Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen

Wer kann D&D 5e besser als D&D 5e?

<< < (11/23) > >>

nobody@home:
Das Hauptproblem, das ich bei der Verwendung von Fate im Moment sehen würde und auch bis heute noch nicht so recht geknackt habe, wäre das Finden einer geeigneten Umsetzung für die allgegenwärtige D&D-Magie. Denn:

1.) Einerseits ist D&D-Zauberei gerade für die Sprücheklopfer selbst für meinen Fate-Geschmack entschieden zu kleinteilig und mit zuviel spielerseitiger Buchhaltung verbunden, als daß ich tatsächlich die Regeln selbst würde übertragen wollen. "Hier ist deine Spruchliste mit X Einträgen, lern' die bitte mit sämtlichen Komponenten-, Reichweiten-, Zielauswahl-, Dauer- und sonstigen Details auswendig und bereite dich schon mal darauf vor, daß sie später nur noch immer länger wird" wäre aus meiner Sicht schon rein vom Konzept her ein Fremdkörper im System. (Es gibt ein paar Fate-Welten, die so einen ähnlichen Ansatz fahren, aber da sind dann die SC meist auch recht ausdrücklich eben nicht als Profizauberer gedacht -- von denen würde ich ja auch im Gegenteil eher erwarten, daß der Charakter seinen Kleinkram schon selber hinkriegt und nicht noch seinen Spieler extra damit belasten muß.)

2.) Andererseits aber ist D&D-Magie als Phänomen paradoxerweise gleichzeitig nur recht wabbelig und gesichtslos definiert. Über "Du kannst halt das, was auf deiner Liste steht" hinaus hat sie kein wirkliches Konzept und Magier, Kleriker, Hexer, Barden und so weiter, und so fort unterscheiden sich in ihrer jeweiligen Magie im Wesentlichen auch nur über den Inhalt ihrer besagten Listen -- der dummerweise seinerseits im Prinzip jederzeit für Erweiterungen und andere Abwandlungen durch neue Bücher oder eigene Kampagnenschöpfungen offen ist und also auch nur recht begrenzte Aussagekraft hat. Wollte ich beispielsweise eine Fate-Fertigkeit für "Klerikale Magie" einführen...hmmmmm, was sollte deren Besitzer mit ihr dann wohl können und was nicht? Gibt's darauf überhaupt eine Antwort, die nicht gleich wieder auf "LISTE!" hinausläuft? :think:

Grundsätzlich, klar, würde ich Fantasy im D&D-Stil allemal lieber mit Fate bespielen. Aber speziell an diesem Punkt knabbere ich halt noch -- und da helfen mir auch Sachen wie das Freeport Companion nur begrenzt weiter. :)

duderino:

--- Zitat von: nobody@home am 30.06.2022 | 13:46 ---Das Hauptproblem, das ich bei der Verwendung von Fate im Moment sehen würde und auch bis heute noch nicht so recht geknackt habe, wäre das Finden einer geeigneten Umsetzung für die allgegenwärtige D&D-Magie. Denn:

[...]

--- Ende Zitat ---

Sehe ich genau so. Also grundsätzlich sehe ich das Problem, dass Magiesysteme schwer in Rollenspielen (Regeln und Kontext) zu fassen sind. Für alle "realistischen" Aktionen ist es erstaunlich einfach, eine Skala von 1 wie Anfänger bis 10 wie Held hinzuwerfen, und Spieler und Spielleiter finden schnell einen Konsens darüber, wie eine Probe oder eine Herausforderung interpretiert wird. Bei Magiesystemen stellen sich erstmal so viele grundsätzliche Fragen über Voraussetzungen, Kontext, Kausalität, SchwierigkeitVsMagnitude etc. Ich frage mich, ob es dafür eine gute Lösung geben kann. DSA (4.1!!) ist vermutlich das beste was ich kenne, einfach weil dort sowohl Kontext geschaffen wird, alsauch "relativ" viele Parameter der Zauberwirkung erfasst und erklärt werden. ("Du bist eine Hexe, deine Magie beziehst du aus der Erde, und du kannst sie einsetzen um 4 Meter weiter und 2 Meter höher zu springen. Dabei machst du aber eine doofe Zaubergeste, die dich als Hexe enttarnt").
Aber eben auch dort gibt es tausende von Regellücken, Grenzfällen, Dinge die sich in Werten schwer abbilden lassen.

Und ja, Fate und DnD (und BitD) gehören da mMn zu den schlimmsten Vertretern von schlechten Magiesystemen, weil sie sich so leblos und als reiner Ausdruck des Spieler-Willens, nicht wirklich als Ausdruck einer Wahrheit innerhalb der Welt anfühlen. Was letztendlich für mich als Magie(r)-Liebhaber dazu führt, dass ich diese Systeme meide.

Tudor the Traveller:
Sehe ich ganz anders. Es ist gerade gut, dass Magie nicht genau durchgeregelt ist. Wenn Magie verständlichen (wissenschaftsartigen) (Natur)Gesetzen folgte, wäre es in meinem Augen eben keine Magie mehr, sondern einfach nur erweiterte Physik. Das fände ich unglaublich öde.

nobody@home:

--- Zitat von: Tudor the Traveller am 30.06.2022 | 23:03 ---Sehe ich ganz anders. Es ist gerade gut, dass Magie nicht genau durchgeregelt ist. Wenn Magie verständlichen (wissenschaftsartigen) (Natur)Gesetzen folgte, wäre es in meinem Augen eben keine Magie mehr, sondern einfach nur erweiterte Physik. Das fände ich unglaublich öde.

--- Ende Zitat ---

Je nun, Spruchlistenmagie a la längst nicht nur D&D ist auch nicht mehr als nur eine andere Form von schön nach Schema F fabrikmäßig durchdeklinierter Technik. Solange man seinen Spruch XY überhaupt dabei hat und die Herausforderungen für seinen Einsatz erfüllt sind (Batterie geladen, Muni im Magazin...äääh, ich meine natürlich genügend Spruchslots/Astralenergie/Ausdauer/sonstwas übrig und eventuelle Material- und sonstige Komponenten einsatzbereit 8]), muß man quasi nur noch aufs Knöpfchen drücken und darf dann brav seinen vorgefertigten Zaubereffekt schön nach ISO-Magienorm in die Welt setzen.

Ist D&D5-Magie jetzt also ebenfalls öde und "keine Magie mehr"? :think: Nun, meine persönliche Antwort geht tatsächlich zumindest ein gutes Stück weit in die Richtung -- die regeltechnische Umsetzung vermittelt mir weniger einen intuitiven Eindruck vom persönlichen Können eines Zauberers welcher Art auch immer, als sie sich vielmehr nach dem schlichten Jonglieren mit einer zweiten Ausrüstungsliste anfühlt, und Platz zum freieren Improvisieren und Experimentieren mit der jeweils charaktereigenen Magie (was ja eine offensichtliche Methode wäre, hinzuzulernen) findet man auch bestenfalls in den hinteren Ritzen des Systems, wenn überhaupt. Also suche ich halt mehr oder weniger fröhlich weiter nach einem zumindest für mich "besseren" Magiesystem als dem vorliegenden. :)

duderino:
Aus Eigeninteresse: Bist du bei der Suche schon auf vielversprechende Kandidaten gestoßen? Ich höre manchmal, dass Earthdawn, V:tM und Exalted interessante Magiesysteme haben sollen. Auch Shadowrun scheint mir "above average" (5 oder früher, 6 nie gelesen). Aber so wirklich gefesselt hat mich im Endeffekt noch nichts. Wäre aber auch stark daran interessiert, was "gutes" zu finden.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln