manchmal für was, solche Phasen kenne ich bei meiner GURPS Conversion.  ^-^

Kopf hoch und mehr Erfolg bei der nächsten Convention.  :)

tartex:
HeroQuest ist ja schon vom Namen schwer zu verkaufen. Zumindest sind keine Leute aufgetaucht, die das 80iger-Brettspiel erwartet haben.

Wenn man nicht weiß, was hinter dem Namen steht, klingt es halt schon recht generisch.

Ich würde bei der Sales Pitch eher auf das legendäre Setting seit den 70igern hinweisen, und so Meta-Zeug. Ist natürlich auch keine Garantie, aber ansonsten denken evtl. Leute, das wäre einfach ein DSA-Abklatsch-Homebrew.

Erntedankfeste gibt es ja bei DSA- und Splittermond-Abenteuern genügend.

Chiarina:
Nach meiner Schlappe beim Cave Con lasse ich´s erstmal etwas langsamer angehen. Den Gratisrollenspieltag werde ich wahrscheinlich an mir vorbei streichen lassen. Ende April werde ich meinen nächsten Versuch mit dem Leiten von HeroQuest Glorantha machen.

Währenddessen lese ich langsam und bedächtig "Sartar: Kingdom of Heroes" und freue mich. Ein paar Abschnitte kenne ich schon aus dem Grundregelwerk, hier aber sind sie nicht in der Art eines Digest an allen Ecken und Ende beschnitten und aufs Nötigste zusammengestaucht sondern recht episch ausgewälzt. Insgesamt liest sich das sehr schön.

Ich habe außerdem zwei Blog-Einträge von Sarah Newton entdeckt, die an HeroQuest erfreulicherweise Dinge schätzt, die ich auch schätze und spannend finde. Schön, eine prominente Fürsprecherin zu haben:

Sarah Newton über den Erfolgs- und Fehlschlag Zyklus und die Tatsache, dass Schwierigkeiten von Herausforderungen bei HeroQuest (unter anderem) aufgrund von Kriterien eines dramatischen Handlungsverlaufs bestimmt werden.

Sarah Newton über asymmetrisches Rollenspiel und die Tatsache, dass Nichtspielerfiguren bei HeroQuest keine Werte besitzen.

Chiarina:
Immerhin... zum Gratisrollenspieltag habe ich heute wieder meine Siebensachen zusammengepackt und bin ein paar Orte weiter gefahren. Letztlich fanden sich dort drei Rollenspiel-Veteranen, die bereit dazu waren, an meinem kleinen Testballon teilzunehmen.

Ich habe ein bisschen auf die Uhr geschaut: Meine Einführung in Glorantha Setting, HeroQuest Regeln und Charakterblatt hat eine ¾ Stunde gedauert, das eigentliche Spiel dauerte dann etwa 3 ½ Stunden, dann war das Abenteuer vorbei.

Vor den einleitenden Worten hatte ich etwas Bammel. Ich wusste, dass sie einen Moment in Anspruch nehmen würden und hatte Angst davor, die Spieler würden die Geduld verlieren. Man hat mir aber geduldig zugehört und am Ende gesagt, es sei auf keinen Fall zu lang gewesen. Für ein komplett neues Setting bräuchte man auf jeden Fall ein paar Worte. Das gilt in meinen Augen übrigens besonders dann, wenn es sich um ein narratives System handelt, das mit Spielern rechnet, die die Handlungen ihrer Figuren aus der Logik des Settings und nicht aus irgendwelchen Fertigkeitenlisten ableitet. Trotzdem weiß ich auch, dass nicht alle Spieler gleich sind. Hier habe ich ein wenig Glück gehabt.

Das Spiel selbst war wirklich gut, aber nicht sehr gut. Allermeistens lief mir das System glatt von der Hand. Ein oder zweimal war ich ein bisschen verwirrt, weil ich den Unterschied zwischen Würfelergebnis (Patzer, Fehlschlag, Erfolg, kritischer Erfolg) und Probenergebnis (komplette Niederlage, schwere Niederlage, leichte Niederlage, marginale Niederlage, marginaler Sieg, leichter Sieg, schwerer Sieg, kompletter Sieg) durcheinandergebracht habe. Nach 30 Minuten hatte ich´s aber drin. Natürlich sind auch noch nicht alle Feinheiten zur Anwendung gelangt. Immerhin hatten wir aber schon einfache Einzelproben, einfache Gruppenproben, ausgedehnte Einzelproben und ausgedehnte Gruppenproben gegen einzelne Gegner. Nur die ausgedehnte Probe, bei der auf beiden Seiten mehrere Mitglieder sind, hatten wir noch nicht. Ansonsten sind Vorbereitungsboni und Assistieren eingesetzt worden, Heldenpunkte wurden ausgegeben, Situationsboni wurden angewandt und der Unterschied zwischen direkt einsetzbaren Fähigkeiten und lediglich indirekt einsetzbaren Fähigkeiten wurde berücksichtigt.

Unsicher war ich noch bei der Handhabung der Konsequenzen nach einem Test: Wann kommen die zum Einsatz und wie lange halten sie vor? Das kann man nachlesen und verstehen, im Spiel in dieser Hinsicht Entscheidungen zu treffen, hat mich aber noch etwas überfordert.

Und das Erzählerische? Ich bin ganz gut ins Reden gekommen, könnte beim nächsten Mal aber vielleicht noch etwas stärker meine Nichtspielerfiguren In-Character darstellen. Für meine Spieler gilt das erst recht. Eine HeroQuest Probe ist so schnell abgehandelt, dass es einfach naheliegt, den gewonnenen Freiraum durch Figurendarstellung auszufüllen: Gut wäre es, wenn ein HeroQuest Spieler dabei nicht nur erzählen könnte, wie er gedenkt ein Hindernis zu überwinden, sondern auch noch, wie es ihm dabei geht. Erst dann gibt es ja eigentlich eine Chance auf Drama. Dazu war aber eigentlich nur ein Spieler in der Lage. Vielleicht ist das aber bei einer allerersten Runde auch ein bisschen viel verlangt. Letztlich dürften die flott abgehandelten Proben auch der Hauptgrund für die relativ kurze Spieldauer gewesen sein. Für die Handlung, die da heute an uns vorüber gezogen ist, hätte ich jedenfalls bei Midgard vier oder fünf Abende gebraucht.

Wenn bei einer längeren Kampagne Spieler in die Lage versetzt werden sollen, auch mal von sich aus durch Erzählen einen Handlungsstrang weiterzuspinnen, scheint mir das bei einem so detailliert ausgearbeiteten Setting wie Glorantha auch nicht ganz einfach. Die Spieler müssen sich entweder gut auskennen oder aber etwas kaltschnäuzig eigene Setzungen vornehmen. Das ist beides nicht eben selbstverständlich.

Insgesamt ist also noch ein bisschen Luft nach oben und ich merke schon, dass es letztlich ziemlich wichtig ist, welche Leute sich für eine längere Kampagne gemeinsam an einem Tisch versammeln. Immerhin hat sich der darstellerisch beste Spieler an einer längeren Kampagne interessiert gezeigt und ich habe seine email.

Ja, das war ein wichtiger Nachmittag für mich. Ein erster Schritt in die Praxis ist getan!

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