Medien & Phantastik > Lesen
Reading Challenge 2026
Sard:
#07 Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Leichter Unterhaltungsstoff mit eine Prise Humor und "nett" gemach, immer gut zu lesen, weil die Kapitelhäppchen (1 bis vlt. 8, zumeist 2 bis 5 Seiten) ideal zugeschnitten sind, für "mal schnell noch ein paar Seiten lesen". Die Erzählsprache ist durchaus frisch und "munter". Soweit so gut - aber mir fehlte schon etwas die Spannung und am Ende bleibt bei der "Fülle von Fällen im Fall" schon der Eindruck des "zu sehr konstruierten", aber fällt das nicht so sehr ins Gewicht, weil ich gut dranbleiben konnte. Insofern hat das Buch seinen Zweck erfüllt, mich wieder mehr "ins Rollen", sprich Lesen, zu bekommen.
Aber das was mir fehlt verhindert eine bessere Bewertung.
10 von 15 Punkten
#08 Die Stunde des Löwen von Deon Meyer
Man verzeihe mir das: "Bumm!".
"Meneer" Deon Meyer kann schreiben und erwischt mich jedes Mal aufs Neue.
Sehr geschickt verknüpft der Autor die Fäden der Ermittler Bennie Griessel und Vaughn Cupido und deren Privatleben mit einer toten Bikerin und der Staatsplünderung des letzten Präsidenten und seinen Machenschaften, einer irgendwie in Teilen sehr sympathischen Gangstergruppe und und und ... ich will jetzt das Buch nicht nacherzählen, aber Deon Meyer strickt eine Story, die immer dichter wird und von einem breiten aber super stimmungsvollen Erzählen in ein Finale-Stakkato mündet.
Bei 2/3 gab es einen kurzen und nur minimalen Dichteabfall (der aber immer noch eine 12/15 wäre).
Da dies der neunte Fall von Benie Griessel ist, nicht unbedingt mit diesem beginnen - ich habe jetzt 16 Bücher von ihm gelesen (alles was auf Deutsch veröffentlicht wurde) und kein Buch ist ein Ausfall. https://www.buecherserien.de/deon-meyer/
14 von 15 Punkten
Gondalf:
Marc Aurel, Selbstbetrachtungen: Philosoph und Kaiser des Römischen Reiches, gilt als „Sinnbild des guten Herrschers“ SWR. Schmuckausgabe in Cabra-Leder mit Goldprägung (Cabra-Leder-Reihe, Band 12)
Musste auf einen Termin warten, Zeitthema und habe dieses gute Stück gesehen und angefangen um die Zeit zu überbrücken. Marc Aurel war für mich interessant als römischer Kaiser wahr mir der Name schon ein Begriff (nicht nur aus Gladiator ::) ~;D ), mir wurde auch zu Epiktet geraten. Nunja, es ist Marc geworden.
Unterteilt in 12 Bücher mit vielen Versen. Die Übersetzung soll wohl nicht die Beste sein, möglicherweise lag es daran, dass ich mit einigen Absätzen echt zu kämpfen hatte.
Es gab oft lange, geschwollene Bamdwurmsätze, die ich teils schwer zu verstehen fand.
Aber auch eine Fülle an Gedanken, für ein Buch mit circa 1800 Jahren auf dem Buckel wirkt es überraschend zeitlos. Viele Sätze und Gedanken sind geradezu modern.
Ich fand es auf jeden Fall interessant und ich persönlich habe dann auch noch parallel über die Person, das Buch, die Stoa ein bisschen was gelesen. Das hat das Gesamtpaket noch abgerundet.
Bewerten möchte ich es nicht, es ist Weltliteratur, da eine x von xy zu geben scheint mir anmaßend. Ich bereue den Kauf jedenfalls nicht.
6/20
Clawdeen:
10/40: Stephen King: Finderlohn (Bill Hodges-Trilogie 2)
Dieser zweite Teil knüpft sehr lose an den ersten an, aber ich mochte ihn. Da Ton und Inhalt gemäßigter sind, was viele Dinge angeht (vgl. meine Wertung von Teil 1), mag ich ihn auch mehr als den ersten.
Im Grunde ist Teil 2 einfach ein Thriller ohne übernatürliche Dinge (auch wenn solche vage angedeutet werden in bestimmten Szenen, wahrscheinlich Foreshadowing), der auch für sich allein stehen kann. Die Verbindung zu Teil 1 besteht fast nur in der subtil eingewobenen Erwähnung/Verknüpfung von Orten, Dingen und dem Protagonisten (der hier erst sehr spät auftaucht und eher Nebenfigur ist). Hat mir aber gut gefallen, fand ich recht clever.
Bin demnach mal gespannt auf Teil 3 (und später irgendwann auf die umgesetzte Netflix-Serie).
Menthir:
#15 Samira Akbarian - Recht brechen - Eine Theorie des zivilen Ungehorsams
Ein kluges, kurzes Buch bzw. eine Konzeptschrift einer für die Demokratie lebenswichtigen Form des Ungehorsams. Es argumentiert, dass ziviler Ungehorsam nicht bloß Regelverletzung ist, sondern unter bestimmten Bedingungen als demokratisch produktive Praxis verstanden werden kann, ja sogar als eine Art Verfassungsinterpretation neben dem geltenden Recht beschrieben werden darf.
