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Daggerheart
Edgar Allan Poe:
Ich habe inzwischen den dritten Spielabend unserer Daggerheart-Kampagne hinter mir. Ich sage explizit "hinter mir", weil es wirklich wirklich anstrengend wird. Ich liebe Daggerheart nach wie vor, aber 2 meiner 3 Spieler tun sich unendlich schwer mit der Freiheit und vor allem mit dem Rollenspiel. Sie gehören zu der Sorte Spieler, die sich vom Spielleiter quasi bespaßen lassen und einfach nur reagieren. Egal wie oft ich ihnen ihre Möglichkeiten und ihre Freiheiten erkläre, sie nehmen davon nichts auf. Offiziell sagen sie mir, sie wollen das und hätten daran auch Spaß ... aber sie setzen es nicht um. Das ist vor allem deshalb auch frustrierend, weil die dritte Person der Gruppe extrem gut ist, frei spielt und wirklich versucht Drama zu erzeugen. Aber sie bekommt von den anderen beiden dann auch gar nichts zurück.
Mehr noch, eine Spielerin spielt ihren Charakter sehr defensiv. Egal welche Hooks und welche Probleme sie in der Welt sieht, ihr Standardspruch ist "Ich gehe weg." oder "Lass uns lieber einfach abhauen." oder irgendein Derivat davon.
Außerdem habe ich das ganze Spiel ein wenig auf "Zombieapokalypse" getrimmt, weil es in der Session 0 noch von allen hieß, dass sie darauf total Bock haben. Nun stellte sich neulich in einem persönlichen Gespräch mit der tollen Spielern heraus, dass sie das eigentlich überhaupt gar nicht mag und nur zugestimmt hat, weil die defensive Spielerin so auf Zombies abfährt. Da stand ich dann wie Ochs vorm Berg. Ich hatte mir schon richtig fette Storyhooks zurechtgelegt, die mit der Apokalypse spielen, die die Spieler dann auch wirklich selbst hätten steuern können.
Nach dem Gespräch hab ich das jetzt alles fallen lassen. Ich werde das Thema "Zombieapokalypse" jetzt in den nächsten ein/zwei Spielabenden abschließen. Und dann werde ich klassischer spielen. Ich werde wieder Abenteuer vorbereiten - ich habe jede Menge Splittermond und Shadow of the Demonlord Abenteuer, die ich alle einfach nutzen werde. Ich fürchte, diese Gruppe wird in dieser Konstellation einfach anders nicht funktionieren.
Namo:
Ich lese hier im Forum ja oft den Ausdruck "ihr spielt ein anderes Spiel". Und genau der Gedanke kommt mir wenn ich das lese. Die Gruppe spielt zwei verschiedene Spiele an einem Tisch und das passt dann nicht wirklich zusammen. Dass hat überhaupt nichts mit Daggerheart zu tun. Das ist ja das Gleiche wie wenn 2 Spieler nur Dungeon Crawl und Monster schnetzeln mögen und ein dritter Spieler (und der SL) eigentlich dauerhaft nur social encounter ausspielen möchte. Sicherlich nicht das optimale Setting für Daggerheart. Wäre in meiner Gruppe genau das gleiche Problem, deswegen würde ich das auch nicht zu Disposition stellen. Es mag eben nicht jeder Spieler wirklich diese Freiheit und Spaß daran die Welt und das Abenteuer on the fly mit zu gestalten. Und das ist ja auch absolut in Ordnung.
Edgar Allan Poe:
Ja, wenn das so ist, ist das natürlich völlig in Ordnung. Es ist nichts absolut nichts Schlechtes dabei, wenn man einfach nur Bock auf Dungeon Crawls hat oder im Gegenteil überhaupt keinen Spaß daran hat. Das ist völlig in Ordnung.
Aber wenn dir die Gruppe offen SAGT, sie WILL Daggerheart spielen und sie WILL die Möglichkeiten nutzen und sie findet die Freiheiten und die Mitgestaltung super - aber das ganze einfach nie umsetzt ... dann sehe ich das Problem eigentlich woanders. Wenn die Spieler es wirklich ernst meinen, was sie mir sagen (und warum sollten sie mich anlügen - es ist ja nicht so, dass wir nicht einfach etwas anderes spielen könnten), dann haben sie schlicht eine Blockade im Kopf. Sie schaffen es nicht, das umzusetzen, was sie umsetzen können. Ich glaube, 20+ Jahre Rollenspiel, das sie immer gleich gespielt haben, verhindern, dass sie das alles anders angehen. Sie fragen mich zum Beispiel mehrfach am selben Spielabend (!), welche Aktionen sie während des Kampfes machen können und ob sie sich von A nach B bewegen können und dann noch angreifen können. Egal wie oft ich ihnen sage: "Ihr könnt soviel machen, wie ihr wollt. Das Spotlight wechselt erst dann zu mir, wenn ihr mit Fear und/oder einen Fehlschlag würfelt." - du kannst davon ausgehen, 3 Minuten später, fragen sie das selbe noch einmal. Sie kriegen es einfach nicht umgesetzt. Und ich glaube, sie werden es nie schaffen. Zumindest 2 der 3 Spieler.
