Medien & Phantastik > Lesen
Reading Challenge 2026
Albrun Gebikung:
Das erste Buch hab ich tatsächlich auch schon durch:
"Die Hand des Omega" von Ben Aaronovitch (ein Doctor Who Roman) - 238 S.
Menthir:
#2 - Nikolaus Braun - Über Geld nachdenken - Klug entscheiden, gelassen bleiben, Lebensqualität gewinnen
Dann und wann lese ich in Absprache mit Freunden ja bekanntlich die ein oder andere Ratgeberliteratur, und in diesem Sinne ist auch dieses Werk zu betrachten. Jetzt muss man dazu wissen, dass ein Großteil meines Freundeskreises aus Schultagen in die Richtung BWL/VWL studiert hat, und dabei die unterschiedlichsten Lebensentwürfe bei herausgekommen sind. Ich hingegen bin ein Finanzmuffel und dieses Buch sollte mich zum Nachdenken darüber anregen.
Ich nehme es vorweg, ich bleibe Ratgeberliteratur gegenüber kritisch. Dem Werk von Dr. Braun muss man lassen, dass es relativ unprätentiös daherkommt. Es verspricht weder wilde Rendite, keine komplexen Winkelzüge, noch verspricht es den Himmel auf Erden. Es geht relativ offen mit den Themen Risiken und Absicherungen um und entwickelt ein relativ einfaches Konzept, welches darauf basiert, eine solide, wenn auch nicht perfekte Grundsatzentscheidung zu treffen und dann einfach die Auf und Abs des Kapitalmarktes mit relativ wenig Steuerung zu ertragen, um dann nach einer Zeit x oder y von der statistischen Durchschnittsrendite zu profitieren.
Dabei geht er selbst mit der Verkaufstaktik von Maklern und provisionsgebundenen Akteuren ins Gericht und warnt vor der ein oder anderen Stolperfalle.
Das ist alles ehrenrührig.
Ansonsten basiert das Werk vor allem auf common sense und dem ein oder anderen Einsprengsel von Daniel Kahnemanns Schnelles Denken, langsames Denken, und bringt ein paar Beispiele aus dem Leben. Abgeschlossen wird es quasi damit, dass eine Lanze für Honorarberater statt Provisionsberater gebrochen wird.
Hat es mich tiefer angeregt? Nein. Hat es ein paar Sorgen vor der Thematik genommen? Ja.
Insofern ist es für Interessierte sicher lesenswert, wie man sich dem Thema nähern kann, ohne in Panik zu verfallen oder gleich enzyklopädisches Wissen aneignen zu müssen. Ergibt sich aus der Leküre automatisches Verständnis? Nein, dafür geht sie nicht genug ins Detail. Will das Werk auch nicht.
So bleibt es ein entspannter, unaufgeregter Einstieg.
5,5 von 10 Punkten
Menthir:
#3 - James Graham-Campbell - Viking Art
Ein kleines, unaufgeregtes Büchlein über die Kunst der Wikinger, welches vor einiger Zeit nochmal umfassend aktualisiert worden ist. Das Buch selbst ist literarisch kein Genuss und in seinen wissenschaftlichen oder kunsthistorischen Erkenntnissen meines Erachtens nicht aussagekräftig genug.
Alles ist so ein wenig bedacht, minimal ein wenig Quellenkritik, ein wenig historische und/oder archäologische Einordnung, ein bisschen Typenlehre, aber nichts geht wirklich ins Detail. Insofern ist dieses Werk eher als ein kleines Übersichtswerk über die sich entwickelnden und sich ergänzenden Kunststile zu verstehen, mit ein wenig Exkursarbeit in Themen des Kulturtransfers zwischen der angelsächsischen bzw. der irischen und der jeweils skandinavischen Welt sowie in den Bereich des künstlerischen Synkretismus zwischen altem Kult und neuem Christentum hinein.
Was dem Werk die Durchschlagsfähigkeit nimmt, ist, dass ein Großteil des Textes einfache Werkbeschreibung ist. Darüber hinaus ist es ehrlich zu sich, und beschreibt, wo es nur Mutmaßungen anstellen kann. Tatsächlich hätte ich mir für so ein Werk gewünscht, dass selbst beim Überblickscharakter ein wenig zur handwerklichen/künstlerischen Tradition und zur handwerklichen/künstlerischen Technik erzählt werden würde; und kulturell ein umfassenderes Bild zur Nutzung der Kunststile gegeben würde. So beschränkt es sich - übertrieben gesprochen - auf ein paar Fallbeispiele und der Erkenntnis, dass ein Gros der Wikingerkunst verloren gegangen ist, da ein Gros auf vergänglichen Materialien gefertigt wurde, wie Holz, Leinen oder anderen vergleichbaren Werkstoffen.
Für einen allerersten Einblick ist es dennoch ausreichend, und was das Buch eindeutig rettet, sind die wundervoll ausgewählten Bilder der Werkstücke.
5 von 10 Punkten.
Menthir:
#4 - Seamus Heaney - Beowulf
Nachdem ich mich im letzten Quartal des Jahres 2025 mit Tolkiens Beowulf beschäftigt habe, suchte ich nach einer anderen, sprachlich nicht so wortwörtlichen und moderneren Fassung und habe diese in der Variante des irischen Literaturnobelpreisträgers und Literaturwissenschaftlers Seamus Heaney gefunden.
Die Werke unterscheiden sich deutlich, da Tolkien sein Werk vor allem sprachgeschichtlich und philologisch aufbereiten wollte, sich recht nah am Original in seiner Übersetzung bewegt und durch die Annotationen das Werk umfassend bereichert. Heaneys Ansinnen ist eine saubere, wie eindringliche Übersetzung, die sich aber nicht allein frühmittelalterlich-aristokratischer Zierde und Schwere hingeben will, sondern sie eher auch dem einfachen Manne in den Mund legen will, und auf die Wirkung des Epos ausgelegt ist. Heaney beschreibt das anhand seiner eigener Geschichte in seinem Vorwort.
Ich habe diese Übersetzung ebenfalls mit großem Gewinn gelesen, weil Heaney eine moderne, immer noch sprachverliebte, wenn auch nicht ganz so sprachgewaltige Übersetzung schafft, die dafür aber leicht und eingängig zu lesen ist. Darin liegt eine große Stärke dieses Werkes, denn es überbrückt die knapp 1000-1500 Jahre seiner ursprünglichen Erschaffung. Tolkiens Werk dagegen ist durch seine Sprachfiguren absichtsvoll gewaltiger, aber meist auch behäbiger. Heaneys Werk lädt zum mündlichen Vortrag, zur Rezitation der Übersetzung ein; Tolkiens Werk nicht so sehr. Wer also nicht des Angelsächsischen mächtig ist, aber gerne Beowulf im Sinne der Dichtung rezitieren möchte, macht hier nichts falsch.
Wiederum hat das Werk den Einstieg in Beowulf nochmal vereinfacht und den Umgang damit vertieft. Denkfiguren in Tolkiens Werken sind mir - als Nebenprodukt von Heaneys Schaffen - noch deutlicher geworden, was meine eigene Beschäftigung mit der Thematik nochmal beflügelt hat.
Die Variante, die ich gelesen habe, ist zudem auch durchgehend illustriert. Die Qualität ist im Regelfall hoch und passend, und schafft Atmosphäre, ohne dem Leser die Kreativität zu nehmen. Dafür ist das Werk nicht so gut begleitet und in Kontext gesetzt, wie Tolkiens Werk es ist. Beide Werke haben sich m.E. aber sehr verdient um die Thematik gemacht. Beide würde ich ohne zu zögern ein zweites Mal in die Hand nehmen. Beiden Werken ist zu attestieren, dass sie das ewig Dräuende des Werkes gut einfangen.
9 von 10 Punkten
Albrun Gebikung:
Die letzten Urlaubstage habe ich noch genutzt, ein weiteres Buch von Ben Aaronovitch zu lesen. "Eine Nachtigall in New York", (206 S.) was quasi ein Ableger seiner Flüsse von London-Reihe ist und eine Geschichte von Thomas Nightingale in den 1920ern erzählt. Wieder aus der Ich-Perspektive einer anderen Person, dieses Mal eines leichtlebigen, adligen, ehemaligen Casterbrook-Schulkameraden von Thomas. Der Background desselben (schwul, verpartnert mit einem Schwarzen, Crossdresser) war mir zwar fast ein wenig too much, aber die Geschichte liest sich kurzweilig und fügt sich ganz gut in die Lore ein.
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