Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
[Rant] Schlechte Regelwerke
Fëanor:
Vielen Dank für diesen Thread...selten so gelacht (und zwar mit dem OP und nicht über ihn ;) ).
Ich kann ihm in vielem zustimmen (und insbesondere in Bezug auf das Verständnis über Wahrscheinlichkeiten)! Ich bin auch immer erstaunt darüber, wer sich alles Game-Designer nennen darf (bzw. schimpft). Leider ist das keine geschützte Berufsbezeichnung. Denn ganz ehrlich, 99.95% der heute tätigen "Designer" haben den Titel nicht verdient. Selbst in den "grossen" und "berühmten" Spiele-Unternehmungen.
In dem Sinne glaube ich auch, dass du, Weltengeist, einfach eine falsche Grundannahme gemacht hast, in deinem Rollenspielerleben...du nahmst an, der normale Spieleschreiber sei ein Professional. Leider falsch ~;D
Um wieder etwas ernster zu werden: Ich hab mich auch schon oft darüber aufgeregt, was da an Murks gemacht wird. Aber das faszinierendste daran finde ich oft, dass die Fans dieser Spiele diesen Murks häufig sogar wollen! Man schaue sich nur mal das Fandom von Exalted an (zumindest den lauten Teil auf dem Internet). Wehe du schlägst denen eine Verbesserung der Regeln vor. Oder gar eine zb. Verschlankung. Dann wirst du gesteinigt. Weil du ja das "Spiel und den Flair" damit zerstörst ::)
Unter diesen Voraussetzungen, wieso sollte ich mir da dann auch Mühe geben mit Regeldesign? Ich meine wenn ich für meinen jetzigen Scheiss Geld bekomme und ein Fandom, dass für mich online Krieg führt...hey, dann bin ich doch ein erfolgreicher "Designer"... >;D
Im Endeffekt, wie schon von vielen gesagt, bleibt wohl nur das Selberschreiben. Die Gefahr dabei ist natürlich, dass du nachher selber was fabriziert hast, dass deinen Ansprüchen nicht standhält...da du es selber halt auch nicht besser kannst ;) Aber vielleicht auch nicht...vielleicht kriegst du genau dein Wunschgame hin. Falls ja, würd ich es gerne sehen.
Aber ja, dieser Weg ist meist auch ein langer.
Ich habe unterdessen auch aufgegeben, mein "perfect system" zu finden. Und trotzdem schaue ich mir immer noch gerne mal ein neues System an, einfach um zu sehen, was denn da draussen sonst so design-t wird.
Jiba:
Inwiefern die Wurzel „allen Übels“? Was ist an neuen Settings so „übel?“
YY:
--- Zitat von: Boba Fett (away) am 14.12.2019 | 18:10 ---Qualität hat seinen Preis und Geiz ist geil.
--- Ende Zitat ---
Es gibt Bereiche, da kann man etwas überdurchschnittlich Teures kaufen und bekommt mehr oder weniger automatisch was Gutes - weil es sich da im oberen Preisbereich schlicht keiner erlauben kann, Mist anzubieten.
Bei Rollenspielen ist der Inhalt (in Abgrenzung von der Aufmachung) so gut wie vollständig vom Preis entkoppelt.
Das bedeutet freilich auch im positiven Sinne, dass man für die guten Vertreter nicht mehr bezahlen muss, aber der Preis ist eben kein Indikator.
Und die Behauptung, dass bei einer allgemeinen Preissteigerung mittelfristig die handwerkliche Qualität steigen würde, ist für mich erst mal genau das - und wirkt zudem nicht sehr überzeugend, wenn ich das mit anderen Bereichen vergleiche.
Denn:
--- Zitat von: Boba Fett (away) am 14.12.2019 | 18:10 ---Ausserdem werden Rollenspiele nicht wegen der Regelqualität gekauft, sondern wegen dem Sexappeal des Settings.
--- Ende Zitat ---
Solange sich das nicht ändert, ändert auch eine Preisänderung nichts.
Und das wird sich u.A. deswegen nicht ändern, weil Regeln der Bereich sind, den der Endkunde bei Bedarf am Einfachsten nachkorrigieren kann.
Kaum jemand nimmt ein für ihn perfekt passendes Bleiwüsten-Regelwerk, malt tolle Bilder dazu und lässt das ganze als Hardcover drucken.
Aber im Vergleich sehr viele nehmen ein schickes Setting, ignorieren das komplette Regelwerk und nehmen einfach ein System, das ihnen besser passt.
--- Zitat von: Jiba am 14.12.2019 | 18:20 ---Inwiefern die Wurzel „allen Übels“? Was ist an neuen Settings so „übel?“
--- Ende Zitat ---
An neuen Settings ist nichts übel.
Es geht darum, dass im Vergleich zum Setting das Regelwerk so gut wie keine Rolle spielt.
Anders formuliert: Beschissene (sic!) Regeln werden viel zu selten mit wirtschaftlichem Misserfolg quittiert. Dann ändert sich da natürlich auch nichts - es besteht jenseits des persönlichen Anspruchs der Autoren schlicht kein Anreiz dafür.
Weltengeist:
--- Zitat von: Boba Fett (away) am 14.12.2019 | 18:10 ---War in der letzten Zeit mal jemand bei einem "Günstig" Möbelgeschäft? ...
Es gibt schlechte Möbelqualität, schlechtes Lebensmittelqualität, schlechte Softwarequalität, ... Qualität hat seinen Preis und Geiz ist geil.
Jetzt könnte man noch betrachten, wo der "Farming-Ground" für Rollenspielautoren verortet ist und wieviele Menschen, die die Qualität zum guten Spieledesigner haben wohl beschließen, ihre Karriere in diesem Sektor zu suchen (anstatt irgend was minziges zu studieren und dann gutes Geld zu verdienen (und dann natürlich keine Zeit mehr fürs Entwickeln von Spielen zu haben))...
--- Ende Zitat ---
Also wenn ich Qualitätsrollenspiele kriegen könnte, die wirklich das bringen, was sie auf dem Klappentext versprechen, dann würde ich dafür auch bereitwillig mehr ausgeben - das hätte mir im Laufe der letzten Jahre eine vierstellige Summe für Fehlkäufe gespart. Aber du magst Recht haben, dass das zu wenige so halten, als dass sich darauf ein Geschäftsmodell aufbauen lässt.
(Meine Stühle sind übrigens auch nicht billig-billig, dafür wackelt davon bis heute kein einziger ;).)
Aber hey - das ist ein Rant hier. Dass es möglicherweise marktwirtschaftliche Gründe für den flächendeckenden Murks da draußen gibt, tröstet mich nicht die Bohne, denn meine damit verplemperte Lebenszeit ist trotzdem weg :P.
--- Zitat ---Ausserdem werden Rollenspiele nicht wegen der Regelqualität gekauft, sondern wegen dem Sexappeal des Settings.
Und meiner Meinung nach ist da die Wurzel allen Übels.
--- Ende Zitat ---
Och, gegen sexy Settings habe ich gar nichts, ganz im Gegenteil. Aber ich finde es immens praktisch, wenn es für ein Kernregelwerk mehrere Settings gibt und diese im Idealfall auch getrennt vermarktet werden (wie z.B. bei Savage Worlds oder weitgehend auch bei D&D). Dann kann sich das Regelwerk eben auch nicht auf auf das Setting rausreden.
Und wenn ich was überhaupt nicht ausstehen kann, dann wenn jemand, der eine coole Settingidee hat, dazu "mal eben" an ein paar Nachmittagen ein eigenes Regelwerk dranflanscht. Das geht eigentlich fast garantiert schief...
Alexandro:
--- Zitat von: Lord Verminaard am 14.12.2019 | 12:24 ---Das Spiel, das in Sachen Qualität Maßstäbe setzt, ist D&D5. Wie präzise die Regeln formuliert sind, wie gut präsentiert und strukturiert, wie reflektiert und sprachlich sauber die Texte, wie komplett und elegant das Design... man muss halt das wollen, was es bietet (Nur-diese-Klasse-Features hat es reichlich), aber in Sachen Qualität ist es dem typischen hingefrickelten Kickstarter-Regelwerk um Lichtjahre voraus.
--- Ende Zitat ---
Sehe ich überhaupt nicht so.
Die D&D5-Regeln sind vollen Unklarheiten und Widersprüche, besonders wenn man die Zauber dazunimmt (die extrem schwampfig formuliert sind und Fluff mit Crunch mischen, so dass man die ganze Textwüste lesen muss, um zu verstehen wie der jetzt genau funktioniert). Da hat man zwar Advantage/Disadvantage (was an sich schonmal ein cooles System ist), aber dann an anderen Stellen doch an allen Ecken wieder Situationsboni, ausgewürfelte(!) Buffs und ähnlichen Unsinn. Und gerade bei den Kampfregeln hakt es massiv.
Mein Hausregelordner für das System ist mittlerweile schon ziemlich dick.
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