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Ad Astra

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Lich:
Ich habe mich lange auf diesen Film gefreut.
Leider konnte er meine Erwartungen nicht ganz erfüllen.
Es ist fast ein Kammerspiel, ein Theaterstück mit SF-Beiwerk. Allerdings
zu wenig tiefgründige Themen, zu oberflächlich.
Für einen SF-Film dann wieder zu wenig Sense-of-Wonder, der Science-
Anteil enthält Logiklöcher - alles irgendwie nichts
Halbes und nichts Ganzes. Dennoch sehenswert, aber
weit davon entfernt ein guter Film zu sein.

Seraph:

--- Zitat von: Tegres am 23.09.2019 | 13:57 ---Beide thematisieren den politischen Aspekt von Raumfahrt, Ad Astra aber mehr am Rande und eher den Prestige- und Ökonomie-Aspekt als den wissenschaftspolitischen und ökologischen Aspekt bei Interstellar.
Bei Adstra steht die Raumfahrt in ihrer Blüte, bei Interstellar liegt sie am Boden.
 Beide Filme handeln nicht nur von der Raumfahrt sondern auch von familiären Beziehungen. Interstellar hat aber das weit aus versöhnlichere Ende. Beide sind daher durchaus emotional, aber Interstellar ist emotional gesehn sicherlich zugänglicher für die breite Masse, während Ad Astra seine Emotionalität besser entfalten kann, wenn man in seinem Leben bestimmte Erfahrungen gemacht hat.
Während es bei Interstellar nicht nur um den Hauptcharakter sondern die ganze Crew geht, ist bei Ad Astra Brad Pitts Charakter wirklich der einzige Protagonist.
Interstellar ist bildgewaltiger als der ruhigere Ad Astra. Der mutet stellenweise schon dokumentarisch an, während Interstellar szenischer inszeniert ist und häufiger den "Wie haben sie das gemacht?"-Effekt hervorruft.
Interstellar hat aus meiner Sicht mehr Deutungsebenen als Ad Astra, dafür könnte man sagen, dass Letzterer besser weiß, was er will.

--- Ende Zitat ---

Okay, vielen Dank Tegres!
Das klingt danach, als müsste ich den auf jeden Fall noch sehen 8)

knörzbot:

--- Zitat von: Lich am 23.09.2019 | 14:13 ---Dennoch sehenswert, aber weit davon entfernt ein guter Film zu sein.

--- Ende Zitat ---
???
Ein Film der es Wert ist gesehen zu werden ist weit weg vom Prädikat gut? Warum ist er dann eigentlich sehenswert?

schneeland:
So, habe den Film dann heute auch gesehen. Einerseits: ich bin froh, ihn im Kino gesehen zu haben - visuell hat mich der Film abgeholt, und auch das gemächliche Erzähltempo und die kammerspielartige Atmosphäre durch den Fokus auf einen bzw. wenige Protagonisten haben mir gut gefallen. Andererseits: der Film hat sich m.E. durch sein Ende leider einen Großteil seiner Qualität genommen - für mich wirkte das in der Stimmung deutlich unpassend und auch in sich nicht stimmig. Letztlich bin ich der Meinung, dass es dem Film sehr gut täte, wenn man die letzten 20 Minuten nochmal neu drehte. Selbst weglassen wäre vermutlich besser gewesen.

Grey:
Habe den Film jetzt nachgeholt und war enttäuscht. Die Vater-Sohn-Beziehung als Kernthema kam für mich einfach nur schnulzig rüber. Brad Pitt hat seine Rolle zwar großartig gespielt, aber das machte die Rolle des dauerdepressiven, weinerlichen "Ich habe so viel falsch gemacht"-Astronauten auch nicht besser. Liv Tyler für "dreimal durchs Bild schleichen und einmal auf die Mailbox sprechen" zu verheizen, war pure Verschwendung.

Am meisten gestört hat mich, dass Brad Pitts Charakter eigentlich nie selbst Entscheidungen fällt. In den Astronauten-Actionszenen agiert er einfach ausbildungsgemäß effizient. Ansonsten lässt er sich zunächst brav von seinen Vorgesetzten mit der dafür vorgesehenen Begleitung zum Mond und zum Mars schicken. Später, sobald ihm die Anweisungen gegen den Strich gehen, hört er stattdessen auf diese hochrangige Dame vom Mars, die ihm gleich einen detaillierten Plan für seine Desertion/Meuterei in die Hand drückt; aber seine einzige "Entscheidung" besteht an dieser Stelle darin, dass er ab jetzt auf jemand anderen hört als vorher. Informationen zu seiner Queste werden ihm ständig hinterhergetragen, er kommt nie in die Verlegenheit, eigene Nachforschungen anzustellen oder Schlüsse zu ziehen.

Fast noch mehr habe ich mich über die Nebenfiguren aufgeregt. Die Besatzung des Schiffs, das ihn erst zum Mars bringt und später zum Neptun, kommt so bodenlos schwach und unfähig daher, dass ich denen nicht mal einen Müllwagen anvertraut hätte, geschweige denn ein Raumschiff. Jeder Copilot eines Linienflugzeugs hätte bessere Nerven gehabt als dieser sogenannte "erste Offizier", der bei jeder Kleinigkeit panisch die Bodenstation anfunkt und fragt, was er jetzt tun soll. Und sich zehn Sekunden vor der Triebwerkszündung loszuschnallen, um sich mit Brad Pitt einen Kampf zu liefern, obwohl der mit erhobenen Händen sagt: "Ich mache keinen Ärger", war hirnrissig genug für einen Darwin Award mit rotem Hemd.

Positiv vermerke ich die Weltraumästhetik sowie die Kameraführung. Die logischen Löcher im "Science"-Bereich der Science Fiction konnten mir zwar kaum entgehen, hätten mich aber nicht gestört, wenn die Handlung ansonsten was getaugt hätte. Das Design der Mondbasis und der Raumschiffe versetzte mich wohlig zurück nach "Space: 1999". Die schroffe Marslandschaft und der kalte, einsame Neptun waren als Kulissen großartig in Szene gesetzt. Das riss vieles wieder raus.

Fazit daher insgesamt: 3 von 5 Sternen. Ich bereue es nicht, den Film gesehen zu haben, muss ihn mir aber kein zweites Mal antun.

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