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Gender Trouble at Ultima Ratio
D. M_Athair:
--- Zitat von: Rumpel am 3.04.2019 | 14:44 ---Kurz: Ich sehe da nicht eine idealisierte Spezies, bei denen alle Freiheiten miteinander Hand in Hand gehen und nicht eine, bei der alles in jeder Beziehung übel unterdrückerisch zugeht. Alle vielschichtig und interessant. Dadurch wird es auch glaubwürdig, dass es für Angehörige aller Völker gute Gründe gibt, ihr Glück in der Fremde zu suchen, weil sie bei sich Zuhause zu den Gearschten gehören ...
Genau so was wünsche ich mir als "Gender Trouble" im Rollenspiel: Nicht krampfhaft sozialkonstruktivistisch, aber auch nicht platt biologistisch, verspielt, mit Spaß an skurrilen Einfällen und dem Mut, auch Sachen anzubieten, bei denen manche vielleicht verständnislos den Kopf schütteln.
--- Ende Zitat ---
Das klingt richtig gut. (Kurzes OT: Gehen sie im GRW auch drauf ein, dass letztlich neuronale Verschaltung - also die individuelle Mischung aus Biologie, physio-psychischen Erfahrungen und Sozialem - die eigene Geschlechtlichkeit zum Großteil festlegt? Wenn ein Rollenspielbuch über die grob fehlerhafte Dichotomie von Biologie und sozialer Konstruktion aufklären würde, wäre das toll. Die Glorantha-Spiele schaffen das ja - in Bezug auf Weltbilder - relativ gut, indem sie zeigen, dass und warum es nicht eine Sicht auf die Wirklichkeit geben kann. Wobei da der Realweltbezug eher schwach bleibt.)
W4 finde ich super! Davon habe ich genug, weil ich dafür mal 3 oder 4 Sätze zu je 10 Würfeln für das Prince Valiant Storytelling Game gekauft habe (um die Münzen durch Würfel zu ersetzen).
... wovor ich noch zurückschrecke: Die Covertitel und die -Bilder sprechen für mich eine ungelenke "deutsche" Sprache. Erinnert mich irgendwie an DSA und die Sachen von Andre Wiesler. Nicht, dass das an sich was Schlechtes wäre. Deutsche Eindeutigkeit, vordergründiger Humor usw. sprechen mich halt nicht genug an. Auch US-Megalomanie und Pseudo-Objektivität (Monte Cook, Green Ronin) kann ich wenig abgewinnen.
Wie viel hintergründiger Humor, wie viel Mut zum Paradox (wie er oft in britischen Sachen auftaucht) ist denn da drin?
Oder: In welchem Ton, in welcher "Sprache", in welchem Mind-Set wird Gender Trouble in Ultima Ratio präsentiert?
Achamanian:
--- Zitat von: D. Athair am 7.04.2019 | 11:11 ---Das klingt richtig gut. (Kurzes OT: Gehen sie im GRW auch drauf ein, dass letztlich neuronale Verschaltung - also die individuelle Mischung aus Biologie, physio-psychischen Erfahrungen und Sozialem - die eigene Geschlechtlichkeit zum Großteil festlegt? Wenn ein Rollenspielbuch über die grob fehlerhafte Dichotomie von Biologie und sozialer Konstruktion aufklären würde, wäre das toll. Die Glorantha-Spiele schaffen das ja - in Bezug auf Weltbilder - relativ gut, indem sie zeigen, dass und warum es nicht eine Sicht auf die Wirklichkeit geben kann. Wobei da der Realweltbezug eher schwach bleibt.)
--- Ende Zitat ---
Explizit wird so was natürlich nicht erörtert ... ich finde aber die oft indirekten, uneindeutigen und manchmal sogar scheinbar widersprüchlichen Beziehungen zwischen dem jeweiligen biologischen Fortpflanzungssystem und der sozialen Geschlechterordnung der jeweiligen Spezies deutet zumindest in die Richtung, ebenso wie die immer wieder auftauchenden Hinweise darauf, welche Individuen unter den jeweiligen Bedingungen diskriminiert oder ausgeschlossen sind und deshalb vielleicht ihr Heil auf Abenteuern suchen ...
Insgesamt ist das alles natürlich viel holzschnittartiger und trashiger als so was wie Glorantha, und bei näherem Hinsehen sicher auch inkonsistenter. Was in Glorantha so ganz nebenbei zum Thema Geschlecht läuft, finde ich ja auch ziemlich brillant.
--- Zitat von: D. Athair am 7.04.2019 | 11:11 ---... wovor ich noch zurückschrecke: Die Covertitel und die -Bilder sprechen für mich eine ungelenke "deutsche" Sprache. Erinnert mich irgendwie an DSA und die Sachen von Andre Wiesler. Nicht, dass das an sich was Schlechtes wäre. Deutsche Eindeutigkeit, vordergründiger Humor usw. sprechen mich halt nicht genug an. Auch US-Megalomanie und Pseudo-Objektivität (Monte Cook, Green Ronin) kann ich wenig abgewinnen.
Wie viel hintergründiger Humor, wie viel Mut zum Paradox (wie er oft in britischen Sachen auftaucht) ist denn da drin?
Oder: In welchem Ton, in welcher "Sprache", in welchem Mind-Set wird Gender Trouble in Ultima Ratio präsentiert?
--- Ende Zitat ---
In der Beziehung kommt mir UR schon relativ "deutsch" vor, wenn ich dich richtig verstehe. Humor beschränkt sich für mein Gefühl hier und da auf deutlich erkennbare ironische Elemente und kommt wenn dann schon ziemlich direkt und eindeutig daher. Und gerade die regelsprache ist einfach sehr amtsmäßig - was übrigens leider trotzdem nicht der Verständlichkeit zugute kommt, weil dafür der Aufbau zu verzettelt ist. "Mut zum Paradox" kann ich jetzt auch nicht direkt erkennen, es geht schon drum, ein zwar nicht ungeheuer tief ausgearbeitetes Setting zu liefern, aber eines, das innerhalb seiner Prämissen und seiner Ästhetik konsistent ist (was ja durchaus eine Qualität ist, aber eben auch einen Haufen schräger und unerwarteter Kombinationen von Elementen ausschließt).
Insgesamt muss ich bei der Lektüre ein bisschen an Midgard denken - wobei Midgard für mein Gefühl sprachlich etwas sauberer ist. Bei UR gibt es interessanterweise (und obwohl alles aus einer Feder stammt) einen deutlichen Unterschied zwischen den sehr unbeholfenen Regeltexten und den recht flüssigen Settingtexten.
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