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Unterschiede Mythgard, Beowulf: Age of Heroes und Journey To Ragnarök
Raven Nash:
--- Zitat von: Sosthenes am 11.10.2021 | 08:51 ---Wobei mir die zu viel Reinwaschung der frühen Skandinavier jetzt auch etwas gegen den Strich geht. Auch wo anders hat man sich gewaschen, das mit der Gleichberechtigung wird gerne übertrieben und war auch eher ein Effekt der Nahrungsbeschaffung, reden wir mal gar nicht von unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten – wir lesen praktisch die Mythen der Oberschicht – oder gar der Sklavenhalterei.
--- Ende Zitat ---
Zum einen: Ich rede ganz bewusst von den Sagas und deren Darstellung. Immerhin soll's ja ein Fantasy-RPG Setting sein. ;)
Zum anderen: Im Vergleich zu dem was das Christentum brachte, war das Sozialsystem fast schon "modern", mit Frauen, die erben und den Ehemann aus dem Haus werfen konnten (zumindest auf Island - lokale Unterschiede klarerweise vorhanden) und Leibeigenen ("Sklave" ist hier als Begriff nicht ganz korrekt), die als Mitglieder des Haushalts betrachtet wurden und deren Tötung durchaus empfindliches Wergilt kostete (übrigens auch das System für die Abgeltung jeglicher Art von Totschlag, auch bei Freien und Adeligen). So wirklich "grim" wurde es eigentlich erst mit der erfolgreichen Missionierung.
Was die Wiking angeht: Ein großer Teil dieser Fahrten war mehr Handel als Raub. Wobei Raub und Plünderung in dieser Epoche kein Privileg der nordischen Völker waren. Die wirklich großen Raubzüge waren aufwändige Expeditionen und entsprechend selten. Aber klarerweise fanden die den größten Nachhall in den Chroniken. Und natürlich eroberte man neue Gebiete.
Den Wikinger aber auf Mörder-Hobo zu reduzieren ist falsch. Gab es auch, die werden in den Sagas aber meistens als Negativbeispiel behandelt, wohingegen Mut, Stärke und Ehre idealisiert werden. Zum letzteren gehört u.a. auch immer wieder Mitgefühl.
So, aber :btt:. Wäre aber mal interessant, wenn man das "grim" aus dem RPG-Norden rauslassen würde. Gäbe vielleicht mal interessantere Settings...
Cormac:
--- Zitat von: Swafnir am 10.10.2021 | 22:16 ---Was macht denn das Setting aus? Soll man da so eine Person-Heldenquesten spielen?
Ich bin immer ein bisschen skeptisch, Spiele entgegen ihrem Designziel zu spielen.
--- Ende Zitat ---
Wieso es jetzt gegen das „Designziel“ verstösst, Beowulf als Gruppe zu spielen, wenn das Buch diese Möglichkeit offiziell enthält erschliesst sich mir ehrlich gesagt nicht. Zumal ich mich frage, wie viele Rollenspiele der durchschnittliche Spieler eigentlich ihrem „Designziel“ entsprechend (=100% RAW) spielt? Aber gut.
Was soll man zum Setting sagen….es ist ein 5E Klon mit ein paar Sonderregeln (z.B. einem Schicksalswürfel) und mit nordischen Hintergrund ohne klassische Wikinger. Schauplatz ist die sog. Whale–Road (im Grossen und Ganzen das Gebiet der baltischen See plus GB und Island). Ca. 800 AD. Die (wenigen existierenden) Abenteuer sind jetzt nicht soooo unterschiedlich von der typischen Kost, allerdings eher auf kürzere Einzelabenteuer denn auf Kampagnen ausgelegt und typische High Fantasy (Charaktere sind Helden, keine Söldner). Man reist herum (mit Schiff oder zu Fuss), erkundet, trifft Stammesführer in der Methalle und soll dann in der Regel ein (örtliche) Bedrohung abwenden. Im 1:1 spielt man immer die neue „Hero“ Klasse (also nix mit Fighter, Wizard, Bard oder so) und schleppt einen Tross an Followers mit, die eine Gruppe ersetzen. Im Gruppenspiel spielt man entweder die Hero Klaase unverändert (kleine Gruppen) oder bei grösseren Gruppen entweder Hero Klasse abgespeckt oder was man will aus den D&D Klassen und der Followers Teil entfällt jeweils.
Swafnir:
--- Zitat von: Cormac am 11.10.2021 | 10:27 ---Wieso es jetzt gegen das „Designziel“ verstösst, Beowulf als Gruppe zu spielen, wenn das Buch diese Möglichkeit offiziell enthält erschliesst sich mir ehrlich gesagt nicht. Zumal ich mich frage, wie viele Rollenspiele der durchschnittliche Spieler eigentlich ihrem „Designziel“ entsprechend (=100% RAW) spielt? Aber gut.
