Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Was ist mein Science Fiction System?
Chiarina:
O.K., vielleicht auch ganz schön. Danke für die Antwort. Ich habe ´ne Menge zu lesen.
Eiserne Maske:
Es ist natürlich unwahrscheinlich dass hier jemand Dir befriedigend antworten kann, Deine Vorstellungen sind ziemlich breit gefächert. Auch die Anforderung "den großen Fragen der Menschheit nachgehen" ist ja an sich eine für das Medium Rollenspiel unerreichbar hohe Hürde.
Aber ok, das hier ist ja kein Seminar oder die Berufsschule, also gebe ich einfach mal ein paar Ideen zu.
* Faith - ein ins Englische übersetztes, spanisches Rollenspiel mit ca. 4 - 5 Rassen, den Menschen als Sklavenrasse die sich zu behaupten versucht und interplanetarem Reisen mit Hilfe von Wurmlöchern. Es gibt Hard-Sci-Fi-Ansätze bei der Wurmlöcher-Geschichte, gleichzeitig wurde sich verhältnismäßig viele Gedanken über die Technik gemacht. Es gibt Götter im Universum, Religion hat also einen wichtigen Platz (auch regeltechnisch) im Spiel, gleichzeitig mehrere, gut ausgearbeitete Gesellschaftsmodelle (unter anderem libertäre Dystopie), die ein Reflektieren über irdische Systeme zumindest vorstellbar macht. Jetzt ist natürlich die Frage wieviel Tiefgang Du da erwartest. Das Regelsystem basiert auf eigens fürs Spiel fabrizierten Karten, das ist dann eben Geschmackssache.
* Dawning Star - Ein Setting ca. 200 Jahre in der Zukunft, sehr amerikanisch mit (wieder mal) Western-Untertönen, das komplett in einem einzelnen Sonnensystem mit mehreren bewohnbaren Planeten stattfindet, in welchem sich die Menschheit anzusiedeln versucht. Mehrere bewohnbare Planeten - was erstmal physikalisch selbst für einen Laien wie mich albern klingt, erfährt im sehr dichten Metaplot zumindest eine Begründung - wie überhaupt auch die Existenz der Menschheit sowie mehrerer anderer Rassen zumindest erklärt wird. Diese Erklärungen sind meiner Ansicht nach sehr, sagen wir, amerikanisch-naturalistisch :) (ich kann es nicht besser ausdrücken) und nicht jedermans Sache. Ich muss allerdings zugeben dass bis ins kleinste Detail der Hintergrund ungewöhnlich gut durchdacht ist, besonders für ein Rollenspiel. Das Regelsystem ist Fate Core in einer Abwandlung.
* Polaris - ein französisches Unterwasser-Apokalypse-Setting mit viel Cyberpunk und Biohorror, größtenteils ins Englische übersetzt. Ich weiß dass Du Unterwasserwelten ausschließen willst :), ich denke das hier könnte dennoch etwas sein: Es hat einen Hard-Sci-Fi-Ansatz, indem es zumindest den Versuch unternimmt seine Welt plausibel zu machen und für alles eine mehr oder minder "wissenschaftliche" Erklärung zu geben und es gibt einen Metaplot mit großen Hintergrundgeheimnissen (ebenfalls eher pseudowissenschaftlich als metaphysisch - was war die Katastrophe, die die Menschheit in die Tiefe zwang, wer sind die Geneticans, geheimnisvolle Kreaturen die die Menschheit vor Jahrhundert beherrschten und bei denen man bis heute nicht weiß ob sie wirklich ausgestorben sind, was lauert sonst noch so in der Tiefe und wie steht die Menschheit damit in Verbindung - etc...). Die Spielwelt ist wirklich extrem gut durchdacht, trotz des an sich absurden Ansatzes dass die Menschheit komplett "abgetaucht" ist. Die Wasserumgebung ändert thematisch nicht wirklich viel, im Grunde fühlt sich das Spiel wie ein Shadowrun-Alien-Crossover an, vielleicht mit weniger Horrorelementen. Spielsystem ist sehr simulationistisch, kann aber entscheidend abgespeckt werden da es modular ist. Das Problem: Das Black Book, in welchem alle Geheimnisse gelüftet werden, ist bisher nur auf Französisch erschienen... Da müsstest Du eventuell Dir ein Dutzend Seiten übersetzen lassen.
