Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau
Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
Chaos:
Wozu soll die Hölle überhaupt gut sein?
Werden Seelen nach dem Tod dorthin geschickt? Wenn ja, dann: Sind das Seelen, die gegen einigermaßen objektiver moralische Standards verstoßen haben, oder einfach nur die, die es sich mit den göttlichen Autoritäten verscherzt haben?
Werden besagte Seelen da nur endgelagert, werden sie ihren Verfehlungen entsprechend bestraft, oder werden sie rehabilitiert, damit sie es im nächsten Leben besser machen können?
Diese Fragen müsste man erstmal beantworten, bevor man danach fragt, wie das im Detail aussehen soll?
Menthir:
Es kommt ein wenig auf das Setting an, was und wie eine Hölle wäre, und damit eben auf die jeweiligen (kulturellen) Einflüsse.
Im Großen und Ganzen finde ich sowohl individualisierte Höllen konzeptuell spannend, also jene Art von Hölle, die das Erleben auf das individuelle Opfer dynamisch anpasst, als auch die institutionalisierte Variante, in der quasi großindustriell gefoltert und gematert wird.
In beiden Fällen ist es nicht unbedingt in Bezug auf die Gesinnungen von D&D/Pathfinder oder einer kruden, oberflächlichen Definition von Böse abzustellen für die Effekte, sondern ich finde, dass es sich tiefergehend finden darf. Die Menschheitsgeschichte kennt genügend Beispiele, in denen das Menschengeschlecht sich das Leben höllenartig gestaltet hat, diese können abgewandelt genutzt wurden, ohne hoffentlich die Grenzen des guten Geschmacks zu sprengen.
In meiner Vorstellung beschreibt die Hölle v.a. den Ort des Ausgeliefertseins, in welcher Spielart auch immer, also der eigenen Wirkmächtigkeit verlustig zu sein und quasi Spielball einer unpersönlichen Maschinierie zu sein. In der individualisierten Variante kann es auch etwas persönlicher aufgestellt sein.
Grundsätzlich würde die genaue Ausgestaltung tatsächlich etwas am Setting und dem kulturellen Rahmen hängen, wie schon beschrieben, aber im Grundsatz würde ich die oben genannten Punkte verwenden.
Feuersänger:
Ja, "Hölle" bzw "die Höllen" im D&D-typischen Multiversum erfordern da freilich ein wenig Mentalgymnastik. Einerseits sind sie klar von Dantes Inferno inspiriert - mit den 9 Stufen der Hölle oder was - aber andererseits schlägt halt voll das Polytheismus-Problem zu, das oben schon jemand angesprochen hatte: es steht nicht einer einzelnen Gottheit zu, zu richten über die Lebenden und die Toten.
Ich stelle mir das ungefähr so vor: wenn du zu Lebzeiten eine Schutzgottheit hattest, kommt nach deinem Dahinscheiden deine Seele erstmal in deren Heimatebene. Dort wird sie aber gewogen und, falls für zu leicht befunden, rausgeschmissen und in eine zu deiner tatsächlichen Gesinnung passende Ebene überstellt.
Wenn du dich nun also zeitlebens für einen Anhänger Tyrs hieltest, aber in Wirklichkeit in Gedanken, Worten und Werken nicht LG sondern LE warst, kommst du halt in die Hölle, was ein ziemlicher Überraschungseffekt sein dürfte. Da würde es dann schon passen, dass für eine solche Seele die Hölle wirklich die Hölle ist. (Wenn du hingegen halt nur nicht Rechtschaffen genug warst, sondern lediglich "Neutral-Gut", kommst halt in die Beastlands, nicht weiter tragisch.)
Wenn du aber sowieso in Wahrheit Baal-Anhänger warst und LE deine bewusste Wunschgesinnung ist, dann kommst du _auch_ in die Hölle, aber das empfindest du nicht als schlimm sondern als nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Hey, wenn du dich jetzt gegen all die anderen LE-Maden erfolgreich durchbeisst, hast du eine Chance, selber Teufel zu werden. Yay!
Das ist halt leider (aus Perspektive der Guten) auch ein Bummer, weil Böse Seelen damit nicht einfach entsorgt sind oder man sich sagen kann, dass sie nun ihrer gerechten Strafe zugeführt werden; man muss halt immer damit rechnen dass der Oberhitler schließlich zum Oberteufel wird und noch mehr Unheil anrichten kann.
Edit:
Musste da an diesen Skit denken
https://www.youtube.com/watch?v=9e9xM1zei3A
Grey:
--- Zitat von: Menthir am 26.12.2025 | 18:18 ---In meiner Vorstellung beschreibt die Hölle v.a. den Ort des Ausgeliefertseins, in welcher Spielart auch immer, also der eigenen Wirkmächtigkeit verlustig zu sein und quasi Spielball einer unpersönlichen Maschinierie zu sein.
--- Ende Zitat ---
Das kommt dem Abgrund des Chaos im Heroen-Regelwerk von Red Baron und mir schon recht nahe. Ich zitiere aus der Weltbeschreibung:
Im Chaos sind alle Unterschiede aufgehoben, selbst so grundlegende Unterscheidungen wie vorn oder hinten, heiß oder kalt, fest oder flüssig, lebendig oder tot.
... und damit ist jedes Wesen, das dort landet, vollständig der Willkür eines gleichgültigen Zufalls ausgeliefert. Schließlich kannst du nur über dich selbst verfügen, wenn irgendeine Form von Ursache/Wirkung-Prinzip gilt, sodass deine Entscheidungen und Handlungen kalkulierbare Auswirkungen haben. Das ist im Abgrund des Chaos nicht der Fall.
Allerdings wird niemand von einer Gottheit dorthin "verbannt". Im Gegenteil, die Götter achten darauf, die Seelen der Verstorbenen einigermaßen unter Kontrolle zu behalten (auch an ihren Orten der Bestrafung und Läuterung). In den Abgrund des Chaos verschlägt es nur diejenigen, die sich dem Wirken sämtlicher Schöpfungsgottheiten entziehen, indem sie z.B. mit dämonischen Ausgeburten des Chaos paktieren.
Menthir:
@Grey
Vielen Dank für den Hinweis. :-)
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln