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[Film] Dune von Denis Villeneuve (2021)
Ludovico:
Eine Sache, die mir auch negativ in Erinnerung geblieben ist, ist die Kapitalismuskritik.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Als Baron Harkonnen aus seinem Schlammbad kommt und Sohnemann erzählt, wie viel er zu welchem Preis verkaufen solle. Und ja nicht zuviel, damit der Preis nicht falle
Ich hab ja nix gegen etwas Gesellschaftskritik, aber das (wie so einiges im Film) fühlte sich grob an.
Camouflage:
--- Zitat von: Ludovico am 7.11.2021 | 18:59 ---Eine Sache, die mir auch negativ in Erinnerung geblieben ist, ist die Kapitalismuskritik.
--- Ende Zitat ---
Das ist auch im Buch schon so. Das Spice, dessen Bedeutung für das Imperium und die Ausbeutung der Vorkommen ohne Rücksicht auf die lokale Bevölkerung sind eine Metapher für Öl in der realen Weltwirtschaft.
tartex:
--- Zitat von: Ludovico ---Ich hab ja nix gegen etwas Gesellschaftskritik, aber das (wie so einiges im Film) fühlte sich grob an.
--- Ende Zitat ---
Die Gesellschaft ist ja auch recht häufig grob. Die Harkonnen sind mir als Kind beim Lesen öfters zu grob vorgekommen. Im Sinne von zu schwarz/weiß.
Leider hat besonders das letzte Jahrzehnt Weltpolitik mich eines besseren belehrt, und ich musste meine Meinung revidieren und bei den Nachrichten über besonders einen Politiker öfters an den Baron denken und dass Frank Herberts näher an der Wirklichkeit waren, als ich annehmen wollte.
Ludovico:
@Camouflage
Ich hab auch nichts gegen die Kritik. Aber muss es denn die grobe Kelle sein? OK, wie das Beispiel mit dem Zahn zeigt, scheint der Film nicht wirklich dezent sein zu wollen.
Suro:
Hmm. Ist das denn wirklich überhaupt Kapitalismuskritik an der Stelle? Was wird denn da wie kritisiert?
Ja ok, der böse Baron redet irgendetwas von Marktpreisen und Ausbeutung, aber für mich ist hier weniger die Aussage "Schaut, der böse Baron ist ein kapitalistischer Ausbeuter deswegen ist Kapitalismus schlecht!" sondern eher "Schaut wie böse der Baron ist, er ist gierig und beutet Leute aus!". Wenn ich mich recht erinnere, ist der finanzielle Gewinn hier im Übrigen sogar (nach Buch) nur ein angenehmer Nebeneffekt, da (eventueller Spoiler für den zweiten Teil) (Klicke zum Anzeigen/Verstecken) er hier eigentlich nur seinen Neffen Rabban als Bösewicht für die Bevölkerung Dunes inszenieren möchte, um dann Feyd-Rautha (seine eigentliche Wahl als Nachfolger) als Befreier darstellen zu können.
Klar, in Dune ist die Abhängigkeit von bestimmten Ressourcen und Substanzen, Raubbau an Natur und Bevölkerung eindeutig ein zentrales Thema - gerade wenn die Abhängigkeit der "Politik" von der Gilde und die Abhängigkeit der Gilde vom Spice Thema ist. Ich würde das aber auch da eher als Warnung vor manchen Auswirkungen/Randbedingungen des Kapitalismus lesen, die theoretisch auch andere Wirtschaftsformen betrifft: Ich weiß gar nicht, in wie weit die Gesellschaft/Marktform in Dune kapitalistisch ist, das Adelssystem (welches Dune kontrolliert) ist ja eher untypisch für modernen Kapitalismus, Aktienhandel etc. spielt keine Rolle, usw. usf. Der Kampf um Öl fand 1965 ja auch zwischen einem kapitalistischen System und dem real existierenden Sozialismus (tm) statt, und ich glaube nicht, dass letzterer im Bezug auf die Dune-Themen besser wegkommt. Also vielleicht eher Imperialismus- als Kapitalismus-Kritik?
Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin wirklich nicht so sicher, ob hier Kapitalismus-Kritik passiert, und wenn das so ist, bin ich entweder doof oder die Kritik kann so "on the nose" nicht sein. Was natürlich so ist, ist dass die Harkonnen nicht gerade mit zu viel Grautönen als Antagonisten charakterisiert werden, aber das (und die Nuancen, die im Buch vielleicht etwas besser rauskommen als im Film) ist nochmal ein anderes Thema.
Achso - und was ist denn mit dem Zahn offensichtlich? Edit: Ah, oben gefunden. Habe zu dem Punkt den Lynch-Film nicht mehr so wirklich im Hinterkopf, war mir jetzt hier aber auch nicht sonderlich negativ aufgefallen. Der Strang mit dem Doktor war aber ingesamt in diesem Film finde ich nicht so gut gelöst (Motivation für Yueh, die Sache mit der Konditionierung der imperialen Ärzte und diese Verdächtigungen zwischen Thufir und Lady Jessica machen das im Original alles nachvollziehbarer und interessanter, aber irgendwas muss man halt auch streichen.)
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