* Numenera willst Du nicht weil Science Fantasy - aber wenn man sich den neuen Liminal-Shores-Kickstarter anschaut, in welchem andeutungsweise die Geheimnisse der Welt gelüftet werden... Man könnte eine Astronautengruppe mit The Stars are Fire erstellen und ausrüsten, sie in die Numenera-Zukunft reisen lassen und dort das schreckliche Schicksal der Menscheit lüften lassen wie weiland es George Taylor tat. Im Grunde kenne ich im Moment kein Rollenspiel, das so gut eine Planet-der-Affen-Zukunft ermöglicht wie Numenera. Ist natürlich die Frage ob Dir das viel, viel Geld wert ist.
Chiarina:
Vielen Dank für die Informationen. Zumindest Dawning Star - vielleicht auch Faith - schaue ich mir mal an.
Chiarina:
Ich lese gerade Traveller und war eigentlich schon drauf und dran zu sagen: Nagut, dann eben Traveller, warum nicht? Ich konnte mich mit dem Lifepathsystem anfreunden und die Skillchecks fand ich in einigen Fällen zwar unnötig kompliziert (Modifikationen UND Boons und Banes UND unterschiedliche Schwierigkeiten? Muss das sein?), hätte ich aber auch noch akzeptiert. Das Kampfsystem ist nur sechs Seiten lang und der Rest des ersten Starter Set Bandes besteht aus Ausrüstungslisten und Fahrzeugbeschreibungen. Eigentlich sah alles ganz akzeptabel aus. Dann aber habe ich mir das Kampfsystem genauer angeschaut. Es ist klar formuliert und nicht zu kompliziert. Es wird eigentlich immer nur gewürfelt und modifiziert. Es ist mir aber deutlich zu aufwändig. Ich habe hier mal ´rausgeschrieben, was in einem Kampf üblicherweise geschieht. Dabei kommen noch nicht einmal besondere Waffen oder andere Sondersituationen zum Einsatz, ich habe mich auf das beschränkt, womit man häufiger rechnen muss. Das geht so:
--- Zitat ---Alle Spielerfiguren und gegnerischen Figuren (optional: die komplette Gegenseite) würfeln zu Beginn für Initiative. Modifikationen aufgrund der Basiseigenschaften werden angerechnet.
Wenn eine Figur Tactics beherrscht, kann sie versuchen, alle Initiativwerte ihrer Seite positiv zu beeinflussen. Bei Erfolg müssen alle Initiativwerte entsprechend modifiziert werden.
Die erste Kampfrunde beginnt, die Figur mit der höchsten Initiative ist an der Reihe:
Üblicherweise führt ein Kämpfender eine kleine und eine große Aktion durch. Die große Aktion ist der Angriff oder das Erteilen von Befehlen. Die kleine Aktion ist Pipapo (zielen, bewegen, Waffe fertig machen, etc.) Wenn jemand länger zielt, führt man besser eine Strichliste, damit klar wird, wann die Aktion beendet wird und der Angriff erfolgen kann.
Wenn eine Spielerfigur Leadership beherrscht, kann sie befreundete Spielerfiguren im Kampf beeinflussen (bei erfolgreicher Probe positiv, ansonsten negativ). Es muss geklärt werden, welche Figuren beeinflusst werden. Das muss man sich merken, bis sie dran sind, oder notieren. Was mit Leadership geschieht, wenn der Befehlshaber einen schlechten Initiativwurf hingelegt hat (und z. B. als letzter in der Kampfrunde an der Reihe ist), ist mir nicht ganz klar.
Noch bevor der Angriffswurf durchgeführt wird, muss das Opfer angeben, wie es sich gegen den Angriff zu wehren gedenkt (ausweichen/in Deckung springen oder parieren). Seine Abwehr bringt dem Angreifer einen Nachteil. Sie bringt aber auch ihm selbst einen Abzug auf den nächsten Angriff, weshalb notiert oder sich gemerkt werden muss, ob und wie oft jemand eine Abwehr getätigt hat.
Weitere Modifikatoren sind natürlich möglich und sogar ziemlich wahrscheinlich, man denke nur an unterschiedliche Schussreichweiten und Entfernungen! Relativ wichtig ist die Berücksichtigung, ob ein Ziel mehr oder weniger als ein Viertel der Waffenreichweite entfernt ist, denn das kann einen zusätzlichen Bonus geben.
Dann erfolgt der Angriffswurf. Es muss nicht nur bestimmt werden, ob ein Treffer erfolgt, sondern auch, wie gut der Treffer war, denn das beeinflusst den Schadenswurf.
Dann erfolgt der Schadenswurf. Die erwähnten Modifikatoren werden eingerechnet, Rüstungsschutz und/oder Schutz durch Cover wird abgezogen. Der endgültige Schaden wird von den Basiseigenschaften Endurance und später von Strength bzw. Dexterity abgezogen.
Dann ist die nächste Figur an der Reihe.
--- Ende Zitat ---
Ganz ehrlich: ich habe kein gutes Gefühl. Ich glaube YY gern, dass die Figuren nach zwei oder drei Treffern umfallen. Dieses ganze Berechnen aber, bis es überhaupt mal zu so einem Treffer kommt, haut mich wahrscheinlich total aus der Story. Ich will gar keine Regeln für alle Eventualitäten. Irgendwelche Kampfverläufe kann ich zum Teil zumindest auch herbeierzählen, ein paar Inspirationen wären eben nett. Ich will jedenfalls nur berücksichtigen müssen, was auch den Fortgang der Handlung beeinflusst, und nicht das ganze Simulationsgedöns.
Ich werde das Starterset noch fertig lesen. Vielleicht packt´s mich ja doch noch. Kampf kann ich mir aber auf diese Art und Weise für mein Spiel nicht so recht vorstellen.
TKarn:
--- Zitat von: Eiserne Maske am 24.12.2019 | 18:17 ---Dawning Star - Ein Setting ca. 200 Jahre in der Zukunft, sehr amerikanisch mit (wieder mal) Western-Untertönen, das komplett in einem einzelnen Sonnensystem mit mehreren bewohnbaren Planeten stattfindet, in welchem sich die Menschheit anzusiedeln versucht. Mehrere bewohnbare Planeten - was erstmal physikalisch selbst für einen Laien wie mich albern klingt, erfährt im sehr dichten Metaplot zumindest eine Begründung - wie überhaupt auch die Existenz der Menschheit sowie mehrerer anderer Rassen zumindest erklärt wird. Diese Erklärungen sind meiner Ansicht nach sehr, sagen wir, amerikanisch-naturalistisch :) (ich kann es nicht besser ausdrücken) und nicht jedermans Sache. Ich muss allerdings zugeben dass bis ins kleinste Detail der Hintergrund ungewöhnlich gut durchdacht ist, besonders für ein Rollenspiel. Das Regelsystem ist Fate Core in einer Abwandlung.
--- Ende Zitat ---
Naja, ursprünglich ist das Setting für d20 future erfunden worden.
--- Zitat von: Eiserne Maske am 24.12.2019 | 18:17 ---Numenera willst Du nicht weil Science Fantasy - aber wenn man sich den neuen Liminal-Shores-Kickstarter anschaut, in welchem andeutungsweise die Geheimnisse der Welt gelüftet werden... Man könnte eine Astronautengruppe mit The Stars are Fire erstellen und ausrüsten, sie in die Numenera-Zukunft reisen lassen und dort das schreckliche Schicksal der Menscheit lüften lassen wie weiland es George Taylor tat. Im Grunde kenne ich im Moment kein Rollenspiel, das so gut eine Planet-der-Affen-Zukunft ermöglicht wie Numenera. Ist natürlich die Frage ob Dir das viel, viel Geld wert ist.
--- Ende Zitat ---
Muss ja nicht Numenera sein, das CypherSystem ist universell und hat auch SF-Regeln.
Hier ist ja auch schon Firefly gefallen, das basiert auf Cortex und ist dadurch auch an alles anpassbar.
Für GURPS gibt es einen schönen SPACE Quellenband, das auch allgemeine Regeln für SF-Settings hat, die echt Klasse sind und für andere Systeme genutzt werden können (Techlevel, Sonnensysteme etc.)
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