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Broken Compass (2LM)

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Kreggen:

--- Zitat von: RackNar am  6.06.2022 | 18:39 ---Magst du von deinen Erlebnissen im Anschluss berichten?

--- Ende Zitat ---

Der Runde hat's gefallen. Ich tu mich noch etwas schwer, wenn Gegner auftauchen, aber das wird wohl noch. Waren alles BC-Anfänger, hatten das System aber schnell raus. Gefallen sind mehr Basis- als Kritische Erfolge, und nur ein 4er Pasch und der auch noch beim Endgegner, ich hab dann, weil's so gut passte, dem Mitspielenden Erzählhoheit für die finale Szene gegeben, und es war extrem cool, was er sich ausgedacht hat.

Wunderland ist allerdings nicht wirklich ein Setting, was sich für längere Geschichten eignet. In einem "Realwelt-Setting" wie den 1920ern zB haben die Mitspielenden meist mehr Ideen als in einer fiktiven Welt, das liegt mir auch eher. Ich werde wohl Golden Age als "mein Setting" definieren, das hat bisher am besten gefluppt.

Schwierig war auch, dass sich immer alle gegenseitig unterstützen wollten, da hab ich noch nicht raus, was das dem jeweiligen Mitspielenden nun bringt, wenn die Unterstützer alle nur Basis-Erfolge würfeln. Ich hab dann für je 3 unterstützende Basis-Erfolge einen zusätzlichen Würfel gewährt.

HEXer:
Naja, unterstützen in Challenges bedeutet ja, dass man die eigene Handlung aufgibt, um dem zu unterstützenden einen Vorteil (also einen Bonuswürfel) zu geben. Bei Dangers sieht es ja anders aus. Da geht das ja nur, wenn man a) in der gleichen Danger ist und b) die selbst komplett bewältigt hat. Aber du hast Recht: da bei Dangers die Erfolge ja nicht "upgraden" (also 3 Basic = 1 Critical), ergibt das nicht so irrsinnig viel Sinn.

klatschi:

--- Zitat von: HEXer [n/a] am  7.06.2022 | 21:35 ---Ich verstehe, wenn es dir nicht gefällt, und das sei dir auch unbenommen. Aber wenn ich folgendes lese, frage cih mich schon, ob es an euch oder dem System liegt:

Heldenhaft weggelaufen bin ich bislang noch nicht. Aber auch ansonsten sind da ein paar Dinge dabei, die du nicht so beschreibst, wie sie bei BroCo gedacht sind. Ich schildere die Situation einfach mal so wie unsere Runden sie handhaben:


Noch ein paar Gedanken:

Es ist so gedacht, dass man mehrere Gefahren "stackt" – sonst ist für Charaktere mit 5-6 Würfeln und passender Expertise tatsächlich nciht besonders herausfordernd. Aber wenn sie schon von mehreren Gegnern verfolgt werden, dann ist es günstig, auch mehrere Gegnergruppen daraus zu machen. Und das ganze dann am Besten noch mit ein, zwei Basic Challenges oder Dangers zu garnieren. Einfach, damit die Spieler in das Dilemma geraten, in welchen faulen Apfel sie beißen, weil sie kaum noch alles schaffen können. Wie in dem Beispiel zu erkennen ist, sind schon zwei Gegnergruppen völlig ausreichend, um mehr Pfeffer rein zu bringen.

Außerdem muss man sich bewusst machen, dass es überhaupt nicht schlimm ist Luck Points zu verlieren. Das wird erwartet, das gehört dazu. Proben sind nicht binär. Bei BroCo kann man in etwas scheitern und (im Gegensatz zu z. B. PbtA) fühlt man sich nicht gleich inkompetent, sondern hat das Gefühl, zumindest noch einen Teil erreicht zu haben. Du hast statt eines Crits zwei Basics? Wunderbar! Dann verlierst du nur einen Luck Point. Ist doch super! 1A Pulp Action Held. Und gerade Luck Points hat man sofort regeneriert. In dem obigen Beispiel sitzen die Leute kurz in Chekhovs Laster und schwups sind die wieder da. Und selbst Conditions sind erstmal keine Katastrophe - ist halt ein Würfel Abzug.

Broken Compass ist kein Spiel, dass einen Nervenkitzel durch strategische Herausforderung bieten will, sondern das nervenkitzel durch Eskalieren ermöglichen will. Möglichkeiten bieten zu improvisieren, erfolgreich zu sein und dabei noch cool auszusehen. Dinge zu schaffen, die man normalerweise nicht schafft.

--- Ende Zitat ---

Vielen Dank für das Beispiel, das hilft mir sehr, das System besser zu verstehen. Erst einmal wirkt das alles schon etwas kompliziert, aber ich denke das liegt den der Nomenklatur; ich gehe davon aus, dass einiges schneller geht, wenn man gedanklich im System ist. Vielen Dank für die Arbeit, die in dieses sehr ausführliche Beispiel geflossen ist, man merkt dass dir BC richtig gut zu taugen scheint.

Dennoch klingt die Reroll-und-Interpretier Mechanik etwas verlangsamend, weil natürlich jeder Char bei jedem Test einen Reroll mit Expertise haben wollen würde. Aus Erfahrung in anderen Systemen hab ich das Gefühl, dass solche Aspekte manchmal das Spiel verlangsamen können. Siehst du bei BC die Gefahr oder ist das eher nicht existent?

