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Shadowrun: Capital Files "Volume/02 - Drugstore Blues"

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Preacher:
Messiah ignorierte Taxis Funkspruch. Er blieb zwar auf Empfang, aber er hatte nicht vor, auf Nachrichten, die nicht extrem wichtig waren zu reagieren – für das folgende wollte er seine ungeteilte Konzentration aufbringen lassen. Er atmete mit seinen virtuellen Lungen einmal tief durch und betrat das System von PlexAlarm.

Die Szenerie, die sich seinen Augen bot war im wesentlichen, wie er sie erwartet  hatte: Das Foyer eins Bürogebäudes, mit einer beinahe schon übertrieben drallen Empfangsdame hinter der Theke. Rechts und links davon standen zwei sonnenbebrillte Männer in Anzügen und mit Kommlinks.

IC oder Decker? Egal - keine Zeit zu analysieren

Innerhalb eines Sekundenbruchteils war Messiah durch seine Masken-Utility an die Metaphorik des Systems angepasst: Ein Paketbote von der Postabteilung des Unternehmens, ein Paket mit der Aufschrift „Dringend! Eilt!“ auf dem Postwagen, den er vor sich her schob  – auch nicht gerade sonderlich innovativ, aber hier ging es nicht um Kunst.

Er steuerte geradewegs auf die Empfangsdame zu, welche höchstwahrscheinlich ein Zugangs-IC war. „Eilsendung  für die News-Redax“.
Das Maskenutility tat seine Wirkung, die Empfangsdame zögerte keine Sekunde, Messiah einen Passierschein zu geben. Sie lächelte und sagte nur „Nehmen Sie den Aufzug – dritter Stock.“

Messiah nickte nur und war schon vorbei und in den Aufzug eingestiegen. Als sich die Türen hinter ihm schlossen, änderte sich die Metaphorik des Pakets auf dem Postwagen zur eigentlichen Form: ein Krokodilschädel, der in Pacman-Manier den Unterkiefer ständig auf und zu klappte.

Messiah konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Typisch Frightener – wenn der einmal im Leben einen Symbolismus verwendet, der nichts mit Zombies, Geistern oder Totenschädel zu tun hat, dann geb ich glaub ich das Decken auf. So, dann wollen wir mal sehen. Er hat mir nichts über die genaue Wirkungsweise des Virus erzählt, also implantiere ich es am besten ins Datei-, ins Index, und ins Kontrollsubsystem. Also erstmal kopieren.

Gedacht getan – innerhalb eines Sekundenbruchteils lagen 3 identische Kopien vor ihm, welche er unter dem Mantel seiner Persona verschwinden ließ. Dann drückte er den Aufzugknopf, welcher mit „Datenspeicher“ beschriftet war.

Erster Stock: Damenunterwäsche und Boulevard-News

dachte der Otaku belustigt, als die Aufzugtüren sich öffneten und den Blick auf eine Art Archiv mit Regalen voller altertümlicher VHS-Kassetten freigab. Sein Augenmerk fiel sofort auf ein Regal, über dem in großen leuchtenden Buchstaben der Schriftzug „Brandaktuell – gleich auf Sendung“ prangte. Eine kurze Überprüfung zeigte ihm den neuesten Zugang – ein etwa einminütiges Video, vor etwas mehr als 5 Minuten angekommen, vermerkt zur Sendung in – Scheiße, in 5 Sekunden. Los jetzt.

Messiah löschte die Datei, zog einen der Krokodilschädel aus der Tasche und warf ihn in Richtung der Regale. Noch im Flug zerteilte sich dieser in Dutzende, Tausende, Myriaden immer kleiner werdender Abbilder seiner selbst, welche zwischen den Videokassetten verschwanden – nicht mehr zu sehen, aber Messiah hatte keinen Zweifel, dass sie ihr zerstörerischen Werk bereits aufgenommen hatten, und mit höchster Effizienz und Schnelligkeit vollenden würden.

So – und jetzt ab zur Peripheriesteuerung – falls sie da schon eine lokale Kopie haben.

Der Decker verließ den Dateispeicher  und raste in das Peripheriesubsystem – ein virtuelles Fernsehstudio. Dieser „Systemdesigner“ hatte ganz eindeutig den falschen Beruf gewählt – in derartiger Mangel an Kreativität war Messiah schon lange nicht mehr untergekommen. Er erfasste auf den ersten Blick, dass er gerade noch rechtzeitig gekommen war, scheinbar sollte die Ausstrahlung des Videos gerade beginnen: Auf einem Monitor war Nikos Andropulos, der News-Moderator zu sehen, der gerade sprach „...und jetzt exklusiv und nur bei PlexAlarm das Überwachungsvideo, das Weechucks...“

Messiah ignorierte den Sprecher und sah sich um.