Kritisch gelesen ist das Buch für mich dort am stärksten, wo es den nichtfesten Kern demokratischer Ordnung freilegt. Demokratie ist eben nicht nur Mehrheitsmechanik, sondern ein konfliktbehaftetes, immer zu wiederholendes Aus- und Verhandlungsverhältnis zwischen Recht, Moral, politischer Teilhabe und öffentlicher Zumutung. Akbarian zeigt, dass ziviler Ungehorsam gerade dort sinnvoll wirkt, wo Verfahren blinde Flecken produzieren und/oder formales Recht (oder in ihren Worten: einfache Gesetze) die demokratische Idee verfehlt.
Die Interpretierbarkeit der Verfassung und der unstete Kern der Demokratie rufen fast nach einem Wortspiel, das der Titel selbst provoziert. Recht brechen heißt zunächst: das Recht brechen, also Normen überschreiten, um auf deren Unrecht oder Unzulänglichkeit zu zeigen. Doch recht brechen lässt sich auch als sprachliche Diagnose lesen: das Recht so lange technisch zu brechen, zu zerlegen und zu überformen, bis es nicht mehr atmet, sondern nur noch funktioniert. Ein überregulierter Rechtskörper, der zwar korrekt, aber nicht mehr gerecht ist, produziert den Reflex des Abstoßens. In diesem Sinn ist das Recht brechen fast ein moralisch aufgeladenes technisch richtiges Kotzen im Sinne von recht, also richtig, brechen: der Körper der Demokratie stößt eine Rechtsordnung aus, die zwar sauber kodifiziert, aber innerlich verdorben oder von den Grundsätzen von Freiheit und Gleichheit entkoppelt wirkt. Das zeigt, wie leicht Legalität und Legitimität auseinanderlaufen können; und warum dann ziviler Ungehorsam wiederum notwendig wird, um das zu begradigen.
Ich werde gerne über das Buch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis diskutieren und in diesem Sinne kann ich auch eine Lesempfehlung aussprechen.
8,5 von 10 Punkten
Menthir:
#16 Claudia Mende - Wir sind anders, als ihr denkt - Der arabische Feminismus
Es ist ein kurzer, wertvoller Einblick in die Welt des arabischen Feminismus. Gleichwohl ist es wahrscheinlich kein vollständiger Überblick.
Mende gelingt es, den arabischen Feminismus als vielstimmiges Geflecht sichtbar zu machen, statt ihn auf Schlagworte oder Stereotype zu reduzieren. Die eingefangenen Stimmen der Aktivistinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen sowie die Einlassungen der Autorin verweben sich zu einem stimmigen Einblick, der zeigt, dass arabischer Feminismus kein monolithischer Block, sondern eher ein Mosaik aus lokalen Kämpfen, kulturellen Kontexten und politischen Spannungen ist. Gerade für ein deutschsprachiges Publikum, in dem diese Perspektiven unterbelichtet bleiben oder durch mediale Verzerrung gefiltert werden, ist das gelungener Einstieg, ohne dass dieser akademisch oder in seiner Detailtiefe überfordert.
Besonders stark ist die Binnenkritik, die Mende sichtbar macht. Der Blick richtet sich nicht nur nach innen in die jeweiligen Gesellschaften, sondern auch nach außen, bspw. auf den westlichen Feminismus. Dessen Anspruch auf Universalität wird hinterfragt, sein gelegentlicher Elitenstatus offen kritisiert. Das geschieht nicht polemisch, sondern analytisch. Wer spricht für wen? Wessen Erfahrungen werden als Maßstab gesetzt? Und welche Stimmen bleiben dabei ungehört? Sichtbar wird das auch anhand der entwaffenenden Versuche, einen Staatsfeminismus zu setzen, um individuelle Entwicklungen und Aktivismus zu schwächen.
So eindrucksvoll die Vielfalt angerissen wird, so sehr hätte man sich an manchen Stellen eine noch systematischere, vergleichende Perspektive gewünscht. Die Unterschiede zwischen einzelnen arabischen Staaten, politisch, rechtlich, gesellschaftlich oder religiös, blitzen zwar immer wieder auf, werden aber selten konsequent nebeneinandergestellt. Ein stärker ausgearbeiteter Vergleich hätte die ohnehin schon spannende Vielfalt noch plastischer gemacht und dem Leser zusätzliche Orientierung geboten.
Als Einführung ist dieses Werk dennoch bemerkenswert gelungen. Es schafft etwas, das vielen Sachbüchern misslingt, denn es belehrt nicht von oben herab, sondern lädt ein, mitzudenken und möchte zunächst erst einmal Augen öffnen. Mende schreibt zudem sehr zugänglich, ohne zu simplifizieren, und differenziert, ohne sich in akademischer Details zu verlieren.
Mir selbst hat es auf jeden Fall neue Perspektiven erschlossen.
8 von 10 Punkten
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln