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Shadowrun: Capital Files "Volume/02 - Drugstore Blues"

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Doc Letterwood:
Der Albaner nickte und rauchte seinen Zigarillo zu Ende. Dann schnippte er ihn weg. Die Kippe zischte in einer Pfütze.
Draußen regnete es in Strömen - immer noch. Die Luft war warm und der Himmel schwarz. Ein Gewitter braute sich zusammen...

>>21-07-2059-8:56:21<<
Kaiser erreichte das "Perestroika", einen etwas heruntergekommen aussehendes Stripschuppen in Duisburg. Kaiser sollte wie üblich den Hintereingang benutzen. Auf den vier Parkplätzen neben den überquellenden, stinkenden Müllcontainern standen zwei schwarze 6er BMW und zwei große amerikanische Jeeps. Marov war offenbar schon da. Oder besser, immer noch da. Kaiser wusste, dass der schwergewichtige Russe manchmal Tage in diesem Etablissement verbrachte. Meistens in ständig wechselnder Damengesellschaft.
An der Tür zum Hintereingang stand Avannow, ein orkischer Hüne mit einer ausgefransten und von Kugeleinschlägen zersiebten Lederjacke. Sein Glücksbringer. In der Linken wog er einen Teleskopschlagstock. In der Rechten zerknüllte er eine Dose Schurow-Wodka und warf sie achtlos zwischen die Container.
"Zdravstvuyte.", grüßte Avannow und wischte sich Regen von seinem Gesicht. "Wir haben dich erwartet."
Er wandte sich um, klopfte mit dem Schlagstock zweimal gegen die dicke Stahltür und nickte Kaiser dann zu.
Die Tür öffnete sich quietschend.

Ludovico:
"Morgen, Avannow!", gähnte Herr Kaiser und wartete bis die Tür auf war.
Er beachtete den Ork nicht weiter. Er mochte Hauer nicht. Er mochte nicht, wie sie aussahen, wie sie rochen, wie sie sich benahmen. Er hatte zwar schon mit Orks und Trollen zusammengearbeitet, aber das hieß ja noch lange nicht, daß er sie deshalb auch mögen mußte.

Doc Letterwood:
Hinter der Tür lag ein langer, von einer speckigen Tapete zusammengehaltener Gang. Türen führten in die Garderoben und Aufenthaltsräume der Stripperinnen. An der Decke glühte eine rotblaue Glasfaserleitung und verbreitete schummeriges Licht. Gegenüber der Eingangstür stand ein weiterer von Marovs Männern. Kaiser wusste seinen Namen nicht, nur, dass er "Mondgesicht" gerufen wurde. Der Grund dafür war, dass "Mondgesicht" in der Nähe einer explodierenden Fragmentgranate gestanden hatte. Nun, von Gesicht konnte man wirklich nicht mehr sprechen, schoss es Kaiser durch den Kopf.
Aus der zerfurchten, wurmig weißen Kraterlandschaft stachen ein blaues und ein fast graues Auge hervor. Mondgesicht nickte ebenfalls und wies eine Treppe hinauf, die ein wenig baufällig aussah.
Als Kaiser am Ende der Treppe stand, öffnete man ihm bereits die Tür.
Dahinter lag eine Art Kaminzimmer - erstaunlicherweise viel gemütlicher und luxuriöser, als der Bau von außen hermachte. Ein elektrischer Kamin flackerte und es war erstickend warm hier. Flauschige Teppiche bedeckten den Boden, an der Wand hing der Kopf eines erwachten Schwarzwälder Riesenebers und warf einen unruhigen Schatten auf den Boden. Vier breite, französische Chaise-Longues standen im Raum, und auf jeder saßen junge, manchmal alarmierend jung aussehende Mädchen mit weiten, Gaze-artigen Gewändern. Marov und ein weiterer Mann standen am Kamin, tranken aus Silberpokalen und unterhielten sich. Im ganzen Raum roch es nach Moschus, russischem Tee und dem schweren Aftershave von Marov.
Der Russe war schon immer ein Freund dekadenter Ausschweifungen gewesen, aber das übertraf bisher alles, was Kaiser von ihm gesehen hatte.

Die Mädchen musterten Kaiser freundlich und die ein oder andere warf ihm ein laszives Lächeln entgegen. Bezaubernd...und geradezu unwirklich mutete Kaiser die gesamte Szenerie an.
Marov, bekleidet in ein legeres weißes Hemd mit hochgekrämpelten Ärmeln, dunkle Anzughose und Lackschuhe, drehte sich um. Eine goldene Kette klimperte leise an seinem baumstammartigen Hals. Die Hände, die den Pokal umschlossen, waren mit Goldringen geschmückt. Sein breites Gesicht wirkte auf Kaiser fast wie das des Ebers an der Wand - selbst das borstige, dunkle Haar, das er in alle Richtungen gegelt trug.
Sein Begleiter war kleiner und drahtiger als Aleksander Marov. Ein dunkelgrauer, langweiliger Anzug unterstrich seine nicht vorhandene Ausstrahlung.
Seine dicke Brille verriet, dass es "Fischauge" war, Marovs rechte Hand und Stellvertreter. Ein wieseliger Buchhaltertyp, von dem Kaiser wusste, dass er einer Dame zwei Hautstreifen mit einem Kartoffelmesser vom Rücken geschält hatte.

"Guten Morgen.", strahlte Marov und wedelte sofort mit der Hand, Kaiser solle sich setzen. Der einzige freie Platz war neben einembrünetten, vielleicht siebzehnjährigen Mädchen, das auf seinem Sessel ein wenig zur Seite rutschte und ihr vorhangähnliches Gewand dabei zusammenraffte. Dann klopfte sie einladend auf das mit russischen Motiven bestickte Kissen neben sich.

Ludovico:
"Guten Morgen, Marov!", grüßte Herr Kaiser den russischen Paten freundlich, aber etwas distanziert und setzte sich dann neben die siebzehnjährige.
Ein eiskalter Blick deutete der Frau, daß der Söldner zu so einer Zeit und ohne Coffein im Blut auf Berührungen allergisch reagieren könnte und zwar mit einem heftigen 'Ausschlag'.
"Nettes Zimmer! Vor allem der Eber gefällt mir. Schwarzwald?"

Doc Letterwood:
Marovs Blick wanderte zur Wand, und einen Moment konnte Kaiser Stolz in seinem Blick erkennen.
"Allerdings.", antwortete Marov und lächelte versonnen. "Warte mal, Kaiser..."
Der Pate ging zu einem Panel an der holzverkleideten Wand und zog eine breite, flache Schublade heraus. Dann zog er ein Simonov Automatik-Gewehr heraus. Auf den ersten Blick sah Kaiser, dass das gute Stück mehr als hundert Jahre auf dem Buckel haben musste.
"Meine kleine Zarin.", sagte Marov fast liebevoll und präsentierte Kaiser das Gewehr auf zwei Händen. Es war geladen. "Damit habe ich den Eber sechs Mal getroffen, zweimal in den Kopf. Dann gab er endlich auf."

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