Deshalb werde ich wieder auf Standardabenteuer wechseln und als System einfach Daggerheart nehmen. Und den (wenigen) Input, den ich von den Spielern bekomme, den kann ich auch in vorgefertigte Abenteuer quetschen.
Boba Fett:
--- Zitat von: Edgar Allan Poe am 8.04.2026 | 12:42 ---Aber wenn dir die Gruppe offen SAGT, sie WILL Daggerheart spielen und sie WILL die Möglichkeiten nutzen und sie findet die Freiheiten und die Mitgestaltung super - aber das ganze einfach nie umsetzt ... dann sehe ich das Problem eigentlich woanders. Wenn die Spieler es wirklich ernst meinen, was sie mir sagen (und warum sollten sie mich anlügen - es ist ja nicht so, dass wir nicht einfach etwas anderes spielen könnten), dann haben sie schlicht eine Blockade im Kopf. Sie schaffen es nicht, das umzusetzen, was sie umsetzen können. Ich glaube, 20+ Jahre Rollenspiel, das sie immer gleich gespielt haben, verhindern, dass sie das alles anders angehen.
--- Ende Zitat ---
I second that!
Und möchte hinzufügen, dass die Leute sogar in viel Fällen "glücklich" sind, wenn sie auf die althergebrachte Weise spielen können.
Und das hat nichts mit Kleinhalten zu tun. Manche Menschen wollen eben in der Wohlfühlzone bleiben und so zocken, wie sie das immer getan haben.
Insbesondere, wenn das Rollenspiel als Abwechslung zum Alltag dient, wo man genau das eben nicht kann, weil die Realität da draußen massiv Flexibilität und Anpassungsfähigkeit vorraussetzt.
Dazu kommt eben auch die Notwendigkeit von entsprechender Selbstreflexion UND der Fähigkeit, die entsprechenden Auswirkungen aufs Spiel im Voraus abschätzen zu können. Inwiefern wirkt es sich denn wirklich positiv aus, weitestgehend frei die eigene Kreativität austoben zu können.
Ist es nicht manchmal auch interessanter, dies nur in gesetzten Rahmen zu tun, und zu versuchen das Beste innerhalb der Limits herauszukitzeln.
Und wer kann für sich schon im Voraus sagen, ob ihm das gefallen wird - und wie sieht es mit der Prognose für eine ganze Spielrunde aus?
Neue Systeme klingen für sich erstmal ganz toll und spannend. Ob diese dann alltagstauglich sind, muss sich über die Zeit des Anwendens zeigen.
Namo:
--- Zitat von: Edgar Allan Poe am 8.04.2026 | 12:42 ---Ja, wenn das so ist, ist das natürlich völlig in Ordnung. Es ist nichts absolut nichts Schlechtes dabei, wenn man einfach nur Bock auf Dungeon Crawls hat oder im Gegenteil überhaupt keinen Spaß daran hat. Das ist völlig in Ordnung.
Aber wenn dir die Gruppe offen SAGT, sie WILL Daggerheart spielen und sie WILL die Möglichkeiten nutzen und sie findet die Freiheiten und die Mitgestaltung super - aber das ganze einfach nie umsetzt ... dann sehe ich das Problem eigentlich woanders. Wenn die Spieler es wirklich ernst meinen, was sie mir sagen (und warum sollten sie mich anlügen - es ist ja nicht so, dass wir nicht einfach etwas anderes spielen könnten), dann haben sie schlicht eine Blockade im Kopf. Sie schaffen es nicht, das umzusetzen, was sie umsetzen können. Ich glaube, 20+ Jahre Rollenspiel, das sie immer gleich gespielt haben, verhindern, dass sie das alles anders angehen. Sie fragen mich zum Beispiel mehrfach am selben Spielabend (!), welche Aktionen sie während des Kampfes machen können und ob sie sich von A nach B bewegen können und dann noch angreifen können. Egal wie oft ich ihnen sage: "Ihr könnt soviel machen, wie ihr wollt. Das Spotlight wechselt erst dann zu mir, wenn ihr mit Fear und/oder einen Fehlschlag würfelt." - du kannst davon ausgehen, 3 Minuten später, fragen sie das selbe noch einmal. Sie kriegen es einfach nicht umgesetzt. Und ich glaube, sie werden es nie schaffen. Zumindest 2 der 3 Spieler.
Deshalb werde ich wieder auf Standardabenteuer wechseln und als System einfach Daggerheart nehmen. Und den (wenigen) Input, den ich von den Spielern bekomme, den kann ich auch in vorgefertigte Abenteuer quetschen.
--- Ende Zitat ---
Okay, das ist natürlich auch nochmal eine andere Situation. Zwar immer noch zwei Spiele, aber alle behaupten das gleiche spielen zu wollen. Da finde ich auch, dass du dich nicht länger dran aufreiben solltest (hast ja offensichtlich schon recht viel Herzblut in die ursprünglich angedachte Handlung/Kampagne gegeben) und so spielen, dass es für alle passt. Und für dich eventuell weiter nach einer passenden, weiteren Gruppe schauen, mit der du DH mal so umsetzen kannst, wie du es dir vorstellst. Du scheinst es ja wirklich sehr zu mögen. Und dann ist es frustrierend, es nicht wirklich by the book spielen zu können.
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