Was soll man zum Setting sagen….es ist ein 5E Klon mit ein paar Sonderregeln (z.B. einem Schicksalswürfel) und mit nordischen Hintergrund ohne klassische Wikinger. Schauplatz ist die sog. Whale–Road (im Grossen und Ganzen das Gebiet der baltischen See plus GB und Island). Ca. 800 AD. Die (wenigen existierenden) Abenteuer sind jetzt nicht soooo unterschiedlich von der typischen Kost, allerdings eher auf kürzere Einzelabenteuer denn auf Kampagnen ausgelegt und typische High Fantasy (Charaktere sind Helden, keine Söldner). Man reist herum (mit Schiff oder zu Fuss), erkundet, trifft Stammesführer in der Methalle und soll dann in der Regel ein (örtliche) Bedrohung abwenden. Im 1:1 spielt man immer die neue „Hero“ Klasse (also nix mit Fighter, Wizard, Bard oder so) und schleppt einen Tross an Followers mit, die eine Gruppe ersetzen. Im Gruppenspiel spielt man entweder die Hero Klaase unverändert (kleine Gruppen) oder bei grösseren Gruppen entweder Hero Klasse abgespeckt oder was man will aus den D&D Klassen und der Followers Teil entfällt jeweils.
--- Ende Zitat ---
Es gibt halt Spiele die einen entsprechenden Spielstil erzeugen wollen. KAGEMATSU zum Beispiel soll nur von Frauen geleitet werden, dann gibt es einige 1:1 Spiele usw. Die sind alle für eine bestimmte Spielart konzipiert. spiele ich die anders, nehme ich ihnen ihre Stärke. "Gewöhnliche" Rollenspiele sind nicht so stark fokussiert. Das meine ich.
Klar kann man die alle auch anders spielen. Oder man nimmt einfach ein Spiel, dass gleich für mehrere Leute gedacht ist und an dem ich nicht rumbasteln muss. Ich kann auch DREAD nicht mit einem JENGA-Turm sondern mit Würfeln spielen. Oder ich nehme einfach ein Horror-Rollenspiel, das Würfel benutzt, wenn ich das lieber mag. IRONSWORN hab ich mir auch nicht geholt, weil mich Solo-Rollenspiele nicht anmachen.
Aber Grundsätzlich find ich das bei BEOWULF schon eine sehr coole Idee.
Colgrevance:
Das Designziel bei Beowulf: Age of Heroes ist schon sehr deutlich, ein Spiel für einen GM plus einen Spieler zu bieten. Das zeigt ja auch die von Cormac erwähnte Klassenbeschränkung (man spielt halt den Helden (Hero)) sowie die Regeln für Begleiter, die gegenüber dem Standard-D&D deutlich ausgebaut sind und eine eigene Ressource darstellen, um die Handlungen des Helden zu unterstützen.
Das Ganze soll die altenglischen Heldensagen nachbilden (Beowulf eben), und liefert dafür auch eine entsprechende Sturktur: So sind Abenteuer standardmäßig in die Phasen "Preparation and Portent", "Sail and Surf", "Meadhall and Mystery", "The Monster" und "Rest and Rewards" eingeteilt. Und in der Vorlage gab es eben auch nur eine Hauptfigur.
Kann man das mit einer klassischen (D&D-)Heldengruppe spielen? Sicher, aber damit ändert man das Spiel schon mehr oder weniger stark ab, und einige der Regeln sind dann m. E. auch nicht mehr ganz so sinnvoll. Ansonsten gilt natürlich: Jeder nach seiner Façon! :)
Sosthenes:
--- Zitat von: Raven Nash am 11.10.2021 | 09:56 ---[...]Leibeigenen ("Sklave" ist hier als Begriff nicht ganz korrekt), die als Mitglieder des Haushalts betrachtet wurden und deren Tötung durchaus empfindliches Wergilt kostete (übrigens auch das System für die Abgeltung jeglicher Art von Totschlag, auch bei Freien und Adeligen).
--- Ende Zitat ---
Geldstrafe bei "Sachbeschädigung" macht das jetzt nicht weniger zur Sklaverei. Island ist wirklich kein Musterbeispiel hier, Misshandlungen bei Sklavenskeletten fand man öfter, von der, äh, genetischen Lage mal gaanz abgesehen.
Ich will da jetzt auch wirklich nicht zu sehr drauf rumreiten, praktisch alles was wir als historische Vorbilder für die Fäntelalter Settings benutzen ist aus moralischen Aspekten wie wir sie heute verstehen fraglich. Aber wir sollten da keine besondere Ausnahme für diese Zeit/Gegend machen. Das hat mitunter ja auch ideologisch bedenkliche Hintergründe. Deswegen passe ich bei neuen Wicki-Settings von kleineren Anbietern auch immer auf, nicht dass da jemand ein etwas besser getarntes MYFAROG in die Gegend wirft.
Beowulf fand ich übrigens vom Konzept her schon recht interessant, ist auch lustig dass hier noch nicht so viel existierte. Mehr vom "Urenkel" Tolkien genommen als direkt vom englischen Parademythos. Ich meine, ich verstehe warum wir hier in .de da nicht so viel auf den Markt bringen, aber warum die Briten nur 100% auf Artus gehen...
Ich würd mir auch mehr Kalevala und Mabinogion wünschen.
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