Sendeanlage, Sendeanlage – ah da

Sein Blick fiel auf eine virtuelle Satellitenantenne von etwa 3 Metern Durchmesser, an deren Sockel eine Anzeige leuchten die Worte „On Air“  zeigte. Innerhalb eines Lidschlags war Messiah dort und erhöhte die Energiezufuhr um ein Vielfaches über die Skala hinaus, während er gleichzeitig die Verschaltung änderte, was auf der Stelle mit einem durchdringenden Alarmton und dem Aufleuchten der Worte „Achtung! Sendefehler! Hardwareschaden!“ quittiert wurde. Auf dem Monitor verstummte der Chairman und sein Gesicht nahm einen verwirrten Ausdruck an. „Was zum...“

Puh – das war gerade noch rechtzeitig. Hoffentlich dauert das ein paar Tage bis sie das wieder reparieren können.

Messiah zog die virtuelle Kassette mit dem Video aus dem Abspielgerät neben der Sendeanlage und zerstörte sie.

So – und jetzt noch das Virus ins Index- und ins Kontrollsystem, den Host crashen und raus hier. Halt – falls weitere lokale Kopien kommen platziere ich hier lieber auch noch ein Exemplar.

Als er das gerade tun wollte, hörte er hinter sich eine Stimme.

„Halt. Sie da! Drehen Sie sich um.“

Doc Letterwood:
Als Messiah sich umwandte, sah er ein anderes Icon im Türrahmen stehen - dunkler Rauch quoll aus seinen Augen, der Schädel war bleich, während die Uniform tiefstes Schwarz geradezu auszustrahlen schien und seine nähere Umgebung in Dunkelheit tauchte. In der Linken hielt es einen mit Nieten beschlagenen schwarzen Schlagstock, um den sich eine rot glitzernde Neonspur zog - wie frisches Blut, schoss es Messiah durch den Kopf.

Die schwarzgrau pulsierenden Augen waren auf Messiah gerichtet. Auf der Brust prangte das Logo von - United Interceptor? Aber...

"Was machen Sie da? Weisen Sie sich aus!", befahl das Icon im Kasernenhofton.

Preacher:
Messiahs Augen verengten sich, als er das Logo identifizierte, dann  lächelte er grimmig.

Seine Augen begannen rot zu glühen, Nebel qoll aus seinem Mantel und waberte um ihn herum. Im entstehenden "Windhauch" wehte sein Mantel und sein Haar, welches bis ins kleinste Follikel en Detail ausgearbeitet war - ein beeindruckendes Bild. Die Detailgenauigkeit seiner Persona, welche sogar den Ledergeruch seines Mantels und dessn leises Knirschen wenn er sich bewegte mit einbezog zeigte deutlich, daß hier kein kleiner Möchtegern-Decker stand, sondern ein wahrer Meister der Matrix.

Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch das vollendet geschmiedete Katana, welches sich in seiner Hand manifestierte, und um dessen Schneide Lichtreflexe in einem stählernen Blau spielten.

"Ich mache meinen Job, Du Wichser. Und das müsste ich nicht, wenn Du deinen richtig erledigt hättest. Wenn Du dir Kopfschmerzen ersparen willst, dann hau lieber ab. Erste und letzte Warnung."

Doc Letterwood:
Der UI-Decker maß Messiah von Kopf bis Fuß.

"Sie sind nicht berechtigt, hier einzudringen. Verlassen Sie diesen Host, oder ich verständige den Systemadministrator." Er kam näher und wog den schweren Stock in seiner Hand. "Freundchen, ich warne dich: Dieser Host steht unter meinem Schutz, also verzisch dich."

Aha, langsam wurde er weniger förmlich...

Preacher:
"Unter deinem Schutz? Steht das nicht gegen dem Schutz deines Kunden entgegen, Du Pappnase?" fragte Messiah mit einem höhnischen Grinsen.

"Ich gehe erst, wenn ich hier fertig bin. Versuch doch, mich rauszuwerfen, Du Lamer."

Messiah griff das Schwert fester, und bereitete sich innerlich auf einen Angriff vor.

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