Und ganz doof: die tips, die du gibst, sind spannend, weil sie auf einer sehr konkreten Ebene unterwegs sind (zwei Gegner Gruppen statt einer), was ja doch zur Frage führt: Wie crunchy ist das alles?

aikar:

--- Zitat von: klatschi am  8.06.2022 | 01:13 ---Erst einmal wirkt das alles schon etwas kompliziert, aber ich denke das liegt den der Nomenklatur; ich gehe davon aus, dass einiges schneller geht, wenn man gedanklich im System ist.
--- Ende Zitat ---
Definitiv. Tatsächlich würde ich sagen, Broken Compass ist in der Praxis eines der flottesten und schwungvollsten Systeme die ich kenne. Da setze ich es auf eine Ebene mit Dungeon World und sogar noch vor Fate (wo bei den Aspekten ja auch noch Punkte im Spiel sind, während es bei den BC-Expertisen ein simples ja/nein ist)!

Aber ich denke das wichtigste ist es auch so zu spielen wie PbtA-Spiele: Story First.
Wie HEXer schreibt "FM: Ja, aber was genau möchtest du denn jetzt gerade erreichen?"
Wenn man sich auf diese Frage konzentriert, ergibt sich meist ganz von alleine, ob eine Expertise passend ist oder nicht.
Und: Action first. Schmeiß die Charaktere in eine Indiana Jones/Tomb Raider-Situation nach der anderen und lass einfach laufen.

Aber ja, es gibt Expertisen die zu häufig oder zu selten zum Zug kommen. Und in meiner Gruppe habe ich von Anfang an klar gestellt, dass in so einem Fall Expertisen auch nach dem Abenteuer getauscht werden können/müssen, bis sich das eingependelt hat. Haben eigentlich alle verstanden.
BC ist kein Spiel für Minmaxer, es ist ein Spiel für Erzähler:innen.


--- Zitat von: klatschi am  8.06.2022 | 01:13 ---Und ganz doof: die tips, die du gibst, sind spannend, weil sie auf einer sehr konkreten Ebene unterwegs sind (zwei Gegner Gruppen statt einer), was ja doch zur Frage führt: Wie crunchy ist das alles?
--- Ende Zitat ---
Auch eine einzelne Gegnergruppe kann zwei oder drei Gefahren sein. z.B. 2 Basis + 1 Kritisch (Aber nie mehr als 3 Gefahren in einer Probe). Was meinst du mit "Wie crunchy ist das alles"?

LushWoods:
@klatschi:
Ich würde sagen BC is knuspriger als es auf den ersten Blick den Anschein hat, aber immer noch sehr fluffig. Der Crunch kommt aber nicht von z.B. zig Kampfmanövern/-modifikatoren oder Gearporn, sondern eher von den verschiedenen Möglichkeiten die die Charaktere haben.
Ich würde es was das Crunch-Level angeht, im unteren Mittelbereich verorten (die genau Mitte wäre für mich so etwas wie Savage Worlds oder 5E).

Das Nachwürfeln fühlt sich eigentlich gar nicht verlangsamend an. Ich glaube das hat mehrere Gründe:
- Meine Spieler hatten das Rerollen schon während der ersten Session intus, so das sie das gleich von alleine gemacht haben.
- Der Rest des Systems ist so flott, das das Nachwürfeln kaum in's Gewicht fällt.
- Rerolls durch Riskieren sind spannend und fühlen sich dadurch nicht "belastend" an

Was meinst du mit "Interpretier-Mechanik"? Das Entscheiden ob eine Expertise greift? Das ist innerhalb von 3 Sekunden abgehandelt. 1 Sekunde: "Greift mein XY?". 1 Sekunde: *Überlegen*. 1 Sekunde: "Ja/Nein weil YZ."  :)
Also auch das geht bei uns Ruck-Zuck. Kommt aber vielleicht auch von meiner Gruppe. Bei uns wird da nicht diskutiert.

Um das mit den Threats nochmal klar zu machen: Es geht um Threats bzw. Threat-Level, nicht darum viele Gegner da angelaufen kommen.
Es ist egal ob der CRITICAL-Threat Gegner jetzt ein Gegner ist oder fünf oder zwanzig. CRITICAL ist CRITICAL.
Andersherum könntest du aber auch bis zu 3 Threats einem Gegner oder einer Gegnergruppe zuordnen.

Was ich an dem System von BC sehr witzig und gelungen finde ist die Tatsache das fast das ganze System eigentlich zusammengeklaut ist. Aber das sehr gekonnt.
Da is ganz viel Cypher drin (ich würde behaupten das ist die Basis), mit einer guten Portion von Year Zero und pbtA, ein Hauch von FATE und Pendragon, das Ganze garniert mit den Paschs (was ich so bisher noch bei keinem anderen System gesehen habe) und zumindest dem Geschmack von Savage Worlds oder Ubiquity.
Also eine Orientierungshilfe ob BC was für einen sein könnte wäre, wenn man mit allen oder einem Großteil der genannten Systeme was anfangen kann.

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